Heinz Schilling

 4.5 Sterne bei 29 Bewertungen
Autor von 1517, Martin Luther und weiteren Büchern.

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1517

1517

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Erschienen am 24.05.2017
Martin Luther

Martin Luther

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Erschienen am 27.04.2017
Höfe und Allianzen

Höfe und Allianzen

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Erschienen am 01.04.1989
Die Stadt in der Frühen Neuzeit

Die Stadt in der Frühen Neuzeit

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Erschienen am 25.02.2004
Der Reformator Martin Luther 2017

Der Reformator Martin Luther 2017

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Erschienen am 01.12.2014
1517: Weltgeschichte eines Jahres

1517: Weltgeschichte eines Jahres

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Erschienen am 23.02.2017
Kleinbürger

Kleinbürger

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Erschienen am 12.05.2003
Der Augsburger Religionsfrieden 1555

Der Augsburger Religionsfrieden 1555

 (0)
Erschienen am 17.12.2007

Neue Rezensionen zu Heinz Schilling

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Koehler-trifft-Buchs avatar

Rezension zu "1517" von Heinz Schilling

Die Welt im Jahr der Reformation
Koehler-trifft-Buchvor einem Jahr

500 Jahre Reformationsgeschichte liegen hinter uns. Martin Luthers Thesenanschlag in der Schlosskirche zu Wittenberg veränderte die Welt auf einen Schlag und leitete die Neuzeit ein. Das zumindest war noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts die herrschende Meinung in der westlichen und vor allem der protestantisch geprägten Geschichtsschreibung, für die zum Beispiel Adolf von Harnack stand. Doch inzwischen ist das eurozentrische Geschichtsbild einer umfassenderen Sichtweise gewichen. Wie wir inzwischen wissen, haben auch andere Hochkulturen wesentliche „Impulse“ zur Neuzeit beigesteuert, wie Heinz Schilling in „1517 – Weltgeschichte eines Jahres“ anmerkt.

 

Der emeritierte Professor für die Europäische Geschichte der frühen Neuzeit an der Humboldt-Universität zu Berlin führt den Leser auf eine Zeitreise in das frühe 16. Jahrhundert. Dabei gelingt es Schilling selbst in der Kürze der Darstellung – der eigentliche Inhalt umfasst gerade einmal 308 Seiten – detailreich die Welt von damals zu skizzieren. So wird der Leser beispielsweise genauso in die ausgeklügelten Thronfolgevorgänge am spanisch-habsburgischen Hof in Madrid um Karl V. eingeweiht (dem einen großen Gegenspieler Luthers), wie in die Vorgänge um den osmanischen Herrscher Sultan Selim I., der zu Beginn des Jahres 1517 die Macht der Mamluken brach und damit dem Osmanischen Reich die Vorherrschaft in der muslimischen Welt sicherte. Beide Großmächte, d.h. das Haus Habsburg und das Osmanische Reich, standen sich fortan im 16. Jahrhundert feindlich. Schilling öffnet dem Leser in seinem Buch also den Blick auf das Europa und die Welt am Vorabend der Reformation. Und das durchaus auch in die weiteren „äußeren“ Aspekte des menschlichen Lebens von damals wie den wirtschaftlichen, politischen und sozialen Veränderungen der Zeit.

 

Ganz entscheidenden Einfluss auf die Welt zu Beginn der Neuzeit sieht der Autor zudem im Einfluss des neuen Weltwissens, zumindest auf die Eliten von damals. Amerika wurde entdeckt, Reisen an den chinesischen Hof wurden unternommen sowie Entdeckungsfahrten nach Afrika und Asien.

 

Aber auch die „Innerlichkeit“ war von Bedeutung. Die Welt besann sich wieder auf das Wissen und die Kunst der Antike, d.h. die Renaissance aus Italien „schwabte“ immer stärker nach Nordeuropa: Universitäten wurden gegründet, neue Wissenschaften sollten bald entstehen und mit dem Buchdruck war auch eine wichtige Voraussetzung für die Verbreitung der Reformation auf den Weg gebracht.

 

Doch trotz aller Fortschritte zeigt Schilling auch, dass sich Aberglauben und Misstrauen hartnäckig hielten. Beispielsweise gegenüber dem Judentum, auch wenn sich einzelne Gelehrte wie der württembergische Humanist Johannes Reuchlin für die Anerkennung der jüdischen Kultur einsetzten. Aber auch Hexenverfolgungen und Geisterschlachten spielten nach wie vor eine große Rolle. Was sich in Erzählungen wie der „Geisterschlacht von Bergamo“ und den Gemälden und Holzschnitten von Bosch und Dürer zeigte.

