Helena Janeczek

 3,6 Sterne bei 7 Bewertungen
Autor von Das Mädchen mit der Leica, Essen und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Helena Janeczek

Helena Janeczek wurde 1964 in München als Tochter einer jüdisch-polnischen Familie geboren und ging 1983 nach Italien. Sie lebt in Gallarate, wo sie auch ein Literaturfestival kuratiert. 1989 publizierte sie im Suhrkamp-Verlag einen Lyrikband (Ins Freie). Fortan schrieb sie auf Italienisch: 1997 erschien bei Mondadori ihr Buch, Lezioni di tenebra, (Lektionen des Verborgenen, Kiepenheuer und Witsch 1999). Darin verhandelt sie Autobiografisches, die Übertragung der tabuisierten Erinnerung der Mutter an ihre Deportation nach Auschwitz auf die Tochter. 2002 folgte der Roman Cibo (Essen, Kiepenheuer und Witsch 2002), ein Romanmosaik in dem es um das komplizierte Verhältnis des modernen Menschen zu seiner Lebensgrundlage geht. Es folgten Essays und Erzählungen und zwei weitere Romane. 2017 erschien ihr Roman, La ragazza con la Leica (Das Mädchen mit der Leica) der es auf die Shortlist des Premio Campiello schaffte und mit dem Premio Strega ausgezeichnet wurde.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Helena Janeczek

Cover des Buches Das Mädchen mit der Leica (ISBN: 9783827013989)

Das Mädchen mit der Leica

 (3)
Erschienen am 02.03.2020
Cover des Buches Essen (ISBN: 9783462401196)

Essen

 (2)
Erschienen am 21.08.2017
Cover des Buches Das Mädchen mit der Leica (ISBN: 9783492317856)

Das Mädchen mit der Leica

 (1)
Erschienen am 01.07.2021
Cover des Buches Lektionen des Verborgenen (ISBN: 9783462401035)

Lektionen des Verborgenen

 (1)
Erschienen am 21.08.2017

Neue Rezensionen zu Helena Janeczek

Cover des Buches Das Mädchen mit der Leica (ISBN: 9783827013989)Susanne_Probsts avatar

Rezension zu "Das Mädchen mit der Leica" von Helena Janeczek

Interessanter und unterhaltsamer biographischer Roman über eine außergewöhnliche junge Frau...
Susanne_Probstvor 9 Monaten

Helena Janeczek bringt uns mit ihrem preisgekrönten biografischen Roman eine ganz außergewöhnliche, willensstarke  und mutige Frau näher: die Kriegsfotografin Gerda Taro.


Gerda Taro war eine deutsche Fotografin, die zusammen mit ihrem Partner Robert Capa die Schrecken und Grausamkeiten des Spanischen Bürgerkrieges dokumentierte. 

Sie war die erste Frau, die an einer Kriegsfront fotografierte.


Sie wurde 1910 in Stuttgart als Gerta Pohorylle geboren. Die Tochter jüdischer Eltern verbrachte den Großteil ihrer Kindheit und Jugend in ihrer Geburtsstadt.

Mit 19 Jahren zog die energiegeladene junge Frau mit ihrer Familie nach Leipzig, wo sie für den Sozialismus entbrannte.

Anfang der 1930-er Jahre flüchtete sie vor den Nationalsozialisten nach Paris, wo sie sich erst mit Schreibarbeiten über Wasser hielt und dann ihre Leidenschaft fürs Fotografieren entdeckte. 

Schließlich lernte sie den ebenfalls jüdischen Flüchtling Endre Ernő Friedmann, einen ungarischen Fotografen, kennen- und lieben.

Die beiden lebten und arbeiteten fortan zusammen und legten sich die Pseudonyme Gerda Taro und Robert Capa zu, eine Marketingstrategie, die ihren Ruf und ihre Einkünfte aufmöbeln sollte.


Ihren Einsatz im Spanischen Bürgerkrieg überlebte Gerda nicht. Sie wurde auf der Flucht aus der Kampfregion von einem Panzer überrollt und verstarb 1937 an ihren Verletzungen.

Obwohl Zehntausende trauerten und obwohl es einen Trauerzug und ein Grabmal gab, wurde Gerda Taro danach über Jahrzehnte hinweg vergessen... bis 2007 in New York unzählige Negative, seltene und wertvolle historische Zeitzeugnisse, in einem Koffer gefunden wurden. 


Die Autorin übersetzt die Biographie einer außergewöhnlichen, klugen, engagierten und starken Frau in ein berührendes, informatives und absolut lesenswertes literarisches Werk.


In drei Teilen und aus drei Perspektiven bringt sie uns das Schicksal dieser schönen Frau näher.

