Heinz Hilpert

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Rezension zu "So wird alles Schwere entweder leicht oder Leben." von Heinz Hilpert

Rezension zu "So wird alles Schwere entweder leicht oder Leben." von Heinz Hilpert
HeikeGvor 6 Jahren

"Mit dir, aber ohne Dich!" - Innigste Ergänzungen
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"Wir müssen die Dinge, die uns zuinnerst betreffen, uns als Aufgabe stellen, sie im Wort zu gestalten." Dies schreibt der 54-jährige Heinz Hilpert, einer der großen Theaterregisseure der 1920er und 1930er Jahre, am 05.11.1944 in seinem Buch an und für "Nuschka". Im beginnenden Sommer desselben Jahres wird er von seiner jüdischen Geliebten und späteren Ehefrau Annelies "Nuschka" Heuser, die in die Schweiz flüchten musste, getrennt. Als ihm vom deutschen Regime jede weitere Reise dorthin untersagt wird, fasst er seine tägliche Einsamkeit und Sehnsucht in Worte und hält sie in einer Art Tagebuch fest. Entstanden ist ein einfühlsames Dokument der Hoffnung, eine Liebeschronik der Empfindungen mit all ihren divergenten Variationen voller Befürchtungen und Ängste, stets verbunden mit einem starken Glauben an Gott. Faksimile von Hilperts Aufzeichnungen, mehrere private Fotos, Stellenkommentare sowie ein "Brief an Nuschka" des Szenenbildners und Filmarchitekten Jan Schlubach, der Heinz Hilpert und Annelies Heuser persönlich kannte, ergänzen dieses literarische Kleinod, das nicht umsonst auf der Liste der besten Veröffentlichungen unabhängiger Verlagen 2011 stand.
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In einer gnadenlosen Unzeit voller Verrohung zeugen Hilperts Worte von unglaublichem Feinsinn und Feingeist. Anrührend lyrisch und in innige Worte gekleidet, werden "seine tief humanistische Weltanschauung, seine starken religiösen Wurzeln und natürlich seine große Kenntnis der Weltliteratur offenbar", wie Michael Dillmann, neben Andrea Roth einer der Herausgeber, in seinem Vorwort bemerkt. "Nuschka" ist für Hilpert in einer "zerquälten Welt" zwischen alliierten Bombardements, Theaterschließungen und tausendfachem Sterben die "Schöpferin jedweder Rangordnung" all seiner Stunden in einem unerklärlichen "So Sein". Er, der "Poetaster und Debauchierer", fühlt sich in seiner vollkommenen Liebe zu seiner Geliebten ganz "unversehrbar".
Doch immer wieder treffen ihn Verzweiflungsstunden, als tage-, ja wochenlang kein Lebenszeichen aus der Schweiz eintrifft, als alles "Gestalt verlieren und verwehen und zerfließen" will, als sein "zu Dir hin Denken" ganz dunkel und dämmrig wird. Dann baut er sich eine imaginäre Brücke aus Glück, welches sich "durch Wände von Qual, durch Zonen von Wirbelstürmen und beängstigten Windstillen, durch Schwefelschwaden von Hass und Lüge unbeirrbar seinen Pfad bahnt und unaufhaltsam und unverworren in der ihm gemäßen Richtung gleitet, gleitet, gleitet von" ihr zu ihm. Hilpert verliert nie die Hoffnung, dass "wirklich neues Leben aus Schutt und Asche glüht und blüht - und dass ein himmlischer Frühling kommen wird", den die beiden Liebenden in seiner zerquälten Heimat Deutschland, an der er trotz allem mit wachem Herzen hängt und in der er "jede Wunde wie eine samenwache Furche" spürt, erleben werden.
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"Schenkt uns der Schmerz diese ganz besondere Innigkeiten? Warum werden Menschen erst im Entbehren wesentlich? Und ganz nahe?", fragt sich Heinz Hilpert. Dies ist zugleich der rote Faden, der sich durch die "Sehnssuchtsseiten" des schmalen Büchleins schlängelt. Fragen, die bereits seit Friedrich Hölderlin durch die Welt gehen. Hilpert, dessen Ausdrucksform dem deutschen Lyriker ähnelt, greift sie erneut auf und setzt sie in sein ganz persönliches "zärtliches Musszueinander". Das Buch ist ein zutiefst intimer Blick "in die Prunkkammer und den Fronraum" seines Herzen, in sein "seelisches Gefäßsystem". Man leidet und lacht mit ihm und wird mit seinem letzten Satz genauso erlöst und schwereleicht: "Und dann ist alles, alles ausgelöscht, was dies letzte Jahr an Leiden gab." 1947 heiraten die beiden Liebenden.
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Fazit: "Wie die Zephyre irrte mein Geist von Schönheit zu Schönheit selig umher. (...) Und all dies war die Sprache eines Wohlseins..." (Friedrich Hölderlin: "Hyperion")

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