 

Schließlich sollte vor allem der Medici-Papst und Renaissance-Fürst Leo X., der zwar auf der einen Seite die bildenden Künste durch den Neubau von St. Peter förderte, auf der anderen Seite mit seinem Ablasshandel aber Widerspruch von Humanisten wie Erasmus von Rotterdam und dem Erzbischof von Toledo, Francisco Jiménez de Cisneros (einer von mehreren spanischen Reformern), oder Rittern wie Ulrich von Hutten erntete. Heinz Schilling zeigt im letzten Abschnitt seines Buches schließlich, warum gerade der Wittenberger Mönch und Professor Luther sich mit seinen Thesen zum Reformator aufschwingen konnte: „Keiner der spanischen Bibelwissenschaftler war in ähnlicher Weise ein existentiell um Wahrheit Ringender wie der Wittenberger Mönch.“ So stieg er und nicht sie zum Gegenspieler von Ablass-Papst Leo X. und Karl V. auf. Und seine Lehre traf in der Bevölkerung auf offene Ohren, denn trotz aller Kritik an der Kirche waren die Menschen im frühen 16. Jahrhundert noch sehr gläubig. Die Furcht vor dem Fegefeuer, die vor allem bei einem plötzlichen Tod jedem Menschen drohte, war sehr wach und so versprach Luthers „gnädiger Gott“ auch Rettung ohne Läuterung im Fegefeuer und ohne Ablass.

 

Heinz Schillings Buch über das Jahr 1517 – auch nach den Reformationsfeierlichkeiten 2017 – ist ein profundes und spannendes Werk, um sich die Zeit vor der Reformation, und die Einflüsse auf diese, besser vorstellen zu können. Spannend geschrieben und klar gegliedert, führt es den Leser und die Leserin in eine interessante und aus heutiger Sicht fast versunkene Welt. In eine Zeit, in der die Menschen noch mit Inbrunst gläubig waren und sich mit Leib und Seele vor dem Martyrium des Fegefeuers fürchteten.

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Bellis-Perenniss avatar

Rezension zu "1517" von Heinz Schilling

Was 1517 sonst noch geschah ...
Bellis-Perennisvor einem Jahr

Das Jubiläum 1517- 2017 ist durch Martin Luther ja recht prominent besetzt. Man könnte meinen, es hätte sich (fast) nichts anderes ereignet. 

Doch was ist in diesem Jahr, bevor der Mönch seine Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen sonst noch passiert? Am 31. Oktober war es ja immerhin schon 304 Tage alt.

Diesem anderen Weltgeschehen widmet sich Autor Heinz Schilling in seinem Buch. Schön strukturiert ist es in die folgenden Bereiche und weitere Kapitel aufgeteilt:

Prolog
I. Zwei Weltreiche und ein Drittes Rom kündigen sich an, aber auch Sturm gegen Unterdrückung und Willkür
II. Um Frieden und Stabilität des Geldes
III. Europa und die weitere Welt
IV. Die Renaissance und ein neues Weltwissen
V. Kollektive Ängste und Sehnsucht nach Sicherheit
VI. Der Papst in Rom- italienischer Souverän und universeller Pontifex
VII. Der Mönch in Wittenberg – ex oriente lux oder die Morgenröte des Protestantismus an den Grenzen der Zivilisation
Epilog
Anhang


Ausgehend vom zentralen Europa, dessen Geschichte und Geschichten ja den meisten, wenn auch nicht ganz so detailliert, bekannt ist, wenden wir uns den weiter entfernten aufstrebenden Reichen und Veränderungen zu. Mir persönlich haben die Exkurse nach China oder nach Mittelamerika besonders gut gefallen.

Nicht zufällig diskutieren manche Historiker noch immer, ob das Mittelalter mit dem Fall von Konstantinopel (1453), Erfindung des Buchdrucks,  der Entdeckung Amerikas (1492) oder doch erst mit Martin Luther (1517) zu Ende ist.

Einige bahnbrechende Erfindungen werden just zu dieser Zeit gemacht. Kopernikus und seine Theorien stellen das bisherige Weltbild auf den Kopf. Die Renaissance hält Einzug und mit ihr die Mäzene, die die Bildenden Künste fördern.

Ohne die Erfindung des Buchdrucks durch Gutenberg Mitte des vorigen Jahrhunderts wären die berühmten Luther-Thesen das geblieben, was sie ursprünglich waren: Ein Protestschreiben am Schwarzen Brett der Schlosskirche zu Wittenberg. So machen die Druckwerke rund um Martin Luther rund ein Drittel des Umsatzes aus und tragen zur Verbreitung der neuen Lehre(n) bei.

Meine Meinung:

Ein interessantes Buch, das die Geschehnisse eines Jahres aufzählt, die Rück- und Vorblicke ebenso beleuchtet.

Wie es sich für den Autor eines Sachbuchs gehört, bedient er sich eine sachlichen, nüchternen Schreibstils, der trotzdem hin und wieder einen Anflug von Humor verzeichnet. Schön sind die vielen (Original)Zitate, die für manche Leser, ob ihrer alten Orthographie und Semantik, ein wenig fordernd sein werden.

