Deutschland. Ein Wintermärchen

von Heinrich Heine 
4,0 Sterne bei240 Bewertungen
Deutschland. Ein Wintermärchen
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Eine Reise durch Deutschland mit Kritik am Kaiserreich nach Rückkehr aus dem Exil

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Nicht unbedingt ein Märchen.

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Inhaltsangabe zu "Deutschland. Ein Wintermärchen"

Dieses Werk ist Teil der Buchreihe TREDITION CLASSICS. Der Verlag tredition aus Hamburg veröffentlicht in der Buchreihe TREDITION CLASSICS Werke aus mehr als zwei Jahrtausenden. Diese waren zu einem Großteil vergriffen oder nur noch antiquarisch erhältlich. Mit der Buchreihe TREDITION CLASSICS verfolgt tredition das Ziel, tausende Klassiker der Weltliteratur verschiedener Sprachen wieder als gedruckte Bücher zu verlegen und das weltweit! Die Buchreihe dient zur Bewahrung der Literatur und Förderung der Kultur. Sie trägt so dazu bei, dass viele tausend Werke nicht in Vergessenheit geraten.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783849546557
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:104 Seiten
Verlag:TREDITION CLASSICS
Erscheinungsdatum:21.05.2013
Das aktuelle Hörbuch ist bei Jumbo Neue Medien erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    el_lorenes avatar
    el_lorenevor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Nicht unbedingt ein Märchen.
    Wintermärchen?


    Ich habe mich ja kurz vor Beginn über das Werk belesen und auch über Heine.

    Seine Werke werden ja durch und durch gelobt. Für mich ist es das erste Buch des Autors.
    Nachdem ich es “studiert“ habe versteh ich warum es viele Generationen interessiert, teilweise auch fasziniert.
    Es kritisiert (meiner Meinung nach zurecht) die Politik die Politiker und die Staatsführung. Schauen wir uns mal kurz um ist es ein zeitloses Phänomen.

    Mir gefällt es gut wie Heine die Liebe und auch seinen Hass für sein Vaterland rüber bringt.  Er ist ironisch und das amüsiert mich.  Er benutzt tolle Metaphern und wenn man will kann man 100 Dinge hineininterpretieren.

    Aber er ist auch der Biebel und den Glauben gegenüber sehr kritisch. Versteht mich nicht falsch gegen konstruktiv Kritik habe ich nichts einzuwenden jedoch finde ich in diesem Bereich sollte man mit Sarkasmus&Ironie etwas sparsamer Umgehen. Allerdings ist das wahrscheinlich Geschmackssache.

    Auf jeden Fall ein Klassiker und nicht ganz leicht zu lesen! Ich bin froh das ich an  einer Leserunde teilnehmen konnte, sonst wäre es doch sehr ermüdend gewesen.
    Ohne einige Geschichtliche Informationen geht viel von der Story unter und das konnte mir die LR vermittelt. Auch die gemeinsamen Interpretation haben mir das Werk  schmackhafter gemacht. Im nachhinein würde ich es auch sicher ohne Leserunde schlechter Bewerten.
    Abschließend kann ich sagen das dieses Buch keinen Wow-Effekt für mich hat. Aber gut das ich es gelesen habe, so kann man wenigstens mal mit reden.



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    Filzblumes avatar
    Filzblumevor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Wortwitz und Dichtkunst-lesenswerter Klassiker
    Deutschland ein Wintermärchen


