Der Untertan

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Inhaltsangabe zu „Der Untertan“ von Heinrich Mann

"Der Untertan", die Geschichte Diederich Heßlings, in jungen Jahren von einem drakonisch strafenden Vater und einer saumseligen Mutter großgezogen, anschließend weiter zurechtgeschliffen im Schul- und Militärdrill der wilhelminischen Ära, gerät bei Heinrich Mann zum Fallbeispiel deutscher Katzbuckelei und Tyrannenmentalität, die sich Macht und Gewaltstrukturen unterwirft, um letztlich an ihnen teilhaben zu dürfen. Heßling, vordergründig als Aufsteiger gefeiert, übernimmt die väterliche Papierfabrik und wird zum mächtigsten Bürger der fiktiven Kleinstadt Netzig. In seiner Mimikri geht er dabei soweit, neben der chauvinistischen Phrasendrescherei der Deutschnationalen auch noch das äußere Erscheinungsbild des Kaisers zu imitieren. Eine "Bilderbuchkarriere", wie sie nur durch "ein Sinken der Menschenwürde unter jedes bekannte Maß" zustande kommen konnte, wie Heinrich Mann in einem Brief von 1906 festhielt. Mit dem Werkbeitrag aus Kindlers Literatur Lexikon. Mit Daten zu Leben und Werk, exklusiv verfasst von der Redaktion der Zeitschrift für Literatur TEXT + KRITIK.

Ein Werk, dass die Einstellungen der Zeit deutlich zeigt.

— umbrella
umbrella

Alles, was man über die Gesellschaft des deutschen Kaiserreiches wissen muss.

— ScharffH
ScharffH

Fabrikbesitzer und Royalist Diederich Heßling empfindet sein Leben im Kaiserreich als mühsam, obwohl er zur privilegierten Schicht gehört.

— Soeren83
Soeren83

"Das Herbarium des deutschen Mannes" (nach kurt Tucholsky).

— JoAD40
JoAD40

Der subalterne Machtmensch wie er -immer noch- leibt und lebt.

— Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer

Über Unterdrückung und unterdrückt werden. Diederich Heßling zur Zeit der Kaiserzeit. Interessant, aber nicht mein Fall.

— Steppp
Steppp

Ein schonungsloser Gesellschaftsspiegel mit offenen Fragen, die einen nicht mehr loslassen.

— Dostojewska
Dostojewska

Eine unbedingt lesenswerte politische Satire über einen Kaisergetreuen - mit erstaunlich aktuellem Bezug

— Ginevra
Ginevra

Sicherlich kein Buch für jedermann, doch will man die Zeit vor dem 1. Weltkrieg besser verstehen, sollte man es lesen! Ein Klassiker!

— Orisha
Orisha

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  • "Der Untertan" von Heinrich Mann

    Der Untertan
    dot

    dot

    09. June 2016 um 21:10

    Im Roman "Der Untertan" von Heinrich Mann geht es um Diederich Heßling, der zur Zeit des Kaiserreichs am Ende des 19. Jahrhundert lebt. Diederich wächst in einem strengen Elternhaus in Netzig auf, wodurch er früh einen Einblick in die Machtverhältnisse bekommt und sie zugleich zu bewundern beginnt. Durch seinen Werdegang  im Schul- und Militärdienst, sowie im Studium und der Übernahme der Papierfabrik seines Vaters, wird aus ihm ein sehr selbstbezogener Mensch, der seine Vorteile auf Kosten anderer ausspielt und nur jene respektiert, die ihm übergeordnet zu sein scheinen. [...]"Der Untertan" ist ein Klassiker, der sehr gut die politischen Verhältnisse des 19. Jahrhunderts verdeutlicht, der aber teilweise wohl auch noch immer als zeitgemäß betrachtet werden kann.

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  • Spannender Sprung in die (kritikwürdige) Gesellschaft des Kaiserreichs

    Der Untertan
    Soeren83

    Soeren83

    05. May 2016 um 10:32

    Heinrich Mann hat es im "Untertan" verstanden, die perfiden Mechanismen des ausgehenden Kaiserreichs absolut lesenswert zu beschreiben. Hauptfigur Heßling buckelt nach oben und tritt nach unten, ist nur auf den eigenen Vorteil bedacht und sieht Deutschland als Weltmacht - welch' dunkle Vorahnung Mann in dem kurz vor dem Ersten Weltkrieg verfassten Roman doch indirekt ausformulierte. Kein Geschichtsbuch, wohl keine Zeitmaschine, könnten den Leser "das" Kaiserreich besser erfahren lassen als der an vielen Stellen herrlich ironische "Untertan".

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    • 3
  • Diederich Heßling war ein weiches Kind ...

