Das Leben und Sterben der Flugzeuge

von Heinrich Steinfest 
4,5 Sterne bei11 Bewertungen
Das Leben und Sterben der Flugzeuge
Bestellen bei:

Neue Kurzmeinungen

Ro_Kes avatar

Das erklingende Geräusch vom Schliessen der Augenlider lässt ein großartiges Wechselspiel von Realitäten beginnen. Ein Lesegenuss!

Bibliomanias avatar

Skurril und witzig, allerdings im hinteren Drittel einige wissenschaftliche Längen.

Alle 11 Bewertungen lesen

Auf der Suche nach deinem neuen Lieblingsbuch? Melde dich bei LovelyBooks an, entdecke neuen Lesestoff und aufregende Buchaktionen.

Inhaltsangabe zu "Das Leben und Sterben der Flugzeuge"

Kann man ein gewöhnlicher Pariser Bahnhofsspatz sein und gleichzeitig ein deutscher Kommissar namens Blind? Kann es in Belfast ein Hochhaus mit einer geheimen Etage geben, das für Spatz und Kommissar lebenswichtig ist, obwohl dieser Wolkenkratzer nie gebaut wurde? Und vor allem: Kann an einem verborgenen Ort das Wrack eines Flugzeugs der Malaysia Airlines liegen, das doch erst Monate später spurlos verschwinden wird? Steinfests Gratwanderung zwischen Phantastischem und Realität gerät zu einem literarischen Drahtseilakt, der die Lektüre dieses Romans zu einem atemberaubenden Vergnügen macht.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783492310307
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:608 Seiten
Verlag:Piper
Erscheinungsdatum:02.11.2017

Rezensionen und Bewertungen

Neu
4,5 Sterne
Filtern:
  • 5 Sterne6
  • 4 Sterne4
  • 3 Sterne1
  • 2 Sterne0
  • 1 Stern0
  • Sortieren:
    Bibliomanias avatar
    Bibliomaniavor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Skurril und witzig, allerdings im hinteren Drittel einige wissenschaftliche Längen.
    Von Spatzen und Kommissaren

    Quimp ist ein zufriedener Spatz, der in einem Bahnhof in Paris ein wunderbares, erfülltes Leben führt. Nur eine Sache ist immer wieder komisch: wenn er träumt, ist er Kommissar Blind. Eines Tages fällt ihm ein anderer Spatz auf den Kopf und übermittelt ihm einen Auftrag, der ihn durch Europa führt.
    Kommissar Blind lebt und arbeitet in München. Als er sich eines Tages eines etwas ungewöhnlichen Falls annimmt, ahnt er, dass seine Träume im Körper des Spatzen Quimp irgendwie damit zusammenhängt. Beide gehen auf ein mysteriöses und spannendes Abenteuer, aus dem sie gänzlich verändert hervorgehen.
    Heinrich Steinfest ist wirklich ein Meister des Skurrilen. Mit diesem Buch hat er mal wieder eine absolute Fantasiewelt geschaffen, in der das Leben der Traumpartner eine große Rolle auch im eigenen Leben spielen kann. Ein witziges Buch, das durch scheinbar wissenschaftliche Erklärungen eine Realität erschaffen will.
    Gefallen hat mir auch wieder das Cover, besonders an den "Allesforscher" angelehnt, konnte ich auch einfach nicht umhin das Buch besitzen zu wollen. Dabei hat es mir zwar nicht ganz so gut gefallen wie ersteres, aber noch besser als "Das grüne Rollo". Dennoch, den nächsten Steinfest lese ich bestimmt! 3,5 Sterne für diese außergewöhnliche Geschichte.

    Kommentieren0
    13
    Teilen
    R_Mantheys avatar
    R_Mantheyvor 2 Jahren
    Paralleluniversen, Verwischungen, Quantenverschränkungen und Zeitreisen - ein Traum schlechthin

    Ein Spatz aus Paris hat einen Albatros im Kopf, der ihm ständig ins Leben hineinquasselt, was schließlich dazu führt, dass dieser Spatz, Quimp genannt, nach Wien reist, um dort einen anderen Spatzen zu besuchen, der wegen seines biblischen Spatzenalters eine ungemeine Berühmtheit im Spatzenuniversum zu sein scheint. Natürlich reist Quimp mit dem Zug. Und später auch mit dem Flugzeug - aber das ist eine andere Geschichte, die hier nicht weiter erzählt werden kann.

