Heinrich Steinfest , Robert de Rijn Der Nibelungen Untergang

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Inhaltsangabe zu „Der Nibelungen Untergang“ von Heinrich Steinfest

Die »Nibelungen« sind ein Breitwand-Stoff, mit allem, was dazugehört: starke Helden, schöne Frauen, scharfe Schwerter, schweres Gold. Deshalb erzählen Heinrich Steinfest und Robert de Rijn die alte Geschichte auch ganz modern als Film, in einem rasanten Storyboard. Das Kopfkino bringt es ans Licht: Blonder Superheld Siegfried? Eher dunkel, eher klein, dafür vom Größenwahn beseelt, eher so der Typ Tom Cruise. Liebliche Maid Kriemhild? Rasende Rächerin viel eher. Finsterling Hagen? Der einzige, der eine Ahnung davon hat, was er tut, auch wenn es Verbrechen sind. Königinnen-Streit in Worms? Eher Zickenkrieg auf der Kirchentreppe. Und Nibelungentreue? Rücksichtslos durchgesetzte Gefolgschaft. Wo muss das alles enden, wo endet es immer, und mit einem Sog, dem sich noch kein Hörer und Leser der Geschichte je entziehen konnte? Im Untergang.

Steinfest ist die Sheherezade des Okzidents.Sogar wenn er "nur"eine altbekannte Sage zum Leben erweckt. Das Storyboard ist das Sahnehäubchen

— thursdaynext
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    Der Nibelungen Untergang
    os030

    os030

    06. March 2015 um 16:51

    Reclam? Das ist doch der Verlag mit den kleinen gelben Büchern und den dazugehörigen Erläuterungen, die jeder schmerzlich aus dem Deutschunterricht kennt. Dabei entstehen im Verlag wunderbare Bücher, deren Gestaltung bei genauerer Betrachtung wahrlich kunstvoll ist. „Der Nibelungen Untergang“ ist eines dieser Werke. Grobe Zeichnungen von Robert de Rijn – über die Doppelseiten des Buches gestaltet –untermauern die Geschichte der Nibelungen auf eindrucksvolle Weise. Gerade die expressive Strichführung der Zeichnungen lenkt den Blick des Rezipienten auf die Kernaussage jeder gestalteten Doppelseite und unterstreicht eindrucksvoll den rauen und rücksichtslosen Umgang in Zeiten, in denen Muskelkraft und Brutalität über den Ausgang eines Konfliktes entschieden hat. Heinrich Steinfest – bekannt für seine Kriminalromane – erzählt in „Der Nibelungen Untergang“ das Nibelungenlied nach. Dabei bezieht er immer wieder Stellung, beschreibt seine Zweifel an der überlieferten Geschichte, belegt jedoch auch Dinge, die sich in der Art und Weise, in der sie erzählt wurden zugetragen haben können. Durch das Einbeziehen heutiger Kommunikationstechnik und Persönlichkeiten aus der Gegenwart entsteht anfangs eine merkwürdige Mischung aus Sage und Komödie. „Und jeder kann sehen, wie Kriemhild ihrerseits verzaubert ist […]. Sie ist schließlich kein Backfisch oder so.“ (S.20) Es ist anfangs sehr gewöhnungsbedürftig eine Sage mit derartigem Heldenepos mit solch grotesken Vergleichen und Kommentaren gespickt zu bekommen. Gerade wenn Steinfest sich über surreale Konstellationen von Kriegsheeren mokiert und damit die Helden der Sage beinahe bloßstellt, verlangt dies dem Leser eine gewisse Toleranz ab. Er erzählt die Geschichte zügig und in einem unverblümten Alltagston, der gelegentlich sogar ins vulgäre abrutscht. Doch es lohnt sich, das Buch weiterzulesen, über die anfängliche Verwirrtheit hinwegzusehen und das Werk als eine Übertragung der Sage auf unsere moderne Welt zu sehen. Dabei spielen die uns bekannten Persönlichkeiten wie beispielweise Michael Jackson und Elvis Presley – die Steinfest explizit nennt um Siegfried zu veranschaulichen – eine genauso große Rolle wie der FC Bayern München, der ebenso Gegenstand seines Vergleiches wird. Ich bin kein Experte für die Geschichte der Nibelungen. Daher kann ich das negative Echo, das dieses Buch aufgeworfen hat, nicht bestätigen, denn es bereitete mir eine Freude dieses Buch zu lesen und die Zeichnungen, die einer Graphic Novel gleichen, anzusehen. „Der Nibelungen Untergang“ ist eines der wenigen Bücher, das in der U-Bahn neugierige Blicke auf sich gezogen hat und für Gesprächsstoff sorgte. Auch derjenige, der sich nicht für Sagen interessiert, hat schon von Siegfried dem Drachentöter und dem im Rhein versenkten Nibelungenschatz gehört. Aus genau diesen wagen Skizzen zeichnet Heinrich Steinfest ein Gesamtbild und setzt dies verständlich um. Auch wenn es bedeutet, dass er sprachtechnisch einige Exkurse aus der Sprachfertigkeit der Nibelungen heraus, hinein in unsere Gegenwart machen muss. Wenn der Leser weiß, worauf er sich einlässt und weder Probleme mit manch abstruse Gedankengänge des Autors hat oder an der Kombination aus alter und moderner Sprache, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt. Es ist und bleibt die faszinierende Geschichte der Nibelungen, die mit Siegfried einen Helden haben, der scheinbar über allem steht. Es ist die alte Geschichte von Macht, Anerkennung, Ruhm, Verlust und Gier, die seit jeher die Menschheit bestimmt. Erzählt in einem anachronistischen Gewand mit erfrischend modernen Pointen und Kommentaren. „Der Nibelungen Untergang“ ist nach langer Zeit endlich wieder ein Buch, das ich nicht einfach weglege und abschließe. Hier entsteht Diskussionsbedarf über den Verlauf der Geschichte, darüber wer mit wem in Verbindung steht und warum manch ein König seinen über allen Zweifel hinweg loyalen Freund verrät und damit dessen Tod mitverschuldet. Und vor allem: Wo genau mag wohl der Schatz der Nibelungen liegen? Und was ist der Schatz? Gold und materieller Reichtum, oder ist er möglicherweise nur Sinnbild für Wissen und Reichtum durch Erkenntnis?

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