Ansichten eines Clowns

von Heinrich Böll 
4,1 Sterne bei425 Bewertungen
Ansichten eines Clowns
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Neue Kurzmeinungen

Positiv (326):
Jassi1993s avatar

Auf seine eigene Art und Weise sehr fesselnd!

Kritisch (24):
Godelewas avatar

Ich kann nichts Überzeitliches darin erkennen.

Alle 425 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Ansichten eines Clowns"

Der Klassiker von Heinrich Böll, jetzt in einer limitierten Sonderausgabe
»Ich bin ein Clown, im Augenblick besser als mein Ruf.« Hans Schnier, einst ein gefragter Pantomime und Spaßmacher, sitzt, nachdem ihn seine Frau verlassen hat, zum Bettler degradiert auf den Stufen des Bonner Bahnhofs.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783423146067
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:304 Seiten
Verlag:dtv Verlagsgesellschaft
Erscheinungsdatum:13.10.2017
Das aktuelle Hörbuch ist bei DHV Der HörVerlag erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    Aliknechts avatar
    Aliknechtvor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Nach über 50 Jahren wiedergelesen mutet dieser Roman fremd an.
    Katholische Luft

    Vor sechs Jahren hatten sie zum ersten mal  "die Sache miteinander gemacht". Hans Schnier, der verlorene Sohn einer hartherzigen Mutter und eines sympathischen Braunkohle-Industriellen, und Marie Derkum, die Tochter eines sympathischen Kommunisten, konnten aber nicht heiraten, weil er diesen verfluchten Schein mit der Verpflichtung zur  katholischen Erziehung der gemeinsamen Kinder nicht hatte unterschreiben wollen. 

    Nun hatte Marie ihn verlassen und den zielstrebigen und erfolgreichen Katholiken Züpfner geheiratet. Damit bricht für Hans Schnier alles zusammen, nicht nur seine Karriere als Clown. In großem Liebesschmerz erinnert er sich an die Zeit mit ihr. 

    Die Figuren um ihn herum haben vor noch nicht allzu langer Zeit mit unterschiedlichem Eifer den Nationalsozialismus mitgestaltet oder miterlitten. Seine Schwester Henriette wurde in den allerletzten Tagen als Flakhelferin in den Tod geschickt. Aber nun ist man voller Zuversicht am Wiederaufbau  und vor aller Augen entfaltet sich das Wirtschaftswunder der Bonner Republik. Von Träumern wie Hans Schnier, die eine akademische oder eine Braunkohle-Karriere in den Wind schlagen und am Schluss mit der Gitarre und einem Hut auf der Treppe am Bonner Bahnhof sitzen, hält man wenig. 

    Nach etwa 50 Jahren wiedergelesen mutet dieser Roman fremd an. Er hatte damals Störungspotential, das heute nur noch schwer nachvollziehbar ist. Der Kampf zwischen den beiden großen Konfessionen hat nicht zu Sieg oder Niederlage,  sondern in eine nahezu religionslose Wüste mit ein paar ökumenischen Oasen geführt.  Der religiösen Brisanz wurde in Deutschland auch durch die starke Durchmischung der Bevölkerung durch Flucht und Vertreibung der Giftzahn gezogen und man steht nun religiösen Angelegenheiten leidenschaftslos und eher desinteressiert gegenüber.  

    Mit der nationalsozialistischen unmittelbaren Vergangenheit findet eine fast sprach- und hilflose Auseinandersetzung mit all jenen statt, die bereits wieder unter neuen Flaggen mächtig geworden sind. Für diesen Clown mit seiner merkwürdigen  Verweigerungshaltung war aber die Zeit noch nicht reif. Ein Jahrzehnt später entwickelten sich solche Haltungen zu mächtigen Trends. Die stärksten Teile dieser Geschichte kreisen um den  tiefen Trennungsschmerz, der unter allen politischen Konstellationen immer schwer zu ertragen ist. Wenn dieser Clown Comedian wäre, würde man ihn heute vielleicht auch besser verstehen. 