    Der Untertan
    Gelöschter Benutzer

    Gelöschter Benutzer

    06. March 2015 um 16:28

    "Diederich Heßling war ein weiches Kind, das am liebsten träumte, sich vor allem fürchtete und viel an den Ohren litt“. Mit diesem Satz beginnt der Roman von Heinrich Mann, der kurz nach Ende des 1. Weltkriegs in Buchform veröffentlicht und so einer breiten Öffentkchkeit zugänglich wurde.Schon dieser Auftakt legt die Absicht des Autors dar, hier eine Art Fallstudie in Form einer Satire auszubreiten. Alle negativen Aspekte eines Obrigkeitsdenkens, des Kadavergehorsams im deutschen Kaiserreich vor 1914, in der das Militär überhöht wurde, in der die Pickelhaube und der Säbel als Eintrittskarte zum sozialen Aufstieg galten und wo das unreflektierte Nachäffen von Sprache, sinnentleerten Verhaltensmustern, penetranter Selbstüberhöhung und hohlen Gebräuchen die den Wilhelminismus auszeichneten und die zum Alltag gehörten, werden genüßlich ausgebreitet.In vielen kleinen Episoden, die chronolgisch miteinander verknüpft sind, wird der Werdegang eines im Grunde genommen zutiefst unangenehmen Menschens nachgezeichnet, der den Leser zeitweise zwischen Kopfschütteln, ungläubigen Staunen, aber immer leicht schmunzelnd zurückläßt. Heßling lernt im Verlauf seines persönlichen Werdegangs, daß es stets von Vorteil ist, grenzenlosen Opportunismus an den Tag zu legen, die Obrigkeit und deren allumfassenden Machtanspruch widerspruchslos zu verehren, es sich selbst zum erstrebenswerten Ziel zu setzen, an dieser Macht rauschhaft teilzuhaben und, sofern es ihn nicht in Gefahr bringt, andere zu denunzieren oder zu erniedrigen. Es fasziniert ihn, Macht selbst auszuüben oder ausüben zu lassen, er hängt sinnentleerten Ritualen und Phrasen an, er schließt Zweckbündnisse auf Zeit, die ihn nichts kosten sollen und aus der Reserve locken dürfen, ihn zu Aussagen bewegen könnten, auf die er festgelegt werden kann. Schlüsselszenen sind unter anderem sein Verhältnis zu einem sozialdemokratisch orientierten Vorarbeiter seiner Papierfabrik, wobei Mann deutlich macht, wie sehr sich beide Männer, die sich wechselseitig nicht ausstehen können, zum eigenen Vorteil mit ihrem Gegner paktieren: eine klare Kritik am Verhalten der SPD gegenüber Reichskanzler und Kaiser unmittelbar am Vorabend des 1. Weltkriegs. Auch die Gegnerschaft zwischen Heßling und der Figur des alten Buck und dessen politischen Ansichten als Repräsentant der Revolution von 1848 wird hier personifiziert als Beschreibung des Untergangs liberaler Ideen und Grundsätze vor dem Hintergrund des unüberhörbaren Säbelrasselns im deutschen Kaiserreich. Im Grunde beschreibt Mann damit aber eine Welt in Deutschland, die 1918 bei Erscheinen des Buches in dieser exzessiven Form zwar nicht mehr existierte, wobei aber schon die Weichen gestellt wurden. die den Zug langsam die Fahrt hinein in den Abgrund des 2. Weltkriegs aufnehmen ließ.Wir glauben diese einzelnen Typisierungen, jene Charaktereigenschaften, die Diederich Heßling in sich vereinigte, längst hinter uns gelassen zu haben, wir lachen heute über die martialischen sowie die linkischen und banalen Auftritte und ebenso die verqueren, phrasenhaften Ansichten, die Heinrich Mann in seinem Buch so lustvoll mit Liebe zum Detail beschreibt, aber es wird uns damit auch ein Spiegel vorgehalten; wir sind und bleiben gefährdet.   

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  • Zeitlos

    Der Untertan
    Alira

    Alira

    Zeigt auf, was mit Kindern passiert, die in einem Klima von häuslichem Gehorsam und kirchlicher Autorität aufwachsen: Solche Menschen werden Erwachsene ohne eigene Meinung und ohne Rückgrat und sind leichte Opfer “charismatischer” Politiker/Gurus/..... Woraus folgt: Eines der größten Übel unserer Kultur ist, dass Kinder glauben sollen, ihre Eltern wüssten alles. Daher passen sie (die Kinder) sich - um zu überleben - bis zur Selbstverleugnung an, hassen sich dafür unbewusst selbst und unterwerfen sich ohne Gegenwehr auch schädlichen “Autoritäten”. Ein Buch mit viel Komik und einem scharfen Blick auf die gesellschaftlichen Zustände der Zeit des Autors. Der “Dr. Heßling unserer Zeit” wäre vielleicht Vorstand einer Aktiengesellschaft und würde in Richtung Aktionäre buckeln und hinunter, auf die Belegschaft, treten. Er wäre wahrscheinlich verheiratet, hätte eine Geliebte und würde für SM-Spiele bezahlen. Es hat sich also in den letzten hundert Jahren nicht viel geändert.PS: Der vorletzte Absatz ist eine Vorwegnahme zu meiner Rezension des Buches von Arno Gruen "Wider den Gehorsam".