    Lyrik
    FISCHER E-Books
    ISBN 978-3-10-401207-0

    1844 erschien beim Verlag Hoffmann & Campe sein Werk.
    Kurz nach Erscheinen wurde Deutschland ein Wintermärchen  in Preußen beschlagnahmt und verboten. Der Ich-Erzähler Heine begibt sich auf eine Reise zu seiner Mutter nach Hamburg, die er seit 12 Jahren nicht gesehen hat, da er in Paris im Exil lebt. Die Reise geht von Hamburg, Hannover, Bückeburg, Minden, Paderborn, den Teutoburger Wald, Hagen, Köln und Aachen, zurück ins Exil. In seinem Versepos werden die Stationen in umgekehrter Richtung durchlaufen. Schon zu Beginn spürt man des Dichters Zerrissenheit und seine berechtigte Kritik an der Obrigkeit, insbesondere Preußens Stellung . Heine schildert mit satirischem Geschick und Dichtkunst die deprimierenden Zustände in Deutschland während der Restauration - und hat wohl auch deshalb den düsteren November als Reisemonat gewählt. In seinen Versen macht Heine an o.g. Städten Station, mit Wortwitz und politischen Stichen bringt er den Zeitgenossen sein Bild vom rückständigen Deutschland dar. In Köln macht er sich u. a. über den Bau des Kölner Doms lustig, und über die Reliquien der Drei heiligen Könige;  über die Verse von Niklas Becker, -diese Verse musste ich recherchieren, um zu verstehen, was er meint. Traurig stimmte ihn Vater Rhein (Caput V) "Sei gegrüßt, mein Vater Rhein, Wie ist es dir ergangen? Ich habe oft an Dich gedacht mit Sehnsucht und Verlangen". Hier spiegelt sich seine Vaterlandsliebe wieder, und auch Traurigkeit, denn nichts hat sich seit seiner Rückkehr verändert. In Hamburg erscheint ihm im Traum "Hammonia" , die Schutzgöttin der Stadt, mit der er geradewegs durch den Nachtstuhls Karls des Großen in Deutschlands Zukunft blickt- die düster ist. Heine kritisiert die Zustände, hat aber keine Lösung parat. Er möchte lieber seine Meinung immer und überall kundtun, und die Zensur verspottet er sehr. Caput XI gefiel mir sehr - denn der Dichter befand sich im Teutoburger Wald- er sinniert, wenn die Römer die Schlacht gegen die Germanen gewonnen hätten, würden derzeit in Deutschland römische  Sitten und deren Sprache herrschen. Er ist letztendlich froh, das Hermann die Schlacht gegen Varus gewann. "Und wir sind Deutsche geblieben."

    Mir hat der anspruchsvolle Ausflug in Heines Verse viel Freude bereitet. An manchen Stellen bin ich nicht konform mit ihm, die "Nachttopf-Nummer" fand ich zu derb, und in der damaligen Zeit bestimmt auch Anstoß. Lesenswert sind die Verse allemal.


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    Leuchtturmwaerterins avatar
    Leuchtturmwaerterinvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Wunderbare Verse, gewitzte Spitzen und Gespür für die Probleme der Landbevölkerung damals.
    Rezension zu Heinrich Heines "Deutschland. Ein Wintermärchen"


    Inhalt:
    Im Herbst 1843 reist Heinrich Heine von Paris nach Hamburg. Unzufrieden mit den politischen Zuständen in seiner Heimat und seiner persönlichen Situation als Deutscher und Jude, verfasst er eine Anklageschrift gegen Zensur, Militarismus und Restauration, die 1844 im Verlag Hoffmann & Campe erscheint. Schon im gleichen Jahr wird »Deutschland. Ein Wintermärchen« in Preußen verboten und beschlagnahmt – doch umso höher schlugen die Wellen. 

    Autor:
    Heinrich Heine, 1797 als Sohn jüdischer Eltern in Düsseldorf geboren, arbeitete nach seinem Jurastudium als Journalist und Schriftsteller. 1831 ging er nach Paris ins Exil, einige Jahre später wurden seine Werke in Deutschland verboten. Er starb 1856 in Paris.

