Helene Wecker Golem und Dschinn

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Inhaltsangabe zu „Golem und Dschinn“ von Helene Wecker

Chava ist ein Golem, zum Leben erweckt von einem skrupellosen Rabbi. Sie kann die Wünsche und Sehnsüchte der Menschen um sich herum spüren. Als ihr Meister stirbt, muss sie sich allein in New York zurechtfinden. Ahmad ist ein Dschinn, der eingeschlossen in einer Kupferflasche auf Umwegen nach Manhattan gelangt. Seine Neugier und seine Leidenschaft sind ihm schon einmal zum Verhängnis geworden. In der Welt der Menschen suchen sie nach Liebe und Freundschaft und müssen sich gegen einen übermächtigen Feind zur Wehr setzen.

Eine sehr schöne, hoffnungsvolle Geschichte über zwei Außenseiter. Hat nur ein paar Längen im Mittelteil.

— Leseratt

Ein wunderschönes, melancholisches und doch lebensbejahendes Werk

— hauntedcupcake

Etwas lang, aber magisch schön und überraschend.

— ChubbChubb

Für mich war es nichts

— Yunika

Mehrere Erzählperspektiven, ein paar magisch-mystische Elemente und charakterstarke Protagonisten machen diesen Roman zu einem Leckerbissen.

— Nespavanje

Klassiker-Qualität! Für den schlauen Leser! :-) Einfach großartig!

— SABO

Wenn die Qualität unter der Quantität leiden muss...

— Thessaia

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  • Ein modernes Märchen

    Golem und Dschinn

    Leseratt

    14. September 2017 um 17:18

    "Golem und Dschinn" ist die Geschichte zweier Außenseiter, die auf sehr unterschiedlichen Wegen in das New York des 19. Jahrhunderts gelangen. Sie könnten unterschiedlicher nicht sein - eine ernste, vorsichtige Frau aus Lehm und ein draufgängerischer, rastloser Mann aus Feuer -, doch trotz ihrer Differenzen finden sie zueinander. Dabei ist diese Liebesgeschichte traurig, schwierig und erfrischend unromantisch.Ich würde die Geschichte nicht als "klassische" Fantasy, sondern als modernes Märchen bezeichnen, in dem es weniger um Magie, Zaubersprüche und Fabelwesen geht, sondern generell darum, anders, fremd, vielleicht gefährlich zu sein und sich in einer unbekannten Umgebung zurechtfinden zu müssen. Beim Lesen bauen sich durchaus Spannung und Neugierde auf, wie es wohl weitergeht, und man freundet sich mit den beiden so unterschiedlichen Wesen an. Allerdings gibt es gerade im mittleren Teil immer wieder Längen und die Geschichte verliert ein wenig an Dynamik. Das wird im letzten Teil aber wieder gut ausgeglichen. Alles in allem kann ich dieses Buch jedem empfehlen, der eine phantastische, eher ruhige, melancholische aber auch sehr schöne und real wirkende Geschichte lesen möchte. Ein Wort noch: ich habe die Hardcover-Ausgabe gelesen, die wirklich schön gestaltet ist. Passt zu dieser Geschichte sehr gut!

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  • Ein etwas anderes Buch, sehr zu empfehlen

    Golem und Dschinn

    mesu

    31. January 2017 um 14:23

    Die Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Ein Golem und ein Dschinn sind  zwei sehr ungewöhnliche Protagonisten . Es war spannend, schön, traurig, fröhlich- kurzum es hatte alles was ein gutes Buch ausmacht. Ich hoffe es gibt bald noch mehr von der Autorin zu lesen.