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    • 2
    Arun

    Arun

    19. November 2014 um 17:04
  • Der Untertan von Heinrich Mann

    Der Untertan
    Julia^-^

    Julia^-^

    08. November 2014 um 14:29

    Diederich wächst in einer guten Familie in einer kleinen Stadt auf. Früh merkt er das ihn das Prinzip von Macht und Unterwerfung anzieht. Als er in Berlin Medizin studiert verändert sich sein leben.Es tut mir sehr leid für alle die diesen Roman sehr gut finden und denken das die Jugend das Thema einfach nicht versteht und deswegen den Roman nicht leiden kann. Ich verstehe den Roman, ich verstehe das Thema, das Thema ist interessant, ich hatte dazu eine 1 in Geschichte...und ich finde das Buch immer noch schrecklich! Tut mir Leid, liebe Jugendkritiker. Zum einen liegt mein missfallen natürlich an Diederich, wenn mir der Protagonist so gegen den Strich geht gefällt mir meist auch das Buch nicht. Natürlich, Diederich MUSS dem Leser gegen den Strich gehen, aber diese Art von Buch gefällt mir einfach nicht. Außerdem ist der Schreibstil von Mann zu trocken. Das kann daran liegen das dass Buch schon so alt ist, aber ich weiß es nicht. 1 Stern.

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  • Des Kaisers letzter Untertan

    Der Untertan
    DaniB83

    DaniB83

    Diese Rezension fällt mir besonders schwer, denn die offizielle Erstausgabe erschien vor fast einhundert Jahren, und zwar 1919. Zu diesem Zeitpunkt gab's keinen Kaiser mehr in Österreich und somit konnte das Buch auch niemanden mehr echauffieren.Heinrich Mann war der ältere Bruder des viel erfolgreicheren Thomas Mann (Buddenbrooks, Der Zauberberg,...). Doch zu ihm möchte ich hier gar nicht viel sagen, denn die Eckdaten wie Geburtstag, Werdegang etc. kann man bei Interesse ja im Internet nachschlagen. Viel mehr möchte ich mich auf den Inhalt beziehungsweise die Aufmachung konzentrieren.Ich halte die 5. Auflage aus dem Fischer Taschenbuch Verlag in der Rubrik "Fischer Klassik" in Händen, welche zusätzlich zum Roman noch Daten zu Leben und Werk sowie einen Werkbeitrag aus dem Kindler Literatur Lexikon enthält. Letzterer verrät auch, dass der Roman vor seiner offiziellen Veröffentlichung bereits in Zeitschriften bzw. als Privatdruck erhältlich war. Es geht um Diederich Heßling, der nach dem Studium und dem Eintritt in die Burschenschaft "Neuteutonia" die familieneigene Papierfabrik übernimmt und wegen seines Kaiserfaibles oftmals ziemlich daneben handelt.Frauen spielen in Diedls (so nennt ihn Mama Heßling) Leben eine mehr oder minder große Rolle, schlussendlich heiratet er sogar und lebt dort sein Regime aus. Dass hierbei Männer mehr wert sind als Frauen, muss nicht extra erwähnt werden, denn das Werk Manns strotzt nur so voller Ironie und Klischees, dass ich mir oftmals nicht mehr sicher war, ob es sich um ein Theaterstück (welches auch tatsächlich im Buch vorkommt) handelt oder ob die Erzählung hier weitergeht.Schwer war für mich der Einstieg, denn die Sprache und die Anordnung der Sätze ist doch etwas gewöhnungsbedürftig. Hat man die Anfangsschwierigkeiten überwunden und wird nicht zu oft unterbrochen, so kann die Geschichte schön und flüssig gelesen werden. Andernfalls wird's recht mühsam, da einem die Lektüre einiges an Konzentration abverlangt - zumindest ging's mir so. Ich werde wohl nicht ganz warm mit Heinrich Mann werden, aber dieser Roman ist sehr empfehlenswert, vor allem dann, wenn man sich die Begebenheiten des anfänglichen 20. Jahrhunderts vergegenwärtigt.Vielen Dank an LovelyBooks, den Fischer Verlag und aba für die Organisation!DIese Rezension ist auch auf meinem Blog http://www.buchwelt.co.at erschienen!

