Heinz Strunk Der Goldene Handschuh

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Inhaltsangabe zu „Der Goldene Handschuh“ von Heinz Strunk

Dieser phantastisch düstere, grell komische und unendlich traurige Roman ist der erste des Autors, der ohne autobiographische Züge auskommt. Ein Strunkbuch ist es trotzdem ganz und gar. Sein schrecklicher Held heißt Fritz Honka – für in den siebziger Jahren aufgewachsene Deutsche der schwarze Mann ihrer Kindheit, ein Frauenmörder aus der untersten Unterschicht, der 1976 in einem spektakulären Prozess schaurige Berühmtheit erlangte. Honka, ein Würstchen, wie es im Buche steht, geistig und körperlich gezeichnet durch eine grausame Jugend voller Missbrauch und Gewalt, nahm seine Opfer aus der Hamburger Absturzkneipe „Zum Goldenen Handschuh“ mit.

Strunks Roman taucht tief ein in die infernalische Nachtwelt von Kiez, Kneipe, Abbruchquartier, deren Bewohnern das mitleidlose Leben alles Menschliche zu rauben droht. Mit erzählerischem Furor, historischer Genauigkeit und ungeheurem Mitgefühl zeichnet er das Bild einer Welt, in der nicht nur der Täter gerichtsnotorisch war, sondern auch alle seine unglücklichen Opfer. Immer wieder unternimmt der Roman indes Ausflüge in die oberen Etagen der Gesellschaft, zu den Angehörigen einer hanseatischen Reederdynastie mit Sitz in den Elbvororten, wo das Geld wohnt, die Menschlichkeit aber auch nicht unbedingt. Am Ende treffen sich Arm und Reich in der Vierundzwanzigstundenkaschemme am Hamburger Berg, zwischen Alkohol, Sex, Elend und Verbrechen: Menschen allesamt, bis zur letzten Stunde geschlagen mit dem Wunsch nach Glück.

http://www.nixzulesen.de/index.php/2017/05/09/der-goldene-handschuh-heinz-strunk/

— toertchen

Heftige Sprache. Interessant zu lesen. Man sollte sich das Buch ruhig mal antun. Nicht dieser "Ach, was haben wir doch für Probleme"Scheiss.

— Avatarus

Meine Herren, was ein krass geschriebenes Buch. Ranzig, eklig, sozial völlig abgewrackte Typen... um nur ein paar Wörter zu nennen. Lest es!

— Readrat

Man muss sich ergötzen können an dem Elend anderer - sonst bietet einen dieses Buch nichts.

— CocuriRuby

Fürchterlich, ekelerregend und ruft sehr viel Kopfschütteln hervor. Nichts desto trotz ein wichtiges Buch, was sich zu lesen lohnt.

— mirius_black

Für dieses Buch benötigt man sehr starke Nerven. Widerwärtig, erschütternd, ekelerregend. Und dennoch: richtig gut!

— Snordbruch

Parade der Perversion & Degeneration, bei der sich Ober- und Unterschicht in derselben Verfallenheit zum Suff begegnen

— schmives

Sprachlich einfach - thematisch fast schwierig; eine Mordsgeschichte!

— Callso

Ein fieses Buch. Aber ein herrlich fieses und lesenswertes Buch.

— stiller

Ein Roman, der von so tief unten kommt, wie es tiefer in einem Menschenleben kaum geht. Trotzdem nicht frei von Humor - Hut ab, Herr Strunk!

— Xirxe

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  • Ich weiß nicht, was ich von diesem Buch halten soll - oder was es überhaupt sein soll

    Der Goldene Handschuh

    CocuriRuby

    04. September 2017 um 17:45

    Strunk hat ein Talent mit seinen Schreibstil Bilder zu erzeugen. Wie er Armut, Verwahrlosung, Elend und Dreck beschreiben kann, ist herausstechend. Er schreibst plastisch, detailliert und sprachlich präzise. Ich sehe das und erkenne das auf der technischen Seite auch an, aber wirklich zu mir vordringen tut es nicht – es löst nichts in mir aus – vielleicht ist das auch reiner Selbstschutz, denn die Sprache bzw. Wortwahl, die er benutzt ist bestenfalls gewöhnungsbedürftig, schlimmstenfalls abartig. Seinen Hang oder Vorliebe für Extremente aller Art, aber vorrangig „Scheiße“ und „Pisse“ grenzt an abstoßend und widerlich. Die anale Phase in der Kindheit konnte der Autor wohl nie ganz verlassen – jedenfalls nicht literarisch. Das Problem ist, dass das (also wie es geschrieben ist) so im Fokus steht, dass fast nichts daneben einen Platz hat. Die tragensten Figuren: Fiete, der Anwalt und WH1-3, sind fast schon identisch in der Gestaltung. Im Prinzip sind alle die gleiche Person, nur an verschiedenen Ausgangspunkten – sie sind auch alle gleich abstoßend. Die anderen Figuren, dienen ausschließlich um den Ekel zu vertiefen und die Kulisse zu füllen – viele der Figuren besitzen nichts menschliches mehr. Das finde ich auf Dauer zu langweilig, da das Buch keinen weiteren Inhalt aufweisen kann außer: Saufen, Ficken, Ausdünstungen oder Ausscheidungen und Gewaltfantasien – das wars. Das zeigt sich auch daran, dass der Klappentext zwar zum Inhalt nur 2 kurze Sätze schreibt, aber trotzdem das halbe Buch, inkl. Ende spoilert, weil einfach inhaltlich nichts da. Es gab einen Moment, bei dem ich kurz der Hoffnung verfallen war, dass doch noch so was wie „Handlung/Geschichte“ aufkommen könnte: in der 2. Hälfte des Buches, flossen ein paar Hintergrundaspekte zum Protagonisten (Fiete) ein – wie er so werden konnte bzw. wie er dort gelandet ist, wo er gelandet ist. Es gab auch kurzer Ausblick von Hoffnung (Besserung). Aber der Moment war so kurz und es folgte eine so vernichtende Kehrtwende, dass das kaum erwähnenswert ist. Das wäre vermutlich trotzdem der Moment gewesen, indem man etwas hineininterpretieren können oder müssen, wenn man denn unbedingt irgendwas in diesem Buch sehen möchte. Sowas wie: Die Tragik des Lebens, die Vergängliche Hoffnung, auf die sofort der Aufprall der Realität folgt und die fehlende Kraft, sich selbst aus dieses Milieu zu ziehen – im Gegenteil, eigentlich zieht es alle Gesellschaftsschichten dorthin. So oder so ähnlich. Aber wie gesagt, dafür waren mir diese Ausblicke viel zu kurz, spielten eine viel zu geringe Rolle und gab es letztlich dann doch zu viele Unstimmigkeiten und unglaubwürdige Konstruktionen. Man muss schon recht bemüht sein, etwas hinein interpretieren zu wollen – denn eigentlich bietet einen dieses Buch nur ein sich ergötzen an dem Elend anderer und seinen es auch nur Romanfiguren. Fazit Ich weiß nicht genau, was ich von diesem Buch halten soll – oder was es überhaupt sein soll: Eine Charakterstudie? Dafür zu wenig Charakter, ohne jede Facette. Eine Milieustudie? Auch nicht wirklich, da Schicht- und sogar altersübergreifend das Elend Dargestellt wird und letztlich auch sehr einseitig ist (ausschließlich Saufen, Ficken, Gewalt, Elend). Ein Roman? Dafür geschichtlich nur mäßig bzw. kaum eine Handlung/Inhalt vorhanden. Ich kann damit nichts anfangen.