  • Golem und Dschinn

    Golem und Dschinn

    hauntedcupcake

    23. June 2016 um 14:09

    Inhalt Chava, ein Golem, geschaffen von einem skrupellosen Rabbi als Ehefrau für einen einsamen Arbeiter, spürt, wie alle ihrer Art, die Wünsche und Sehnsüchte der Menschen. Als ihr Meister bei der Überfahrt nach Amerika stirbt, muss sie sich plötzlich ganz alleine zurecht finden. Doch kann ein Golem ohne Meister überhaupt überleben? Oder wird er zur Gefahr für die Menschheit? Ahmad, ein Dschinn, der gefangen genommen wurde, gelangt in einer Kupferflasche nach Amerika, wo er aus versehen von einem Goldschmied aus seinem Gefängnis befreit wird. Fortan versucht er verzweifelt, seine Fessel, eine Handschelle aus Eisen, los zu werden, damit er wieder in seine normale Gestalt annehmen kann. Beide sind sie auf der Suche nach Freiheit und Liebe, doch nicht jeder Mensch ist ihnen wohl gesonnen... Meine Meinung Dieses Buch ist anders, als alle Bücher, die ich bisher gelesen habe. Im Untergenre Historic Fantasy zu Hause ist diese Geschichte Fantasie und doch wieder nicht, ein Roman, voller Gefühle und Melancholie und gleichzeitig voller Lebensfreude. Trotz einer gewissen Düsterheit, die sich über das ganze Buch zieht, hat es mich in seinen Bann gezogen. Ein Golem und ein Dschinn spielen die Hauptrolle in dieser Geschichte, und doch ist es nicht klassische Fantasy, eher ein Buch über Liebe, Freundschaft, Freiheit, Glaube und darüber, wie unterschiedlich sich das Glück im Leben äussern kann. Das Buch beginnt mit der Überfahrt von Polen nach Amerika, wo Chava, der Golem zum Leben erweckt wird. Ich hatte keine Schwierigkeiten, mich in die Geschichte zu fühlen. Der Schreibstil lässt sich angenehm lesen, er plätschert ruhig vor sich hin und ist doch voller Botschaften. Die Geschichte beleuchtet immer wieder andere Abschnitte: mal ist das Leben von Chava beleuchtet, dann das des Dschinns, dann erhält man Einblicke in die Vergangenheit des Dschinns und dann wieder lernt man eine völlig andere Person kennen, die auf ihre Art eine wichtige Rolle in der Story hat. All diese kleinen Schnipsel, diese Auszüge und Aussagen führen am Schluss zu einem grossen Ganzen zusammen. Das hat mir sehr gut gefallen und ist eine wirklich grossartige Leistung der Autorin. "Golem und Dschinn" berichtet nicht nur über zwei sonderbare Wesen, sondern über das Leben selbst. Ich musste das Buch öfters zur Seite legen, damit ich meinen eigenen Gedanken nachhängen konnte, angeregt durch bestimmte Passagen. Besonders die Art von Chava hat mich sehr berührt. Sie versucht alles richtig zu machen und hat, weil sie erst vor kurzem zum Leben erweckt wurde, eine kindliche Weltanschauung. So fragt sie sich, wie die Hühner es schaffen, dass jedes Ei die gleiche Form hat. Und gleichzeitig macht sie sich riesige Sorgen, etwas falsch zu machen. Dieses Kindliche finde ich sehr schön, es regt zum Nachdenken an, und manchmal musste ich meine eigene Weltanschauung etwas hinterfragen. Beinahe wäre das Buch ein 5-Sterne-Buch geworden, denn das einzige, was ich fast bis zum Schluss zu bemängeln hatte, waren ein paar Sätze, wie "Hast du deine Tage?" und "Was er nicht weiss, macht ihn nicht heiss". Ich bin keine Historikerin und weiss daher nicht, ob es solche Metaphern und Sprichwörter im Jahr 1899 schon gab, aber für mich wirkten sie fehl am Platz. Leider muss ich für das Ende aber einen halben Stern abziehen, denn das kam mir einfach zu abrupt. Die Geschichte baut sich langsam auf und dann kommt die Lösung für das Problem in einem kleinen und unbegründeten Satz. Das fand ich etwas schade. Setting Die Geschichte um Chava und Ahmed spielt um die Jahrhundertwende 1899/1900 in New York, Amerika und stellenweise in der syrischen Wüste und in Polen. Ich lese sonst weniger historische Romane, dieser hier hat mir aber gut gefallen. Der Autorin gelingt es spielend, dem Leser die damals schon grosse aber noch völlig andere Stadt näher zu bringen, entführt einen in Elendsviertel, Viertel der Juden und Syrer, in verschiedene Parks und ab und an in eines der vielen florierenden Geschäfte. Für mich war es eine wunderbare Entdeckungsreise. Charaktere Golem Chava wurde erschaffen und zum Leben erweckt, nur mit dem Zweck, zu dienen. Ohne ihren Meister ist sie zwar frei, fühlt sich aber durch die vielen Wünsche und Ängste der Menschen um sie herum sehr unsicher. Da Golem's durchaus zu Gewalt neigen können, muss sie ihre Natur vor den Menschen verbergen. Hilfe bekommt sie von einem liebenswerten alten Rabbi, der ihr die Grundlagen des Menschseins beibringt, und ihr hilft, sich in der neuen Welt, zurecht zu finden. Chava ist in ihrem Denken noch sehr kindlich, da sie noch nicht sehr lange lebt. Dadurch betrachtet sie die Welt anders, als normale Menschen, was mir wirklich gut gefallen hat. Der Golem macht sich grosse Gedanken über Richtig und Falsch und versucht, es allen recht zu machen. Ihre wahre Natur als Dienerin kann sie nur schlecht ablegen und sie ist jedem gut gesinnt. Dschinn Ahmad ist Jahrhunderte in einer Flasche eingesperrt gewesen und nun zwar befreit, aber an seine menschliche Gestalt gebunden. Er wird von einem Goldschmied gefunden und als Lehrling aufgenommen. Während seiner Ausbildung kommt es aber immer wieder zu Problemen, weil sich der Dschinn gefangen und eingeengt fühlt. Auch er darf sein wahres Wesen niemandem eröffnen, was ihn noch wütender macht. Ahmad macht sich kaum Gedanken über sein Handeln und die Konsequenzen, die es nach sich ziehen kann. Er wirkt kühl und herablassend und war mir nicht von Anfang an sympathisch. Golem und Dschinn könnten unterschiedlicher nicht sein. Und doch verbindet sie dieses Anderssein. Ihre Geschichte wird begleitet von den Geschichten von anderen Menschen und wird so zu etwas ganz besonderem. Fazit Eine wunderschöne Geschichte über Freiheit, das Leben, die Liebe, über Glaube, Verantwortung und Glück, die mich fast vollständig überzeugen konnte. 4,5 Sterne