    Ausgabe: Heinrich Böll, Ansichten eines Clowns Roman
    dtv-taschenbuch, München, 1970

    Autor: Heinrich Böll (1917-1985) 
    Georg-Büchner-Preis 1967
    Nobelpreis für Literatur 1972

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    L
    Liebes_Buchvor einem Jahr
    100 Seiten zu lang

    Das Buch fängt super an und Heinrich Böll schafft es, 100 Seiten lang Spannung zu erzeugen, obwohl der Held der Geschichte nur raucht, trinkt, telefoniert und badet. Der Inhalt ist nur schwammig. Das Buch erzeugte grosse Resonanz, weil die Leser darin Kritik an der katholischen Kirche sahen, wovon Böll später jedoch Abstand nahm (schreiben Berichte). Das passierte damals 1967.  Ich heute kann das Buch kaum verstehen.
    Ein junger Mann, der als Clown tingelt, sehnt sich nach seiner Freundin, die ihn verlassen hat, weil er nicht heiraten will. Ihm gefällt das Beziehungsmodell der Konkubine besser. Weil er Marie so liebt und so vermisst, leidet er sehr.
    Wie Marie selber ihre Zukunft gestalten möchte, interessiert ihn nicht, er gibt der Kirche die Schuld. Marie wird hauptsächlich auf Sex reduziert und als von den Katholiken ferngesteuert dargestellt. Er liebt sie, aber ihre Interessen langweilen ihn so.
    Vielleicht möchte sie einfach ihr Leben nicht so wegwerfen wie er? Wir erfahren es nicht. Die Frage scheint: Wieso muss ich heiraten, wenn ich mit meiner Freundin schlafen möchte und wieso hat meine Freundin von mir die Nase voll? Es ist so ein Ich-finde-alles-Scheisse-und-weiss-nicht-was-mit-mir-los-ist-Text, der keinen Kritikpunkt herausarbeitet, der aber mit Bölls literarischen Talent erfüllt ist. Gekürzt wäre es genial gewesen.
    Angedeutet wird der Konflikt mit den Nazi-Eltern, der anscheinend in der Kirche sich fortsetzt. Die ganze Gesellschaft war auf Drill, Leistung und Gehorsam aufgebaut. Die Christen waren da keine Ausnahme.
    Der Clown verweigert sich.
    Vielleicht ist das der Kern des Buches.
    Teilweise genial, teilweise inhaltslos. Man muss wohl die Zeit miterlebt haben, um daraus schlau zu werden.
    Geschichten von Figuren, die sich den Ansprüchen der Gesellschaft verweigern, faszinieren mich. Ich vermute, dass das Buch darin viele Leser ansprach.

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    carlacatss avatar
    carlacatsvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Einerseits banale ‚Alltagsgeschichte‘, andererseits tiefblickend und ergreifend.
    Mehr oder weniger der typische (kritische) Böll.

    Wie stets, ist auch dieses Werk Bölls ein Spiegel deutscher ‚Nachkriegszeit‘ mit allen Facetten der für Böll so unliebsamen Scheinheiligkeit und Selbstverlogenheit von Politik und Kirche, auch wenn Böll später bestreitet, das Werk sei von Anti-Katholizismus geprägt.

    Beschrieben wird die Figur des Hans Schnier, der als Freigeist gegen alle Familientradition sich entscheidet, nicht eine Laufbahn als Unternehmer oder auch Politiker anzutreten, sondern sein Auskommen als recht erfolgreicher ‚Clown‘ (Komiker) hat. Er geht eine Beziehung zu einem streng katholischen Mädchen ein, welche allerdings über der Diskussion, auf welchem Wege die Heirat und spätere Erziehung der Kinder zu erfolgen habe, in die frühzeitigen Brüche geht. Schnier ergibt sich dem Alkohol und erlebt einen rasanten Abstieg.

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    Buchgespensts avatar
    Buchgespenstvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Melancholisch und wunderbar!
    Ein Klassiker, der sich lohnt

    Hans Schnier hat seinen Job als Clown verloren. Er ist völlig pleite und deprimiert. In der Gesellschaft des Alkohols sinniert er über sein bisheriges Leben nach. Es kommt zu Auseinandersetzungen mit seinem Vater, seiner Freundin und diversen Freunden.

    Es war das erste Buch, das ich von Böll gelesen habe. Es ist melancholisch, aber, meiner Ansicht nach, endet es positiv. Die Hauptfigur hat sich mit allem konfrontiert, was bei ihm schief gelaufen ist. Es ist wie eine Katharsis, jetzt ist er bereit für einen neuen Anfang.