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  • Die volle Breitseite: Sex, Suff und zahlreiche Abgründe

    Der Goldene Handschuh

    Callso

    14. April 2017 um 13:23

    Ist es leichte Kost, weil es bisweilen ganz unterhaltsam ist? Weil der Strassenslang so einfach, so bieder bis vertraut klingt. Oder ist es schwere Kost, weil so viel Elend, Absurditäten, abnormes Verhalten, permanentes sexuelles Verlangen oder Alkohl in rauen Mengen fließen?Schwierig - wie das ganz Buch! Heinz Strunk hat ein Roman gefertigt, der polarisiert, der aufklärt, der betroffen macht, der aber gleichwohl heiter beschwingt und unterhaltsam daherkommt. Ein schwieriges Unterfangen, das eigentlich ganz gut gelöst wurde, aber von mir dennoch mit vier Sternen (mit der Tendenz zu 3 1/2 Sternen) belohnt wurde.Warum? Mir fehlt etwas die Struktur, mir fehlten zur besseren Einordnung echte Kapitel und nicht so harte Schnitte. Man fährt  quasi ungebremst an größere Kreuzungheran, ohne dass eine Ampel oder ein Stop-Schild vorhanden sind.Fritz Honka, ein vierfacher Frauenmörder aus Hamburg wird auf 250 Seiten intensiv begleitet. Nach schwerer Kindheit findet er auf dem Kiez nur recht einfach und eindimensional ins triste Leben. Ein Welt voller Säufer, Huren, voller Gewalt und Dreck umgibt ihn. Als der Versuch, ins bürgerliche, fast normale Leben zu wechseln scheitert, da erfolgt das kolossale Abtauchen in die Unterschicht und in den Abgrund. In der heruntergekommenen Kneipe "Der goldene Handschuh" macht er sich an die einfachen und glücklosen älteren Frauen heran, die er abschleppt und daheim längere Zeit mißbraucht.Sprachlich verwundert das Buch. Die einfache (und vielfach falsche) Sprache waren mir mitunter etwas zu viel. Vielleicht originalgetreu, vielleicht aber auch etwas viel der besorgniserregenden Unterschicht. So ist der Roman dann mehr eine sehr intensive, drastischen Millieu-Studie aus den 70er Jahren, denn ein unterhaltsamer Roman. Eine kleine Welt voller Irrer, voller kranker Verlierertypen - ein trauriges Buch, bei dem man freilich häufiger schmunzeln darf...Auch ob der rohen, verdorbenen Sprache (Jetzt will ich ficken.., Fickarsch, Pisskotzer) war ich ob der Lobeshymnen der zahlreichen Kritiker recht verwundert. Gleichwohl strahlt das Buch auch eine kleinere Faszintion aus.. Die Sätze des Buches:"Man kann kein neues Leben beginnen, sondern immern nur das alte fortsetzen.""Aus verbotenen Früchten kann man viele Marmeladen kochen.."

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  • Geschichten aus einer Hölle auf Erden

    Der Goldene Handschuh

    Xirxe

    10. January 2017 um 19:43

    Wie tief Menschen sinken können, macht sich die/der DurchschnittsbürgerIn meist kaum klar. Ab und zu sieht man solche geschlagenen Existenzen auf der Straße, gelegentlich kreist eine Gruselmeldung durch die Medien, wenn verwahrloste, auch alkoholkranke Menschen aus ihren Wohnungen geholt und in eine Klinik gebracht werden. Man schaudert sich dann wohlig beim Anblick dieser häßlichen, teils abstoßenden Gestalten und ist glücklich über das eigene, im Vergleich dazu doch schöne Leben. Doch was in diesen Menschen vorgeht, wie sie leben und fühlen, bleibt unbekannt, denn wer will schon zu solchen Personen in Beziehung treten? Heinz Strunk hat es gewagt und das Soziotop der Gaststätte 'Zum goldenen Handschuh' Mitte der Siebziger detailliert beschrieben. Hier finden sich die, die vom Alkohol bereits so zerstört sind, dass ein 'normales' Leben unerreichbar ist. Kriegsveteranen, Verlassene, Behinderte - aber auch Mancher aus der scheinbar so gut situierten Gesellschaft, wo Vieles nur Schall und Rauch ist. Allen gemeinsam ist, dass sie saufen um zu vergessen, um sich besser zu fühlen. Im Mittelpunkt der Geschichte steht Fritz Honka, ein erbarmungswürdiger Mensch, der zeit seines Lebens fast nur grausam misshandelt und verstümmelt wurde. Wenn er nicht arbeitet, säuft er bis knapp zur Bewusstlosigkeit im goldenen Handschuh, sodass es ihm noch gelingt, gelegentlich ein weibliches Wesen abzuschleppen, das noch weiter unten in der gesellschaftlichen Skala steht (ja, das geht.) Älter sind sie, häßlich wie die Nacht und bar jeden Selbstvertrauens. Er misshandelt, missbraucht und versklavt sie, um sich selbst eine Stufe höher zu stellen. Daneben steht die Beschreibung einer alteingesessenen, ehrwürdigen Reedersfamilie, deren Glanz jedoch lange zurückliegt. Mittlerweile herrscht nur noch Gleichgültigkeit und Heuchelei und selbst der materielle Reichtum ist nur noch ein Trugbild. Der Senior ist zerfressen von Hass und Wut und wartet nur noch auf den richtigen Augenblick, um dem Allem Ausdruck zu verleihen. Sein Sohn, in einer gleichgültigen Ehe gefangen, verwaltet in der familieneigenen Reederei nur noch den Mangel und gibt sich im goldenen Handschuh regelmäßig dem Suff hin. Und sein Schwager, ein erfolgreicher lediger Rechtsanwalt, ist ein ebensolcher Alkoholiker wie Fritz Honka, von dem ihn lediglich unterscheidet, dass er ein schöneres Zuhaus und mehr Geld hat und damit besseren Alkohol und schönere Frauen bekommt. Kein sehr symphatisches Personal, das man in dieser Geschichte vorfindet. Und doch gelingt es Heinz Strunk, Mitgefühl für Fritz und die anderen Stammgäste im goldenen Handschuh zu wecken. Denn letzten Endes wollen sie nichts weiter, als ein bisschen Liebe und Respekt und wären mehr als glücklich, einen Menschen an der Seite zu haben, neben dem sie am Morgen aufwachen könnten. Es ist ein vulgäres, ordinäres und grausames Buch, und trotzdem gibt es immer wieder auch Szenen zum Lachen oder bei denen ich völlig gerührt war. Auch wenn sich das Ganze liest, als käme es von einem anderen Stern, sollte man sich klarmachen, dass wir sooo weit davon nicht entfernt sind. Wie es sich der Jüngste der Reedersfamilie denkt, als er das erste Mal im goldenen Handschuh ist: 'Wieviel davon steckt auch in mir, in jedem?...Werde ich auch so, wenn ich nur lange genug hier sitze?'