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  • Tausend und eine Nacht

    Golem und Dschinn

    Aleena

    03. April 2016 um 20:21

    Ich mochte dieses Buch sehr.Es ist magisch wie aus 1001 Nacht.

  • Ein Golem und ein Dschinn in New York

    Golem und Dschinn

    mondy

    02. April 2016 um 21:25

    Meine MeinungMich hat das Buch begeistert. Ich fand die Geschichte einfach bezaubernd und war schon ab der ersten Seite in dieser Welt gefangen. Besonders gut hat mir dabei gefallen, wie die Autorin die historische Umgebung (New York 1899) mit der fantastischen Geschichte verwoben hat. Dadurch entsteht eine ganz eigene Atmosphäre, die mich persönlich sehr fasziniert hat.Ebenso gelungen fand ich die verschiedenen Charaktere. Die zwei Protagonisten werden sehr einprägsam gezeichnet: der Golem eher zurückhaltend, konservativ und treu, der Dschinn wankelmütig, leidenschaftlich und umtriebig. Sie haben beide übermenschliche Fähigkeiten, müssen diese aber ständig versteckt halten, um nicht aufzufallen. Dass das nicht unbedingt angenehm ist, kann man sich vorstellen. Die Gedanken und Gefühle der beiden sind gut nachvollziehbar und mehr als einmal habe ich mit ihnen gelitten. Doch auch die Nebencharaktere sind bemerkenswert. Sie sind keine reinen Statisten, sondern Personen mit Hintergrundgeschichten, die man nach und nach erfährt. Ich fand es toll, dass die Autorin den Fokus nicht nur auf den Dschinn und den Golem gelegt hat, sondern auch die anderen Charaktere mit viel Leben gefüllt hat.Zwischendurch hatte ich leider ein wenig das Gefühl, dass die Handlung nicht richtig vorankommt. Das kann mir auch nur so vorgekommen sein, aber kurz bevor sich die zwei begegnen fand ich etwas mühselig. Das war aber wirklich nur eine kurze Phase. Insgesamt ein für mich rundum gelungenes Buch, welches ich gerne weiterempfehle. Auch eine Fortsetzung könnte ich mir sehr gut vorstellen, denn ich denke, dass der Golem und der Dschinn noch einiges zu bieten hätten.

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  • Verwirrend

    Golem und Dschinn

    Tasmetu

    02. December 2015 um 10:08

    Ich habe das Buch als Hörbuch auf Spotify gehört, denn dort gibt es das umsonst. Allerdings war das anscheinend die gekürzte Fassung, zumindest bin ich bei dem Versuch, Abschnitte im richtigen Buch zu lesen, gescheitert, weil die die Stelle, an der ich war, einfach nicht finden konnte. Das war sehr verwirrend. Generell war das ganze Buch wirklich verwirrend. Es war eine andere Art von „Fantasy“, das nicht einmal richtiges Fantasy war, denn Golems und Dschinns können zwar Fantasy Wesen sein, waren in diesem Fall aber viel eher ein wahr gewordener Bestandteil von Legenden und Vergangenheit. Und sie lebten ein relativ normales Leben. Irgendwie… ich weiß nicht. Die ganzen Namen, Charaktere und Verstrickungen haben mich vor allem gegen Ende extrem verwirrt. Vielleicht lag es am Hörbuch, da beim Hören ab und an die Konzentration nachlässt. Ich kam nicht mehr mit und dadurch ging auch die zarte emotionale Bindung zu Chava und Ahmad verloren, die sich zu Beginn aufbaute. Die Grundidee des Buches gefiel mir sehr gut, aber leider war es – für meinen Geschmack – nicht optimal umgesetzt. Oder vielleicht war es auch der falsche Zeitpunkt und die falsche Art an dieses Buch heranzugehen. Schade. Allerdings ein großen Kompliment an den Verlag: Das Buch (sowohl der Umschlag als auch der Buchrücken) sind sehr sehr schön geworden!

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  • Zähes Mittelstück, ansonsten großartig!