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    • 3
  • Nach oben buckeln, nach unten treten; Gesellschaftsanalyse des Kaiserreichs

    Der Untertan
    Talitha

    Talitha

    "Diederich Heßling war ein weiches Kind, das am liebsten träumte, sich vor allem fürchtete und viel an den Ohren litt."Die ersten Sätze des "Untertan" von Heinrich Mann deuten schon darauf hin, dass die Hauptfigur Diederich, Sohn eines Papierfabrikanten, mit diesen eher "weichen" und "unmännlichen" Eigenschaften in der streng hierarchisch aufgebauten und militaristisch und imperialistisch geprägten Gesellschaft des Kaiserreiches seine Probleme bekommen wird. Heinrich lernt schnell, wie er sich seine Weltsicht so hinbiegen kann, dass sie auf seinen Vorteil hin ausgelegt ist, wie er einerseits bei den Übergeordneten schleimt und andererseits bei den Untergebenen noch mal nachtritt, so wie es auch sein Vater, seine Lehrer und Ausbilder beim Militär vorgelebt haben. Diederichs größtes Vorbild und Anbetungsobjekt ist dabei der deutsche Kaiser Wilhelm II, dessen Reden er zitieren kann und schließlich sogar dessen Gedanken zu eintretenden Geschehenissen, wie z. B. der Erschießung eines Arbeiters durch einen Wachsoldaten, vorausdeuten kann...Ein hochpolitisches, historisch wichtiges und gesellschaftsanalytisches Buch über das Kaiserreich, durch das man auf unterhaltsame Weise lernen und erkennen kann, wie hier die Grundlagen für die spätere geschichtliche und gesellschaftliche Entwicklung des Deutschen Reiches und der Weimarer Republik bis hin zum Nazi-Regime gelegt wurden. Es erklärt z. B. auch, wieso der Verlust des Kaiserreiches nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg eine so bedeutende Rolle in den Köpfen der Menschen damals hatte, für die der Kaiser eine Art Gottheit war und ebenso, wieso die Weimarer Republik mit ihrem Modell der Demokratie, die von der kaiserlichen Gesellschaft abgelehnt wurde, nicht funktionieren konnte. Auch Gedankengut, was später bei den Nazis wieder auftaucht, wie Eugenik, Antisemitismus und Rassismus werden im Kaiserreich schon sehr deutlich...Neben dieser historischen Komponente gibt es jedoch auch die, die zeitunabhängig ist, nämlich die Analyse des Charakters von Diederich und seinen Mitmenschen. Man erkennt in seinem Wesen oftmals die lieben Arbeitskollegen, Verwandten oder auch Aussagen in den Medien wieder, was sehr gruselig ist, wenn man versteht, dass es diese schon vor 100 Jahren gab und wozu diese geführt haben.Bei den ganzen inhaltlichen Themen kommt der Lesespaß, sobald man sich in den sehr komplexen Erzählstil hineingefunden hat, nicht zu kurz. Man fiebert richtig mit, was als nächstes passiert und regt sich auch an vielen Stellen über die Dummheit und Verbohrtheit der Figuren auf. Dieses Buch lässt einen also nicht kalt und ist deshalb auf jeden Fall zu empfehlen! 

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    • 3
  • "Hochmut kommt vor dem Fall"

    Der Untertan
    eskimo81

    eskimo81

    Der Untertan, ein faszinierendes Buch welches aufzeigt, wie in früherer Zeit "Politik" gemacht wurde. Diederich Hessling, Sohn eines Papierfabrikanten, ist ein Träumer - zumindest in Kinderzeiten. Die strenge Erziehung des Vaters, Schläge waren an der Tagesordnung, haben ihn zu einem Mann reifen lassen, welcher ein eher "ungeniessbaren" Charakterzug auslebte. Schon früh lernte er für seine Vorteile zu kämpfen. Egoistisch schreitet er durch sein Leben, verletzt er andere, ist das egal, wichtig ist nur er und seine Politik, seine Liebe zum Kaiser. "nach oben buckeln und nach unten treten" (Zitat vom Rückentext) passt diesbezüglich genau! Diederich Hessling, der Untertan des KaisersEin wundervolles Buch welches Thomas Manns Bruder, Heinrich Mann verfasst hat. Als Klassiker-Ausgabe ist die Schriftart wie anno dazumal. Man muss aus diesem Grunde sicherlich mitdenken beim lesen, mich persönlich fasziniert jedoch genau das. Ein Werk, unverfälscht, wie es zu jener Zeit geschrieben wurde.Als spezielles Extra hat das Buch auch noch ein Werkbeitrag aus Kindlers Literatur Lexikon und Daten zu Leben und Werk, exklusiv verfasst von der Redaktion der Zeitschrift für Literatur TEXT + KRITIK Ich persönlich hatte lediglich Mühe damit, dass sich alles um Politik dreht. Sehr viele Fachbegriffe, die vermutlich für Deutsche Leser logisch und klar sind, musste ich kurz googlen. Nichts desto trotz ein wundervolles Buch, dass bereits 1919 aufzeigte, wie die Welt heute ist. Heinrich Mann beweist sehr viel Weitsicht, vieles, was er thematisiert ist auch heute noch Thema... Genau das ist so faszinierend an ihm. Grundsätzlich muss ich aber auch zugeben, dass mir der Schreibstil von Thomas Mann ein bisschen besser gefällt. Fazit: Ein absolut fantastisches Werk, ein Roman mit viel Niveau. Jeder, der eine Herausforderung sucht, etwas spezielles, ausgefallenes zu lesen wird sich hier wohl fühlen. 