    Parallel dazu ermittelt der deutsche Kommissar Blind in einem Selbstmord-Fall, der nach der festen Überzeugung der hinterbliebenen Witwe ein solcher niemals war. Blind kann sich in eine Art Sekundenschlaf versetzen, in der er plötzlich Quimp ist. Und Quimp kann das auch. Wenn man das so liest, könnte man etwas verwirrt sein. Um welches Genre handelt es sich bei diesem Roman, fragt man sich vielleicht hilfesuchend. Aber darauf wird man keine Antwort finden. Sie wäre auch unnötig, denn schlauer würde man von ihr nicht werden, denn auch die Bemerkung, dass dieses Werk von allem etwas hat, aber nichts von alledem ist, wirkt nicht gerade gerade erhellend, auch wenn sie vielleicht nicht einmal falsch wäre.

    Man muss schon eine stark entwickelte Fähigkeit zu einer ganz besonderen Art des chaotischen Denkens besitzen, der es eigentlich egal ist, ob man selbst oder andere noch den Überblick über das erzählte Geschehen behalten können. Für die Bildungshungrigen unter uns: Das Hinundherspringen von einer Parallelwelt in die andere, in denen dieselben Personen unter möglicherweise ganz anderen Identitäten existieren, nennt der Autor dieses Romans "Verwischungen", wenn ich das hoffentlich richtig verstanden habe. Das gehört, so lernt man, zu einer Eigenart der Quantenverschränkung: "Wenn man sich nämlich zu dem System zweier Photonen ein drittes Lichtteilchen dachte, welches ebenfalls mit einem der beiden Photonen verschränkt wurde ( ... ), dann löste sich der Quantenzustand dieses Teilchens auf, wurde jedoch auf das entfernte Partnerteilchen übertragen, welches sich somit in ein Abbild dieses dritten Teilchens verwandelte."

    Wer das nicht gleich verstanden hat, muss sich nicht grämen, denn solche Sachen kommen erst auf den letzten hundert Seiten vor. Da hat man sowieso schon völlig den Überblick über die immer neuen Ideen von Meister Steinfest verloren. Wenn man denn überhaupt soweit kommt. Dass ich diesen Roman mit gelegentlichen Längen tatsächlich bis zum Ende durchgehalten habe, verdanke ich wohl nicht nur den chaotischen Geistesblitzen des Autors, sondern vor allem seinen immer wieder einmal völlig unerwartet auftretenden fast schon genial präzisen Beschreibungen von realen Vorgängen oder in den Handlungen auftretenden Figuren. Das hat etwas Einzigartiges an sich.

    Der Roman als solcher hingegen ist völlig absurd und irrwitzig, besitzt aber gleichzeitig immer wieder Stellen, die Lust nach mehr machen. Mir ist völlig rätselhaft, wie man einen solchen Text verfassen kann. Aber genau das ist es, was ihn wohl erst interessant macht.

    Kommentieren0
    5
    Teilen
    Insider2199s avatar
    Insider2199vor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ein atemberaubendes Lesevergnügen zwischen Fantasie und Realität! (*****)
    Ein atemberaubendes Lesevergnügen zwischen Fantasie und Realität!

    Ein atemberaubendes Lesevergnügen zwischen Fantasie und Realität!

    Der 1961 in Australien geborene Autor wuchs in Wien auf und veröffentlichte 1995 seine ersten Romane, meist Krimis und Science-Fiction-Romane. Mit "Der Allesforscher" stand er auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2014. Heute lebt er als Maler und Schriftsteller überwiegend in Stuttgart.

    Zum Inhalt: Der Münchner Kommissar Blind (ein Mann ohne Vornamen!) wird mit einem ungewöhnlichen Fall betraut. Während er schläft, träumt er, Quimp zu sein, ein Spatz, der im Pariser Bahnhof residiert. Doch schnell stellt sich heraus, dass diese Traumwelt mehr ist als nur Fantasie, es ist eine Parallel-Welt, und nur in dieser liegt die Lösung von Blinds Fall verborgen.

