Heiner Müller Gesammelte Irrtümer 1-3

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Inhaltsangabe zu „Gesammelte Irrtümer 1-3“ von Heiner Müller

Preisgünstig: Die drei Bände in Kassette. Neben seiner Arbeit als Dramatiker hat Müller immer wieder in Gesprächen mit Journalisten und Kollegen das Zeitgeschehen kommentiert und dabei das Genre des Interviews zu einer eigenen Kunstform gemacht. Kluge Irrtümer sind diesem Autor wichtiger als banale Wahrheiten, auf den Gang eines Gedankens legt er größeren Wert als auf dessen Ergebnis. "Heiner Müllers Interviews sind nicht schlechter als seine Stücke und in der Regel spannender als ihre Inszenierungen." (Frankfurter Rundschau) "Viel Geistreiches und Hochwitziges. Ein überaus empfehlenswerter Müller-Reader." (Theater heute)

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  • Rezension zu "Gesammelte Irrtümer 1-3" von Heiner Müller

    Gesammelte Irrtümer 1-3
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    10. August 2010 um 11:30

    Das Interview zu einer Kunstform erheben, das ist es doch. Das persönliche Gespräch mit in den künstlerischen Kosmos einbauen und als Fortführung des eigenen Werkes verstehen. Alexander Kluge tut dies seit Jahren. Lädt Irre und weniger Irre ein, die mit ihm über den Partisanen der Gefühle philosophieren oder Oskar Negt, der kommt immer, das ist Kluges Kumpel, ein alternder Kommunist mit ziemlich klaren Vorstellungen vom gerechten Leben, ohne von diesem Punkt aus die Hochmoral auszupacken. Oder Helge Schneider, der dann den U-Boot-Kommandanten gibt, oder Peter Berling, der Hitlers Leibwächter darstellt. Immer wieder zeigt sich, dass das improvisierte Gespräch als Experimentierkasten ein paar Explosionen bereithält, bei denen einem dann alles um die Ohren fliegt, die am Ende aber wirklich aus Blei haben Gold werden lassen. Einer der ersten, der das Interview zur Kunstform erhob, war Heiner Müller, die süffisant lächelnde Theatersphinx der DDR-Literatur, der spätestens in seinem postdramatischen Spätwerk alle Kategorien über Bord warf, alle Dramaturgie sausen ließ und nur noch schwerverständliche Monumente auf die Bühne hob. Müller und Kluge waren sehr gute Freunde, Menschen, die sich miteinander unterhielten, ohne dass es konkret und damit einseitig und eindeutig wurde. Jeder Satz iein Kaltstart fürs Gehirn, weil keiner den anderen in eine Ecke drängte oder auf irgendeine Meinung pochte. Müller redet kryptisch, nahezu von Anbeginn seiner Zeit als Dramatiker. Den realistischen Sozialismus hinter sich lassend, entwirft er große Historiengemälde, die spätestens in der Hamletmaschine mit einem Abgesang auf die Geschichte enden. Und somit auch mit der Struktur des klassischen Theaters. Von dieser Baustelle aus redet Heiner Müller über Robert Wilson, Bertolt Brecht und andere Dinge. Über Drogenerfahrungen, über US-Aufenthalte, über Sinn und Struktur von Theater. Ich hatte diese Bände jahrelang durch die Gegend geschleppt, um sie immer wieder zu lesen. Und um zu erkennen, dass Heiner Müller ein Pionier auf dem Gebiet des Interviews war. Jemand, der Gespräche irgendwann genauso ernst nahm wie die eigenen Stücke, und dessen Gespräche daher immer wie gutes Theater wirkten. Wenn ich die Wahl hätte, einem Gespräch zwischen Kluge und Müller zu lauschen, einem Monolog von Christoph Schlingensief, Müllers heimlichem Nachfolger, zuzuhören oder stattdessen Freikarten für Bayreuth, die Wiener Festwochen oder fürs Stadttheater zu bekommen, die Entscheidung würde wohl eindeutig für Whiskey im Kaffee und endloses Gerede ausfallen. Denn das beste Theater findet zwischen zwei Stühlen statt, auf denen zwei Menschen sitzen, die Denken als Experiment auffassen, damit grandios scheitern und gerade deswegen zauberhafte Gedankengänge ausbaldowern können. Geld fürs moderne Theater kann man sich nach dieser Lektüre wahrlich schenken. Hier wird zwischen zwei Buchdeckeln gedacht.

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