    Golem und Dschinn

    ForeverAngel

    23. November 2015 um 09:05

    Golem und Dschinn spielt 1899 in New York. Der weibliche Golem Chava landet gelangt hilflos und verloren in die Stadt, denn ihr Meister ist bei der Reise von Polen nach New York gestorben. Sie ist unsicher, wie sie mit dieser neuen Freiheit umgehen soll, hatte sie doch eigentlich damit gerechnet, ihr Leben lang als Sklave des Polen zu leben, nachdem der skrupellose Rabbi sie erschaffen hatte.  Der männliche Dschinn Ahmad gelangt in einer Kupferflasche nach New York, wo er von einem Schmied gefunden und befreit wird. Auch er ist unschlüssig, wie er mit der neuen Situation umgehen soll. Die beiden stehen aber vor einem noch viel größerem Problem: sie müssen um jeden Preis verhindern, dass jemand erfährt, was sie wirklich sind.  Golem und Dschinn mag vom Klappentext her klingen wie typischer Fantastic Romance Roman, aber das ist er nicht. Wenn man sich das ursprüngliche Cover der HC-Ausgabe ansieht, bekommt man vielleicht eher eine Ahnung davon, um was für ein Genre es sich hier handelt. Dazu muss ich aber sagen, dass ich das neue Blanvalet-Cover sehr viel hübscher finde.  Der Roman ist sehr vielschichtig. Man kann ihn natürlich als Fantasy bezeichnen, dafür sprechen die mystischen Wesen Golem und Dschinn mit ihrem magischen Fähigkeiten. Er ist aber viel mehr als das. Er bietet dazu nicht nur eine zarte Liebesgeschichte, die vollkommen ohne Erotik auskommt, sondern auch Elemente des historischen Romans. Dazu kommt einer zauberhafter Schreibstil, der der Geschichte einen märchenhaften Glanz verleiht. Helene Wecker legt bei ihrer Geschichte nicht nur viel Wert auf die Gestaltung des Settings und des Plots, sondern auch auf die ihrer Figuren. Dabei werden nicht nur die Protagonisten sehr plastisch beschrieben, sondern auch auf die Beschreibung der Nebenfiguren wird viel Zeit verwendet. So viel, dass es mir manches Mal zu viele wurde und der Roman dadurch einige Längen enthält. Vor allem im Mittelteil gibt es einige zähe Stücke, die aber durch ein spannendes Ende wieder wett gemacht werden.    (c) Books and Biscuit

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  • Ein Traum bittersüßer, behutsamer Melancholie

