Heinrich Harrer

 4,1 Sterne bei 170 Bewertungen
Autor von Sieben Jahre in Tibet, Wiedersehen mit Tibet und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Heinrich Harrer, geboren 1912 im österreichischen Hüttenberg, wurde zunächst als Skiläufer und Bergsteiger bekannt. Er war Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes und wurde mehrfach für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Er starb im Alter von 93 Jahren in Kärnten. Sein Erlebnisbericht Sieben Jahre in Tibet, 1952 veröffentlicht, verkaufte sich viele Millionen Mal.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Heinrich Harrer

Cover des Buches Sieben Jahre in Tibet (ISBN: 9783548069623)

Sieben Jahre in Tibet

(131)
Erschienen am 26.06.2025
Cover des Buches Wiedersehen mit Tibet (ISBN: 9783548356662)

Wiedersehen mit Tibet

(11)
Erschienen am 01.03.1997
Cover des Buches Mein Leben (ISBN: 9783548364988)

Mein Leben

(6)
Erschienen am 01.11.2003
Cover des Buches Bilder aus Tibet (ISBN: 9783898366885)

Bilder aus Tibet

(4)
Erschienen am 01.09.2007
Cover des Buches Die Weisse Spinne (ISBN: 9783548362298)

Die Weisse Spinne

(5)
Erschienen am 01.02.2001
Cover des Buches Erinnerungen an Tibet (ISBN: 9783550068133)

Erinnerungen an Tibet

(2)
Erschienen am 01.07.1993

Neue Rezensionen zu Heinrich Harrer

Cover des Buches Sieben Jahre in Tibet (ISBN: 9783548069623)
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Rezension zu "Sieben Jahre in Tibet" von Heinrich Harrer

bibliophilecats
Interessanter Reisebericht

Was ich mir erhofft habe: Ich glaube, ich habe das Buch schon mal als Jugendliche gelesen, auf jeden Fall habe ich den Spielfilm gesehen, als er im Kino kam. Mit so viel Abstand (und in einem anderen Medium) interessiert es mich, ob mich die Geschichte immer noch fesseln kann.

Fazit: Sehr gut zu lesen, ich fand besonders die Beobachtungen über Tibet und die Menschen außerhalb Lhasas interessant. Die Zeit, die Heinrich Harrer nicht in Lhasa verbracht hat war viel länger, als die Werbung und der Buchuntertitel vermuten lassen und die Zeit, die er mit dem Dalai Lama verbrachte war dann nochmal deutlich kürzer.
Das Buch ist durchaus ein Produkt seiner Zeit, mit sehr viel unterschwelligem Rassismus (z.B. wenn die Rede davon ist, dass manche Tibeter sehr helle Haut haben und dass manche vergleichbare Intelligenz mit Weißen haben) und Seximus (wie über die Frauen gesprochen wird), das sollte aber nicht davon abhalten, die guten Abschnitte wertzuschätzen (die Beschreibung des Landes, der Reisebericht).

Danke an Netgalley und Ullstein Buchverlage für das Leseexemplar.

Cover des Buches Wiedersehen mit Tibet (ISBN: 9783548356662)
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Rezension zu "Wiedersehen mit Tibet" von Heinrich Harrer

Featherstone
„Vieles ist wie früher, manches schlechter, weniges besser.“ (S. 84)

Inhalt:

1950 sah sich Heinrich Harrer aufgrund des Einmarschs Chinas gezwungen Tibet zu verlassen, das ihm zu einer zweiten Heimat geworden war. 1982 hatte er Gelegenheit Tibet noch ein letztes Mal zu besuchen und musste feststellen, dass seine Befürchtungen sich bewahrheitet hatten: Vom „alten Tibet“ wie er es kennengelernt hatte war trauriger Weise nicht mehr viel übrig geblieben…

Meine Meinung:

Wie erwartet ist das Leseerlebnis bei diesem Buch ein ganz anderes als bei „Sieben Jahre in Tibet“, weil hauptsächlich dramatische, nachdenklich stimmende, traurige und bedrückenden Geschehnisse geschildert werden und anders als in „Sieben Jahre in Tibet“ keine abenteuerlichen, lustigen und unbeschwerten Momente. Das kann aber kein Kritikpunkt sein, denn es geht darum die damalige Situation in Tibet aufzuzeigen und die war damals (und leider auch heute noch) schwierig. Trotzdem hat es dazu geführt, dass ich bei diesem Buch langsamer vorankam als bei „Sieben Jahre in Tibet“.

