"Fabeln" versammelt 97 Fabeln Gotthold Ephraim Lessings (je 30 in drei Büchern, drei aus anderen Schriften sowie vier aus dem Nachlass) sowie die “Abhandlungen über die Fabeln”, Lessings theoretische Begründung der Gattung. Zwar hat sich der phantastische Autor Walter Moers jüngst mit “Das Einhörnchen, das rückwärts leben wollte” in ironischem Ton an die Gattung “Fabeln” herangewagt, allerdings ist die Gattung darüber hinaus in der Moderne nahezu ausgestorben - was vielleicht auch daran liegt, dass moralisierende Geschichten eher verpönt sind. Dennoch sind Lessings Fabeln interessant zu lesen, allein schon, weil es sich um pointierte Prosa handelt, die in aller Kürze Wesentliches mitteilen möchte. Lessing bietet dabei abwechslungsreiche Inhalte: Einerseits finden sich Fabeln mit Tieren als Handlungsfiguren, denen (prototypisch) menschliche Eigenschaften zugeschrieben werden, andererseits erzählt Lessing Fabeln, in denen ein mythologisches Personal (wie z. B. Zeus oder Herkules) auftritt. Daneben finden sich - für den literarischen Diskurs besonders interessant - immer mal wieder Fabeln, die das literarische Schaffen bzw. den Literaturbetrieb der Zeit behandeln (z. B. “Die Erscheinung”, in der die personifizierte Fabel dem schreibenden Ich erscheint, oder “Der Sperling und der Strauß”, in der selbsternannte Genies verspottet werden). Inhaltlich thematisieren die Fabeln menschliche Schwächen wie Egoismus, Schwätzerei, Hochmut, Habsucht, Geiz und Schmeichelei; gleichzeitig werden aber auch gesellschaftliche Zustände kritisiert (so wenn Lessing in “Die Eule und der Schatzgräber” nonchalant die finanzielle Lage der Gelehrten anspricht). Die Länge der Fabeln ist im Schnitt eine halbe Seite, manche sind länger, manche kommen aber auch mit wenigen Zeilen aus. In den “Abhandlungen über die Fabeln”, die Lessing unbedingt zusammen mit den Fabeln gelesen wissen will, gibt Lessing diesen ein theoretisches Fundament: Ausgehend von der Unterteilung von Fabeln in “einfache” und “zusammengesetzte” setzt Lessing sich mit den Fabel-Definitionen von De la Motte, Breitinger, Richer und Batteux auseinander. Darauf aufbauend beschäftigt er sich mit der Nutzung von Tieren in der Fabel, alternativen Unterteilungsmöglichkeiten der Textsorte, dem Vortrag von Fabeln sowie dem schulischen Nutzen dieser, den er in der Heuristik sieht. “Fabeln” ist insgesamt eine interessante Sammlung pointierter, abwechslungsreicher Texte sowie ein aufschlussreicher Blick in die Gattungsgeschichte der Textsorte.
Heinz Rölleke
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
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Die Advents- und Weihnachtszeit ist für mich auch eine Zeit der Märchen. Ich liebe Märchen, manche natürlich mehr, manche auch weniger. Aber die meisten Märchen der Gebrüder Grimm gefallen mir eigentlich, und vor allen Dingen sind sie auch immer wie eine kleine Reise zurück in die Kindheit. Ich weiß noch, dass meine Oma mir früher immer viel aus dicken Märchenbüchern vorgelesen hat. Das war einfach schön.
Und so habe ich es genossen, mir mit diesem dicken Märchenbuch noch einmal ein paar alte Geschichten zurück ins Gedächtnis zu rufen!
Bei den Salzburger Festspielen, die weltweit als das bedeutendste Festival der klassischen Musik und darstellender Kunst gelten und die seit 1920 jeden Sommer stattfinden, ist der - Jedermann - ein fester Bestandteil. Vor der Kulisse des Doms wird das - Spiel vom Sterben des reichen Mannes - aufgeführt und das nicht immer gänzlich frei von Kritik. Die Inszenierungen sind nicht immer im Geschmack des Publikums gehalten, die Geschichte bleibt aber dennoch dieselbe: Der Hauptcharakter in diesem Drama ist der Jedermann, der ein ausschweifendes Leben führt und kurz vor seinem Tod bereut. Das Stück beruht wahrscheinlich auf einem englischen Mysterienspiel aus dem Mittelalter, dem Everyman. Fast zeitgleich erschien allerdings auch der holländische "Elckerlyc". Welcher der beiden Texte, die beide sehr überein stimmen, der ursprüngliche war, bleibt fraglich. Wenn man bedenkt, dass im Mittelalter religiöse und biblische Themen fast immer eine Rolle in Theaterstücken gespielt haben, dann ist es wohl nicht verwunderliche, dass eben dieses hier, das christliche Glaubenssystem wiederspiegelt. Und zwar in der Annahme, dass wenn man wahrhaft bereut, dir deine Sünden vergeben werden. Selbst wenn man sein Leben lang ein moralisch verwerfliches Leben geführt hat. Die Auseinandersetzung mit dem Tod - war für Hugo von Hofmannsthal ein wichtiges Thema - in mindestens 3 weiteren Stücken wird das Ende des Lebens behandelt. Manch einer findest es ein wenig altbacken - allerdings kann man diese Kritik nicht so stehen lassen - man muss den Text wohl auch im Kontext der Zeit lesen.
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