Ein junger Mann begibt sich in ein Sanatorium und verliert zunehmend den Draht zur Außenwelt – nicht nur der Titel, auch das Setting von Heinz Strunks Zauberberg 2 weisen natürlich auf einen großen Klassiker der Weltliteratur hin: Der Zauberberg von Thomas Mann. Heinz Strunk ist mit seinem Zauberberg 2 durchaus eine Hommage an den Klassiker gelungen – trotzdem ist der Roman auch ganz und gar typisch Heinz Strunk.
Statt nach Davos geht es für Jonas Heidbrink, Anfang 30 und Selfmade-Millionär, ins flache Hinterland der Ostsee. Und anstatt Lungenkranke beherbergt das Sanatorium psychisch Erkrankte. Jonas fühlt sich zunehmend ausgebrannt und depressiv und erhofft sich in der Einrichtung Erholung und Heilung.
Schon bald aber steckt Heidbrink zwischen den alltäglichen Visiten und Anwendungen fest wie in einem Korsett und es scheint gar kein Ende mehr für ihn zu nehmen. Immer mehr Baustellen an seinem Körper und in seiner Psyche tun sich auf – ob die ganzen Therapiesitzungen helfen ist zudem immer fraglicher. Bald verliert sich Heidbrink immer mehr in der Welt der Heilanstalt, scheint keinen Absprung mehr zu finden und kommt auch der Außenwelt immer mehr abhanden.
Parallel dazu geht es der Klinik wirtschaftlich immer schlechter. Das Personal wird nach und nach reduziert, ein Nebengebäude wird geschlossen und das Essen wird nicht mehr frisch gekocht. Aus dem noblen Sanatorium wird zunehmend eine marode Klinik, was sich bald auch am Patientenstamm bemerkbar macht. Schließlich kommt es auch noch zu einem rätselhaften Unglücksfall.
Mir hat es unglaublich viel Spaß gemacht, diesen Roman zu lesen und ich glaube, man darf einfach nicht den Fehler machen, Manns Zauberberg eins zu eins mit Strunks Zauberberg 2 zu vergleichen. Heinz Strunk hat hier ein vollkommen eigeständiges Werk in üblicher Strunk-Manier geschaffen und verneigt sich damit aber zeitgleich vor dem großen Klassiker. Das sieht man vor allem im vorletzten Kapitel „Kirgisenträume“, das überwiegend aus Zauberberg-Zitaten besteht.
Zauberberg 2 ist vor allem ein zynischer Blick auf die Menschheit. Strunk erweist sich mal wieder als großer Beobachter und schreibt mit viel Sarkasmus und Ironie. Besonders grandios dargestellt fand ich die Parallele zwischen dem fortschreitenden Verfall des Sanatoriums und dem immer desolater werdenden Zustand Heidbrinks. Man sagt Strunk ja nach, der Meister der erzählten Depression zu sein – das hat er mit diesem Buch nochmal auf die Spitze getrieben.
Für mich ein unterhaltsames Buch – ironisch, witzig, aber auch traurig.
