    Meinung:

    Heine hat damals wirklich kein Blatt vor den Mund genommen. Für seine Zeit war er ein ganz Großer. 
    Tolle Dichtkunst gepaart mit jeder Menge Wortwitz und Spitzen gegen das Establishment. 
    Besonders gefallen haben mir die Verse über den Verleger Campe. Er war der, der Heine ein Sprachrohr gab, um seine Kunst zu veröffentlichen. Auch wenn sich damit einige aufs Füßchen getreten gefühlt haben müssen.
    Teilweise waren mir die Kapitel zu politisch, doch genau darum ging es ihm wahrscheinlich bei dem ganzen Werk. Wenn man bedenkt, dass er als Sohn deutscher Juden in einer Zeit gelebt hat, wo es bereits immer wieder Anfeindungen gegen alles jüdische gab und er sich erdreistete über die Katholische Kirche und Jesus zu urteilen, war das alleine schon ein Grund warum er lange im Exil gelebt hat. Sich dann aber auch noch gegen das Establishment zu stellen und ein liberaleres Deutschland zu fordern, das war wahrscheinlich noch schlimmer in den Augen der Obrigkeit.

    Fazit:
    Heine war ein Kämpfer seiner Zeit. Er kämpfte mit dem was er zur Verfügung hatte, mit Worten! Zum Lachen und zum Grübeln gleichermaßen. Es sollte mehr von solchen Enthusiasten geben, die einstehen für ihre Sache.

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    Farbwirbels avatar
    Farbwirbelvor 2 Jahren
    Eine kritische Reise durch den Flickenteppich

    Das Versepos „Deutschland. Ein Wintermärchen“ von Heinrich Heine hat mich persönlich ganz schön zum Stutzen gebracht. Doch erst einmal einen Einblick:

    Das lyrische Ich steht dem Autor Heine in dem Epos sehr nahe. Heinrich Heine selbst war nach Frankreich ins politische Exil gegangen, da er als Jude nicht in Deutschland juristisch tätig werden konnte und literarisch von der Zensur verfolgt wurde.

    Zwölf Jahre nach Exilantritt reist er nun von Paris durch Westdeutschland nach Hamburg, seine Heimatstadt, und durchquert dabei Aachen, Paderborn, den Kyffhäuser, Minden, Köln usw.

    Die Sonne ging auf bei Paderborn,

    Mit sehr verdrossener Gebärde.

    Sie treibt in der Tat ein verdrießlich Geschäft –

    Beleuchten die dumme Erde!

     

    Hat sie die eine Seite erhellt,

    Und bringt sie mit strahlender Eile

    Der anderen ihr Licht, so verdunkelt schon

    Sich jene mittlerweile.

    - S. 35

    Gleich zu Beginn seiner Reise wird er an der Grenze von den Pickelhauben angehalten und mokiert sich köstlich über diese. Aachen findet er sterbenslangweilig. In Köln wird der Dom weitergebaut, was er als Frevel empfindet, da der katholische Glaube nach ihm Europa unterjoche und die Reformation Deutschland davon befreit haben sollte.

    Weitere Orte folgen und unter anderem begegnet er im Kyffhäuser dem verstorbenen König Barbarossa – im Träum versteht sich.

    Nach einigen Episoden kommt er dann in Hamburg an und begegnet dort Hammonia, der Schutzpatronin der Stadt, die ihm einen Blick in die Zukunft Deutschlands gewährt.

    Am Ende mokiert er sich viel über Deutschland, welches sich damals im so genannten Flickenteppich-Status befindet, schwankt zwischen revolutionären Gedanken und dem alten Kaiserreich hin und her und beklagt sich viel über die Zensur. Derweil betreibt er sozusagen Schleichwerbung für die Verleger Hoffmann und Campe und schwärmt davon, wie er Deutschland wiederum vermisst und wie es ihn poetisiert.

    Das Versepos ist in 27 Capites eingeteilt und wurde in vierversige Strophen eingeteilt. Die Verse sind leicht zu lesen, auch wenn man immer wieder darauf achten muss, sich vom Reimschema nicht einlullen zu lassen und auf den Inhalt zu achten.