    Meine Meinung: wow, wow und nochmals wow! Ich liebe magische Bücher à la Haruki Murakami oder David Mitchell und wusste, dass Steinfest in diesem Genre („Magischer Realismus“) zu finden sei – meine Erwartungen an mein erstes Buch von ihm waren also sehr hoch – aber wow, ich hätte nicht gedacht, dass sie noch übertroffen werden. Kurz: Ich habe diesen fantasievollen Autor gleich in die Liga meiner Lieblingsautoren aufgenommen und werde mir mit Sicherheit auch seine anderen Bücher bald vornehmen, allen voran „Das grüne Rollo“ und „Der Allesforscher“. Ich freue mich schon SEHR darauf!

    So nun zu dem Buch: Was fand ich gut? ALLES! Inhaltlich, sprachlich, formale Erzählweise, Ideenreichtum – einfach inspirierend! Auf die Idee dieses innovativen Plots muss man erst einmal kommen und dazu dann noch eine makellose Umsetzung. Spannend vom Anfang bis zum Ende und viele, viele Stellen, die ich mir angestrichen habe. Mir gefiel vor allem, wie es der Autor meisterhaft versteht, Figuren oder Situationen zu beschreiben.

    Hier ein paar Kostproben:

    „Er tat dies in einem Deutsch, von dem mir erst später klar wurde, dass es sich um jene spezielle Version des Deutschen handelte, wie man sie in Wien pflegte und wie man vielleicht sagen kann, Rückenschwimmen sei eine spezielle Form der Fortbewegung im Wasser. Eine Schwimmtechnik, bei der man nicht sehen kann, wo man hinschwimmt. Ja, ich sollte noch begreifen, wie sehr das Wienerische an jemand erinnert, der sich mit seinem Rücken voran bewegt, aber seinen Mund am Hinterkopf trägt. Nur den Mund. Er redet also praktisch nach vorne, schaut aber nach hinten. Schaut in die jüngste Vergangenheit, dorthin, wo er vor kurzem gewesen war.“

    „Frühmorgens ist der Tag oft wie ein junger Hund, geradezu blödsinnig vor Lebensfreude und Bewegungslust. Der Nachmittag hingegen verströmt eine beträchtliche Melancholie, etwas Schmerzliches. Der Nachmittag – auch im Sommer, auch im Frühling – hat etwas von Herbst. Der Nachmittag ist immer ein fallendes Blatt und zeigt immer eine Verfärbung. Bevor dann der Abend zurückführt zu einer gewissen Ausgelassenheit, die alkoholisch anmutet. Der Abend verfügt über die Schlieren, die sich beim Schwenken eines Weinglases bilden. Der Nachmittag ist der Tod, der Abend das Hurra im Jenseits.“

    Auch ein Roman, der vollgespickt ist mit Lebensweisheiten, wie diese (auch wenn sie nur in Klammern und scheinbar eher nebenher erwähnt werden):

    „(man könnte sagen: die Politik kultiviert die Schwierigkeiten des Lebens so wie das Fernsehen die Scham und der Sport die Begierde).“

    Sprachlich ist der Roman zwar anspruchsvoll, aber auf eine humorvoll-ironische und unanstrengende Weise. Obwohl die Traum- bzw. Parallel-Welt eine sehr komplexe Welt ist, bleibt für den Leser dennoch alles leicht verständlich und nachvollziehbar. Der Sprachstil (Vieles wird in Klammern gesetzt, wozu ich auch neige LOL) hat mir unheimlich gut gefallen, die Figuren-Zeichnung noch viel mehr!

    Fazit: Ein perfekter Roman in jeder Hinsicht und mein absolutes Highlight des Jahres 2016. Hätte noch mehr als 5 Sterne vergeben können; uneingeschränkte Lese-Empfehlung, v.a. an Murakami- und Mitchell-Liebhaber!

