Heinrich Detering

 4,3 Sterne bei 93 Bewertungen
Autor von Bob Dylan, Reclams Buch der deutschen Gedichte und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Heinrich Detering

Heinrich Detering ist Professor für Deutsche und Vergleichende Literatur an der Universität Göttingen. Über Thomas Mann liegen zahlreiche Veröffentlichungen von ihm vor, u.a. sein Buch »Thomas Manns amerikanische Religion. Theologie, Politik und Literatur im amerikanischen Exil«. Er ist Mitherausgeber der »Großen kommentierten Frankfurter Ausgabe« der Werke Thomas Manns.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Der Überläufer (ISBN: 9783455405927)

Der Überläufer

Erscheint am 05.01.2022 als Hardcover bei Hoffmann und Campe.

Alle Bücher von Heinrich Detering

Cover des Buches Von der Pampelmuse geküßt (ISBN: 9783150183328)

Von der Pampelmuse geküßt

 (20)
Erschienen am 10.12.2009
Cover des Buches Bob Dylan (ISBN: 9783150110539)

Bob Dylan

 (14)
Erschienen am 10.02.2016
Cover des Buches Die neuen Kleider des Kaisers (ISBN: 9783150141786)

Die neuen Kleider des Kaisers

 (10)
Erschienen am 16.07.2021
Cover des Buches Reclams Buch der deutschen Gedichte (ISBN: 9783150110904)

Reclams Buch der deutschen Gedichte

 (5)
Erschienen am 10.02.2017
Cover des Buches Was heißt hier »wir«? (ISBN: 9783150112540)

Was heißt hier »wir«?

 (4)
Erschienen am 26.07.2019
Cover des Buches Da steht mein Haus (ISBN: 9783596512300)

Da steht mein Haus

 (4)
Erschienen am 15.05.2012
Cover des Buches Die Stimmen aus der Unterwelt (ISBN: 9783406688768)

Die Stimmen aus der Unterwelt

 (3)
Erschienen am 24.10.2016
Cover des Buches Grünsee - Brachland (ISBN: 9783250600916)

Grünsee - Brachland

 (3)
Erschienen am 01.02.2006

Neue Rezensionen zu Heinrich Detering

Cover des Buches Bob Dylan - Ich bin nur ich selbst, wer immer das ist (ISBN: 9783311140276)HansDurrers avatar

Rezension zu "Bob Dylan - Ich bin nur ich selbst, wer immer das ist" von Heinrich Detering

„Die Rolle des Künstlers ist es, die Welt mit Desillusionierung zu impfen.“
HansDurrervor 4 Monaten

Für mich ist Bob Dylan ein hervorragender Songwriter, seine Stimme ist hingegen nicht so mein Ding. Versionen seiner Songs von anderen Interpreten ziehe ich (meistens, nicht immer) vor. Als Dichter habe ich ihn nie wirklich wahrgenommen, obwohl ich einige seiner Liedzeilen auswendig kann, was natürlich auch daran liegt, dass Dylan-Songs zum Repertoire des Gitarrenduos gehörte, von dem ich einstmals ein Teil war.

Ich habe Sänger und Songwriter nie als Denker begriffen. Möglicherweise deswegen nicht, weil die Songs, die ich früher selbst geschrieben habe, intuitiv entstanden und ich Intuition und Verstand lange Zeit als Gegensatzpaare begriffen habe. Diese Interviews haben mich eines Besseren belehrt.

Eingeleitet werden die Gespräche von Heinrich Detering, der Dylans Satz: „The people in the songs are all me“ so kommentiert: „So erstaunlich diese Behauptung angesichts von Songfiguren klingt, die im spanisch-amerikanischen Krieg mitgekämpft haben, zum Schlägertrupp eines Bandenchefs gehören oder während ihres Monologs allmählich im Wahnsinn nächtlicher Halluzinationen versinken, so kennzeichnend ist sie für Dylans Songpoetik.“ Eine Sichtweise, die mich schmunzeln machte, da ich Dylans Satz ganz anders lese, nämlich so: Alle Aussagen, die wir über uns und die Welt machen, sind Aussagen über uns selber, denn etwas anderes kennen wir nicht, und können wir auch gar nicht kennen. Übrigens: Bei allen Wandlungen, die Dylan durchgemacht hat, so Deterich, ist sein „politisch-moralischer Wertekanon“ stabil geblieben. Wer auch immer wir sind, was auch immer wir tun, ein Kern in uns bleibt sich anscheinend immer gleich.

Die Gespräche sind chronologisch angeordnet. Da ich mit Bob Dylan-Songs gross geworden bin, erlaubt mir das eine ganz wunderbare Zeitreise in meine eigene Vergangenheit. Was mir bei den ersten zwei Interviews aus den 60er Jahren auffällt: Dass ich immer mal wieder lachen muss, was mich überrascht, denn ich habe Dylan bisher nicht mit Humor in Verbindung gebracht. Auf mich wirkte er meist abweisend und mürrisch, dabei ist er sehr witzig und schlagfertig.