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    • 6
  • Kaum zu ertragende Milieustudie

    Der Goldene Handschuh

    anushka

    08. November 2016 um 15:00

    Fritz Honka, auch Fiete genannt, ist froh, dass er in der Kneipe "Zum Goldenen Handschuh" einen Spitznamen bekommen hat. Das bedeutet, er gehört dazu, die anderen Stammkunden nehmen ihn wahr. Denn vor allem deswegen geht der Trinker hierher. Er sucht Anschluss. Und immer wieder gabelt er dabei eine ebenso oder noch weit heruntergekommenere Gestalt in Form von meist Prostituierten auf, denen er zeitweise ein Dach über dem Kopf, und wenn ihm danach ist auch Essen und Alkohol bietet. Er misshandelt sieht und übt Macht über sie aus. Und irgendwann beginnt er, sie umzubringen. Denn wir lesen die Geschichte des Frauenserienmörders Fritz Honka.Für mich war dieses Buch wirklich kein einfaches Buch und bis zum Ende habe ich immer noch überlegt, es einfach abzubrechen. Ich habe es nicht getan, weil mich einerseits die Fähigkeit des Autors beeindruckt hat, den Leser in die unterste soziale Schicht Hamburgs mitzunehmen und weil ich andererseits immer darauf gewartet habe, dass nun endlich einmal etwas zu den Morden kommt. Schlussendlich nehmen diese aber ganz wenig Raum des Buches ein und werden nur als Endpunkt einer langen Entwicklung dargestellt. Was mich jedoch immer wieder von diesem Buch abgestoßen hat, war gleichermaßen die schon oben genannte Fähigkeit des Autors. Denn ziemlich schnell möchte man gar nicht mehr mittendrin sein, wenn beispielsweise detailliert geschildert wird, wie Fiete eine Frau sexuell mit allerlei Gegenständen misshandelt. Viel mehr möchte ich hier gar nicht ansprechen, denn dieses Buch ist nichts für sanfte Gemüter und verursacht oft einen flauen Magen. Die Existenzen in diesem Buch sind so zerstört und trostlos, dass es schwer auszuhalten ist. Das wird auch nicht dadurch besser, dass sich ein anderer Handlungsstrang mit den ebenso abweichenden Vorlieben der Männer einer Familie der gehobenen Gesellschaft befasst.Auch wenn der Autor mit diesem Buch eine eindrucksvolle Milieustudie schafft, die ich durchaus zu würdigen weiß, hat mich das Buch doch auch oft an meine Ekelgrenze gebracht. Rezensenten des Feuilletons bezeichnen das Buch auch als (nicht immer negativ gemeinte) Zumutung und dem kann ich mich in Hinblick auf die durchgängige Fäkal- und Pornosprache nur anschließen. Selten hat mich ein Buch so an meine Grenze des Erträglichen gebracht. Wobei mir auch immer wieder unangenehm aufstieß, dass Honkas Taten womöglich durch die Schilderung seiner trostlosen Existenz, seiner Alkoholsucht und seines teilweise durchscheinenden Verfolgungswahns entschuldigt werden sollten.Manche mögen das Buch als genial bezeichnen. Auch für den Preis der Leipziger Buchmesse war es nominiert. Ich persönlich habe mich jedoch als zu schwach und zartbesaitet für dieses Buch erwiesen. Ich kann ihm einfach nicht mehr als 2 Sterne geben.

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    • 2
  • Heinz Strunk - Der goldene Handschuh