    Kommentare: 1
    36
    Teilen
    M
    michael_lehmann-papevor 2 Jahren
    Poetische Fantastik

    Poetische Fantastik

    Da findet diese Gruppe des „Goldenen Erwachens“ (die einem sehr, sehr ausgefallenen „Hobby“ mit teils tiefgreifenden Folgen nachgeht) im März eines Jahres ein Flugzeugwrack.

    Akribisch zusammengesetzt, wie kann das so macht, wenn man die Unglücksursache sucht.

    Wobei es ein gewisses Problem darstellt, dass dieses Flugzeug erst im Mai des darauffolgenden Jahres vom Radar verschwinden und nie gefunden werden wird.

    Und das Ganze lagert in einer Halle im Keller (die auf den Bauplänen nicht verzeichnet ist) eines industriellen Multigenies. Der durch einen Unfall? Mord? Selbstmord? In seinem Auto zu Tode kam. Und dort nicht alleine saß. Und dessen Begleitung Teil der Gruppe mit dem „verwechselnden Hobby“ war.

    Ein Fall, der Kommissar Blinds Interesse erweckt. Der zunächst nur seinem Chef einen Gefallen tun wollte, sich in einem CSU und SPD Büro wiederfinden wird und bei all dem nur mit Mühe den Hauch eines Überblicks erhält, worum es hier geht oder gehen könnte.

    Ein Kommissar, der nicht gut schläft. Was Gründe hat. Wenn er aber schläft, träumt er, er sei ein Sperling. In Paris.

    Quimp ist ein Spatz, ein Sperling. In Paris. Charmant, naseweis, klug, umsichtig. Einer, der sich Gedanken macht. Was schon eine Ausnahme zu sein scheint in der Schar der Spatzen von Paris.
    Wobei, da gibt es „Menschenspatzen“. Ausgebildet. Nicht sonderlich glücklich immer mit ihrer geheimdienstlichen Nähe.
    Und es gibt die „Sperks“. Eine ganz bestimmte Sorte von Spatzen. Krieger. Intelligent. Mit einer Rüstung, dessen Material die „Sperks “ selbst kreiert haben. Denen nun eine geheimnisvolle Gruppe auf der Spur ist.
    Und nur einer hat das Wissen und den Mut, den langen Weg zur Warnung der „Sperks“ auf sich zu nehmen. Quimp. Der im Schlaf ständig davon träumt, ein „blinder“ Kommissar zu sein. Der Golf spielt. Und ansonsten einem interessanten Fall nachgeht.

    Wobei, und das setzt Steinfest interessant und sehr anregend zu lesen in den Raum des Buches, sich beider „Ermittlungswege“ kreuzen werden. In lange nicht vorhersehbarer Weise.

    Ruhig und sprachlich weit ausholend, mit bildkräftigen Formulierungen und einer erkennbaren Poesie über das Leben, das Fliegen, das „sich suchen“, über Fastfood und religiösen Hass, über Frauen als General und geheime Verschwörungen erzählt Steinfest seine Geschichte, die allein schon aufgrund seines Stils und seines Sprachrhythmus eine wahre Freude der Lektüre darstellt.

    Dass die Realität nur bedingt greift, das Träume höheres Gewicht erhalten können, als nackte Fakten, dass beide Hauptdarsteller, die eigentlich nur einer sind, je auf ihre Weise die Dinge ganz anders angehen und dennoch zu ihrem Ziel gelangen werden, all das verbindet sich zu einem anregenden, unterhaltsamen, teils verzaubernden, teils auch spannenden Ganzen.

    Alleine schon die Erkenntnisse, die sich aus den oft nächtlichen Vorhaben des „Goldenen Erwachens“ ergeben, spiegeln bereits in sehr treffender Weise die vielfachen Sackgassen, in die Menschen gelangen können und die Wege, Dinge zu „ver-rücken“, um neue Impulse, Bewegungen zu erzeugen. So zeigt das Buch nicht nur durch die Form, sondern auch durch konkrete Handlungen der Protagonisten auf, dass das Leben sich immer neu erfinden will, nicht starr an etwas festklammern sollte. Und dass es schwer ist, diese hintergründigen Impulse wahrzunehmen und aufzunehmen. Dann aber fängt es an „zu fließen“. Die Beziehungen, die Entwicklungen, die neuen Möglichkeiten.

