Ein abenteuerliches Herz

von Heinz L Arnold 
3,0 Sterne bei1 Bewertungen
Ein abenteuerliches Herz
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Inhaltsangabe zu "Ein abenteuerliches Herz"

Heinz Ludwig Arnold führt den Leser durch das Werk Jüngers: Vom Ausreißerbuch »Afrikanische Spiele« in die Welt des »Abenteuerlichen Herzens« und auf den einsamen »Waldgang«. Jünger erzählt von seiner Jugend, berichtet von zahlreichen Reisen und streift durch die Welt von Drogen und Rausch. Er erzählt vom grauenhaften »Köppelsbleek« in der berühmten Erzählung »Auf den Marmorklippen« und von Ortners wunderlichem Erlebnis in dem Zukunftsroman »Heliopolis«. Die Auswahl geht von der ersten bis zur letzten Fassung der »Stahlgewitter« über die Kriegstagebücher des Zweiten Weltkriegs bis zur Friedensschrift von 1945 und wird eingeführt von persönlichen Erinnerungen des Herausgebers.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783608938463
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:428 Seiten
Verlag:Klett-Cotta
Erscheinungsdatum:01.03.2011

Rezensionen und Bewertungen

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    michael_lehmann-papevor 8 Jahren
    Rezension zu "Ein abenteuerliches Herz" von Heinz L Arnold

    Ein ausgedehnter Streifzug durch Ernst Jüngers Schriften und Denken

    Das Werk Ernst Jüngers, der 1998 102jährig verstarb, ist immens und breit, vielfach und vielschichtig. Basierend auf dem namengebendem Buch Jüngers von 1928 (verändert 1938 neu aufgelegt), hat nun Heinz Ludwig Arnold, zu Zeiten Mitarbeiter Jüngers, ein eindrucksvolles, umfassendes und Wesentliches des Denkens Jüngers darstellendes „Ernst-Jünger-Lesebuch“ herausgegeben, dass in fundierter Form eine breite Annäherung an diesen Philosophen, Schriftsteller, auch Militaristen (Krieger) und LSD Erprober ermöglicht.

    Vorweg gesagt allerdings ist es sicherlich so gut wie unmöglich, ein wirklich umfassendes Bild eines der produktivsten Schriftsteller des letzten Jahrhunderts vorzulegen, zu mannigfaltig und auch vielfältig sind die Werke Jüngers, um sie auch nur ansatzweise auf einen Nenner zu legen. Arnold betont diesen Umstand durchaus und will sein Buch explizit als „persönliche Sammlung“ verstanden wissen. Dennoch, trotz notwendiger Konzentration in der Auswahl und trotz mancher Auszüge aus Gesamtwerken, die für sich gestellt einfach auch den tieferen Sinnzusammenhang des Gesamten verlieren, bietet die Sammlung Arnolds durchaus einen möglichen Zugang zum vielschichtigen Werk Jüngers.

    Unter den fast „Lebensthemen“ Jüngers Krieg und Frieden, abenteuerliches Herz, Streifzüge, Erzähltes, Geträumtes sammelt Arnold Text-Marksteine Jüngers. Jünger, der von sich selbst im Alter sagt, dass ihn stärker und stärker ein Leiden ereilt, nämlich „ein Fremdling im eigenen Vaterland zu sein“. In dieser Rede Jüngers zu seinem 80. Geburtstag wird noch einmal in Essenz verdeutlicht, wie stark sich Jüngers ausgeprägter Nationalismus gerade in den Jahrzehnten nach dem zweiten Weltkrieg mit der politischen Realität und dem kulturellen Selbstverständnis der Bundesrepublik mitsamt der Meisten seiner schaffenden Künstler brach. Jünger dabei in diesen Nachkriegsjahren als Nationalsozialisten zu kennzeichnen ist mittlerweile allerdings glücklicherweise ad acta gelegt. Dennoch ist und bleibt Jünger ein Schriftsteller, an dem sich die Geister auch in Fragen seiner persönlichen Haltung scheiden.

    Anpassung und Unterordnung, Regularien und hierarchische Steuerungen sind Themen, die in Jüngers Werk immer wieder aufgenommen wurden und im Zuge des „Waldgängers“ auch Einzug in die vorliegende Sammlung erfahren haben. Sich der „empirischen Wirklichkeit“ methodisch zu entziehen ist eine der Quintessenzen aus der Lektüre Jüngers, der sich im Wesen nie hat vereinnahmen lassen wollen. Und dem der „Anarch“ näher stand als der „Untertan“.

    Ein gravierendes Manko der Sammlung Arnolds ist allerdings, dass dieser den Leser, bis auf seine aus persönlichen Erinnerungen gespeiste Einleitung, unkommentiert mit der Schriftauswahl und den Texten selber alleine lässt. Gerade aufgrund der Komplexität des Denkens und des Werkes Jüngers wären durchgängige Kommentierungen und zumindest subjektive Erläuterungen wünschenswert gewesen. Arnold selbst erwähnt ja zu Beginn, wie er selbst in ersten Kontakt zum späteren „Chef“ trat mit konkreten Verständnisfragen zu Texten Jüngers. Somit hätte gerade ihm eingängig sein sollen, wie sehr manches von Jüngers Aussagen einer Erläuterung bedürfen.
    Zwar bietet Arnold einen Überblick über seine Auswahl und ein wenig über seine Kriterien vorweg gestellt an, doch sowohl Erläuterungen zu den Texten selbst als auch zu dem, was und warum Arnold manches als exemplarisch betrachtet, fehlen fast völlig. Neben einem faszinierenden Eindruck von Umfang und Vielfalt des Werkes Jünger bleiben so durchaus auch Irritationen im Raum und manche Fragen offen.

    Das Buch bietet eine umfangreiche und sicherlich den Phasen des Denkens und Schaffens Jüngers gerecht werdende Auswahl an Texten, zeigt allerdings zuwenig die Einbettung in den jeweiligen Kontext der Texte auf und erläutert ebenso zu wenig manches Notwendige, um die Begrifflichkeit und das komplexe Denken Jüngers verstehend einordnen zu können. Eine interessante und anregende erste Annäherung an Jünger aber ist durch dieses „Lesebuch“ gewährleistet, die dann aber nach gründlicherer Vertiefung verlangt.

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