Heinrich Schwazer

 4,5 Sterne bei 2 Bewertungen
Autor von Der Zingerle.

Lebenslauf von Heinrich Schwazer

Heinrich Schwazer, geboren 1959. Journalist bei den Wochenzeitungen „ff“ und „Südtirol Profil“, seit 1996 bei der „Neuen Südtiroler Tageszeitung“. BeiEdition Raetia erschienen: „Der Zingerle“ (2002).

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Heinrich Schwazer

Cover des Buches Ötzis Leibarzt (ISBN: 9788872834305)

Ötzis Leibarzt

 (1)
Erschienen am 28.04.2017
Cover des Buches Der Zingerle (ISBN: 9788872835098)

Der Zingerle

 (1)
Erschienen am 24.07.2014

Neue Rezensionen zu Heinrich Schwazer

Cover des Buches Der Zingerle (ISBN: 9788872835098)Bellis-Perenniss avatar

Rezension zu "Der Zingerle" von Heinrich Schwazer

„Wenn du nicht brav bist, holt dich der Zingerle“
Bellis-Perennisvor 9 Monaten

In Burkhard Rüths Krimi „Schatten über Bozen“ treibt Guido Zingerle als Schreckgespenst der Vergangenheit sein Unwesen in der Gegenwart. Grund genug für mich, dem historischen Frauenmörder nachzuspüren. 

Guido Zingerle (1902-1962) hat zwischen 1946 und 1950 zwei Frauen ermordet und mindestens drei vergewaltigt, bis er nach einer mehrwöchigen Jagd in den Tiroler und Südtiroler Bergen gefasst werden konnte. Es ist nicht auszuschließen, dass er weitere Straftaten verübt hat.  

Zingerle galt in der Region als Inbegriff des Bösen zahlreicher Eltern, die ihren mit den Worten „Wenn du nicht brav bist, holt dich der Zingerle“ drohten.  

Heinrich Schwazer, Journalist und Autor, zeichnet den Lebensweg des Mörders nach, der von sich behauptet, als lediges Kind bei fremden Leuten keine Liebe oder Anerkennung, sondern nur Schläge und wenig Essen erhalten zu haben. Dieses Schicksal teilte er mit vielen anderen Kindern der Zeit. Aus den wenigsten sind Mörder geworden. 

Der Autor hat in Archiven in Südtirol, Italien und Österreich recherchiert. Leider sind die Akten aus Südtirol unvollständig. Interessant ist der Prozess, der dem Mörder sowohl in Bozen (1951) als auch in Innsbruck (1953) gemacht worden ist.  

Zingerle hat darauf spekuliert, eine Unzurechnungsfähigkeit attestiert, um in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen zu werden, aus der er vermutlich flüchten hätte können. Das psychiatrische Gutachten hat ihm jedoch volle Zurechnungsfähigkeit und Vorsatz bescheinigt. 

Der Angeklagte zeigt sich geständig, betont jedoch, dass seine Taten darauf zurückzuführen sind, dass er krank sei. Seine Mitleid heischende Verteidigung zieht nicht. Das Ergebnis der Prozesse: Für den Mord an Gertrud Kutin  wird Zingerle zu lebenslanger Haft und für die übrigen Straftaten zu Freiheitsstrafen von insgesamt 81 Jahren und 8 Monaten verurteilt. Im Herbst 1953 wird ihm am Oberlandesgericht Innsbruck wegen des Mordes an Helen Munro der Prozess gemacht: nochmals lebenslänglicher schwerer Kerker.  

Fazit: 

Heinrich Schwazer hat ein erschreckendes Bild des Sexualmörders gezeichnet, der der Region und den Bergen die Unschuld geraubt hat. Zingerle stellt sich als Opfer dar, das durch seine Herkunft zum Verbrecher wurde. Gerne gebe ich diesem erschütternden Bericht, der einige Fotos enthält, 4 Sterne. 

 

Kommentare: 3
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Cover des Buches Ötzis Leibarzt (ISBN: 9788872834305)ViktoriaScarletts avatar

Rezension zu "Ötzis Leibarzt" von Eduard Egarter Vigl

Hoch interessant und auch für Laien verständlich
ViktoriaScarlettvor 4 Jahren

Fakten zum Buch:
Titel: Ötzis Leibarzt – Ötzi, Tutanchamun und andere Kriminalfälle. Heinrich Schwazer im Gespräch mit dem Pathologen
Autor/in: Eduard Egarter Vigl
Verlag: Edition Raetia
Erscheinungsdatum: 28. April 2017
Seitenanzahl: 182 Seiten
ISBN: 978-8872834305

Inhaltsangabe laut Verlag:
Sein Weg ist mit Leichen gepflastert: Der Pathologe und Gerichtsgutachter Eduard Egarter Vigl hat tagtäglich mit dem Tod zu tun. Als Ötzi in Südtirol ein Museum erhalten soll, wird er zum Konservierungsbeauftragten der einzigartigen Mumie erkoren und steht vor der paradoxen Herausforderung, für die „Gesundheit“ einer 5.000 Jahre alten Leiche zu sorgen. Misstrauisch beobachtet von der Fachwelt und unter enormem Druck von politischer Seite gelingt es ihm mit einer so einfachen wie genialen Methode, die Mumie nicht nur für die Nachwelt zu erhalten, sondern auch für ein großes Publikum zugänglich zu machen. Ötzi wird die „Mona Lisa“ der Südtiroler Museen und Eduard Egarter Vigl zum weltweit bekannten Mumienfachmann.

