Mit dem Begriff Meisterwerk kann man schnell mal um sich werfen – ebenso mit dem Begriff der bedeutenden Persönlichkeit. In diesem Fall aber trifft beides zu: Karl V. war eine bedeutende (und darüber hinaus auch wahrlich: tragische) Figur seiner Zeit und der Weltgeschichte und Heinz Schillings Buch ist ein Meisterwerk der biographischen Literatur.
Dies mag darin begründet liegen, mit welch hohen Maß an (zwar nie überbordenden, aber doch zentralen) Verständnis sich der Autor seinem Gegenstand annimmt. Ich habe schon viele Biographien gelesen, in denen die Autor*innen immer ein wenig mit ihrer Beziehung zur beschriebenen Person zu ringen schienen – und dieses Ringen für Objektivität oder gar Professionalität hielten.
Schilling dagegen beweist, dass nicht eine erkennbare Position zum Gegenstand, sondern Gewissenhaftigkeit und Hingabe für Details letztlich immer noch die beste Methode sind. Gemeint ist nicht etwa die immense, psychologisierende Hingabe eines Stefan Zweig (wobei die auch in mancherlei Hinsicht etwas für sich hat) oder die fatal vom Weg abkommende Hingabe mancher Biograph*innen, die ihre Objekte vor irgendeinem Vorwurf schützen, ihre Geschichte umschreiben wollen, sondern eine behutsame Hingabe, die die Person Karl V. nicht überhöht oder gar die Leser*innen blendet, wohl aber die Geschehnisse und den Charakter gänzlich auszuleuchten versteht.
Die Spannung, die aus diesen genauen Schilderungen entsteht, ist umso bemerkenswerter, da das Buch, beinahe von vorne herein, bekennt, dass es eine Geschichte des Scheiterns erzählt. Eines Scheiterns wohlgemerkt, hinter dem auf der einen Seite Hoffnungen von einer grandiosen Zukunft und Einigkeit und auf der anderen Seite Umbrüche auf beinahe jeglichem Gebiet, von der Religion über die Gesellschaft bis zur Wirtschaft, stehen.
Schilling gelingt es, von einer Geschichte des Hauses Burgund ausgehend und bis zu dem Rückzug Karl V. vom Thron, das Wesen einer ganzen Welt, einer Epoche, im Spiegel eines Mannes, der in ihr zu wirken versuchte, zu zeigen. Das ist große Kunst und sehr lesenswerte Literatur.