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    • 6
  • Der Untertan

    Der Untertan
    Larischen

    Larischen

    Diederich Heßling ist Sohn eines Papierfabrikanten und wird von seinem Vater schon früh das Buckeln gelehrt. Der „schwache“ Junge soll zu einem richtigen Mann werden, sodass Schläge und elterliche Härte seine Kindheit prägen. Und schon früh zeigt sich, dass Diederich die Lektionen schnell versteht. Doch so wie er das buckeln nach oben lernt, so lernt er auch das treten nach unten - eine Konstante die sich durch sein Leben zieht. Diederich wird zu einem glühenden Anhänger des Kaisers, dessen oberstes Ziel es ist, das Beste für sich selbst herauszuschlagen. Dabei nimmt er auf andere keine Rücksicht, nur sein Ruf und sein eigenes Vorankommen zählen. Mit „Der Untertan“ hat Heinrich Mann eine brillante Gesellschaftskritik der damaligen Zeit geliefert. Diederich verkörpert perfekt den treuen Untertan des Kaisers, doch auch in seinem Umfeld sind einige Unikate zu finden, die bei näherer Betrachtung alle nicht unbedingt die Gunst des Lesers gewinnen können. Ich hätte sie teilweise am liebsten alle in einen Sack gesteckt. Vorteilsnahme und Klüngelei stehen an erster Stelle und wirklich aufrichtige Menschen sind kaum zu finden. Das besondere an diesem Werk ist wohl, dass es nicht nur eine Satire auf die obrigkeitstreue Gesellschaft des Kaiserreichs zu lesen ist, sondern (leider) immer noch aktuell ist. Es gibt sie eben auch bei uns, die Arschkriecher und Buckler. Sprachlich musste ich mich langsam einfinden. Ich fand es zwar durchgängig spannend und flüssig, doch Heinrich Mann hat keinen einfachen Schreibstil. Konzentration war beim Lesen unglaublich wichtig und ich brauchte absolute Ruhe um mich herum. Im Zug (mit kreischenden Teenies o.ä.) konnte ich das Buch nicht lesen. Aber es lohnt sich dran zu bleiben und sich auf Diederichs Geschichte einzulassen. Wer sich gerne mit Politik, Gesellschaft und Geschichte beschäftigt, dem kann ich Heinrich Manns „Der Untertan“ wirklich nur ans Herz legen. Denn hier kann man nicht nur etwas über die Vergangenheit lernen, sondern auch über unsere heutige Gesellschaft.

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    • 2
  • Leserunde zu "Der Untertan" von Heinrich Mann

    Der Untertan
    aba

    aba

    Ich freue mich, die nächste Leserunde zu der LovelyBooks Klassiker Zeitreise eröffnen zu dürfen.Mit "Der Untertan" von Heinrich Mann geht es weiter.Zur Ausgabe"Der Untertan", die Geschichte Diederich Heßlings, in jungen Jahren von einem drakonisch strafenden Vater und einer saumseligen Mutter großgezogen, anschließend weiter zurechtgeschliffen im Schul- und Militärdrill der wilhelminischen Ära, gerät bei Heinrich Mann zum Fallbeispiel deutscher Katzbuckelei und Tyrannenmentalität, die sich Macht und Gewaltstrukturen unterwirft, um letztlich an ihnen teilhaben zu dürfen. Heßling, vordergründig als Aufsteiger gefeiert, übernimmt die väterliche Papierfabrik und wird zum mächtigsten Bürger der fiktiven Kleinstadt Netzig. In seiner Mimikri geht er dabei soweit, neben der chauvinistischen Phrasendrescherei der Deutschnationalen auch noch das äußere Erscheinungsbild des Kaisers zu imitieren. Eine "Bilderbuchkarriere", wie sie nur durch "ein Sinken der Menschenwürde unter jedes bekannte Maß" zustande kommen konnte, wie Heinrich Mann in einem Brief von 1906 festhielt.Mit dem Werkbeitrag aus Kindlers Literatur Lexikon.Mit Daten zu Leben und Werk, exklusiv verfasst von der Redaktion der Zeitschrift für Literatur TEXT + KRITIK.Über Heinrich MannHeinrich Mann, 1871 in Lübeck geboren, begann nach dem Abgang vom Gymnasium eine Buchhhandelslehre, 1891/92 volontierte er im S. Fischer Verlag. Heinrich Mann hat Romane, Erzählungen, Essays und Schauspiele geschrieben. 1933 emigrierte er nach Frankreich, später in die USA. 1949 nahm er die Berufung zum Präsidenten der neu gegründeten Akademie der Künste in Ost-Berlin an, starb aber 1950 noch in Santa Monica/Kalifornien.Zusammen mit den S. Fischer Verlagen lade ich euch zu einer Leserunde zu diesem Klassiker ein.Für die Leserunde werden vom Verlag 10 Freiexemplare zur Verfügung gestellt. Diese werden unter den Interessenten verlost. Ihr könnt aber auch mit euren eigenen Exemplaren teilnehmen oder solche bei den Fischer Verlagen erwerben, wenn ihr diese Leserunde auf keinen Fall verpassen möchtet.Wer ein Exemplar gewinnen möchte, antwortet bitte bis zum 17.02.2014 auf folgende Frage:Heinrich Mann, Thomas Manns älterer Bruder, wurde als Schriftsteller noch vor seinem Bruder berühmt. Sein bekannter Roman "Professor Unrat oder Das Ende eines Tyrannen", 1904 entstanden, wurde in vielen Sprachen übersetzt. Dieser Roman ist eine Karikatur des deutschen Bildungsbürgers in einer anonymen norddeutschen Kleinstadt (offensichtlich Lübeck) und wurde 1930 unter dem Namen "Der Blaue Engel" verfilmt und erlang als einer der wenigen deutschen Filmen Weltruhm.Damals wurde Heinrich Mann scharf kritisiert, weil er für die Verfilmung Veränderungen an der Romanvorlage zugestimmt hat.Wurdet ihr schon mal von einer Klassiker-Verfilmung enttäuscht?Worüber habt ihr euch geärgert?Im Gewinnfall verpflichten sich die Teilnehmer der Leserunde, innerhalb von ca. vier Wochen zum Austausch in allen Abschnitten sowie zum Schreiben einer Rezension.