Willy, der Herzspezialist, Ruth, die Freundin und Georg, der Arzt und Revolutionär, kommen zu Wort.


Besonders abwechslungsreich und authentisch wird die Lektüre durch Rückblenden, Erinnerungen, eingestreute Fotografien und diese Erinnerungsfetzen von den o. g. alten Freunden.


Ich empfehle diesen berührenden, informativen und unterhaltsamen Roman der 1964 in München geborenen Schriftstellerin Helena Janeczek sehr gerne weiter. 

Sie hat mit ihrem Werk, in dem sie gekonnt Fiktion mit historischen und biografischen Fakten verwebt, meinen Horizont erweitert und mir vergnügliche Lesestunden beschert.  Ihre Sprache ist ein Hochgenuss, der über manche Aus- oder Abschweifung hinwegtröstet.





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Cover des Buches Das Mädchen mit der Leica (ISBN: 9783827013989)Bellis-Perenniss avatar

Rezension zu "Das Mädchen mit der Leica" von Helena Janeczek

"Auf unsere Gerda!"
Bellis-Perennisvor einem Jahr

Als Gerda Taro 1937 auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise beigesetzt wird, folgen ihrem Leichenzug tausende Menschen.  

Wer ist diese Frau? 

1910 als Gerta Pohorylle, Tochter einer jüdischen Familie aus Ostgalizen in Stuttgart geboren, wächst sie u.a. in der Schweiz und ab 1929 in Leipzig auf. Dort schließt sie sich sozialistischen Gruppen an, wird verhaftet und flieht 1933 nach Paris. Dort lernt sie den ebenfalls jüdischen Flüchtling und Fotografen Endre „André“ Friedman kennen. Als Friedman seinen Namen in Robert Capa ändert, zieht Gerta gleich und nennt sich fortan Gerda Taro. Gemeinsam ziehen sie in den Spanischen Bürgerkrieg, machen Foto um Foto, die weltbekannt sind. Das Leben der Gerda Taro endet am 26. Juli 1937, als sie in Madrid von einemrepublikanischen Panzer überrollt wird. Gerda Taro wird nur knappe 27 Jahre alt.  

Soweit die historischen Fakten. 

In ihrem Roman flicht die italienische Autorin Helena Janaczek der Toten im Nachhinein Kränze. Sie verknüpft gekonnt historische Fakten mit Fiktion und betrachtet die Fotografin durch die Brillen dreier Weggefährten: Willy Chardack, Arzt und Erfinder des Herzschrittmachers, der Gerda rettungslos verfallen und b seiner Leidensfähigkeit „Dackel“ genannt, ihrer Freundin Ruth Cerf und Georg Kuritzkes, der aus Liebe zu Taro ein Spanienkämpfer wurde. 

Diese beiden Männer sind nicht die einzigen, denen die schöne, charismatische Gerda den Kopf verdreht. Doch Gerda ist nicht nur „Femme Fatale“ - sie ist eine engagierte, kompromisslose Frau.  Der Trauerkondukt, den Robert Capa gemeinsam mit Louis Aragon und Pablo Neruda anführt ist ein Zeichen des Widerstandes gegen den Faschismus. 

Schade, dass sie bereits kurz nach ihrer Beisetzung in Vergessenheit geraten ist. Wahrscheinlich auch deswegen, weil ein Teil ihrer, die harte Realität des Bürgerkriegs gekonnt in Szene gesetzten Fotografien, unter Capas Namen veröffentlicht wurden. 

Erst als man 2007 einen lang verschollenen Koffer mit Negativen der Fotografin findet, ist ihr Werk wieder in aller Munde.  

Meine Meinung: 

Der Autorin ist ein bemerkenswerter Roman gelungen. Aus vielen Splittern der Erinnerung setzt sie ein Bild von Gerda Taro zusammen, das weit über die Fakten hinausgeht. Manchmal hätte ich mir mehr Gerda gewünscht, denn im Rückblick wird auch sehr viel von den Leben ihrer Weggefährten wie „Dackel“ eingeflochten. Da schweift Helena Janeczek für meinen Geschmack ein wenig zu weit von Gerda ab.  

Sprachlich ist dieser biografische Roman ein echter Genuss.  

Eine Hommage an eine zu Unrecht vergessene Frau. Wie prosten sich Capa und Chardack, die beiden Konkurrenten um Gerdas Liebe, nach Gerdas Tod an der Bürgerkriegsfront, mit einem Schluck aus der Feldflasche zu? „Auf unsere Gerda!“   

Fazit: 

Dieser Roman ist eine Hommage an eine zu Unrecht vergessene Frau. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

 

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