    Golem und Dschinn

    Wortmagie

    20. November 2015 um 11:39

    „Golem und Dschinn“ von Helene Wecker habe ich als Rezensionsexemplar über das Bloggerportal von Random House angefragt. Diese Entscheidung war das Blogger-Äquivalent eines Spontankaufs, denn das Buch stand nie auf meiner Wunschliste. Der Klappentext hat mich einfach neugierig gemacht. Ich suche immer nach neuen Ideen in der Urban Fantasy und bisher habe ich noch kein Buch dieses Genres gelesen, in dem ein Golem und/oder ein Dschinn die Hauptrolle übernehmen. Ein wenig skeptisch war ich trotz dessen, da der Untertitel „Eine Liebe nicht von dieser Welt“ nicht gerade meinem Beuteschema entspricht. Doch was wäre das Lese-Leben ohne Risiken? Chavas Leben beginnt mitten auf dem Ozean, auf der Überfahrt von Polen nach New York, als ihr Meister sie erweckt. Chava ist kein Mensch – sie ist ein Golem, geschaffen von einem unmoralischen Rabbi, um zu dienen und zu gehorchen. Doch ihr Meister verstirbt noch bevor sie New York erreichen. Ihrem Daseinszweck beraubt, spürt und hört sie die Wünsche, Sorgen und Sehnsüchte aller Menschen um sich herum. Allein in einer fremden Stadt muss sie lernen, sich zurecht zu finden, ohne aufzufallen. Nie hätte sie erwartet, eine verwandte Seele zu treffen; jemanden, der sich ebenso verloren, einsam und anders fühlt wie sie. Ahmad ist ein Dschinn, lebendiges Feuer. Vor Jahrhunderten wurden ihm von einem mächtigen Zauberer seine Kräfte genommen. Eingesperrt in einer Kupferflasche trägt ihn das Schicksal in das syrische Viertel in New York. Zwischen Millionen von Menschen versuchen Chava und Ahmad, gegen einen gefährlichen Feind zu bestehen und Liebe, Freundschaft und ihren Platz in einer Welt zu finden, in die sie eigentlich nicht gehören. „Golem und Dschinn“ ist Juwel; ein unentdeckter Diamant in einem Genre, das von bedeutungslosen, austauschbaren Geschichten regelrecht überflutet wird. Literatur wie diese ist selten und deswegen umso kostbarer. Meine Skepsis war überflüssig, denn das Buch ist weder kitschig, noch übertrieben oder billig. Helene Wecker verfolgt ihren ganz eigenen Stil und beweist, wie viel Originalität die Kategorie der Urban Fantasy für diejenigen zulässt, die sich trauen, abseits der Massenware zu schreiben. „Golem und Dschinn“ ist sanft, leise und zärtlich; es ist ein Traum bittersüßer, behutsamer Melancholie. Die Autorin pflegt einen poetischen, blumigen Schreibstil, mit dem sie ihre Leser_innen im Handumdrehen in eine Welt voller kleinerer und größerer Schicksale entführt, deren Verbundenheit sich erst nach und nach offenbart. Ihre Liebe zu Details, zu den zahllosen winzigen Facetten der Leben ihrer Figuren ist herzergreifend. Sie vereint Nähe und Distanz, indem sie mit den Blickwinkeln spielt, ohne die Erzählperspektive zu ändern. Durch Chavas und Ahmads Augen erlaubt sie sich und den Leser_innen, die Menschheit von verschiedenen Seiten zu betrachten. Sie sehen Schönheit, Reinheit, Absurdität