    Der Goldene Handschuh

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    15. July 2016 um 16:35

    Kurzbeschreibung: Dieser phantastisch düstere, grell komische und unendlich traurige Roman ist der erste des Autors, der ohne autobiographische Züge auskommt. Ein Strunkbuch ist es trotzdem ganz und gar. Sein schrecklicher Held heißt Fritz Honka – für in den siebziger Jahren aufgewachsene Deutsche der schwarze Mann ihrer Kindheit, ein Frauenmörder aus der untersten Unterschicht, der 1976 in einem spektakulären Prozess schaurige Berühmtheit erlangte. Honka, ein Würstchen, wie es im Buche steht, geistig und körperlich gezeichnet durch eine grausame Jugend voller Missbrauch und Gewalt, nahm seine Opfer aus der Hamburger Absturzkneipe «Zum Goldenen Handschuh» mit. *Quelle*Zum Autor: Der Schriftsteller, Musiker und Schauspieler Heinz Strunk wurde 1962 in Hamburg geboren. Sein Buch «Fleisch ist mein Gemüse» verkaufte sich fast 500.000-mal. Es ist Vorlage eines preisgekrönten Hörspiels, eines Theaterstücks und eines Kinofilms. Auch die darauf folgenden Bücher des Autors wurden zu Bestsellern.Meinung: Es ist schwierig zu beschreiben, was man von diesem Roman halten soll, den Heinz Strunk mit Der goldene Handschuh zu Papier gebracht hat. Am besten würde es vielleicht abstoßend und faszinierend zugleich beschreiben.Auf jeden Fall handelt es sich hierbei um sehr starken Tobak, mit dem nicht jeder Leser zurechtkommen dürfte. Hauptfigur ist der reale Serienmörder Fritz Honka, der Mitte der 1970er Jahre in Hamburg 4 Frauen ermordete und die Überreste teilweise in seiner kleinen Wohnung und auf dem Dachboden versteckte.Fritz Honka verkehrt in der Kneipe, deren Name gleichzeitig für den Titel des Romans Pate stand, in der sich am Leben gescheiterte Existenzen die Klinke in die Hand geben. Menschen, die keinen Halt mehr im Leben haben, die sich quasi von Alkohol ernähren und eigentlich nur noch auf den erlösenden Tod warten.In dieser Umgebung liest Honka, Nachtwächter von Beruf und seit seiner Jugend durch Unfälle entstellt, ältere Frauen auf, die kein Zuhause haben und glücklich über eine Übernachtungsmöglichkeit sind. Diese versucht er sich zu eigen zu machen, zu "versklaven", wie er sich ausdrückt. Doch dies geht immer nur eine gewisse Zeitlang gut, denn Honka hat gewaltvolle und perverse Machtfantasien, die er auch an den Frauen auslebt.Heinz Strunk nimmt in seinem Roman kein Blatt vor den Mund. Er berichtet ungeschönt über den kranken Alltag von Honka, in dem sich alles nur um Alkohol und sexuelle Fantasien dreht, eine Hoffnungslosigkeit und ein Dahinvegetieren, das den Leser verstört.Ein weiterer Handlungsstrang erzählt von der Reederfamilie von Dohren, die sich dank der Judenverfolgung im 3. Reich bereichert hat und deren Familienmitglieder ebenso, ich nenne es mal kaputt sind wie Honka. Wie diese beiden Erzählstränge zusammenhängen, erfährt man als Leser recht spät, doch der Kern der Aussage bezieht sich darauf, dass sich Laster wie Alkoholabhängigkeit oder auch perverse Fantasien nicht nur auf die unterste Schicht der Gesellschaft beziehen, sondern diese auch in bessergestellten Schichten auftritt.Gut gefallen hat mir, dass hier nicht die Morde, die Fritz Honka begeht, im Vordergrund stehen. Diese werden erst auf den ca. letzten 50 Seiten explizit Thema. Vielmehr dreht sich das Buch um seinen Lebensweg und seinen Alltag, auch erfährt man mehr über seine Kneipenkumpanen, mit denen er im "Handschuh" verkehrt. Es ist schwer, als Leser dieses ganze Elend zu ertragen, aber Heinz Strunk schafft es durch seinen Erzählstil auch, eine gewisse Komik einzubauen, die zwar grotesk anmutet, aber die Handlung dadurch auch etwas leichter verdauen lässt. Fazit: Ein Roman wie ein Paukenschlag! Zartbesaiteten Lesern rate ich von dieser Lektüre ab, aber wer sich für die Seele und Gedankengänge eines Serienmörders, dessen Motivation und Lebensalltag in einer Umgebung, die nur schwer nachzuvollziehen ist, interessiert, dem kann ich diesen Roman nur weiterempfehlen.

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    • 2
  • Serienmörder Fritz Honka

    Der Goldene Handschuh

    MissNorge

    07. July 2016 um 23:24

    Kurz zur Geschichte: Erzählt wird das Leben des Serienmörders Fritz *Fiete* Honka, sein trostloses Leben, das Kennenlernen der Frauen und wie alles endet. Meine Meinung: Ich muss sagen, ich hatte mir mehr "Story* vorgestellt, irgendwie kam mir alles so runtergespult vor. Die widerliche Ausdrucksweise ist dem Milieu geschuldet, in dem sich Honka tagtäglich sehen lässt, denn in der 24-Stunden-Kneipe *Goldener Handschuh* treiben sich nur gestrandete und heruntergekommen Personen rum, die kein richtiges geregeltes Leben mehr haben. Sozusagen, die unterste Schicht Hamburgs. Obdachlose, Alkoholiker, Nutten, Arbeitslose und Zuhälter. Honka gabelt dort Frauen auf und nimmt sie mit zu sich, außer Sex, will er die Macht über Frauen ausüben, da er sonst ein ziemlicher Versager ist und somit eigentlich auch ein armes Würstchen. Detailliert wird nicht direkt auf die Frauenmorde eingegangen, aber ansatzweise wird beschrieben was er mit ihnen macht. Da die Frauen oftmals selber niemanden mehr haben, werden sie auch nicht vermisst. Ausschweifend beschrieben und extrem unnötig in die Länge gezogen finde ich die Beschreibungen mancher Personen und deren Eigenschaften. Und der Schreibstil von Heinz Strunk ist so gar nicht meiner, mir zu abgehackt und zu wiederholend. Interessanter Fall, schlecht umgesetzt.

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  • nichts für schwache Nerven