    Eine sehr empfehlenswerte Lektüre in einem Krimi „der anderen Art“.

    Kommentieren0
    8
    Teilen
    TochterAlices avatar
    TochterAlicevor 2 Jahren
    Steinfest, der Weltensammler

    Zwei Welten sind es, in denen Blind, der 56jährige, gutaussehende Kommissar, der nur so heißt, es aber nicht ist (jedenfalls nicht im Hinblick auf seine Augen, allenfalls bezüglich einiger Gefühle wie bspw. Empathie Frauen gegenüber) und der Spatz Quimp, ein munterer, noch recht junger Pariser Spatz, der auf einmal eine wichtige Mission übertragen bekommt. Doch irgendwie sind sie auch eines, der attraktive Kommissar und der naseweise, äußerlich jedoch ganz unauffällige Spatz - denn sie träumen sich quasi gegenseitig und werden dadurch eines.

    Denn auch Blind hat eine wichtige Mission - zumindest sieht er es selbst so. Von seinem Chef hat er nämlich nur den Auftrag erhalten, einen bestimmten Fall wieder aufzuwärmen, um dadurch eine gewisse Person ruhigzustellen, daraus wird dann aber mehr. Dennoch steht es in keinem Vergleich zu Quimps Auftrag, dem dieser von einem Sterbenden (Spatzen selbstverständlich) übertragen wurde, und der dazu dient, eine ganze Spatzengesellschaft, die Sperks, zu retten.

    Auch die anderen in diesem Buch erscheinenden Charaktere sind Parallelgestalten, die in der einen Welt als der eine, in der anderen als ein anderer auftreten. Manchmal sind dabei die Unterschiede so groß wie bei Blind und Quimp, in anderen Fällen erscheinen die Figuren zunächst als fast identisch wie die beiden Jungen Frederik (bei Blind) und Clemens (bei Quimp). Doch Obacht, so nahtlos läuft die Überlappung nicht, der Kommissarenspatz bzw. Spatzenkommissar, der zumindest in beiden Welten bezüglich der Aufdeckung seiner Fälle, die gewissermaßen zusammenfließen, ähnliche Interessen verfolgt, muss ebenso achtsam bleiben wie der Leser.

    Falsch formuliert: der Leser muss sogar noch achtsamer bleiben, denn er bekommt es nicht nur mit den beiden Parallelwelten, sondern auch noch mit deren Autor Steinfest zu tun, und der leistet sich auch so einiges an vorwitzigen Übergriffen der einen auf die andere Welt, die für den Leser ausgesprochen verwirrend ausfallen können. Aber es lohnt sich, diesen Übergriffen standzuhalten, auch wenn die Verwirrung von Zeit zu Zeit übermächtig zu werden droht.

    Hat Heinrich Steinfest hier tatsächlich einen märchenhaften Fantasy-Roman geschrieben? Ich antworte mit einem ganz klaren "nein" - er spielt zwar mit verschiedenen Realitäten bzw. Welten, mit dem Aufeinandertreffen von Realem, Irrealen und Surrealen, er tut es aber auf eine ganz besondere Weise, ich möchte sie als steinfestschen Stil bezeichnen. Es ist eben ein echter Steinfest-Roman und die sind nie so ganz von dieser Welt!

    Und das bezieht sich nicht nur auf den Inhalt: Die Sprache und die vorwitzige, dennoch auf bestimmte, steinfestsche Art stets behutsame Ironie, der Sarkasmus, mit dem Steinfest seine originellen, oft ins Absurde reichenden Szenarien schreibt, hat mich wieder einmal berührt. Wunderbare, überraschende, Sätze finden sich hier - für mich hat aber eindeutig den Vogel bzw. den Spatzen eine Abwandlung eines bekannten Zitats von Karl Kraus abgeschossen, das bei Steinfest "Wenn die Sonne der Vernunft niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten" lautet. Aber es gibt noch mehr tolle bzw. aberwitzige Beispiele: so werden Damen nicht auf einen Drink, sondern auf ein Businesskostüm eingeladen, ein bestimmter Grünton wird als krankes Grün, bzw. Grün mit Migräne bezeichnet und Kommissar Blind ist ein Deutscher mit einem österreichischen Herzen (S. 128), der halb gläubig, halb ungläubig ist (S. 119). An einer anderen Stelle findet sich ein nacker Vogel neben einem angezogenen, wobei es keine Zeit gibt, dies zu ändern, da die Welt gerettet werden muss (S. 192)