und Leid im alltäglichen Wahnsinn – Kleinigkeiten, die wir selbst nicht wahrnehmen. Ich fand es faszinierend, sie bei dem Versuch zu beobachten, sich zu integrieren, denn eben diese Kleinigkeiten bereiten ihnen die größten Schwierigkeiten. Dabei gehen sie ganz unterschiedlich damit um. Während Chava sich versteckt und furchtbare Angst davor hat, dass ihre wahre Natur offenbart wird, liebt Ahmad das Risiko und flüchtet sich immer wieder in spontane, waghalsige Unternehmungen. Sie sind wahrhaft gegensätzlich, ergänzen sich aber genau deswegen perfekt. Die Beziehung dieser beiden unheimlich realistischen Persönlichkeiten ist rein, unschuldig und ehrlich, denn nur mit einander können sie tatsächlich sie selbst sein. Sie geben sich gegenseitig Halt. Ich bin Helene Wecker so dankbar, dass sie der Versuchung widerstand, Chava und Ahmad in eine klischeebeladene Liebesaffäre zu zwingen und das Wesen ihrer komplizierten Verbindung stattdessen differenziert herausarbeitete. Den deutschen Untertitel des Buches finde ich daher etwas irreführend, denn Liebe spielt in Weckers Geschichte nur sehr subtil eine Rolle. Alle Lebewesen suchen nach Liebe, ob Mensch oder nicht. Triefende, schwülstige Romantik hat damit nicht das Geringste zu tun. Ich denke, genau diese Einstellung hat „Golem und Dschinn“ für mich zu einer außergewöhnlichen Lektüre gemacht. Ihre Suche nach Liebe ist für die Figuren die wahre Herausforderung in ihrem Leben, der Grund, warum sie sich Tag für Tag abrackern und jeden Morgen aufstehen, selbst wenn ihr alltäglicher Kampf aussichtslos erscheint. Ich konnte mich hervorragend mit ihnen identifizieren, weil ich mich in den Hindernissen ihres Daseins wiederfinden konnte. Käfige sind vielfältig und nicht alle kann man sehen. Die vielen kleinen Geschichten geben dem Buch seine besondere Atmosphäre – nicht traurig, aber auf gewisse Weise schwermütig, wie ein Seufzer, der aus tiefstem Herzen kommt. Ich fand „Golem und Dschinn“ überraschend und berührend. Es ist eine wundervolle Geschichte vom Leben, von der Liebe, von tiefer Freundschaft und von den Konsequenzen des freien Willens. Letzterer bringt uns manchmal an gute und manchmal an schlechte Orte – die Frage ist, was man daraus macht. Chava und Ahmad beweisen, dass jede_r ein Recht auf ein eigenes Schicksal hat, auf eigene Entscheidungen und dass es nicht ausschließlich unsere Herkunft oder Veranlagung ist, die uns definiert. Wir haben unser Leben in der Hand und können jeder Zeit über uns selbst hinauswachsen. Ich möchte euch „Golem und Dschinn“ nachdrücklich und vehement empfehlen. Das Buch ist seit langem das Beste, was ich aus der erwachsenen Urban Fantasy gelesen habe: originell, kreativ und bezaubernd. Es ist ganz bestimmt keine Durchschnittslektüre, sondern herzerwärmend und einzigartig. Es ist eine Geschichte, die sich wie Balsam um die Seele legt. Vielen Dank an das Bloggerportal von Random House für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars!

