Heinrich Rahn Der Jukagire

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Inhaltsangabe zu „Der Jukagire“ von Heinrich Rahn

Fiktive Geschichte des deutschrussischen Jungen Ivan, der zur Hälfte aus dem Volk der Jukagiren abstammt und den im Zeitalter stalinistischer Verfolgung eine tiefe Liebe zu Marischa verbindet, der Tochter eines Försters.

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  • Rezension zu "Der Jukagire" von Heinrich Rahn

    Der Jukagire

    Leserrezension_2009

    21. August 2009 um 09:18

    Wendelin M. hat folgende Rezension eingereicht: Der Roman: eine faszinierende Liebesgeschichte, heiße leidenschaftliche unbefleckte Liebe zweier jungen Herzen, die bis zu Ende anhält trotz widrigster unmenschlicher Umstände, politisch und ideologisch verursacht, die standhält und nicht vergeht: zwischen Johann Nickel und Marischa Malinina. Diese Liebe gab ihnen die Kraft angesichts aller Gefahren und aller Schwierigkeiten zu überleben. Liebe kann im wahrsten Sinne des Wortes gleich dem Glauben Berge versetzen und wer sehnt sich nicht nach solcher Liebe, einer Liebe, die so menschlich, so schlicht und doch so romantisch anfängt. Ein ungewöhnlicher Roman, voll Abenteuer, eine unglaubliche Liebesgeschichte eingebettet in den sowjetischen Kosmos mit all seinen politischen und ideologischen Abgründen. Kaum fängt man an, das Buch zu lesen, gerät man in einen starken Sog und kann nicht loslassen, eher man es zu Ende gelesen hat. Wenigstens mir erging es so: Ich begann am späten Abend und verschlang es gegen Mitternacht. So was ist mir schon lange nicht mehr passiert; ansonsten kann ich wochenlang mit unzähligen Unterbrechungen ein Buch lesen. Es ist das Schicksal eines Liebespaares auf eine ganz andere, eine abenteuerliche, ungewöhnliche, faszinierende Art und Weise erzählt – hiermit knüpft der Autor, bewusst oder auch unbewusst, an eine alte fast vergessene Tradition der deutschen Abenteuerliteratur, Literatur der „Aventüre“, als Pate sei hier erwähnt der allgemein bekannte Roman von Hans Jacob Christoph von Grimmelshausen „Der abenteuerliche Simplicissimus“, der den Dreißigjährigen Krieg des 17. Jahrhunderts als ein schreckliches und grausames Monstrum zum Inhalt hat – in Anlehnung an ihn hat übrigens Bertold Brecht sein Stück „Mutter Courage und ihre Kinder“ verfasst. Und war das Sowjetsystem wohl ein geringeres Monstrum als der Dreißigjährige Krieg, das Millionen und abermals Millionen unschuldiger Menschen auf dem Gewissen hat! Im Mittelpunkt des Geschehens steht das ungewöhnliche Schicksal des Jugendlichen Johann Nickel alias Ivan/Wanja; nach der Liquidierung seiner Eltern als vermeintliche Volksfeinde kommt er zwecks der Umerziehung von Staats wegen Spross elterlicher Staatsfeinde in ein Waisenheim, wehrt sich gegen die sowjetische Entmenschlichung (bekennt sich weiterhin zu seinen Eltern und ist sich ihrer Unschuld gewiss), verliebt sich, gerät in zwiespältige und auswegslose Situation, wird des absichtlichen Mordes eines hohen sowjetischen Beamten verdächtigt und beschuldigt, ins Gefängnis - mit anderen Worten Todeslager - gesteckt, flüchtet und erlebt eine wahre Odyssee auf seinem weiteren Lebenspfad. Dabei ist im Roman so vieles unglaublich und abenteuerlich, so seine Flucht aus dem Gefangenenlager, seine Genesung, seine Inkarnation in einen Schamanen, selbst seine Abstammung und insbesondere die Verwandlung in einen anderen Menschen, was schon an Mystik grenzt. Aber in einem Abenteuerroman ist bekanntlich nichts unmöglich. Lesen bildet bekanntlich und so ergeht es einem beim Lesen diese Romans: Man erfährt „so nebenbei“ sehr viel über Leben und Weben sibirischer Völker, über das Sowjetsystem mit seinem Archipel-Gulag, über Klima, Natur, Tiere und Fauna des fernen Sibiriens, über