    Am Ende muss ich sagen, stehe ich ein wenig allein im Wald herum und weiß nicht so recht, wie ich das Werk einsortieren soll. Mir ist Heine durch diese Schrift nicht wirklich sympathisch geworden, noch kann ich zu hundert Prozent benennen, was mich daran störte. Er schwärmt für die positiven Entwicklungen in Deutschland, die tolerante und reflektierende Menschen mehrt und dennoch hat das ganze einen seltsamen Schein.

    Das alte Geschlecht der Heuchelei

    Verschwindet, Gott sei Dank, heut,

    Es sinkt allmählich ins Grab, es stirbt

    An seiner Lügenkrankheit.

     

    Es wächst heran ein neues Geschlecht,

    Ganz ohne Schminke und Sünden,

    Mit freien Gedanken, mit freier Lust –

    Dem werde ich alles verkünden.

    -S. 69f

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    pardenvor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Eine kritische Dichtung, die den vorherrschenden politischen Zuständen der damaligen Zeit frech den Spiegel vorhielt... Beeindruckend.
    Reisebilder und kritische Dichtung...

    REISEBILDER UND KRITISCHE DICHTUNG...

    Da ich Heinrich Heines Klassiker "Deutschland. Ein Wintermärchen" noch gar nicht kannte, aber bereits in Erfahrung gebracht hatte, dass es zum Verständnis des Werkes gut wäre, über bestimmte historische, politische, religiöse, mythologische und literarische Kenntnisse der damaligen Zeit zu verfügen, beschloss ich, mir nicht nur den Text als solchen zu besorgen, sondern gleich ein Buch, in dem auch Erläuterungen und Kommentare dazu abgedruckt sind.
    Ich entschied mich letztlich für das Werk aus der Reihe "Suhrkamp BasisBibliothek".

    Nach der Lektüre des Buches nun die Frage: wie kann man es bewerten? Wonach sich dabei richten?
    Bei den Kommentaren war mir wichtig, dass sie leicht verständlich, strukturiert und informativ gleichzeitig waren. Dabei nicht zu lang, also nicht ermüdend. Mir hat das in diesem Buch wirklich gut gefallen. Kurz und prägnant waren die Erläuterungen sowie äußerst hilfreich, um das Werk Heines in einen angemessenen Gesamtrahmen einordnen zu können.

    Wie aber kann man nun einen "Klassiker" bewerten? Die Form - es handelt sich bei dem Werk um ein Versepos - ist sicher nicht mehr zeitgemäß, genauso wenig die Sprache. Erstmals erschien "Deutschland. Ein Wintermärchen" im Jahr 1844.
    Doch obwohl das Versepos für mich teilweise anstrengend zu lesen war, gerade auch durch die unterbrechenden Texterläuterungen, ohne die ein Verständnis jedoch erschwert oder sogar unmöglich wäre, fand ich es sehr beeindruckend. Mit dem nun vorhandenen Hintergrundwissen um die damaligen politischen und gesellschaftlichen Umsände ist das Werk m.E. nicht hoch genug einzuschätzen...

    Nach 12 Jahren Emigrantentums in Paris erfasst Heine das Heimweh, und er tritt eine Reise quer durch Deutschland an bis in seine Heimatstadt Hamburg. Beim Wintermärchen handelt es sich jedoch nicht nur um in Verse gebrachte Reisebilder.
    Das Werk ist vielmehr in erster Linie eine Satire auf die Missstände der damaligen deutschen Gegenwart, eine kritische Dichtung, die den vorherrschenden politischen Zuständen sozusagen den Spiegel vorhielt. Dabei war es nicht einfach, das Werk an der scharfen Zensur vorbei so zu erhalten, dass es seinen Charakter nicht verlor...