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  • Klassiker-Qualität! Für den schlauen Leser! :-) Einfach großartig!

    Golem und Dschinn

    SABO

    15. July 2015 um 19:04

    Golem und Dschinn - Helene Wecker - Blanvalet Ein "magisches" Paar gelangt getrennt im Jahre 1899 nach New York City, eine sprudelnde Stadt - ständig sich erneuernden Lebens - fordert beide heraus sich durchzuschlagen und ihren eigenen Weg zu finden. Noch wissen beide nichts von der Existenz des anderen. Konin, Polen Yehuda Schaalmann entdeckt er in einer niedergebrannten Synagoge ein Buch, von uralten Mystikern in jiddisch verfasst, Zauberrezepte für Jedermanns Wünsche, Kräuterwissen, Liebeszauber, giftige Tränke und auch wie man einen Golem erschafft, er erlernt die alten Zauber und hat von da an eine rege Kundschaft, er formt nach eines Tischlers verzweifelten Wünschen einen Golem, sie soll ihm eine Gefährtin sein, sie soll ein angenehmes Wesen haben, tugendhaft, wissbegierig und intelligent soll sie sein. Schaalmann wundert sich zwar, über solch geforderte Eigenschaften, aber Otto Rotfeld ist bereit einen sehr hohen Preis zu zahlen, Rotfeld stirbt auf der Überfahrt nach Amerika, der Golem ist auf sich gestellt, aber glücklicherweise begegnet er einen Rabbi, der sofort erkennt was er vor s ich hat und nimmt sie unter seine Fittiche, er gibt ihr den Namen "Chava", was "Leben" bedeutet New York,Little Syria Zur gleichen Zeit bekommt der Kupferschied Arbeely den Auftrag eine alte Flasche zu reparieren, als er sie mit Feuer bearbeiten will, befreit er einen Dschinn, nackt liegt selbiger in seiner Werkstatt, eine Eisenschnalle ziert sein Handgelenk, das Eisen beraubt ihn fast all seiner Fähigkeiten, ein mächtiger Zauberer muß ihm das angetan haben. Auch der Dschinn hat das Glück einen wohlmeinenden Menschen getroffen zu haben, innerhalb kürzester Zeit entwickelt er sich zu einem Künstler, das Geschäft geht gut, sie werden Partner. Er bekommt den Namen Ahmad. ... Irgendwann hat Schaalmann die Vision in die "neue Welt" zu reisen, er sucht nach dem Golem, nichtsahnend, das eigentlich Ahmad das Ziel seiner Vision ist. Ich bin restlos begeistert, man liest es in einem Rutsch, ein großartiges Debut! Obwohl das Buch sehr umfangreich war, ist man traurig, das es ein Ende fand, wie immer ensteht dann eine kleine Leere, manche Bücher machen süchtig. Für mich: "Der Klassiker von 2013"! Jetzt 2015 als TB! Für mich ein Anlass meine Rezi von der wunderschönen gebundenen Ausgabe noch einmal einzustellen, in der Hoffnung auf viele Leser! Wie schön, das mich Helene Wecker auf ihrem fliegenden "Leseteppich" mitgenommen hat!

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  • Wenn die Qualität unter der Quantität leiden muss...

