Cover des Buches Das Leben und Sterben der Flugzeuge (ISBN: 9783492056625)I
Rezension zu Das Leben und Sterben der Flugzeuge von Heinrich Steinfest

Ein atemberaubendes Lesevergnügen zwischen Fantasie und Realität!

von Insider2199 vor 5 Jahren

Review

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Insider2199vor 5 Jahren

Ein atemberaubendes Lesevergnügen zwischen Fantasie und Realität!

Der 1961 in Australien geborene Autor wuchs in Wien auf und veröffentlichte 1995 seine ersten Romane, meist Krimis und Science-Fiction-Romane. Mit "Der Allesforscher" stand er auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2014. Heute lebt er als Maler und Schriftsteller überwiegend in Stuttgart.

Zum Inhalt: Der Münchner Kommissar Blind (ein Mann ohne Vornamen!) wird mit einem ungewöhnlichen Fall betraut. Während er schläft, träumt er, Quimp zu sein, ein Spatz, der im Pariser Bahnhof residiert. Doch schnell stellt sich heraus, dass diese Traumwelt mehr ist als nur Fantasie, es ist eine Parallel-Welt, und nur in dieser liegt die Lösung von Blinds Fall verborgen.

Meine Meinung: wow, wow und nochmals wow! Ich liebe magische Bücher à la Haruki Murakami oder David Mitchell und wusste, dass Steinfest in diesem Genre („Magischer Realismus“) zu finden sei – meine Erwartungen an mein erstes Buch von ihm waren also sehr hoch – aber wow, ich hätte nicht gedacht, dass sie noch übertroffen werden. Kurz: Ich habe diesen fantasievollen Autor gleich in die Liga meiner Lieblingsautoren aufgenommen und werde mir mit Sicherheit auch seine anderen Bücher bald vornehmen, allen voran „Das grüne Rollo“ und „Der Allesforscher“. Ich freue mich schon SEHR darauf!

So nun zu dem Buch: Was fand ich gut? ALLES! Inhaltlich, sprachlich, formale Erzählweise, Ideenreichtum – einfach inspirierend! Auf die Idee dieses innovativen Plots muss man erst einmal kommen und dazu dann noch eine makellose Umsetzung. Spannend vom Anfang bis zum Ende und viele, viele Stellen, die ich mir angestrichen habe. Mir gefiel vor allem, wie es der Autor meisterhaft versteht, Figuren oder Situationen zu beschreiben.

Hier ein paar Kostproben:

„Er tat dies in einem Deutsch, von dem mir erst später klar wurde, dass es sich um jene spezielle Version des Deutschen handelte, wie man sie in Wien pflegte und wie man vielleicht sagen kann, Rückenschwimmen sei eine spezielle Form der Fortbewegung im Wasser. Eine Schwimmtechnik, bei der man nicht sehen kann, wo man hinschwimmt. Ja, ich sollte noch begreifen, wie sehr das Wienerische an jemand erinnert, der sich mit seinem Rücken voran bewegt, aber seinen Mund am Hinterkopf trägt. Nur den Mund. Er redet also praktisch nach vorne, schaut aber nach hinten. Schaut in die jüngste Vergangenheit, dorthin, wo er vor kurzem gewesen war.“

„Frühmorgens ist der Tag oft wie ein junger Hund, geradezu blödsinnig vor Lebensfreude und Bewegungslust. Der Nachmittag hingegen verströmt eine beträchtliche Melancholie, etwas Schmerzliches. Der Nachmittag – auch im Sommer, auch im Frühling – hat etwas von Herbst. Der Nachmittag ist immer ein fallendes Blatt und zeigt immer eine Verfärbung. Bevor dann der Abend zurückführt zu einer gewissen Ausgelassenheit, die alkoholisch anmutet. Der Abend verfügt über die Schlieren, die sich beim Schwenken eines Weinglases bilden. Der Nachmittag ist der Tod, der Abend das Hurra im Jenseits.“

Auch ein Roman, der vollgespickt ist mit Lebensweisheiten, wie diese (auch wenn sie nur in Klammern und scheinbar eher nebenher erwähnt werden):

„(man könnte sagen: die Politik kultiviert die Schwierigkeiten des Lebens so wie das Fernsehen die Scham und der Sport die Begierde).“

Sprachlich ist der Roman zwar anspruchsvoll, aber auf eine humorvoll-ironische und unanstrengende Weise. Obwohl die Traum- bzw. Parallel-Welt eine sehr komplexe Welt ist, bleibt für den Leser dennoch alles leicht verständlich und nachvollziehbar. Der Sprachstil (Vieles wird in Klammern gesetzt, wozu ich auch neige LOL) hat mir unheimlich gut gefallen, die Figuren-Zeichnung noch viel mehr!

Fazit: Ein perfekter Roman in jeder Hinsicht und mein absolutes Highlight des Jahres 2016. Hätte noch mehr als 5 Sterne vergeben können; uneingeschränkte Lese-Empfehlung, v.a. an Murakami- und Mitchell-Liebhaber!

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