    Auch wenn Heine in einem anderen Jahrhundert (-tausend) lebte als wir heute, war es für mich tatsächlich ein Vergnügen, die Verse zu lesen. An manchen Stellen musste ich richtig schmunzeln, weil ich mir die Reaktionen der politischen wie kirchlichen Obrigkeit auf derartige "Frechheiten" gut vorstellen konnte.

    Insgesamt komme ich trotz anstrengender Lektüre also zu einer sehr guten Bewertung - sowie zu der dämmernden Erkenntnis, dass Klassiker wohl nicht umsonst Klassiker geworden sind...


    © Parden

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    bookscolorsandflavors avatar
    bookscolorsandflavorvor 5 Jahren
    Ein Klassiker, den man kennen sollte

    Eine Satire als Versepos. Ein Klassiker der deutschen Literatur aus dem 19. Jahrhundert. Ein Reisebericht, der den Weg von Frankreich im Exile nach Hamburg zu Heines Familie führt.
    Neben der Eindrücke, die er auf der Reise sammeln konnte, werden auch sehr oft politische Angriffe verübt. Heine reiht Dialoge, Träume und Zukunftsgedanken aneinander.
    Ein tolles Bildungsgut aus deutscher Feder, wer sich für die damalige Literatur interessiert, kommt eh nicht drum rum dieses schmale Buch zu lesen.

    Fazit: Vielleicht nicht mehr ganz zeitgemäß aber ein Zeugnis aus vergangener Zeit. Jene, die keine Gedichte mögen, sollten sowieso die Finger davon lassen. Heinrich Heines "Deutschland. Ein Wintermärchen" gilt als meisterliches, politisches Gedicht, zurecht. 

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 6 Jahren
    Rezension zu "Deutschland. Ein Wintermärchen" von Heinrich Heine

    "Poesie - Punk" Heinrich Heine war der Held meiner Teenietage und noch immer nehme ich gern seine Gedichtbände zur Hand. Die politische Satire "Deutschland, ein Wintermärchen" war meine Schulzeitbibel und ist mein absoluter Heine - Favorit:
    Nach 13 Jahren im französischen Exil kehrt Heinrich Heine in die deutsche Heimat zurück - Mutti besuchen. Lästernd reist er durch das Land der ver(w)irrten Romantiker, aus dem man ihn verbannt hat und macht sich dabei mit sichtlichen Vergnügen noch einmal so richtig beliebt. Mit derben Humor und ironisch - bissigen Pointen entfacht Heine ein Versgewitter, das sich gewaschen hat. Vom Zensor über den Lokalpolitiker bis zur Sagengestalt muss so ziemlich jeder, der seinerzeit Rang und Namen hatte, den ein oder anderen Seitenhieb einstecken. Den heutigen Leser freut´s. Heines Dreistigkeit ist erfrischend, seinem Mut zum unbequemen Wort gehört Respekt gezollt. Lesern, bei denen "Deutschland, ein Wintermärchen" nicht wenigstens ein bisschen Sofarevoluzzertum entfacht, seien an dieser Stelle Clemens Brentano und Herr von Eichendorff ans Herz gelegt - die machen ganz hübsche Gedichte über die Natur.
    Sehr verständig gelesen wird "Deutschland, ein Wintermärchen" ürigens von Eberhard Esche! Die Aufnahme aus dem deutschen Theater ist einfach grandios :)

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    Nierlavor 7 Jahren
    Rezension zu "Deutschland" von Heinrich Heine

    Der Titel täuscht: Heinrich Heine präsentiert dem Leser hier kein klassisches Märchen, in dem Deutschland romantisch-verklärt dargestellt wird. Viel eher nimmt er uns mit auf eine Reise durch die Landschaften und großen Städte Deutschlands, unter anderem Köln und Aachen, wobei diese, genau wie die sie regierenden Monarchen und Politiker, gnadenlos aufs Korn genommen werden. Zudem begegnet er im Traum neben anderen Gestalten auch einer Heiligen und König Barbarossa. Heine lebte mit dieser Gesellschaftskritik gefährlich, der heutige Leser kann sich dagegen an der direkten, unverfälschten Lyrik (das Epos ist in Versen verfasst) erfreuen, die sich durchaus, im einen Vers scheinbar voll des Lobes über die zeitgenössische Gesellschaft, im nächsten in einen deftigen Rundumschlag gegen ebendiese verwandeln kann.