    Der Goldene Handschuh

    Gwhynwhyfar

    28. June 2016 um 14:11

    Im Klappentext heißt es: „Die Geschichte vom Frauenmörder Fritz Honka und seinen Opfern.“ Das ist für meine Begriffe zu weit gefasst, denn die ganze Geschichte von Fritz Honka ist dies nicht. Ich würde jedem empfehlen, sich den Lebenslauf von diesem Mann kurz im Internet vor dem Lesen anzusehen, denn der Roman behandelt die letzten Jahre vor der Inhaftierung des Serienmörders, der zwischen 1970 und 1975 in Hamburg vier Frauen ermordete, zerstückelte, Frauenleichen in seiner Wohnung versteckte, vor sich hin gammelnd, die letzten zwei wegen Platzmangel auf die Straße warf. Honka, „der Mann, den sie Leiche nennen“, ein Mensch, mit dem die Welt es nie gut gemeint hat, von Kindesbeinen an. Dieser Roman ist nichts für schwache Nerven, er geht bis an die Grenzen des Ekels Mensch, bis ins Detail zu schildern, zu was ein Individuum in der Lage ist zu ertragen, dass nichts mehr zu verlieren hat. Heinz Strunk durfte hierzu die bis heute verschlossenen Gerichtsakten des Kriminalfalls Honka studieren.„Der „goldene Handschuh“ ist eine Kneipe auf St. Pauli, Hamburg, bis heute. Die Geschichte spielt in den Siebzigern, in einem Milieu von Nutten, Säufern, Drogenabhängigen, Menschen, die tiefer nicht fallen können, Gewalt brodelt im Gebälk, Körper die nach Verfall aussehen und auch so riechen. Genau dort hinein blickt Heinz Strunk ganz tief: in die Säuferseele, in Abgründe menschlichen Denkens und Handels, fern jeder Scham, eingeschlossen Kot und Eiterbeulen. Der Geruchsinn des Lesers wird aktiviert, seine Vorstellungskraft an den Rand des Erträglichen getragen. „Sagenhaft, er ist noch keiner Frau begegnet, die mehr vertragen kann. Anna sieht aus wie eine Lungenkranke nach dem soundsovielten Blutsturz und riecht tatsächlich nach Scheiße.“ (Anna)Dies Zitat ist harmlos. Man trinkt FaKo (Fanta-Korn halbe-halbe) und Wasser ist zum Waschen da. Eine schöne heile Welt kommt garantiert nicht vor. Wir blicken in die Seele von Fritz Honka und die von anderen Protagonisten, in Honkas Albträume, in seine Gedanken. Ein Krimi ist dies nicht. Ich würde es als Milieustudie bezeichnen. Als „sterbliche Überreste“ bezeichnet Strunk die Besucher des „goldene Handschuh“, Verwahrlosung an jeder Ecke. „Sie könnte fünfzig sein oder siebzig. Unter dem Mantel trägt sie nur einen Kittel, einen schrecklichen, blauen Putzfrauenkittel. Je länger man sie anschaut, desto furchtbarer sieht sie aus, gerade wenn man Alkohol getrunken hat, so rum geht's nämlich auch. Man kann sich schon nicht mehr vorstellen, wie die früher mal ausgesehen hat als Frau." (Gerda)Obdachlose Frauen, die nur das besitzen, was sie am Leib tragen, ein Kittelkleid und ein dünner Mantel, die für Schnaps und ein warmes Bett alles geben, sich soweit erniedrigen lassen, Honka zu unterschreiben, dass er mit ihnen alles anstellen darf, dass sie ihm gehören. "Hiermit erkläre ich, Gerda Voss, dass ich es im Leben noch nicht so gut hatte wie bei Herrn Honka." Strunk schafft es, dass ich es als Leser an manchen Stellen kaum aushalte weiterzulesen, als hartgesottener Leser. Beeindruckend ist Beschreibung von Honka: Gewaltfantasie, Wutausbrüche, sein Ekel vor den Frauen, die er abschleppt, seine Verachtung ihnen gegenüber. Manchmal scheint es, als projiziere er seine Selbstverachtung auf diese armen Geschöpfe. Es schüttelt den Leser an vielen Stellen. Trotz allem lässt Strunk seine Protagonisten Menschen sein, denen eine Restwürde verblieben ist, keine Karikaturen, Typen die dem Leser ein Mitgefühl hinterlassen. Der von Strunk eigene schwarze Humor unterliegt diesem Roman und hilft dem Leser an manchen Stellen, die Verwahrlosung der Menschen zu ertragen.In einer Parallelhandlung geht es um eine Reederfamilie, um drei Generationen von Männern (WH1, WH2, WH3), von der anderen Seite des Elbufers, der gutbetuchten. WH1, ein Altnazi, WH3 ein armes Würstchen und WH2, ein Typ, der Honka ähnlich ist, letztendlich genauso krank in seinen Fantasien, rhetorisch nur auf anderem Niveau, nicht ganz so gewaltbereit. Frauen als Objekte zu begreifen, das kommt in allen Schichten vor. WH2 und WH3 verkehren im „goldenen Handschuh“.„Sie wissen, dass sie früher sterben müssen als die anderen“, so Strunk über seine Protagonisten, dessen bewusst, wie armselig ihr Leben ist. Aber sie hängen dran, wie schäbig es auch sein mag.Nebenbei, Strunk hat erzählt, nach der ersten Version des Manuskripts hat es 18 weiterere Fassungen gebraucht, von 600 auf 250 Seiten reduziert, verdichtete Erzählweise, ein intensives Lektorat. Dies Buch ist mehr als die Geschichte eines Frauenmörders, mehr als eine Milieustudie. Es ist die Beschreibung des alten St. Pauli, Straßenzüge, die zum Abriss freigegeben waren, Menschen, die sich selbst dem Abriss freigegeben hatten, Depression, Nachkriegswehen, kaputte Typen (von der SS-Führungskraft zum Müllmann abgestuft). Auf der Buchmesse sagte Strunk, er mag den Honka wirklich nicht, aber ein bisschen Mitleid kann nicht schaden. Und genauso kommt dieser Roman dem Leser entgegen. Tiefer Ekel, ein bisschen Voyeurismus, aber ein wenig Mitgefühl kann nicht schaden.

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  • Leider gar nicht mein Fall

    Der Goldene Handschuh

    einestundezeit

    23. June 2016 um 22:19

    Habe mir das Buch als Hörbuch geholt, kurz reingehört, doch zu Ende hören wollte ich es nicht. Vorgelesen wird sogar von Heinz Strunk persönlich - die Sprecherstimme hat mir leider gar nicht gefallen. Die eklige und furchtbare Geschichte war dann doch nichts für mein Geschmack. 1 Stern für die gute Recherche und die Erzählweise.Ein paar Stichpunkte zum Inhalt: vollständig trostlose Geschichte; offensichtlich gute Milieu-Studie; gnadenlose und wertungsfreie Beschreibung der Handlungen und Charaktere.

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  • Nur ein Beispiel aus einer perversen Gesellschaft

    Der Goldene Handschuh

    tani0r

    18. June 2016 um 17:28

    Heinz Strunk beschreibt in dem Buch nicht nur die Gefühlswelt und Taten des Fritz Honka. 
    Es gibt ebenfalls Charaktere wie Karl von Lützow. Der Anwalt säuft und übt Gewalt an einer Frau aus. 

    Strunk hat mit "Der Goldene Handschuh" eher das Abbild einer verlogenen Gesellschaft in den 70er Jahren gemacht. Fritz Honka ist nur ein Symptom.