Man spürt beim Lesen wie ernüchternd, schmerzlich und melancholisch stimmend die Rückkehr nach Tibet für Harrer zuweilen gewesen ist. Das Lhasa vergangener Zeiten, das er einst kennengelernt und liebgewonnen hatte und das eine Aura des Geheimnisvollen und Mystischen umgeben hatte, gab es nicht länger. Harrer erinnert sich wehmütig an die schönen Zeiten, die er mit seinem inzwischen verstorbenen Freund Aufschnaiter in Tibet verbracht hatte. Lhasa war kaum wiederzuerkennen, weil ein Großteil der historischen Gebäude zerstört worden war: 

Immer wieder blieb ich bei meinen Spaziergängen stehen und fragte mich: Ist es wirklich dieselbe Stadt, in der ich so viele Jahre glücklich gelebt hatte? (S. 172)
Es ist schwer, etwas zu entdecken, so vieles ist zerstört, so vieles verändert. (S. 216)

Ich fand es zutiefst erschütternd was die Tibeter seit den 1950er-Jahren alles erdulden musste. Harrer erzählt schonungslos und eindringlich von den vielen Toten und Vertriebenen, von Hinrichtungen, Inhaftierungen, Arbeitslagern, Zwangsarbeit, Seelen- und Gehirnwäsche, Umerziehungslagern, politischer Indoktrination und der Zerstörung und Plünderung von 99% der religiös bedeutsamen Bauwerke. Es wurden auch z. B. Straßen mit den Einbanddeckeln heiliger tibetischer Bücher gepflastert. Außerdem wurden Tausende von Tibetern zwangsweise umgesiedelt und im Gegenzug wurden Chinesen in Tibet angesiedelt um die Tibeter im eigenen Land zu Minderheit zu machen: 

Die Bevölkerung wurde nach einem genauen Plan systematisch mit Chinesen durchsetzt. In Lhasa war das Verhältnis 120.000 Chinesen zu 40.000 Tibeter. Von den 3.500 Tempeln und Klöstern bleiben nur dreizehn verschont, darunter das Wahrzeichen der Stadt, der Potala. (S. 70).
Alles was tibetisch war, sollte so schnell wie möglich ausgerottet und vergessen werden. Sie Sprache zuerst, dann die schöne, bunte Kleidung und auch die phantasievoll geflochtenen Zöpfe. (S. 70)

Das alles stimmt einem sehr traurig und es ist bedrückend zu lesen. Vor allem, weil man ja weiß, dass die Lage heutzutage auch noch angespannt ist: Der Dalai Lama ist noch immer gezwungen im Exil zu leben und den Tibetern ist es z. B. nicht erlaubt den Geburtstag ihres geistlichen Oberhauptes öffentlich zu feiern, obwohl ihnen einst im Rahmen des 17-Punkte-Abkommens u. a. die Freiheit der Religionsausübung zugesichert worden war. Außerdem beansprucht die chinesische Regierung das alleinige Recht den Nachfolger des Dalai Lama zu bestimmen, obwohl es sich beim Auffinden der Reinkarnation um ein religiöses Ritual handelt.

Es werden zudem die Schattenseiten der touristischen Erschließung Tibets aufgezeigt: In Tempeln gingen Touristen umher, die keinerlei Ehrfurcht und Respekt vor den für die Tibeter religiös bedeutsamen Orten hatte. Außerdem musst Harrer feststellen, dass sogar einige Tempel zu Kinos, Touristenunterkünften etc. umgebaut worden waren. Für die Touristen wurde eine Fassade erschaffen, die mit dem echten Tibet so gut wie nichts zu tun hatte. So gingen beispielsweise verkleidete Mönche umher. Außerdem achtete man streng darauf was die Touristen fotografierten, denn man wollte nur die positiven Seiten des tibetischen Lebens unter der Fremdherrschaft zeigen:

Mit der Bezahlung erkauft man sich allerdings nicht das Recht zu bestimmen, was man aufnehmen möchte. Überall wird man bespitzelt, verfolgt und beobachtet, ob man nichts Verbotenes fotografiert. (S. 27)

Das einzige was einem letztlich positiv stimmt ist die Tatsache, dass zwar viel Materielles verloren gegangen ist, aber sich die Tibeter das Ideelle nicht so einfach haben nehmen lassen. Allen gegenläufigen Bemühungen zum Trotz hielten und halten die Tibeter auch nach mehr als drei Jahrzehnten der Fremdherrschaft noch an ihrer Kultur und Religion fest. Außerdem ist der Dalai Lama auch heute noch ein bedeutsamer Botschafter, der in anderen Ländern ein Bewusstsein für Tibets Wunsch nach Freiheit und Unabhängigkeit schafft. Viele Tibeter haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass der Dalai Lama eines Tages aus dem Exil zurückkehren wird:

„Henrig, ich rechne mit der Zeit, die alles heilt, und was bedeuten einhundert oder zweihundert Jahre in unserer Geschichte und unserer Religion. Wir haben ganz andere Zeiträume überstanden und bisher jedesmal unsere Art und unsere Kultur hinübergerettet.“ (S. 233)

Auch Harrer hatte die Hoffnung am Ende noch nicht aufgegeben:

Trotzdem verlasse ich das Land, das ich über dreißig Jahre nicht gesehen hatte, mit dem Gefühl, vielleicht sogar der Überzeugung, dass Veränderungen zum Guten für die Tibeter zu beobachten sind. (S. 236)

Fazit:

Das Buch ist traurig und nachdenklich stimmend. Man sollte es nicht mit „Sieben Jahre in Tibet“ vergleichen, sondern es eher als eine Ergänzung sehen. Genauso wie Harrer vermisst man auch beim Lesen das „alte" Tibet.

Cover des Buches Sieben Jahre in Tibet (ISBN: 9783548357539)
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Rezension zu "Sieben Jahre in Tibet" von Heinrich Harrer

Featherstone
Ein außergewöhnliches Abenteuer und eine ganz besondere Freundschaft

Inhalt:

1944 gelingt den österreichischen Abenteurern Heinrich Harrer und Peter Aufschnaiter die Flucht aus einem indischen Internierungslager und sie schlagen sich zu Fuß nach Tibet durch. Am Ende einer langen und beschwerlichen Reise gelingt es ihnen die „verbotene Stadt“ Lhasa zu erreichen, die zu diesem Zeitpunkt kaum ein Europäer betreten hatte. Dort lernt Heinrich Harrer schließlich sogar den Dalai Lama kennen und die beiden werden Freunde…

Wo immer ich auch leben werde, die Sehnsucht nach diesem Land wird mich begleiten. (S. 417)
Wir schauen und schauen und können es nicht fassen, dass wir mitten in der „Verbotenen Stadt“ sind. Es gelingt mir heute nicht mehr, die richtigen Worte zu finden für das, was ich damals sah und empfand. Wir waren überwältigt. (S. 162)

Meine Meinung:

Ich bin froh, dass ich mich doch noch getraut habe diesem Buch eine Chance zu geben! Obwohl ich so gut wie gar nichts über Tibet wusste und fast nie Biografien bzw. Tatsachenberichte lese hat es dieses Buch geschafft mich zu begeistern. Es liest sich wie ein spannender, interessanter, stellenweise auch dramatischer Abenteuerroman und vermittelt einem nebenbei eine Menge Wissen über Tibet, seine Bewohner, die Religion und die Kultur. Die Tatsache, dass das alles wirklich passiert ist macht alles umso beeindruckender und interessanter. Die Beschreibungen von Land und Leuten sind sehr atmosphärisch und lassen das Tibet vergangener Zeiten richtig lebendig werden.

Es hat mich überrascht, dass Harrer nicht „nur“ von seiner Zeit in Lhasa und seinen Treffen mit dem Dalai Lama erzählt. Zunächst erfährt man wie unglaublich beschwerlich die Reise bis dorthin gewesen ist und damit hat mich das Buch direkt in seinen Bann gezogen. Harrer und Aufschnaiter waren nämlich rund zwei Jahre lang zu Fuß in Tibet unterwegs ehe sie endlich in Lhase ankamen und das unter Umständen, die heutzutage sogar noch abenteuerlicher und unvorstellbarer wirken als sie es damals ohnehin schon gewesen sind: Die beiden konnten kaum ein Wort Tibetisch sprechen und verfügten bloß über eine selbst abgezeichnete und entsprechend ungenaue Landkarte. Zudem hatten sie nur wenige Nahrungsmittelvorräte, kaum Ausrüstung und ihre Schuhe und Bekleidung waren für ihr Vorhaben alles andere als geeignet.