    Heinrich Steinfest scheint neuerdings eine Vorliebe zu Parallelwelten zu entwickelt, die bereits in seinem vorherigen Roman "Das grüne Rollo" eine maßgebliche Rolle spielten, wenn auch auf ganz andere Art und Weise, als es hier der Fall ist. Insgesamt ist dies wie auch das "Rollo" aber ein typischer Steinfest mit ein paar neuen Elementen, die die Geschichte besonders abrunden - für mich hat sich die Lektüre mal wieder sehr gelohnt. Wird der Autor nun zum Weltensammler, seine Leser zu Bewohnern immer neuer (Parallel)Welten? Nun, es gilt abzuwarten, ob in den folgenden Romanen wieder neue Welten auf uns lauern, nur darauf wartend, von uns, den Lesern betreten und erschlossen zu werden. Ich jedenfalls bin sehr gespannt, wie es weitergeht!

    Kommentare: 3
    13
    Teilen
    SABOs avatar
    SABOvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ich werde nie wieder einen Spatz mit den gleichen Augen sehen können. Genial!
    Von Spatzen und Menschen

    Heinrich Steinfest - Das Leben und Sterben der Flugzeuge - PIPER

    Die unglaubliche Geschichte eines blinden Golfspielers, der das "Grün" in seiner Erinnerung, als Klimt-Skizze einer liegenden Frau sieht und zu einem "Hole in One" anlegt. Man hat keineZweifel, dass er trifft.
    Philosophische Betrachtungen eines Spatzes, der lieber Fastfood-Reste isst, als selber zu jagen und zu töten. Er wird mit seiner eigenen Unfähigkeit, sich artgerecht zu ernähren, konfrontriert, er versinkt in trotzige Scham, als er es versucht und versagt.
    Ein folgenschwerer Zusammenstoß mit einem explodierenden Sperling, schickt ihn auf eine geheime Mission nach Wien. Der Spatz von Paris wird zum gefiederten James Bond, zur Rettung der Sperks soll er den "Dritten" Spatz aufsuchen, den legendären Pinesits. Dazu muss er nur noch den Tautropfenmaler Arthur Engel finden, der gegenüber eines Friedhofs wohnt und den Kontaktspatz beherbergt.
    Im Nachtzug Wien/Budapest, erliegt er einem seltsamen Traum. Er ist im Körper eines blinden Mannes, der gerade ein Tennis-Match gewonnen hat..
    Führt der Spatz ein surreales Doppelleben?
    In Wien angekommen, wird er von einem Killer mit einem Streifschuss verletzt.
    Der Junge aus dem Zug, der eine Limo bei einem Inder bestellte, aber einen Apfelsaft bekam, tritt in die Schusslinie, bevor er erneut anlegen kann. Der Spatz entkommt.
    Durch Zufall, landet er in einem Blumenbouquet einer Frau, die zum Friedhof fährt..
    Das Kennenlernen der beiden Spatzen und deren phantastisch anmutende Geschichte, hat mich sehr berührt, sie hat mir einige tiefe Friedensmomente verschafft.
    Nach der charmanten Geschichte, wie Arthur Engel dem Methusalem aller Spatzen das Leben gerettet hat, geht es weiter nach Belfast.

    Spatz Paris zu Spatz Wien:
    "Das ist doch die Stadt, wo die Christen aufeinander sauer sind!"

    "Es ist keine geringe Wahrheit, wie sehr jede Lebensrettung eine Verantwortung und Bindung nach sich zieht. Eine halbe Rettung erscheint daher schlimmer, als gar keine."

    "Der Sinn ihrer Ehe war mysteriös, doch mysteriös sinnlose Ehen scheinen zu den wenigen Dingen der Menschen zu gehören, die so gerecht über die gesellschaftlichen Milieus verteilt sind, wie eigentlich sonst nur noch der Tod."