  • Der goldene Handschuh

    Der Goldene Handschuh

    AgnesM

    18. June 2016 um 15:46

    „Der goldene Handschuh“ ist eine Kneipe. Es ist ein dunkles, stinkendes Loch, in dem verlorene Seelen und finstere Gestalten Zuflucht finden und sich unter Gleichgesinnten die Lichter ausschießen. Traurige Schicksale, verhunzte Lebensläufe, gesundheitliche Probleme, Arbeitslosigkeit und die Sehnsucht nach einem geregelten Leben und der Liebe werden hier mit viel Schnaps heruntergespült. Ob am helllichten Tag oder mitten in der Nacht, die Kneipe öffnet ihre Tür immer und für jeden. Fritz Honka ist so eine verkorkste Gestalt, die im goldenen Handschuh Zuflucht und vermeintliche Freunde findet. Er weiß, wie alle anderen auch, dass wenn er die Kneipe betritt, er „Freunde“ wiedersieht und die Außenwelt ausblenden kann. Honka ist Alkoholiker, er lebt in einer kleinen stinkenden und dreckigen Wohnung und greift hier und da eine Frau auf, die ihn befriedigt und der er als Gegenleistung ein Dach über dem Kopf anbieten kann. Gewalt, Streitereien, Obszönitäten und der Drang nach Sex beherrschen seinen Alltag. Doch tief in seinem Inneren will er ein normales Leben führen, einen Job ausüben, ein geregeltes Einkommen haben und dem Teufelskreis, in dem er sich befindet, entfliehen. Letztendlich kann er der Spirale, die ihn noch tiefer in all das Elend zieht, nicht entkommen und legt auch noch einen Karriere als Frauenmörder hin. Zwischendurch wird die Geschichte von einer reichen und bekannten Familie eingeschoben, in der einige Familienmitglieder, trotz all dem Geld, Probleme und abartige Neigungen haben, die natürlich ausgelebt werden müssen. Früher oder später landet man auch hier in der berüchtigten Kneipe und säuft sich das Leben schön. An dieser Stelle wird klar, dass die zerstörten und bemitleidenswerten Existenzen nicht nur der Unterschicht angehören, sondern sich auch in der Oberschicht finden lassen. Denn wie sagt man so schön: Geld allein macht nicht glücklich. Das Buch von Heinz Stunk ist keine leichte Kost. Mir ist beim Lesen, da ich mich versucht habe intensiv in die Situationen hineinzuversetzen, tatsächlich zwischendurch schlecht geworden, denn die Lebensumstände von Honka und all den anderen Handschuh-Besuchern sind alles andere schön. Die Beschreibungen seiner Abartigkeit, seines Alkoholkonsums und seiner Handlungen sind manchmal abstoßend. Der Schreibstil und diverse Zeitsprünge machen das Lesen nicht so einfach, aber die Geschichte wird sehr realistisch beschrieben. Honkas Morde sind eher als Randgeschichte niedergeschrieben. Vielmehr dreht sich die Story um seine Persönlichkeit, seine Neigungen und seine Sehnsüchte. Die polizeilichen Ermittlungen und der Prozess werden erst als Anhang des Buches thematisiert.

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  • Langweilig

    Der Goldene Handschuh

    PistchPatsch

    08. June 2016 um 20:04

    Kann im Gegensatz zu den anderen Lesern nichts positives über dieses Buch erzählen. Finde es sehr verquer geschrieben, zudem langweilig da kaum etwas passiert. Was mich aber am meisten stört ist, für mich gibt es in diesem Buch keinen roten Pfaden bzw. keine Hauptstory vll. Soll es ja auch so sein, für mich aber ist dies nichts. Ich bin sehr enttäuscht, da dieses Buch nur sehr wenige Seiten enthält aber trotzdem 20€ kostet und dann erhält man noch ein schlechtes Buch. Ich habe mir auf jeden Fall etwas anderes vorgestellt.

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    • 2
  • Trinkerparadies

    Der Goldene Handschuh

    Buchstabenliebhaberin

    "Verlangen ist die Quelle aller Konflikte, aller Massaker, allen Leids, ein Feuer des Bösen."(S. 244) Diesen Gedanken legt Heinz Strunk Fritz "Fiete" Honka in den Mund, diesen und noch viele andere, die absurd, pervers und auch zutiefst menschlich erscheinen. Dem Frauenmörder, Massenmörder Honka, der die verwesenden Leichen in seiner Wohnung hortete, der nicht aufhören konnte zu morden, der nicht aufhören konnte zu trinken, der seine Sexsucht verfluchte und ihr nicht entkam, gefangen in einem Kreislauf aus Alkoholexzessen, Gelegenheitsjobs, Gelegenheitssex, Verrohung und Einsamkeit. Von einem, der von einem normalen Leben träumte und nicht weiter davon entfernt hätte sein können.Dem gegenüber stellt Heinz Strunk die piekfeine Reederfamilie von Dohren, die zwar betuchter, aber ebenso süchtig und verkorkst ist. Einsamkeit ist nicht das Privileg der Ärmsten oder Süchtigen, sie ist überall zu finden. Alle landen Sie irgendwann im Goldenen Handschuh. Zum Trinken, zum Abstürzen, zum Abschleppen. Mit Träumen, die nicht wahr werden und Fantasien, die besser solche geblieben wären.Das Buch ist mehr als nur der berühmte Blick durchs Schlüsselloch, es ist ein Blick ins Herz und in den Kopf seiner Protagonisten. Auch wenn kaum etwas passiert, ist die Spannung kaum auszuhalten, die Not der einzelnen Personen, die Armut, das Heruntergekommene. Es geht hässlich zu, es gibt wenig zu essen dafür umso mehr zu trinken, es gibt Gewalt und allerdümmste Sprüche, unsägliche Spitznamen und überflüssige, total bekloppte Thekengespräche.  Wer Geld hat, ist hässlich, wer keins hat, auch. Und die Hässlichen und die Ärmsten, die bekommen nicht die Frauen, die sie gerne hätten. Da ist Elend vorprogrammiert.Das Buch fasziniert mit seinen Abgründen, ich war froh, dass man die schlimmen Gerüche nicht riechen konnte, die beschrieben wurde, Gott bewahre. Und das Buch menschelt, es zeigt, wie die Menschen eigentlich viel lieber wären, aber nicht sind. Oder nicht sein können. Aus den verschiedensten Gründen. Das Buch beschämt durch die große Not seiner Trinker und Huren, die schonungslos dargestellt wird. St. Pauli in den 70er-Jahren, eine Milieustudie, erbarmungslos, heftig, aber auch voller Träume und Hoffnungen, Versuchen und Versuchungen.Ich habe das Buch verschlungen und kann den Hype darum verstehen. Es hat mich berührt.  Von mir 4,5 dicke Sterne und eine Leseempfehlung für jene Leser, die keine Probleme mit Gossensprache und Derbheit haben und sich an ungewöhnlichen Sprachkreationen genau so erfreuen wie ich: Hier begegnen einem Schimmlige, Schmiersuff und Säberalmas ....

