Heinz Walter Väter in der Psychotherapie

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Inhaltsangabe zu „Väter in der Psychotherapie“ von Heinz Walter

Vaterschaft im Spiegel der Psychotherapie Vater zu sein ist eine Bereicherung. Doch keineswegs alle Männer finden sich in dieser komplexen Rolle zurecht, die aktuell einem starken gesellschaftlichen Wandel unterworfen ist. Immer öfter wird Vaterschaft zum Thema in der Psychotherapie, auch wenn sie selten der Auslöser ist, sich in Therapie zu begeben. Neben Konflikten in der Vater-Kind-Beziehung und Erziehungsunsicherheiten des Vaters geht es dabei um Versuche, eine nicht oder verstörend gelebte Beziehung zum eigenen Vater aufzuarbeiten. Da die An- oder Abwesenheit einer männlichen Bezugsperson eine entscheidende Bedeutung für die Entwicklung von Kindern hat, ist der fehlende Vater häufig Gegenstand einer Therapie. Das Buch bietet aus der Sicht verschiedener Therapiekonzepte Einblicke in therapeutische Prozesse mit Vätern als Klienten, mit Vätern als defizitären Bezugspersonen und mit Vätern in der Gestalt von irritierenden und belastenden inneren Bildern. Die Autorinnen und Autoren zeigen vor dem Hintergrund ihrer jeweiligen therapeutischen Orientierung, in welcher Form sie reale Väter und die Erfahrungen mit Vätern in ihre Arbeit einbeziehen, um auf diese Weise tragfähige triadische Beziehungen anzubahnen und neue persönliche Entwicklungen zu ermöglichen. Ein Werk, das die zunehmende Diskussion um Männlichkeit und Vaterrolle von der Seite der therapeutischen Theorie und Praxis aus beleuchtet und bereichert!

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  • Über die Bedeutung, die Einbeziehung und die Würdigung der Väter in der Psychotherapie

    Väter in der Psychotherapie
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    11. June 2013 um 11:24

