Helen Castor

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Cover des Buches She-Wolves (ISBN: 9780061430770)

She-Wolves

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Erschienen am 31.01.2012

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Cover des Buches Elizabeth I (Penguin Monarchs): A Study in Insecurity (ISBN: 9780141980881)A

Rezension zu "Elizabeth I (Penguin Monarchs): A Study in Insecurity" von Helen Castor

Zaudern und zögern, abwarten und aussitzen. Elisabeth I. als Herrscherin und Politikerin
Andreas_Oberendervor 3 Monaten

Seit 2014 bringt der Penguin-Verlag eine Buchreihe heraus, die "Penguin Monarchs". Es handelt sich um Kurzbiographien aller englischen und britischen Könige und Königinnen seit dem 11. Jahrhundert. Die Reihe beginnt mit den letzten angelsächsischen Herrschern vor der normannischen Eroberung. Auch Oliver Cromwell ist ein Band gewidmet. Mittlerweile sind mehr als drei Viertel der 45 geplanten Bände erschienen. Bald wird die Reihe vollständig sein. Die Bücher sind kleinformatig (13x18,5 cm) und umfassen maximal 150 Seiten. Sie enthalten farbige Abbildungen, Stammtafeln und kommentierte Literaturhinweise. Auch wenn eine entsprechende Angabe fehlt, ist davon auszugehen, dass sich die Bände an historisch interessierte Laien richten, die sich rasch über das Leben der englischen Monarchen informieren wollen. Als Konkurrenz zur renommierten Biographienreihe "Yale English Monarchs", deren Bände eher für den wissenschaftlichen Gebrauch in Frage kommen, sind die "Penguin Monarchs" nicht gedacht. Interessant ist die Reihe dennoch, denn der Verlag hat zahlreiche bekannte Historikerinnen und Historiker als Autoren gewonnen. Damit ist sichergestellt, dass sich die einzelnen Kurzbiographien auf der Höhe des heutigen Forschungsstandes bewegen.

Elisabeth I. (1533-1603) gehört zu den bekanntesten und beliebtesten Monarchen der britischen Geschichte. Mit Büchern über Elisabeth ließe sich mühelos eine kleine Bibliothek füllen. Die Geschichtswissenschaft hat Leben, Persönlichkeit und Herrschaft der Königin aus jedem nur erdenklichen Blickwinkel beleuchtet. Es ist daher schwierig, wenn auch nicht unmöglich, heute noch etwas Originelles über Elisabeth zu schreiben. Das ist die Herausforderung, vor der Helen Castor stand, die Autorin des Bandes über die letzte Herrscherin aus dem Hause Tudor. Castor behandelt viele Themen und Motive, die man aus der Elisabeth-Literatur zur Genüge kennt. Kennern der Materie bietet das Büchlein nichts Neues. Mit nur etwas mehr als 90 Seiten Text fällt der Band zu schmal aus, gemessen an der Dauer von Elisabeths Herrschaft (immerhin 45 Jahre). Zehn oder fünfzehn Seiten mehr hätten dem Band gut getan. Etliche Aspekte kommen zu kurz oder werden gar nicht erst angesprochen, etwa die kulturelle Blüte des sogenannten Elisabethanischen Zeitalters. Castor legt gegenüber der Königin zu viel Milde und Nachsicht an den Tag. Elisabeth hinterließ den Stuarts, die 1603 den englischen Thron erbten, viele Probleme, darunter hohe Staatsschulden und ein angespanntes Verhältnis zwischen der Krone und religiösen Minderheiten (Katholiken, Puritaner). Elisabeths Hoffnung, dass sich die konfessionelle Spaltung der englischen Gesellschaft mit der Gründung der Anglikanischen Staatskirche (1559/60) aus der Welt schaffen lassen werde, hatte sich nicht erfüllt. Auch auf Elisabeths gewalttätiges Vorgehen gegen die aufständischen Iren geht Castor nicht ein.

Castor nutzt einen auffälligen Wesenszug der Königin als Leitmotiv der Darstellung: Das Gefühl der Unsicherheit. In ihrer Kindheit und Jugend musste Elisabeth lernen, auf der Hut zu sein und keine Angriffsfläche zu bieten. Sie brachte es zu wahrer Meisterschaft in der Kunst der ausweichenden und verschleiernden Rhetorik. Nach der Hinrichtung ihrer Mutter Anne Boleyn war ihr Status prekär und ambivalent: Einerseits galt Elisabeth als Bastard, andererseits wurde sie von ihrem Vater, Heinrich VIII., nicht von der Thronfolge ausgeschlossen. Unter der Herrschaft ihrer Halbgeschwister Eduard und Maria übte sich Elisabeth im Abwarten und Verstellen; sie entwickelte Nervenstärke und Selbstbeherrschung. Ein unbedachtes Wort zu politischen oder religiösen Fragen hätte fatale Folgen haben können. Die Prägungen der Jugendjahre wirkten sich später auf Elisabeths Herrschaft aus. Zeitlebens war die Königin bestrebt, Risiken zu minimieren, sich nicht festzulegen und Entscheidungen zu vermeiden, zumindest aber aufzuschieben. Mit ihrer Entscheidungsschwäche und Hinhaltetaktik trieb Elisabeth ihre Minister immer wieder zur Verzweiflung. Innen- und außenpolitische Krisen ließen sich mit der Strategie des Zögerns und Zauderns, des Abwartens und Aussitzens nicht verhindern. Elisabeth scheute davor zurück, Probleme anzupacken, die Englands politisches System belasteten – die chronische Finanznot der Krone und das potentiell konfliktträchtige Verhältnis zwischen Krone und Parlament. Diese Probleme spitzten sich unter den Stuarts zu und führten schließlich zum Bürgerkrieg. All dies blendet Helen Castor aus. Ihr Buch gehört zu den schwächeren Bänden der "Penguin Monarchs". 

(Hinweis: Diese Rezension habe ich zuerst im August 2018 bei Amazon gepostet)

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