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    Gilfaenvor 8 Jahren
    Rezension zu "Deutschland" von Heinrich Heine

    Das 1844 bei Hoffmann und Campe erschienene satirische Versepos "Deutschland. Ein Wintermärchen" handelt von einer Liebe. Und von einer Abrechnung. Heinrich Heine liebt sein Land, liebt Deutschland, vor allem seine Heimatstadt Hamburg und dessen Wappenfigur Hammonia. Aber er muss auch abrechnen mit diesem Land. Mit dem deutschen Philistertum, mit der preußischen Zensur, dem Chauvinismus und Militarismus, mit den Bürgern, die erscheinen, als hätten sie den "Stock nicht mehr im Hintern, sondern ihn stark verinnerlicht." Er erzählt von Freiheitsbestrebungen, sieht Frankreich und dessen Revolution von 1789 als Vorbild, Napoleon als große Figur dieser "Staatsveränderung"; er erzählt von Nationalismus, von den Farben Schwarz-Rot-Gold und gleichzeitig räumt er auf mit den restaurativen Tendenzen im Staat, die sich lieber bemühen einen im Mittelalter unterbrochenen Dombau zu beenden, um die Vergangenheit zu beschwören als ihre Waffen zu nehmen und nach vorne zu schauen.

    Man reist mit Heine aus Frankreich durch Elsass-Lothringen, durch den Teutoburger Wald, durch Minden und Brückeburg nach Hamburg, um die Mutter zu besuchen; dort wird miteinander gespeist, man unterhält sich und gibt doch nur unausreichend Auskunft. Heine spaziert durch Hamburg und trifft im Dirnenviertel auf ein wunderschönes Mädchen, er verbringt die Nacht mit ihr und sie offenbart ihm die Zukunft der Deutschen, die er nicht verraten kann, und die, selbst wenn er sie offenbarte so oder so durch die Zensur entfernt werden würde.

    Dies ist nicht nur eine Reise durch West- und Norddeutschland, bei der man Wahrzeichen einer Stadt schon erkennt, bevor sie namentlich erwähnt werden (z.B. der "riesige" Dom von Köln), sondern es geht Heine um viel mehr in diesem nur in Jamben verfassten Werk. Es ist ein Porträt. Ein Porträt der Gesellschaft seiner Zeit; die nur bruchstückhaften, aber dennoch aussagekräftigen Beschreibungen sagen sehr viel aus. Heine beschreibt Kirchenmänner, die "Wasser predigen und Wein trinken", er beschreibt den hohen, preußischen Militarismus mit seinem Wahrzeichen, dem Adler, den er "am liebsten erwürgen würde". Heine bildet nicht nur Gruppen wieder, sondern auch politische Strömungen, andere Künstler wie Körner oder Bartholdy und immer wieder wird der Unterschied spürbar; zwischen der romantischen Wahrnehmung Deutschlands mit seinen "Schankstuben und hübschen Weibern" und den abergläubischen, fehlgeleiteten, politischen Tendenzen der Restauration.

    Ich gestehe ganz ehrlich, ohne die Anmerkungen wäre es schwierig gewesen einige Symbole zu entziffern oder auch Anspielungen auf zeitgenössische Werke zu verstehen, wenn Heine z.B. Liedzeilen aus den "kriegerischen" Liedern Theodor Körners einbaut. Das Werk ist durchzogen von Wortspielen, Wortwitzen, Übertreibungen, Ironie und Sarkasmus, die ein großes Lesevergnügen bereiten, wenn man weiß, was genau jetzt verunglimpft wird.
    Und selbst wenn nicht, dieses Werk ist durchzogen von großer Bedächtigkeit für eine größere Rolle des Dichters für das politische Geschehen in seinem Land und auch die der Anderen sich zu engagieren.