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    Buchstabenliebhaberin

    05. June 2016 um 09:47
  • Hamburgs Jack The Ripper

    Der Goldene Handschuh

    TeleTabi1

    24. May 2016 um 09:38

    Fritz Honka war so etwas wie Hamburgs Jack the Ripper. Der gefürchtete Serienmörder von der Reeperbahn brachte von 1970 bis 1975 mehrere Frauen um, zerstückelte sie und versteckte Teile der Leichen in seiner eigenen Wohnung. Ein wahrer Meilenstein der deutschen Kriminalgeschichte, der von Heinz Strunk als True-Crime-Geschichte in Romanform aufgearbeitet wurde. Der gebürtige Leipziger Fritz Honka ist Ende 30, alkoholabhängig, einsam, arm, entstellt, minderbemittelt und im wahrsten Sinne des Wortes „mordsgefährlich“.      In Hamburg-Altona fristet er ein trostloses Leben. Die meiste Zeit verbringt er in den Kiezkneipen von St. Pauli, wie dem „Goldenen Handschuh“ und anderen Absturzkneipen, zu deren Stammgäste Fiete – wie er dort gemeinhin genannt wird – gehört.                                                                   Die Klientel dieser Spelunken entstammt hauptsächlich der untersten Unterschicht. Alkoholiker, Zuhälter, Penner, Kranke, Irre, Alte und andere verlorene oder verwirrte Seelen, die zum Bodensatz der Gesellschaft zählen. Das einzige angestrebte Ziel der dort Versammelten: Vollsuff – und das so schnell und billig wie möglich. Die Stimmung ist dementsprechend: Gewalt, Beleidigungen, Obszönitäten und Streit sind an der Tagesordnung. Die Kommunikation der Anwesenden besteht aus den immer gleichen lallend erzählten Geschichten, die sich wie in Endlosschleife wiederholen. Oder es wird sich angeschwiegen, aneinander vorbeigeredet, aufeinander eingebrüllt. Für Honka hat der „Handschuh“ noch eine weitere wichtige Funktion, denn hier lernt er Frauen kennen; arme, alte, verkommene, wohnungslose Frauen, die für einen Schnaps zu Fiete mit nach Hause gehen und mit ihm schlafen. Dieser nutzt deren Situation schamlos aus und quält, demütigt und entrechtet sie, indem er sie schlägt, einsperrt und missbraucht. Er verpflichtet sie sogar vertraglich dazu, keinen eigenen Willen mehr zu besitzen und macht sie damit zu seinen Leibeigenen. Er mag das Gefühl der Macht, die er über seine Opfer besitzt. Die abartigsten Dinge erregen ihn und er verlangt nach immer mehr Sex. Eine Weile läuft es ganz gut so. Die Frauen sind froh, ein Dach über dem Kopf und regelmäßige Alkoholrationen zu haben, um ihre Sucht befriedigen zu können. Doch irgendwann wird es ihnen zu viel. Sie versuchen sich gegen Honka zur Wehr zu setzen oder abzuhauen, was sich jedoch als folgenschwerer Fehler erweisen soll…   Parallel dazu spielt sich in einer Villa in einem der teuren Elbvororte Hamburgs ein weiteres lebenslanges Drama ab. Den Angehörigen der reichen hanseatischen Familie von Dohren  mangelt es zwar nicht an Geld, doch dafür mindestens genauso sehr an Glück, Liebe und Menschlichkeit wie Fritz Honka. Karl der Dritte, der jüngste Spross der von Dohrens, steckt mitten in der Pubertät, hat eine leichte Behinderung und ist alles andere als ein Mädchenschwarm. Als sich dann doch endlich eine für ihn zu interessieren scheint, möchte er Eindruck schinden, indem er sich als großen Kiezkenner aufspielt und seiner Angebeteten den „Goldenen Handschuh“ zeigt. Ein weiteres Familienmitglied ist der mürrische Rechtsanwalt Karl von Lützow, ein wahrer Menschenfeind, der gesellschaftliche oder gar freundschaftliche Kontakte scheut wie der Teufel das Weihwasser. Trotz Geld und Arbeit ist er dem Alkohol verfallen und denkt den ganzen Tag an Sex, den er sich ebenfalls bei Nutten oder durch zufällige Kontakte in den Kiezkneipen erhofft. So zieht sich das Unglück durch die ganze Familie und trotz der finanziellen und gesellschaftlichen Unterschiede zwischen ihnen und Honka, haben sie einiges gemeinsam: Sie alle sind in irgendeiner Weise Verlierer, die in der Kneipe „Zum Goldenen Handschuh“ Zuflucht suchen – ein Treffpunkt für gescheiterte Existenzen, bei dem alle Fäden zusammen zu laufen scheinen.    Die Kritik Es ist ein heftiges Thema, das der Autor in diesem Roman behandelt. Doch er schafft es, daraus eine eindrucksvolle Geschichte zu machen, die sehr anschaulich beschrieben ist und Fritz Honka nicht nur als Täter zeigt – sondern vor allem auch als Opfer. Strunk gelingt es, ein außergewöhnlich realistisches Bild von ihm zu zeichnen, das dem Leser auch Einblicke in dessen schlimme Vergangenheit gewährt. Die besteht größtenteils aus Misshandlung, Verwahrlosung und Angst. Honka war damit quasi von Anfang als Verlierer prädestiniert, der in das im Buch beschriebene Milieu hineingewachsen ist und trotz mehrerer Versuche keinen Weg hinaus fand. Auch von diesem Milieu vermittelt der Autor den Lesern einen erschreckend intensiven Eindruck, der so real ist, dass man zeitweise das Gefühl bekommt, selbst mittendrin zu sein. Dies gelingt ihm nicht nur durch die Beschreibung alleine, sondern vor allem auch durch die der Situation angepasste vulgäre Sprache und spezielle Begrifflichkeiten, die wohl nur in dieser Umgebung benutzt werden. Trotz der Ernsthaftigkeit dieser Thematik finden sich auch immer wieder Stellen, die einen zum Schmunzeln bringen, sodass es Spaß macht, das Buch zu lesen. Oft ist es auch gerade dieser „Assi-Slang“, der den Witz ausmacht und für den einen oder anderen heftigen Lacher sorgt.                                                                                                                       Die vom Autor eingeschobene Geschichte um die elitäre Familie von Dohren sorgt dafür, dass dem Leser vor Augen geführt wird, dass Verwahrlosung und seelische Armut sowie Alkoholismus und der Verlust sozialer Verhaltensweisen kein Phänomen der Unterschicht ist. Dies ist lediglich ein hartnäckiges Klischee, denn diese Elemente finden sich in allen Kreisen. Das zu verdeutlichen, schien Strunk wohl sehr wichtig zu sein. Die Parallel-Geschichte an sich fand ich jedoch leider nicht wirklich interessant, aber da ohnehin meist nur kurze Abschnitte davon handelten, war das in Ordnung. Mein einziger Kritikpunkt ist dem Umstand geschuldet, dass Honkas Morde erst ziemlich am Ende des Buches thematisiert werden und deren Ausführung dann leider auch relativ knapp ausfällt. Außerdem endet der Roman mit Honkas letztem Mord. Die Ermittlungen der Polizei sowie die Überführung und die Verurteilung des Täters werden nicht mehr richtig mit in den Roman aufgenommen. Diese werden lediglich am Ende als Postskriptum kurz und sachlich wiedergegeben. Fazit: Insgesamt war es auf alle Fälle ein sehr gutes und interessantes Buch, das ich gerne gelesen habe und mit gutem Gewissen – nicht nur an True-Crime-Fans –  weiter empfehlen kann. Man sollte sich nur darüber im Klaren sein, dass das Hauptaugenmerk eben nicht auf Honkas Verbrechen liegt, sondern vielmehr im Eintauchen in die gesamte trostlose Umgebung und das Beleuchten von Unglück und Einsamkeit. Kleiner Zusatz am Rande: Die Kneipe „Zum Goldenen Handschuh“ wird heute übrigens auch „Honka-Stube“ genannt – na wenn das mal keine Lust macht dort ein gemütliches Bierchen trinken zu gehen! ;-)   Heinz Strunk. Der goldene Handschuh. Rowohlt. 19,95 Euro.