Ich bin ganz erstaunt wie clever dieser Mann ist. Das liegt natürlich auch daran, dass ich mich nie wirklich mit ihm befasst habe. Jedenfalls verblüfft mich ungemein, wie eigenständig und hellsichtig sich der damals 24Jährige zu Museen und Galerien, ja zum Kunstbetrieb insgesamt äussert. Mit Labels wie „Protestsänger“, „Rock’n’Roll“ oder „Folkmusic“ kann er nichts anfangen. Er tut einfach, was er tut. „Ich schreibe, seit ich acht war. Ich spiele Gitarre, seit ich zehn war. Ich bin damit aufgewachsen, zu spielen und zu schreiben, was ich spielen und schreiben musste.“

Was denkt er über Politik, Hochschulen, Protestbewegungen und und und? Kaum ein Feld wird ausgelassen. Umso erfreulicher ist, dass es Dylan offenbar nicht drängt zu Allem eine Meinung zu haben. Doch die, die er hat, sind Ausdruck eigenständigen Denkens. Er selber hat das Studium abgebrochen, würde er anderen auch dazu raten? Nein, würde er nicht, doch „Ich würde ihm einfach das Studium nicht finanzieren.“ Hat er als Junge Präsident werden wollen? „Nein. Als ich ein Junge war, war Harry Truman Präsident. Und wer möchte schon Harry Truman sein?“

Berührend fand ich insbesondere, was er über sein Aufwachsen im nördlichen Minnesota sagte. „Im Winter war dort alles vollkommen still, nichts bewegte sich. Acht Monate lang.(…) Der ganze Mittlere Westen hat etwas stark Spirituelles, sehr subtil, sehr stark.“ Ich fühlte mich an Kathleen Norris‘ Dakota. A spiritual Geography sowie an Robert M. Pirsigs (in Zen und Die Kunst, ein Motorrad zu warten) Schilderung der Dakotas erinnert, die ihm deswegen speziell waren, weil sie nichts Besonderes versprachen und deshalb auch nichts einzulösen brauchten.

Selbstverständlich habe er ein Ziel und eine Mission, sagt Dylan und zitiert Henry Miller: „Die Rolle des Künstlers ist es, die Welt mit Desillusionierung zu impfen.“ Nicht alle Songs haben die Zeit gut überstanden, wie er auch selber meint.

Die einzigen wahren Spiegel seien Wasserpfützen, sagt er einmal. Und führt dann aus: „Ein Bild, das Sie in einer Wasserpfütze sehen, führt in die Tiefe. Ein Bild, das man beim Blick in ein Stück Glas sieht, hat keine Tiefe und keine lebendig gewellte Bewegung.“ Ich bin nur ich selbst, wer immer das ist enthält ganz viele solch smarter Aussagen. “Es geht nicht um die Songtexte. Die Leute denken das immer, und vielleicht geht es auf den Platten um die Texte, aber auf der Bühne sind nicht de Texte das Entscheidende, sondern alles läuft über die Phrasierung, die Dynamik und den Rhythmus.“ Wahre Worte!

Die Palette, über die sich Dylan in diesen Gesprächen auslässt, ist ungeheuer breit. Von Shakespeare zu Elvis, vom Lesen der Bibel zum Malen, von Hitler bis zu meiner Lieblingsantwort (auf die Frage, ob er glaube, was einige behaupteten, dass Jim Morrison in den Anden lebe): „Ich habe bisher nicht das Bedürfnis gehabt, mir dazu eine Meinung zu bilden …“.

Das Ich-Jahrzehnt hat Tom Wolfe die 1970er Jahre genannt. Diese Ich-Zeit dauert nach wie vor an, alles wird in der heutigen Zeit personalisiert, auf sich selber bezogen. Welt- und lebensfremder geht kaum. Umso erfreulicher ist, dass Dylan davon wenig infiziert scheint. „Als ‚Hound Dog‘ im Radio lief, war meine Reaktion nicht: ‚Wow, was für ein toller Song, wer den wohl geschrieben hat?‘ Mir war im Grunde gleichgültig, wer ihn geschrieben hat. Es war egal. Er war einfach … er war einfach da.“

Fazit: Grossartig! Eine überaus erhellende, anregende und sympathische Zeitreise!

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Cover des Buches Von der Pampelmuse geküßt (ISBN: 9783150183328)evafls avatar

Rezension zu "Von der Pampelmuse geküßt" von Heinz Ehrhardt

Danke, Heinz!
evaflvor einem Jahr

Von der Pampelmuse geküßt von Heinz Erhardt ist eine kleine, feine Sammlung an Gedichten, Prosa und Szenen von einem großartigen Menschen, wie ich finde. Herausgegeben wurde es von Heinrich Detering als Reclam-Heft im Jahr 2002. 