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    • 452
    aba

    aba

    23. April 2014 um 22:36
  • Über den Aufstieg eines Untergebenen

    Der Untertan
    Laupez

    Laupez

    Diederich Heßling, als Kind von seinem Vater geschlagen, wächst zu einem stattlichen Mann heran, der den verehrt, welcher ihm Überlegenheit zeigt. Alle anderen tritt er, auch wenn sie bereits am Boden liegen. Diederich wechselt ständig zwischen Feigheit und Übermut; wäre er ein Teenie heutiger Zeit, würde ein lebensgroßes Plakat Wilhelms II über seinem Bett hängen, mit Textmarkerherzchen verziert. Ein anspruchsvoller Roman, nicht nur über die Zeit des deutschen Kaiserreichs, sondern über die verachtungswürdigen Gesichter des Menschen. Erstaunlich, dass er einen Monat vor Beginn des Ersten Weltkriegs fertiggestellt wurde.Dem Höheren zu gehorchen, stellt sich als schweres Unterfangen heraus, ist das Höhere auch nur ein Mensch. Der Konflikt in Diederich, dem ein Untertan zu sein, der auch Schwächen zeigt, ist beinahe amüsant zu beobachten. Heinrich mit Thomas zu vergleichen, ist gemein, trotzdem lässt sich ein kleiner Vergleich hier gut einbringen. Die Fülle an Details, wie man sie beispielsweise bei Szeneriebeschreibungen der Buddenbrooks findet, fehlt beim Untertan. Der Fokus liegt hier an einer völlig anderen Stelle: Es geht nicht um einen äußerlichen wie innerlichen Verfall, sondern um einen Typen, wie er überall und jederzeit anzutreffen ist. Allgemeingültigkeit und politische Atmosphäre sind wichtig. Manns ironischer Humor ist allgegenwärtig. Man soll sich vor Diederich nicht fürchten und sich nicht gänzlich vor im ekeln. Was beim Lesen empfunden wird, ist eine Mischung aus Fremdschämen, Wut und Komik. Mir tut er eher leid, als dass ich ihm die Pest an den Hals wünsche. Besonders brachte mich zum Schmunzeln, wie Diederich auch äußerlich eine Imitation Wilhelms II angestrebt hat - ein Schnäuzer, der zu beiden Seiten spitz nach oben in Richtung Augen läuft. Von Diederichs Begegnungen mit dem weiblichen Geschlecht will ich gar nicht erst anfangen. Nichts bleibt von dem seltsamen Protagonisten. Man kann sich erdenken, wie er aussieht, Uniform und Wilhelmsschnäuzer. Doch das Gesicht hinter der Fassade bleibt ein verwischtes Bild. Erst nach dem Lesen fällt mir das auf und es wirkt umso erstaunlicher, mit welchem Geschick und welcher Intention Heinrich Mann seine Figuren gestaltet hat.Trotz allem bleibt ein Makel an der Konstruktion, der es mir hier und da schwer machte, zwischen schnell hintereinander folgenden Szenen nicht den Kopf zu verlieren. Ob es sich tatsächlich um einen ungewollten Schönheitsfleck handelt, sei dahingestellt. Auf diese Art und Weise erscheint die Gesamthandlung wie im Licht eines Theaterstückes. Man liest wie durch eine semipermeable Membran, Gedankenfetzen, die Diederichs Innerstes zeigen, wirken wie Messerstiche. Bis zum bitteren Ende ein erstaunlich durchgeplanter, bemerkenswert amüsanter und zugleich kaltherziger Roman - die perfekte Satire einer Gesellschaft, wie es sie nicht nur zur Zeit vor dem Ersten Weltkrieg gab.