die Taiga voller Reize und Bedrohungen und viel-viel mehr. Das Polarlicht spielt im Roman eine besondere Rolle und ist eine originelle Erfindung des Autors speziell für diesen Roman; vergleichbar mit dem Maus-Corser des modernen Computers bringt es den Leser im Nu von einem zum anderen Ort: „Das Polarlicht schickte seinen dunkelroten Strahl zu den Verschollenen. Einige Monate waren bereits vergangen. Der nördliche Frühling zögerte sein Kommen noch weiter hinaus. Eine bedrohliche Stille herrschte in der Hütte im namenlosen Talkessel. Das Feuer im Herd flackerte nur spärlich.“ (S. 110) Über die ganze Strecke des Romans, und das sind immerhin 267 Seiten, kommt der Autor ohne übel riechende Fluch- und Ruch-, Sumpf- und Schlupfwörter aus, die in der modernen deutschen Literatur dicht gesät sind und oftmals wie Jauche hoch stinken, das einem aufstößt und übel zum Kotzen wird. Abgeschmackten Wörtern, die praktisch leider schon jedes Kind kennt und gebraucht, geht er absichtlich aus dem Wege, und das nicht bloß aus Prüderie, er braucht sie einfach nicht, kommt auch ohne sie aus und knüpft somit an die Tradition der klassischen Literatur, die schon immer jegliche Schlüpfrigkeit, Unflätigkeit, die Exkremente, Fäkalitäten und Obszönitäten wie die Pest verpönte und vermied. Und das kann man nicht genug hoch dem Autor anrechnen; übrigens pflegt er einen schlichten, sachlichen, ruhigen und ausgewogenen Stil, ohne devote Übertreibungen, ohne welche Zerrungen und Verzerrungen, Zückungen und Verzückungen, deren die deutsche Gegenwartsliteratur überhäuft ist. Das ist wohl überhaupt sein Naturell, ihn scheint nichts aus der Ruhe zu bringen, er arbeitet gründlich und akribisch, hier vielleicht die schönste Szene aus seinem Roman - jedenfalls für mich -, die an Erotik hauchdünn grenzt und höchste Literatur im klassisch humanen Sinne ist und mit ihr gar wettstreiten kann: „Ivan und Kina benötigen in dem rasch aufgebauten Zelt keinen Schlaf. Geplagt von ungeheurem seelischen Durst und Hunger, prallen die beiden Gegensätze aufeinander und rissen die Kleiderrinde voneinander. Danach schluckte die buschige Fangblume hastig das federnde Rohralien, das wild in den feurigen Tiefen hin und her raste. Aber es wollte sich nicht befreien, sondern genoss die Gefangenschaft und schoss eine spritzige Salve frecher Eroberer, die die Burg der Begierde furchtlos angriffen. Sie bildeten eine lebende Pyramide und schoben einen ihrer dickköpfigen Mitstreiter über die Mauer, damit er sich mit der Prinzessin der Festung verkuppeln konnte, um ein neues Wesen zu zeugen. Bei dieser einzigartigen Schlacht gingen alle übrigen Angreifer zugrunde, wobei Schmerz und Jubel sich vereinten und in einem zarten, zornigen Ausruf in der nächtlichen Taiga verhallten. Draußen verspürten die saftigen Kronenblätter einen Duft von Rosmarin und stillten unaufhörlich den noch immer steigenden Durst, während die wuseligen Wesen ihr kämpfendes Verlangen fieberhaft fortsetzten. Die Sonne ging mehrmals auf und unter, bis eines Morgens das Begehren gesättigt war und die geschwächten Körper nach tierischer Nahrung lechzten. Ein neugieriger Auerhahn, den die ungewöhnlichen Geräusche im Zelt aufmerksam gemacht hatten, fiel zu Boden, durchbohrt von einem scharfen Pfeil, der von einem Bogen abgesprungen war. Dies war die erste Tat, die Kina als Frau vollbrachte, während ihr Gemahl schlief. Dann machte sie ein Feuerchen. Sie bedeckte den großen Vogel samt schwarz glänzenden Federn mit sengender Glut und Asche. Und einige Zeit später, als Ivan erwachte, wurde der Hahn einfach aus dem Gefieder wie aus einem Futteral herausgenommen. Das duftende gebackene Fleisch kam zum Vorschein. Ein köstliches Festmahl begann… (S. 128)

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