      Seit vielen Jahren beschäftigt sich der ehemalige, seit 2007 emeritierte Konstanzer Psychologe und Psychoanalytiker Heinz Walter mit dem Thema Männer und ihrer Rolle als Väter bzw. in ihrer Beziehung zum eigenen Vater und Großvater. In seinem letzten Buch „Vater, wer bist du? Auf der Suche nach dem ‚hinreichend guten Vater’“, für das er ebenfalls als Herausgeber zeichnete, hatte er selbst einen historischen Blick auf die literarische und psychotherapeutische "Suche nach dem Vater" in den letzten 40 Jahren geworfen und die neuen Ansätze der Vaterforschung erläutert und die vielfältigen Versuche in den Familien und Partnerschaften, das Vaterbild zu verändern. Oft, so war dort zu lesen, spiele dabei, leider mehr im Negativen als im Positiven, die Erfahrung des eigenen, oft eben nicht als "hinreichend gut" erlebten Vaters mit, die man in der Begegnung mit eigenen Kindern auf keinen Fall wiederholen möchte. Diesen oft lebenslang präsenten Vätern waren damals Aufsätze gewidmet, aber auch den nicht "hinreichend guten", etwa dem, der gar nicht wirklich präsent ist und durch diese Nicht-Anwesenheit nicht unwesentlich zu Delinquenzrate seiner Kinder beiträgt. Oder der tragische, psychisch kranke Vater, der seinen Kindern keinen Halt geben kann. In einer Rezension des Buches wies ich damals darauf hin, dass unsere Kinder, Mädchen und Jungen, auf ihrem Weg durch die Erziehungsinstanzen des Kindergartens und der Schule bis auf verschwindend wenige Ausnahmen frühestens im 6. oder 7.-Schuljahr dem ersten Mann als Erzieher begegnen, der dann vielleicht so alt ist wie ihr Großvater. Unsere Erziehungsinstitutionen sind weiblich geprägt, sie können keine männlichen Identifikationsmuster vermitteln und lassen insbesondere die Jungen so im Regen stehen. Fällt der eigene Vater durch Trennung/Scheidung oder hohen Berufsstress noch dazu aus, ist niemand da, der Jungen und Mädchen das vermittelt, was Mannsein heißen könnte. Ich stellte die Frage, wie sich dieses Dilemma auf die nächste Generation auswirken wird, wenn schon die jetzige Elterngeneration geprägt ist durch einen eklatanten Mangel an elterlichen und erst recht väterlichen Vorbildern. Zusammen mit dem jungen Heidelberger Väterforscher Andreas Eickhorst  gab Heinz Walter dann das insgesamt 730 Seiten starke „Väter-Handbuch“ heraus, in dem er in einem bisher so nicht erlebten Perspektivenreichtum den aktuellen Stand der Väterforschung präsentierte. Das Buch ist zum einen ein grundlegendes Nachschlagewerk für alle, die sich mit Väter-, Familien-, Gender- und Gleichstellungsfragen beschäftigen. Zum anderen aber gibt es viele, weniger wissenschaftlich daherkommende Aufsätze, die für jeden Mann von hohem Interesse sind, der sich über sein Vatersein, seine Vaterrolle im Rahmen seines (Herkunft)-familiensystems klarer werden möchte. Es ist auch eine Fundgrube für Männer, die, aus welchem Grund auch immer, (noch) keine Väter sind, die aber alle einen eigenen Vater haben oder hatten, der sie geprägt hat wie und wohin auch immer. Helmwart Hierdeis, der auch das hier vorliegende Buch mit herausgegeben hat, hatte damals unter dem Titel „Der Vater in mir“ berichtet von der „Anregung biografischer Vater-Erzählungen durch belletristische Literatur an der Universität“ und zitierte dabei Peter Härtling, der in seinem schon 1980 erschienenen Werk „Nachgetragene Liebe“ eine neue literarische Auseinandersetzung mit dem eigenen Vater einleitete, dem danach auch andere Schriftsteller folgten: „Doch meinen wir, dass der erfundene Vater den wahren Vater ebenso spiegelt.“ In dem neuen Buch der beiden Herausgeber haben sie wieder ein große Zahl von Fachkollegen eingeladen, aus ihren Erfahrungen ihrer psychoanalytischen und psychotherapeutischen Praxis zu berichten. Es geht in unterschiedlichen Ansätzen immer wieder um die Bedeutung  des Vaters für die Entwicklung von Kindern. Der Untertitel „Dritter im Bunde“ weist darauf hin, dass der Vater als derjenige, der symbolisch das Gesetz vertritt und Grenzen setzt in der letzten zeit immer stärker in  den Fokus psychotherapeutischen Reflexion geraten ist. Vielleicht auch deswegen, weil sich seine Rolle in den Familien verändert hat, bzw. weil er immer öfter gar nicht mehr präsent ist, was für die Kinder sehr schmerzliche Folgen hat, insbesondere für Jungen (siehe oben).   Es ist eine ganz besondere Leistung der beiden Herausgeber, mit ihren Büchern dem Misstand abzuhelfen, dass die Bedeutung des Vaters in ihrer Profession nach wie vor ungenügend gewürdigt wird. Beiträge aus den unterschiedlichsten Bereichen zeigen, wie wichtig die Einbeziehung und die Würdigung der Väter sind.   Eine Anmerkung sei mir erlaubt: wenn die aktuellen Väter und vor allem die, die es noch werden wollen, gerade in der Auseinandersetzung mit den eigenen Vätern und ihren Partnerinnen zu einem klaren, reflektierten eigenen Rollenbild kommen wollen, ist harte persönliche Arbeit nötig. Ein Vater, der seine für die Entwicklung seiner Kinder wichtige Rolle wirklich annimmt und auch innerlich lebt, wird dafür zunächst sehr anecken in einer immer mehr feminisierten Gesellschaft, in der die meisten Erziehungspartner seiner Kinder bis zum Ende der Grundschule fast ausschließlich Frauen sind. Auch seine Kinder werden nicht immer begeistert sein, wenn er Grenzen setzt und im besten Sinne „väterlich“ agiert. Aber ein Vater darf nicht immer nur geliebt werden wollen, sondern er muss seinen Kindern in den unterschiedlichen Phasen ihrer Entwicklung ein Gegenüber sein, der auch einmal was aushalten kann und nicht immer nur der gute Kumpel und  Freund ist.   Viel später dann werden seine Kinder es ihm (vielleicht) danken. Aber auch darauf darf er nicht spekulieren.  

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