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    • 3
    Laupez

    Laupez

    19. April 2014 um 15:59
  • Leben im Kaiserreich

    Der Untertan
    Curin

    Curin

    Diederich wächst in einem strengen Elternhaus im Kaiserreich auf. Schon früh erkennt er, dass man höher gestellten gehorchen muss und Unterliegene unterdrücken darf. Um im Leben vorwärts zu kommen geht er ohne Rücksicht auf Verluste vor und übernimmt nach dem Tod des Vaters dessen Papierfabrik in seinem Heimatort ... .Heinrich Mann skizziert in diesem Buch auf eine authentische Weise, wie das Leben und vor allem die Politik im Kaiserreich aussah und wie Kaisertreue und der Nationalismus sich darauf auswirkten.Der Protagonist Diederich Heßling verkörpert dabei den besonders kaiserverherrlichenden Bürger, der egoistisch seine Ziele verfolgt. Dabei bekommt man als Leserin immer wieder vor Augen geführt, wie Diederich vor jeder Entscheidung alle Möglichkeiten durchdenkt, aber sich trotzdem immer wieder für das entscheidet, was ihn am Besten dastehen lässt.Beim Lesen hat mich immer wieder erstaunt, welche Erfolge und Aufstiege er durch sein buckeln und treten erreicht und das gerade sein Verhalten ihn immer weiter bringt.Das Buch lässt den Leser in die Zeit vor dem ersten Weltkrieg eintauchen und zeigt die massive Gegenwehr gegen Andersdenkende wie Sozialdemokraten und Freisinnige.Mich hat überrascht, wie aktuell das Buch auch heute noch in manchen Bereichen scheint.Insgesamt kann ich das Buch an alle weiterempfehlen, die gerne Klassiker lesen und sich für die Kaiserzeit interessieren.

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    • 3
  • Mann, Heinrich: "Der Untertan"

    Der Untertan
    Dostojewska

    Dostojewska

    "Die Sonne war fort, es wehte kälter"Wer die Zeit des hereinbrechenden Ersten Weltkrieges in ihrer Gänze verstehen möchte, der sollte zu diesem Meisterwerk greifen. Es ist das Leben eines man könnte sagen gesichtslosen Untertans von seiner Kindheit bis zu seiner Machterringung zu verfolgen. Vom Kind, dass den Kopf einzieht, vom Vater geprügelt wird und nicht so weich werden soll, wie seine Mutter. Denn so hat ein Junge, ein Mann in den Augen der Gesellschaft, die sich die Münder zerreist, nicht zu sein. Diederich Heßling hätte jeder sein können, der in sich selbst so unsicher ruht, dass er die Sicherheit einer großen Menge sucht.Erstaunlich zu beobachten, wie sich Machtspielchen, wie die lebendigste Theaterdarstellung insziieren, wie sich eine Gesellschaft gegeneinander ausspielen lässt.Dieses Buch lehrt einen, eine kalte Generation und die Motive ihrer Gegner in einer ganz neuen Vollständigkeit verstehen, die über das prinzipielle hinausgeht.Dabei ist die Sprache Heinrich Manns -vergleichend zu der seines Bruders- ein so immens geeignetes Werkzeug zur Verstärkung der angewandten Effekte. Die Idee, diese Lektüre in Schulstunden durchzuarbeiten ist verständlich und doch wird einem so viel eigenverantwortliches Sinnen abverlangt, dass jeder selbst entscheiden sollte, wann er den Untertan zur Hand nimmt. Denn man sollte gewillt sein, die ein oder andere schmerzhafte Erkenntnis, den ein oder anderen ungemütlichen Gedankenstrang zu erleben.Es geht ein großer Dank an den Fischer-Verlag und an Lovelybooks für die Bereitstellung des Freiexemplars!

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    • 2
  • Eine politische Satire - die nie aus der Mode kommt