Eingeteilt ist das Heft in verschiedene Kapitel, so unter anderem "Das glückliche Leben", "Familienszenen, Liebesleben", "Die Mitte", usw. Neben solch einem heiteren Reim wie dem des Opas sind auf den 94 Seiten auch noch etwas nachdenklichere Texte bzw. Gedichte, Lebensweisheiten (oft sehr lustig) und Szenen enthalten. Das Lesen der Szenen finde ich persönlich am schwierigsten, da man sich ja in die einzelnen Rollen denken muss. Vorgetragen ist dies natürlich leichter zu verstehen. Die Reime und Gedichte finde ich sehr schön, zumal man sie immer wieder mal lesen kann, schmunzeln muss, aber auch mal nachdenken kann. Am Ende des Heftchens findet sich eine Zusammenfassung über das Leben von Heinz Erhardt, der 1909 in Riga (Lettland) geboren wurde und 1970 in Hamburg verstarb.

Ein wirklich wunderbares Reclam-Heftlein, das mich schon öfter auf der ein oder anderen Straßenbahnfahrt begleitet hat. Dank der wunderbaren Größe nimmt es nicht viel Platz weg, dadurch dass es keinen festen Einband hat, passt es sich auch jeder Tasche an. 

Für läppische drei bis vier Euro gibt es hier ganz viel Heinz Erhardt, ganz viel klassische Gedichte, typisch für Heinz Erhardt oft sehr lustig. Und dennoch manchmal nachdenklich und nicht nur urkomisch.

Ich finde sogar, dass dies schon kleine Gedichte sind, die man Kindern näher bringen kann - vor allem auch die Zitronen, an die ich so oft denken muss...
 

Ich kann hier gut und gerne 5 von 5 Sternen vergeben und spreche eine absolute Empfehlung aus. Heinz Erhardt war ein wunderbarer Dichter, der im Gegensatz zu manch anderem großen Dichter allerdings auch gut zu verstehen ist.

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Cover des Buches Was heißt hier »wir«? (ISBN: 9783150196199)Ulenfluchts avatar

Rezension zu "Was heißt hier »wir«?" von Heinrich Detering

Literaturwissenschaftlicher Beitrag zur großen Herausforderung unserer Zeit
Ulenfluchtvor 2 Jahren

Über 70 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges befinden wir uns in einer Zeit, in der alte Vergleiche bemüht werden, in der der Begriff ‚Volk‘ wieder in aller Munde ist und eine offenbar wachsende Gruppe von Menschen denen glauben, die am lautesten sprechen. Dass laut jedoch nicht gleich Wahrheit bedeutet und dass gewisse Kreise eben nicht reden wie ‚der kleine Mann‘, den sie zu vertreten vorgeben, zeigt dieses Buch.


Was meinen Rechte, wenn sie von der Zeit des Nazi-Regimes als ‚Vogelschiss‘ sprechen und was heißt ‚erfolgreiche deutsche Geschichte‘ wirklich? Welche Muster benutzen sie, um mit möglichst vielen Worten wenig zu sagen und mit wenigen Worten viel? Heinrich Detering deckt mit großer Eloquenz und dem ganzen Analysekoffer der Literaturwissenschaften auf, wie Rechte reden und was sie damit meinen.


Intolerante werfen ihren Gegnern Intoleranz vor, die Grenzen des Sagbaren werden ausgetestet und systematisch erweitert, die Sprache der Aggression hat es bis in den Bundestags geschafft. Komposita des Grauens wie ‚Messermänner‘ und ‚Kopftuchmädchen‘ haften wie Kaugummi am Schuh im Gedächtnis. Oftmals stehen andere Beteiligte dem hilflos gegenüber. Dieses Büchlein kann helfen, das tatsächlich Gemeinte greifbar zu machen und die politisch Rechten in Diskussionen zu entlarven.


Das Ergebnis, zu dem der Autor kommt, mag strittig sei: Er schlussfolgert, dass die parlamentarische Rechte einen Staat nach dem Muster der Nationalsozialisten wiedererrichten wollen. Zu einer solchen weitgreifenden Aussage bedarf es sicher mehr als literaturwissenschaftlichen Werkzeuges. Doch die präzise Arbeit am Satz ist beeindruckend und erschreckend zugleich. Jeder, der in eine politische Talkshow eingeladen wird und auch jeder Zuschauer, ja am besten jeder Bürger sollte dieses kleine Büchlein lesen, um zu wissen, worauf er sich einlässt und vor welcher Herausforderung unsere Demokratie steht.

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