    Auch wenn dieses Werk nicht leicht lesbar ist und man bestimmt seine Zeit braucht um hinein zu finden, so ist es doch eine "gute Sache", wenn man entdeckt, was Heine einem hier gegeben hat.

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    Heike110566s avatar
    Heike110566vor 9 Jahren
    Rezension zu "Deutschland. Ein Wintermärchen" von Heinrich Heine

    Heine (1797-1856) veröffentlichte dieses satirisch-politische Versepos 1844, nachdem er im Oktober 1843, nach 13 Jahren Exil in Frankreich, Deutschland wieder besuchte. 1831 war Heine, der in Deutschland unter der Zensur litt, als Korrespondent der Augsburger "Allgemeinen Zeitung" nach Paris gegangen, um über die Ereignisse und Zustände in Frankreich nach der Julirevolution (1830) zu berichten. Nachdem 1835 seine Schriften im Zuge des Verbots der literarischen Bewegung "Junges Deutschland" ebenfalls verboten wurden, wurde Paris zu seinem Dauerexil.
    "Deutschland. Ein Wintermärchen" ist eine Satire auf das reaktionäre Deutschland in der Zeit des Vormärz (Zeit zwischen dem Wiener Kongress 1815 und der Märzrevolution 1848). Sie ist in eine bildreiche, volksliedartige Sprache gefasst, die voller ironisch formulierter Kritik an den Zuständen, vor allem dem deutschen Militarismus und reaktionären Chauvinismus, ist. Heine sah in der französischen Revolution den Aufbruch in die Freiheit und stellt seine Vision eines neuen Deutschlands den tatsächlich herrschenden Zuständen gegenüber. Heines Kritik war keine Kritik eines Feindes Deutschlands, sondern seine Kritik erfolgte aus Vaterlandsliebe heraus.
    Unter Umgehung der Zensur veröffentlichte Heine sein Epos 1844 in Deutschland in seinem Gedichtband "Neue Gedichte". Das Buch wurde im Oktober 1844 verboten und im Dezember des gleichen Jahres erließ der preu- ßische König Friedrich Wilhelm IV. einen Haftbefehl gegen Heine, der sich aber inzwischen wieder sicher in seinem Pariser Exil befand.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    NiWas avatar
    Willkommen zur aktuellen Leserunde der Gruppe Klassiker Leserunden
    Wir wollen ein bisschen Leben in die altehrwürdige Literaturwelt bringen. Daher haben wir beschlossen, einige Klassiker gemeinsam zu lesen.

    Beginn: 10. Jänner 2017

    !!! Wichtig !!!: Bei dieser Leserunde lesen wir unsere eigenen Bücher, es werden keine Exemplare verlost!

    Für den Jänner haben wir uns „Deutschland. Ein Wintermärchen“ von Heinrich Heine ausgesucht.

    Klappentext:
    Eine Reise durch Deutschland von Paris aus nach Hamburg im Jahre 1843 nimmt Heine zum Anlass einer ironischen Bestandsaufnahme der sozialen und politischen Wirklichkeit seiner Zeit. Das -Wintermärchen- ist in Wahrheit ein tief pessimistisches Bild des deutschen -politischen Winters- und ein höchst engagiertes sozialrevolutionäres Programm. gegen Nationalismus und religiöse Bevormundung. Für ein erfülltes Leben in Frieden und Freiheit.

    Die Leserunde beginnt am 10.01.2017 und die Klassiker-Leserunden-Gruppe freut sich über jeden, der mit uns „Deutschland. Ein Wintermärchen“ lesen will.:-) 
    Zur Leserunde

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