Es wird sehr eindringlich und anschaulich beschrieben welchen großen physischen aber auch psychischen Strapazen und Entbehrungen die beiden ausgesetzt waren. Es galt Tausende von Höhenmetern zu überwinden, gewaltige Temperaturschwankungen durchzustehen (sonniges Temperatur bis hin zu – 30°C), extreme Wetterumschwünge auszuhalten. Hinzu kamen Probleme mit der Höhenkrankheit und sie mussten sich vor Räubern sowie vor wilden Tieren (u.a. Bären) in Acht nehmen. Von all dem zu lesen hat in mir noch viel mehr Respekt und Bewunderung für ihre Leistung und ihr Durchhaltevermögen aufkommen lassen. Außerdem fand ich es heftig, dass die beiden auf ihrem langen Weg kaum etwas vom Weltgeschehen mitbekamen und erst bei ihrer Ankunft in Lhasa (als sie endlich mal wieder eine Zeitung in die Hände bekamen) Näheres über den Verlauf und das Ende des Zweiten Weltkriegs erfuhren.

Es entsteht beim Lesen ein richtig lebendiges Bild vom Lhasa vergangener Zeiten. Es gab noch keinen Strom, geheizt wurde mit Yakmist und die Menschen hatten einen anderen Begriff von Zeit als heutzutage. Man erfährt eine Menge interessante, unterhaltsame, teils skurrile, faszinierende und geheimnisvolle Dinge über die tibetische Kultur. So z. B. über Staatsorakel, Prophezeiungen, Himmelsbestattungen, religiöse Feiertage und Bräuche, Polygamie und Polyandrie, Wettermacher etc.

Harrers große Liebe zu diesem Land und seinen Bewohnern ist auf jeder Seite spürbar. Es ist einfach schön zu lesen wieviel Freundlichkeit, Toleranz und Gastfreundschaft ihm die Tibeter entgegengebracht haben. Außerdem ist es sehr berührend wie Harrer und Aufschnaiter in Lhasa ein zweites Zuhause fanden und wie Freundschaften zwischen ihnen und den Tibetern entstanden. Sie lernten die Sprache und die Sitten der Tibeter und hatten ein ehrliches Interesse Land und Leute kennenzulernen. Im Gegenzug waren die Tibeter neugierig von den beiden etwas über die westliche Welt zu erfahren.

Viele Stellen haben mich zum Lächeln gebracht, weil manchmal auf unterhaltsame und süße Weise Welten aufeinanderprallen. So bringt Harrer den Tibetern z. B. das Schlittschuhlaufen bei und die sind zunächst völlig verblüfft, dass sich jemand freiwillig Messer unter die Schuhe bindet um damit aufs Eis zu gehen. Auch die Tradition zu Weihnachten einen geschmückten Baum ins Haus zu stellen und Geschenke darunterzulegen sorgt bei den Tibetern für Verwunderung und Aufheiterung. Umgekehrt hat Harrer zunächst so seine Probleme damit sich mit dem tibetischen Nationalgetränk Buttertee anzufreunden, dessen Geschmack für seinen europäischen Gaumen mehr als gewöhnungsbedürftig ist. Außerdem erheitert es ihn, dass bei Erdabreiten ständig Unterbrechungen stattfinden, weil Insekten (wegen dem buddhistischen Glauben an die Wiedergeburt) gerettet werden müssen und dadurch solche Arbeiten eine Ewigkeit dauern.

Ein Herzstück des Buches ist natürlich wie Harrer dem Dalai Lama begegnet ist. Das ist vor allem interessant, weil es sich bei diesem Dalai Lama um den derzeit noch immer amtierenden und inzwischen 90-jährigen Dalai Lama handelt, den Harrer kennenlernte als dieser noch im Jugendalter war. Ich fand es sehr überraschend und unterhaltsam, dass der allererste Kontakt zwischen den beiden dadurch entstand, dass der Dalai Lama ihn darum bat für ihn Filmaufnahmen vom Alltag in Lhasa anzufertigen (u. a. vom Schlittschuhlaufen, das Harrer den Tibetern zeigte) und ihm einen Filmvorführraum zu bauen, weil es ihm nur in Ausnahmefällen gestattet war den Palast zu verlassen.

Es wird toll beschrieben wie sich Harrer und der Dalai Lama kennenlernten und es ist richtig schön zu erfahren wie die beiden allmählich Freunde wurden. Harrer lernte den Dalai Lama als sehr herzlichen, intelligenten, wissbegierigen und weltoffenen Jungen kennen, der viel erwachsener wirkte als man es von jemandem seines Alters erwartet hätte. Es sprudelten eine Menge Fragen über die westliche Welt aus ihm heraus und Harrer war beeindruckt wieviel Wissen er sich bereits aus eigener Initiative durch Bücher und Zeitungen angeeignet hatte (z. B. über Technik und Weltgeschichte). Die beiden begann sich regelmäßig zu treffen und lernten u. a. zusammen Englisch. Während Harrer dem Dalai Lama viel über die westliche Welt beibrachte erfuhrt er im Gegenzug viel über die tibetische Geschichte und Kultur sowie über den Buddhismus.