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  • LovelyBooks Romane-Challenge 2016: Die Challenge mit Niveau

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    LovelyBooks lädt im neuen Jahr wieder zu spannenden Challenges ein.Und auf euch warten tolle Gewinne.Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist 2016 wieder dabei!Liest du gerne Bücher mit Niveau?Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2016 bis 31.12.2016 lesen.Es gelten Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.Auch Neuauflagen – 2016 erschienen - von Klassikern.Die Regeln: Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an. Einstig ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein. Es gelten nur Bücher, die an diesem Beitrag angehängt sind! Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.Nimmst du die Herausforderung an?Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2016 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema.Ich freue mich auf viele Anmeldungen!Teilnehmer:19angelika63AgnesMAmayaRoseanushkaArizonaaspecialkateban-aislingeachBarbara62BlaetterwindblauerklausbonniereadsbooksBookfantasyXYbookgirlBuchgespenstBuchinaBuchraettinCara_EleaCaroasCorsicanacrimarestricyranaczytelniczka73Deengladia78DieBertadigraEeyoreleerinrosewellFarbwirbel FederfeeFornikaFrauGonzoFrauJottfreiegedankenfrlfrohsinngefluegeltermondGela_HKGetReadyGinevraGirl56GruenenteGwendolinahannelore259hannipalanniHeldentenorIgelaInsider2199JoBerlinK2kkatrin297krimielselenikslesebiene27LesefantasieleselealesenbirgitleseratteneuLibriHollylisibooksLiteraturmaria1Marika_RomaniaMaritzelmarpijeMartina28MauelaMercadoMiamoumiss_mesmerizednaddoochNadja_KloosnaninkaNepomurksNightflowerNilNisnispardenPetrisPocciPrinzessinAuroraschokoloko29serendipity3012SikalsofiesolveigsommerleseStefanieFreigerichtsternchennagelSumsi1990suppenfeesursulapitschiTanyBeeTintenfantasieTochterAliceumbrellavielleser18wandabluewiloberwortjongleurzeki35

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    • 2951
  • Die Bestie von St.Pauli

    Der Goldene Handschuh

    Sumsi1990

    17. May 2016 um 08:57

    Eingangs werde ich mich nicht groß mit dem Inhalt befassen, da dieser sicherlich fast allen bekannt ist. In diesem Roman wird das Leben sowie die Morde von Fritz Honka verarbeitet, welcher in den 70er-Jahren in Hamburg 4 Frauen auf brutalste Weise ermordet hat. Eingangs des Buches wird sich lang mit dem Leben in St.Pauli beschäftigt, was mir "als nicht Deutsche" sehr gut gefallen hat. Es handelt jedoch nicht nur von Honka, sondern beschäftigt sich eingehend mit dem Publikum in der Kiezkneipe "Der goldene Handschuh". Grundsätzlich fand ich das Buch sehr gut geschrieben und es war leicht und flüssig zu lesen (auch trotz des teilweise starken Akzentes). Die Geschichte hat mich durchaus gefesselt. Irgendetwas hat mir persönlich aber einfach an diesem Buch gefehlt. Ich weiß nicht, ob es daran lag, dass meiner Meinung nach das Ende zu schnell war, aber irgendetwas verwehrt dem Buch aus meiner Sicht den vierten Stern.Weiters merke ich noch an, dass das Buch dreckig, versaut, krank und pervers geschrieben ist und nicht nur aufgrund von den darin behandelten Morden nichts für schwache Nerven ist. Es behandelt das Leben auf St.Pauli größtenteils aus Sicht der miesesten Unterschicht, also muss man sich schon auf einige herbe Sprüche gefasst machen.Alles in Allem hat mir das Buch trotzdem gut gefallen, weil ich ein solche auch noch nie gelesen habe und dies für mich einmal "etwas anderes" war!

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