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    Hamlets_Erbins avatar
    Hamlets_Erbinvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Stimmige Darstellung einer gescheiterten Beziehung & gelungenes Porträt der Adenauer-Ära.
    Der Mief der Adenauer-Ära

    "Nicht einmal der Teufel kann so scharfe Augen haben wie Nachbarn." (S.60)

    Inhalt: Der Clown Hans Schnier kehrt nach längerer, berufsbedingter Abwesenheit in seine Heimatstadt Bonn zurück. Er ist pleite, am Knie verletzt und leidet unter Liebeskummer, weil er von der Frau mit der er sechs Jahre in wilder Ehe gelebt hat, verlassen wurde. In seiner Wohnung angekommen, ruft er diverse Bekannte an, um etwas über ihr gegenwärtiges Leben in Erfahrung zu bringen und sich Geld zu leihen. Dabei erinnert er sich an seine Vergangenheit.

    Meinung: Der Roman ist in einer Sprache geschrieben, die es dem Leser leichtmacht - unprätentiös, gerade heraus, fast wie hingeworfen. Dadurch spürt man hinter den Worten die Stimmung des Ich-Erzählers. Ob Zorn, Verwunderung, Leidenschaft oder Melancholie: Der Leser kommt der Romanfigur durch die Unmittelbarkeit der Sprache sehr nahe.
    Die eigentliche Romanhandlung erstreckt sich über wenige Stunden, gewinnt aber durch die Erinnerungen Hans Schniers biographische Länge. Schnier denkt an seine Kindheit in Nazideutschland zurück, an seine tote Schwester, sein erstes Mal mit seiner Geliebten Marie und an ihre sechsjährige Beziehung. Er schildert den Alltag einer wilden Ehe, die, obgleich von finanziellen Sorgen belastet (aufgrund seiner ungesicherten künstlerischen Existenz), doch relativ stabil war, bis sich eine katholische Gruppe einmischte.
    Böll kritisiert katholische Vereinsmeierei und die Atmosphäre der Adenauer-Ära, die es vielen Opportunisten und Verbrechern der Nazi-Zeit gestattete, Karriere zu machen, weil man an der Aufarbeitung der Vergangenheit nicht  interessiert war. Sein Roman ist voller starker Szenen, die sich tief ins Lesegedächtnis eingraben.
     
    "Daß Kritiker kritisch sind, ist nicht das Schlimmste an ihnen, sondern daß sie sich selbst gegenüber so unkritisch und humorlos sind." (S.174)

    Kommentare: 6
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    dots avatar
    dotvor 2 Jahren
    "Ansichten eines Clowns" von Heinrich Böll

    "Ansichten eines Clowns" von Heinrich Böll ist ein Roman über Hans Schnier, der als Clown mit viel Ironie sowohl die politischen- als auch die gesellschaftlichen- sowie die religiösen Verhältnisse der Nachkriegsgesellschaft kritisiert. Seine langjährige Freundin Marie hat ihn für einen Katholiken verlassen und nachdem er seine Tour abbricht, kehrt er niedergeschlagen nach Bonn zurück. [...]


    "Ansichten eines Clowns" ist eine melancholische und gesellschaftskritische Geschichte, die einen guten Einblick in die Zeit nach dem 2. Weltkrieg ermöglicht.

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    A
    Angelinvor 5 Jahren
    Trauer eines Clowns

    Nach einem verpatzten Auftritt kehrt der Clown Hans Schnier nach Bonn zurück, doch in seinem Leben ist mehr schiefgegangen als sein kaputtes Knie: seine Eltern haben seine geliebte Schwester noch in den letzten Tagen des Krieges an die Front geschickt; als Clown lacht er vergeblich gegen die Bonner Restaurationsrepublik und ihre Bonzen an; er ist pleite; seine wilde, romantische Ehe mit Marie ist zu Ende, denn sie ist zu den Katholiken übergegangen. In seiner rostfarbenen Wohnung telefoniert sich der Clown durch ganz Bonn und wettert gegen eine Mentalität, die ihn als Mensch nicht sein lässt: Opportunisten, Vergangenheitsvertuscher, scheinheilige Katholiken, heimliche Nazis. Vergeblich sucht Schnier nach einem Menschen mit Seele, nach Mitgefühl, Trost und Barmherzigkeit. Mehr als sein kaputtes Knie schmerzt ihn die Melancholie, das Symptom eines Menschen, der mahnt und an der Welt verzweifelt. Freilich: das Bild, das Schier von Bonn zeichnet, ist von boshafter Satire, es ist just dieser Humor, der Bölls Roman ungeheuer unterhaltend und zu einem meiner Lieblingsromane macht. 