Im Interview mit dem Journalisten Heinrich Schwazer erzählt Eduard Egarter Vigl von der riskanten Aufgabe der Konservierung, von seiner Detektivarbeit als Gerichtsgutachter, von seinen Untersuchungen am Pharao Tutanchamun und an Kindermumien. Anekdotenreich berichtet er von Eifersüchteleien unter Wissenschaftlern, fragt nach dem Verbleib von Ötzis fehlenden Fingernägeln, gibt Auskunft über die dramatische Entdeckung der Pfeilspitze, hinterfragt unseren Umgang mit dem Tod und schildert die Begegnung mit einer Schamanin, die sein wissenschaftliches Weltbild erschütterte.


Meine Meinung zum Cover:

Auf dem Cover ist die Hand von Ötzi klar zu erkennen. Dahinter sieht man die Silhouette eines Arztes bei der Leichenbeschauung. Eine Skizze von Ötzi ist auch zu sehen. Die Motive passen natürlich zum Inhalt und ergeben ein gutes Gesamtbild.

Meine Zusammenfassung des Inhaltes:
In einem sehr ausführlichen Interview schildert Eduard Egarter Vigl, wie er zu Ötzis „Leibarzt“ wurde. Er erzählt von den Entwicklungen der Konservierungsmethoden, ob diese erfolgreich waren und welche Rolle dabei die Politik spielte. Ausführlich berichtet er, wie die Forschungen „funktionierten“ und wer welche Rolle übernahm. Er berichtet von bedeutenden Entdeckungen wie die Pfeilspitze in Ötzis Schulter, aber auch über kleinere Merkmale, die zu Unterschieden in der Konservierung führten. Weiters spricht er über den „Kriminalfall“ Ötzi und die daraus resultierenden Vermutungen. Danach beschreibt er „Begegnungen“ mit anderen Mumien, wie zum Beispiel Tutanchamun, Kindermumien aus Argentinien, Mozarts Librettisten und allerlei andere Begegnungen in seiner Laufbahn. Am Ende beantwortet er auch Fragen zu seinem Werdegang, moralischen Bedenken, ethnischen Bedingungen und wie Ötzi sein Leben beeinflusste.

Meine Meinung zum Inhalt:
Das Buch beginnt mit einem Prolog von Heinrich Schwazer, der das Interview mit Eduard Egarter Vigl führte. Danach befindet sich eine grobe Chronologie des Mumienfundes, in der die wichtigsten Entwicklungen zusammengefasst wurden. Aufgrund dessen wurde mein Gedächtnis bezüglich Ötzi aufgefrischt und ich konnte dem Interview leichter folgen.

Nun begann das eigentliche Interview mit Eduard Egarter Vigl. Auffallend ist hier, dass ich das Gefühl hatte, einem Gespräch zu „lauschen“. Das Interview ist flüssig, die Fragen greifen ineinander und Herr Vigl gibt ausführliche Antworten. Hervorheben möchte ich, dass Herr Vigl seine Antworten so gestaltet hat, dass ich als Laie die wissenschaftsspezifischen Dinge leicht verstehen konnte. Er ist wortgewandt und weiß, wie er die Dinge verständlich und spannend beschreibt. Direkt und ohne große Ausreden zeigte er die Schwierigkeiten der Konservierung unter den gegebenen Umständen auf. Umständen auf. An dieser Stelle wurde mir bewusst, dass die Öffentlichkeit kaum etwas über die Gegebenheiten wusste.

Als Ötzi gefunden wurde, war ich noch gar nicht geboren, doch schon in der Schulzeit faszinierten mich die wenigen Dinge, die wir über Ötzi lernten. Mit diesem Buch konnte ich mein Wissen erweitern und bekam einen guten Blick hinter die Kulissen. Ich hatte nicht erwartet, was hinter all dem steckt und wie tief die Politik darin involviert war. Geldgeber und Politik spielen eine größere Rolle als erwartet, der Konkurrenzkampf ist ebenso ein Teil dieser Handlungen. Herr Vigl hat mit seinen Methoden und Gedanken einen maßgeblichen Beitrag dafür geleistet, dass Ötzi so gut erhalten und auch der Öffentlichkeit zugänglich ist.

Die Einblicke in andere Fälle des Pathologen fand ich ebenso interessant. Überraschend war es, zu lesen wie andere Wissenschaftler oder Länder mit den Entdeckungen und Thesen umgehen oder wie weit manche Personen gehen, um an Proben zu kommen. Lösegeld für Ötzis Fingernagel oder fehlende Teile seiner Rippen sind nur wenige Anekdoten daraus. Forschung, Politik, Wissenschaft und Macht gehören enger zusammen als man denkt. Am Ende gab es noch einen interessanten Einblick in sein Leben. Er sprach über persönliche Dinge aus seinem Leben.

Mein Fazit:
Eduard Egarter Vigl zeigt in diesem Interview detailliert den Werdegang der Mumienforschung auf. Er machte mir die Schwierigkeiten einer erfolgreichen Konservierung und gleichzeitiger Zurschaustellung für die Öffentlichkeit verständlich klar. Das Interview ist dank der Wortgewandtheit von Herrn Vigl auch für Laien zu verstehen und offenbarte hoch interessante Aspekte zu Ötzi, sowie anderer Fälle. Forschung, Politik, Wissenschaft und Macht sind enger miteinander verwoben als man vermutet. Ich kann das Buch jedem empfehlen, der mehr über Ötzi und die Tätigkeit eines Pathologen erfahren möchte.


Ich vergebe 5 von 5 möglichen Sternen!

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst!

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