Worum geht es? In zehn Geschichten werden Personen (meistens Kinder) gezeigt, die entweder nicht brav sind oder auch schlimmere Dinge tun, die dafür die Konsequenzen tragen. Dabei geht es natürlich nicht immer (wie so oft behauptet wird) bis zum Tod. Der eponyme Struwwelpeter wird einfach nur verspottet, weil er so unhygienisch ist, der Zappelphilipp reißt alles vom Tisch herunter, so dass die Familie hungern muss.
Gut gefallen hat mir natürlich die Geschichte vom Jäger und dem Hasen:
„Es zog der wilde Jägersmann/sei grasgrün neues Röcklein an;/nahm Ranzen, Pulverhorn und Flint,/und lief hinaus ins Feld geschwind./Er trug die Brille auf der Nas‘/und wollte schießen tot den Has./Das Häschen sitzt im Blätterhaus,/und lacht den blinden Jäger aus.“
Mitte des 19. Jahrhunderts hat Dr. med. Heinrich Hoffmann die Geschichten für seinen dreijährigen Jungen geschrieben. Das Heft kam bei Verwandten und Freunden gut an und wurde zu Weihnachten 1845 unter dem Titel „Lustige Geschichten und drollige Bilder“ erstmals veröffentlicht.
Die Reime sind lustig, dass seine Knittelverse keine große Dichtkunst sind, darüber braucht man wohl kein Wort zu verlieren. Auch die Illustrationen gefallen mir sehr gut.
Einige Namen wie „Zappelphilipp“, „Suppenkaspar“, Hanns Guck-in-die-Luft, sind bis heute geblieben. Das Buch ist in zahlreichen Übersetzungen erschienen (ich finde die sechssprachige ganz gut) und zigfach in unterschiedlichen Zusammenhängen rezipiert und adaptiert worden. Es ist also ganz klar eines der einflussreichsten Kinderbücher aller Zeiten.
Während manche es als untragbare „Schwarze Pädagogik“ und sehr ernst sehen, erkennen andere in dem Buch eher „Schwarzen Humor“. 1970 veröffentlichte der Frankfurter Zeichner F. K. Waechter 1970 seinen „Anti-Struwwelpeter“, in dem die Eltern die Strafen bekommen.
Interessant finde ich, dass einige (so habe ich in dem Wiki-Artikel gelesen) die Figuren in Bezug zu psychiatrischen Krankheitsbildern gelesen haben. Der Verfasser war sowohl Arzt als auch Psychiater. So z.B. bei Friedrich als Störung des Sozialverhaltens (und der hatte ja in meinen Augen eine viel drastischere Strafe verdient).
2013 erschien ein Buch „Hanns-Guck-auf-den-Bildschirm“, ein Cyber-Peter. Und nicht zuletzt gibt es auch noch von Rammstein den Song „Hilf Mir“ auf dem Album Rosenrot.