Die abgedruckten Bilder und Stiche ergänzen das Buch genauso wie der aufschlussreiche Anhang.

Mir persönlich, die an Geschichte sehr interessiert und auch ganz gut belesen ist, gefallen die vielen kleinen Details, die der Autor zu Tage fördert. 

Fein dargestellt sind die vielen netzartigen Querverbindungen zwischen den Herrscherhäusern und die verschiedenen Abhängigkeiten, die daraus resultieren.

Die kompakte Zusammenfassung dieses Jahres, das immer wieder „nur“ im Banne von Martin Luther steht, ist außergewöhnlich gut gelungen.

Fazit:

Eine tolle Zusammenfassung des Jahres 1517, das ein wenig vom derzeit übliche Mainstream der Bücher zum Gedenkjahr 1517 abweicht. Gerne gebe ich fünf Sterne und eine Leseempfehlung.

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Sikals avatar

Rezension zu "1517" von Heinz Schilling

Ein spannendes Jahr 1517
Sikalvor einem Jahr

„1517 Weltgeschichte eines Jahres“ - verspricht bereits der Titel und lässt den Fokus auf die Geschehnisse rund um Wittenberg erst mal außen vor. Der allseits bekannte Thesenschlag Luthers wird im Buch natürlich ebenfalls zum Thema gemacht, doch in diesem Jahr geschahen noch andere bedeutsame Ereignisse, die erwähnenswert sind. Man kann bei knapp 300 Seiten nicht davon ausgehen, dass es sich um ein umfassendes historisches Gesamtwerk handelt, das am besten noch die ganze Weltkarte miteinschließt – das war vermutlich auch nicht das Ziel des Autors. Eine solche Erwartung wäre zu hoch angesiedelt und würde auch den Rahmen eines Buches sprengen. Doch was für uns von 1517 erwarten dürfen, ist eine Zusammenfassung und ein grober Überblick über die Geschehnisse vor 500 Jahren und deren Auswirkungen auf historische bzw. politische Begebenheiten. Und was soll ich sagen – hier wurde ich nicht enttäuscht.

Der Autor Heinz Schilling, em. Professor für Europäische Geschichte der frühen Neuzeit an der Humboldt-Universität zu Berlin, spannt hier einen breiten Bogen über dieses historisch bedeutsame Jahr, ergänzt mit einem breiten Quellen- und Literaturverzeichnis, welches für eine weiterführende Beschäftigung mit einem Themenbereich eine große Auswahl parat hat.

Als Einstieg beginnt der Epilog mit einer groben Übersicht über die einzelnen Kapitel, lässt bereits das ein oder andere durchblicken und macht neugierig auf das was da noch so kommen mag. Und hier findet sich einiges: Vom Aufstreben des jungen Karl, der das Hause Habsburg mit großer Macht und Ehre bestückte und später zum römischen Kaiser gekrönt wurde. Von der Geldwerttheorie eines Kopernikus sowie der Friedensschrift von Erasmus. Von der Entdeckung weiterer Erdteile, wie Asien und Amerika sowie der teilweisen Ausrottung von Einheimischen in neu erforschten Gebieten. Der Ausweitung des Christentums, den Konflikten mit anderen Religionen (interessant auch die Spannungen zum Islam), z.B. werden Juden und Muslime als Gefahr für die christliche „Reinheit“ angesehen. Kulturelle Aufwendungen der Adeligen wurden zum Selbstverständnis, die Renaissance erlebt ihre Hochzeit, Rom sowie das Papsttum werden zum Zentrum des Geschehens. Künstler, wie Dürer, da Vinci, Michelangelo u.a. werden hochgelobt. Als sich außerdem noch rund um den Midici-Papst Leo X. der Ablasshandel breit macht, um die Fortschreitung der Bauaktivitäten des Petersdoms (und Roms) anzutreiben, bewegen wir uns in Richtung Wittenberg und dem bekannten Thema zu (sowie dessen weitreichender Folgen).

Der Schreibstil ist einem Sachbuch angemessen nüchtern und klar, diverse Zitate in altdeutscher Schreibweise erfordern während des Lesens hohe Konzentration. Viele geballte Fakten und Rechercheergebnisse lassen manche Kapitel etwas trocken erscheinen, hier wird vom Leser Durchhaltevermögen gefordert.

Auf alle Fälle war 1517 für mich spannend zu lesen, bot mir einen groben Überblick über diverse Themen und macht Lust, sich noch in dem ein oder anderen zu vertiefen. Für Leser, die bereits über ein großes Fachwissen verfügen, ist es bestimmt zu oberflächlich. Für alle anderen gibt es eine Leseempfehlung.

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