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    HoneyBunnys avatar
    HoneyBunnyvor 7 Jahren
    Rezension zu "Ansichten eines Clowns" von Heinrich Böll

    Eins meiner absoluten Lieblingsbucher!

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    Dubhes avatar
    Dubhevor 7 Jahren
    Rezension zu "Ansichten eines Clowns: [19.Auflage]" von Heinrich Böll

    Ein Mann mit dem Beruf Clown.
    Sein Leben; hinter den Kulissen.
    Haben es Clowns im Leben wirklich leichter?
    Oder ist dies nur erfunden?
    .
    Eine recht nette Geschichte, doch sie ist einfach zur Unterhaltung da.
    Eine alte Geschichte, muss man dazu sagen.
    Dementsprechend sind der Stil und die Sprache etwas altmodischer.
    Aber ansonsten ein recht nettes Buch.

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    Asaviels avatar
    Asavielvor 7 Jahren
    Rezension zu "Ansichten eines Clowns" von Heinrich Böll

    Inhalt: Hans Schnier, Pantomime und Spaßmacher beziehungsweise Clown, wurde von seiner Frau für einen anderen verlassen und nun findet der Verlassene sich nicht mehr in der Welt zurecht. Eine Flucht in den Alkohol verhindert eine weitere erfolgreiche Karriere und fördert die schon vorhandene Melancholie.
    Während Hans nun versucht von seinen Freunden und Bekannten Geld zu bekommen, erhält der Leser einen Rückblick auf sein Leben und auch seine Liebe zu Marie. Sie ist seine einzige große Liebe und er spürt, dass es ohne sie für ihn nicht weiter geht.
    Nachdem auch seine letzte Hoffnung, seine letzte Rettung, sein Bruder ihm nicht helfen kann, nimmt er sich seine Gitarre und setzt sich auf die Stufen des Bahnhofs, um etwas Geld zu erbetteln

    Meine Meinung: Ein Gefühl ist diesem Roman omnipräsent und oft so stark, dass es kaum zu ertragen ist. Dem Autor ist es gelungen die Melancholie des Protagonisten so mit Worten einzufangen, dass der Leser mehr als einmal kummervoll seufzen muss. Von Anfang an ist deutlich, dass diese Geschichte kein gutes Ende nehmen kann und wenn es dem Leser gelingt, dies auch nicht zu erhoffen, kann er sich gut auf die Geschichte einlassen.
    Mit einer deutlichen Kritik an seinen Eltern äußert der Protagonist seine Meinung zur Nachkriegsgesellschaft. Diese wird mehrmals als heuchlerisch und verlogen dargestellt. Aber ebenso wird der Katholizismus degradiert. Hans Schnier ist Protestant und hat auch kein Verständnis für die andere Konfession, also auch kein Verständnis für seinen Bruder, der konvertiert ist.
    So entsteht ein starkes Konfliktfeld innerhalb der Familie und keiner der beiden Söhne kann einen guten Kontakt zu den Eltern halten. Die einzige Tochter ist im Krieg umgekommen. Hans hat dies seinen Eltern nie verziehen.
    Dieser Roman regt über diese Konflikte hinaus zum Nachdenken an. Der Leser wird animiert auch über das eigene Leben, den eigenen weiteren Weg und den Umgang mit Familie und Freunden nachzudenken. Das macht den Roman zu einem starken Buch, das aber sicherlich nicht als reine Unterhaltungslektüre zu lesen ist.

    Fazit: Dieser Roman bietet mehr als nur eine traurige Liebesgeschichte. Zusammen mit einer Kritik an der Nachkriegsgesellschaft und am Katholizismus, beinhaltet die Geschichte des Hans Schnier viel Stoff zum Nachdenken und in Frage stellen.
    Ich möchte 3 von 5 Punkten vergeben

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