Neben den vielen positiven Seiten des Lebens in Tibet erfährt man aber auch von den Schattenseiten. So gab es keine richtigen Ärzte, sondern nur Mönche, die auf sehr fragwürde Heilmethoden setzten (z. B. Astrologie und Diagnosen anhand des Fühlen des Pulses). Zudem gab weder Chirurgie noch Geburtshilfe. Die sanitären Zustände waren alles andere als gut und im Justizsystem war Bestechung weitverbreitet.

Leider wird es am Ende des Buches letztlich sehr traurig und die geschilderten Geschehnisse gehen einem sehr nahe und machen betroffen. Es ist ja bekannt, dass China im Jahre 1950 in Tibet einmarschiert ist und blutige Kämpfe folgten denen unzählige Menschen zum Opfer gefallen sind. Zudem musste der Dalai Lama das Land verlassen und er ist bis heute gezwungen im Exil zu leben. Viele Tibeter und auch Harrer und Aufschnaiter sahen sich gezwungen ihre zweite Heimat hinter sich zu lassen. Es kam vielfach zu Verletzungen des Völkerrechts und der Menschenwürde. Außerdem wurde systematisch versucht die tibetische Kultur zu zerstören. Tibets Bevölkerung ist Schreckliches widerfahren: Plünderungen, Hinrichtungen, Zwangsarbeit, Deportationen, Umerziehungslager...

1,2 Millionen Tibeter verloren ihr Leben, und von den 600 Sakralbauten wurden 99 Prozent zerstört. (S. 434)
Die Zerstörung Tibets wird auch nach fast 40 Jahren Besetzung fortgesetzt. Von meinem alten Lhasa blieben vielleicht noch zwei Prozent erhalten. Lhasa ist eine chinesische Stadt geworden […]. Jahrzehnte der Zerstörung, Unterdrückung, Sterilisation, des Genozids und politischer Indoktrination – all das konnte den Willen der Tibeter zur Freiheit nicht brechen. Ihr Glaube und die Verehrung für ihren Dalai Lama ist ungebrochen. (S. 437/438)

Ganz am Ende des Buches ist ein schönes Foto abgedruckt, das zu Herzen geht. Darauf sind der Dalai Lama und Heinrich Harrer gemeinsam zu sehen und zwar als beide bereits alte Männer waren. Das zeigt, dass sie über all die Jahrzehnte befreundet geblieben sind und wie der Zufall es will haben auch noch beide am 6. Juli Geburtstag! 

Fazit:

Ich hätte nicht gedacht, dass mich dieses Buch so in seinen Bann ziehen würde. Es ist unterhaltsam, interessant, regt zum Nachdenken an und es ist ein Buch, das einem auf jeden Fall in Erinnerung bleibt. Heinrich Harrer schreibt am Ende des Buches Folgendes:

Es ist mein großer Wunsch, mit diesem Buch ein wenig Sympathie und Verständnis zu wecken für ein Volk, dessen Wille, in Freiheit und Frieden leben zu dürfen, in der Welt bisher so wenig Beachtung gefunden hat. (S. 418)

Das hat er bei mir auf jeden Fall geschafft!

Hier noch ein schönes Zitat des Dalai Lama über seine Freundschaft zu Heinrich Harrer:

Der Dalai Lama sagte einmal: „Heinrich Harrer war einer von uns geworden und jetzt, wo wir älter geworden sind, erinnern wir uns an die glücklichen Tage, die wir zusammen in einem freien Land gelebt haben.“ (S. 433)

Zum Schluss noch ein Tipp: Im Internet findet man freizugänglich einige tolle Videos von Interviews mit Heinrich Harrer. Da erzählt er nicht nur von seiner Zeit in Tibet, sondern auch ein paar unterhaltsame Anekdoten. So hat er z.B. anlässlich der Verfilmung seines Buches Brad Pitt getroffen, der ihn im Film spielt. Die besagte Verfilmung ist eine tolle Ergänzung zum Buch.

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Zusätzliche Informationen

Heinrich Harrer wurde am 06. Juli 1912 in Hüttenberg (Österreich) geboren.

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