    Die vielen kleinen Geschichten greifen ineinander, man kann nicht aufhören zu lesen.
    Eines ist klar, ich werde nie wieder einen Spatz mit den gleichen Augen sehen können.

    Heinrich Steinfest kappt die Grenzen jenseits der Vorstellungen des Lesers. Es ist eine bizarre Welt, in die man eintaucht, weil man anhand der detailverliebten Erzählung, alles logisch nachvollziehen kann und sich gleichsam königlich unterhält. Spannend mit einem Hauch "Noir".

    Nicht für jeden Vergleich kann man Kafka herzitieren, aber sagen wir mal so:
    Es hätte ihn verwirrt und pfadlos zurückgelassen.
    Ein Buch, wie es einem John Irving gefallen würde. Klug, bizarr und abseits vom Wege.

    Dafür eine uneingeschränkte Empfehlung!





     

    Kommentieren0
    14
    Teilen
    Ro_Kes avatar
    Ro_Kevor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Das erklingende Geräusch vom Schliessen der Augenlider lässt ein großartiges Wechselspiel von Realitäten beginnen. Ein Lesegenuss!
    Kommentieren0
    L
    Leumas0vor einem Jahr
    Nemos avatar
    Nemovor 2 Jahren
    M
    mabo63vor 2 Jahren

    Gespräche aus der Community zum Buch

    Neu
    abas avatar


    LovelyBooks lädt im neuen Jahr wieder zu spannenden Challenges ein.
    Und auf euch warten tolle Gewinne.

    Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist 2016 wieder dabei!

    Liest du gerne Bücher mit Niveau?
    Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.

    15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2016 bis 31.12.2016 lesen.

    Es gelten Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.
    Auch Neuauflagen – 2016 erschienen - von Klassikern.

    Die Regeln:
    1. Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an.
    2. Einstig ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts.
    3. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein.
    4. Es gelten nur Bücher, die an diesem Beitrag angehängt sind!
    Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

    Nimmst du die Herausforderung an?

    Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2016 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.
    Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema.


    Ich freue mich auf viele Anmeldungen!

    Teilnehmer:

    19angelika63
    AgnesM
    AmayaRose
    anushka
    Arizona
    aspecialkate
    ban-aislingeach
    Barbara62
    Blaetterwind
    blauerklaus
    bonniereadsbooks
    BookfantasyXY
    bookgirl
    Buchgespenst
    Buchina
    Buchraettin
    Cara_Elea
    Caroas
    Corsicana
    crimarestri
    cyrana
    czytelniczka73
    Deengla
    dia78
    DieBerta
    digra
    Eeyorele
    erinrosewell
    Farbwirbel
    Federfee
    Fornika
    FrauGonzo
    FrauJott
    freiegedanken
    frlfrohsinn
    gefluegeltermond
    Gela_HK
    GetReady
    Ginevra
    Girl56
    Gruenente
    Gwendolina
    hannelore259
    hannipalanni
    Heldentenor
    Igela
    Insider2199
    JoBerlin
    K2k
    katrin297
    krimielse
    leniks
    lesebiene27
    Lesefantasie
    leselea
    lesenbirgit
    leseratteneu
    LibriHolly
    lisibooks
    Literatur
    maria1
    Marika_Romania
    Maritzel
    marpije
    Martina28
    Mauela
    Mercado
    Miamou
    miss_mesmerized
    naddooch
    Nadja_Kloos
    naninka
    Nepomurks
    Nightflower
    Nil
    Nisnis
    parden
    Petris
    Pocci
    PrinzessinAurora
    schokoloko29
    serendipity3012
    Sikal
    sofie
    solveig
    sommerlese
    StefanieFreigericht
    sternchennagel
    Sumsi1990
    suppenfee
    sursulapitschi
    TanyBee
    Tintenfantasie
    TochterAlice
    umbrella
    vielleser18
    wandablue
    wilober
    wortjongleur
    zeki35
    Zum Thema

    Weitere Informationen zum Buch

    Pressestimmen

    Ein aberwitziger literarischer Agentenroman

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach

    Hol dir mehr von LovelyBooks