    Der Untertan
    Ginevra

    Ginevra

    Diederich Heßling war ein weiches Kind… mit diesen Worten beginnt der berühmte Roman von Heinrich Mann über das Leben eines Deutschen, der sich mit Haut und Haaren „seinem“ Kaiser, Wilhelm II, unterwirft. Von Kind an verehrt Diederich die Machtstrukturen, die in der Papierfabrik seines Vaters bestehen. In der Schule findet er Genuss daran, Schwächere zu unterdrücken – seien es jüdische Schüler oder liberale Lehrer. Anschließend unterwirft er sich dem Drill des Militärs. Als er dort aufgrund seiner schwächlichen Konstitution scheitert, beginnt er zu studieren und tritt in eine straff organisierte, trinkfeste Burschenschaft ein. Mit einem Doktortitel ausgestattet, übernimmt er nach dem plötzlichen Tode des Vaters die Fabrik, tätigt im blinden Alleingang unsinnige Investitionen und unterdrückt das „Arbeiterpack“. Als glühender Monarchist eckt er in der Gesellschaft seiner Heimatstadt zunächst an, versteht es aber, sich überall herauszuwinden und seinen Vorteil zu ergattern, so dass er sich eine relativ angesehene Position erschleicht. Seine Mutter verachtet er aufgrund ihrer „Gefühlsduselei“, kein Mädchen ist ihm tugendhaft und kaisertreu genug, bis er die „schweinchen“- schlaue Guste Daimchen trifft. Ihr Herz gewinnt er durch eine weitere spektakuläre Intrige. Auch als Ehemann bleibt klar: er ist vor allem anderen der selbsternannte und „persönliche Beamte“ seines Kaisers…Heinrich Mann, geb. 1871 in Lübeck, veröffentlichte den vorliegenden Roman zunächst als fortlaufende Kolumne in einer Tageszeitung. Das erklärt den anekdotenartigen Aufbau und den satirischen Tonfall, mit dem er die Lebensgeschichte eines typischen Anti-Helden bis zu dessen mittleren Lebensjahren in einzelnen Episoden konzipert. Diederich Hessling ist ein typischer Machtmensch, der nach oben „buckelt“ und nach unten Tritte verteilt – stets auf seinen Vorteil und den Erhalt der allerobersten Macht bedacht.Mich hat dieser Roman total fasziniert, weil er unglaublich temporeich, fantasievoll, spritzig und voller bitterböser Ironie daherkommt – und leider trotz des angestaubten Erscheinungsdatums brandaktuelle Themen bearbeitet. Heinrich Mann gilt als politischer und gesellschaftskritischer Visionär, der mitten ins Schwarze trifft. Der Autor schreibt so lebendig, als würde er einem gegenüber in einem Intellektuellen-Café sitzen, um den neuesten skandalösen Bericht über gewisse Mitbürger zum Besten geben. Oft musste ich bei der Lektüre schmunzeln, lachen, oder missbilligend des Kopf schütteln- über Diederichs unglaubliche Intrigen und Aktionen.Deshalb 5 Sterne – und eine Leseempfehlung für alle, die sich für Menschen in Politik und Machtstrukturen interessieren – und für den Blick hinter deren Kulissen…

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    • 4
    Dostojewska

    Dostojewska

    05. April 2014 um 16:02
  • Ein Buch, das weh tut

    Der Untertan
    TochterAlice

    TochterAlice

    “Diederich Heßling war ein weiches Kind, das am liebsten träumte, sich vor allem fürchtete und viel an den Ohren litt.” So beginnt Heinrich Manns "Untertan" und der Leser kann sich schnell überzeugen, dass der Protagonist alles tut, um für seine Außenwelt nicht mehr weich zu sein: er buckelt nach oben, tritt nach unten und tut all denen weh, die es wagen, ihm ihre Gefühle zu offenbaren."Der Untertan" ist kein einfaches Buch, es ist ein Angriff auf vieles, das man im Alltag oft gern lieber verdrängen würde: ein Buch, das wie eine bittere Pille geschluckt werden muss, denn es steht wenig Schönes, dafür aber viel Wahres drin. Diederich Heßling ist ein wahres Ekel, leider ein zeitloses. Heinrich Mann verankert ihn im späten deutschen Kaiserreich, doch: Achtung Leute, Diederich Heßlings gibt es auch in Eurem Umfeld noch und nöcher - Menschen, die nach oben buckeln und nach unten treten.Für mich war es eine Qual, dieses Buch zu lesen  und stellenweise wußte ich nicht, ob ich es weiter schaffe! Das hat nichts damit zu tun, dass ich die schriftstellerische Leistung von Heinrich Mann nicht anerkenne, im Gegenteil! Ihm gelingt es so treffend, diesen Widerling Diederich Heßling in all seinen Facetten zu schildern, dass es in mir körperliche Abscheu hervorruft, ich habe es einfach nicht ertragen, mehr über dieses Scheusal zu erfahren - und es wurde jedes Mal tatsächlich noch viel, viel schlimmer.Keine Frage, ein Buch für die Ewigkeit. Ob ich es jedem empfehle? Nein, ganz sicher nicht, zumindest nicht in jeder Lebenssituation, denn "Der Untertan" ist ein Buch, das gleichsam körperliche Schmerzen verursacht. Wie Diederich mit allem durchkam - unglaublich! Die nächsten Ungerechtigkeiten zeichneten sich schon ab, ich konnte und wollte einfach nicht weiterlesen, mich selbst in den Untergang ziehen.  Es ist also ganz sicher kein Buch, das in einem Zug gelesen werden kann, nein, dieses sehr kluge, ja visionäre Buch kann man durchaus wieder und wieder zur Hand nehmen - wenn man es denn schafft Aber auch wenn nicht, man sollte hineingelesen und es wahrgenommen haben, man sollte wissen, dass es so etwas gibt, einen Autor, der ein solches Wesen bereits zig Jahre vor dem Nationalsozialismus - "Der Untertan" wurde zum ersten Mal 1919 vollständig publiziert - gezeichnet und erkannt hat.Also Leute, aufgepasst, der Untertan ist unter uns - auch heute und ich befürchte, auch noch in ferner Zukunft!

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