    Golem und Dschinn

    Thessaia

    23. May 2015 um 18:54

    INHALT:   New York 1899   Chava ist ein Golem, eine Kreatur, geschaffen aus Ton und von einem jüdischen Rabbi ins Leben gebracht. Als Ihr Meister auf der Überfahrt von Polen nach New York stirbt, kommt sie alleine in einer ihr vollkommen unbekannte Stad an. Ahmad ist ein Djini, ein Wesen aus Feuer, seit Jahrhunderten gefangen und befreit von Arbeely, einem ärmlichen Metallschmied, der ihn einlädt in seiner Werkstatt in Lower Manhattan zu bleiben. Beide erfahren Freiheit fürs erste Mal. Sie formen die ungewöhnlichsten Freundschaften. Aber eine große Bedrohung wird bald ihr Band testen, sie in ihre eigenen Welten zurück treiben und sie zwingen eine schicksalhafte Entscheidung zu treffen.   MEINE MEINUNG:   Eine märchenhafte Geschichte, bei der leider die Qualität unter der Quantität leiden musste. Der Schreibstil der Autorin lässt die Geschichte wie ein modernes Märchen wirken. Die Sprache ist sehr bildlich und man kann sich die beschriebenen Orte und Situationen gut vorstellen, seien es nun die eiskalten Wellen des New Yorker Hafens oder die sandigen Dünen in der brütenden Hitze der Wüste. Der Fokus liegt zwar auf den beiden Hauptpersonen der Geschichte, Chava und Ahmed, allerdings bemüht sich die Autorin auch die Nebenfiguren näher zu beleuchten und ihnen mehr Dimension zu geben. Dies ist zwar ein guter Vorsatz, allerdings geht die Geschichte der beiden Protagonisten dadurch im Meer der vielen Sub Plots fast unter. Es sind einfach zu viele Charaktere die vorgestellt werden und auf die unnötigerweise eingegangen wird. Dadurch wurde es für mich anstrengend das Buch wirklich zu Ende zu lesen. Ich habe es immer wieder zur Seite legen müssen. Aber es gibt nicht nur negative Aspekte. Es ist wirklich interessant die Entwicklung der beiden zu lesen. Für beide ist die Gesellschaft New Yorks des angehenden 20. Jahrhunderts etwas völlig Fremdes. Chava ist wie ein kleines Kind. Sie hat keinerlei Erfahrungen mit Menschen in irgendeiner Weise und muss alles von null an aufwärts lernen. Schließlich ist sie erst vor kurzem ins Leben gerufen worden und als wäre das noch nicht genug, muss sie auch noch darauf achten sich nicht zu verraten. Sie ist ein Golem und braucht weder Schlaf noch Essen, arbeitet immer mit einer Genauigkeit, die sonst nur Maschinen erreichen und ist übermenschlich Stark. Besonders schwer fällt es ihr den Gedanken der Menschen auszublenden, die sie permanent hört. Als Golem war ihre ursprüngliche Aufgabe, nur ihrem Meister zu dienen und auf seine Gedanken und Wünsche zu hören. Nun muss sie sich ihr eigenes Leben aufbauen und lernen selbstständig zu handeln. Die Herausforderung, nicht einfach die Bedürfnisse des Nächstbesten zu befriedigen, scheint unüberwindbar. Ahmed auf der anderen Seite ist ein Djini, der fast 200 Jahre lang in einer Lampe gefangen war. Nicht nur ist die Gesellschaft des modernen New Yorks eine ihm vollkommen fremde, er ist auch noch in einem menschlichen Körper gefangen. Er ist es gewohnt frei mit dem Wind der Wüste zu reisen und zu tun und lassen, wie es ihm beliebt. Nun muss er lernen sich zu kontrollieren, um nicht aufzufallen. Und das gefällt ihm gar nicht. Er vermisst seine Heimat uns seine ursprüngliche körperlose Form. In diesem menschlichen Körper sind seine Kräfte eingeschränkt und es fühlt sich für ihn an, als hätte er einen Teil von sich für immer verloren. Als Leser taucht man in zwei Kulturen ein. Chava wird von einem ehemaligen Rabbi aufgenommen und lebt somit im Jüdischen Viertel, während der Djoni vom syrischen Kupferschmied Arbeeli eingestellt wird. Als Leser kann man von beiden Kulturen viel mitnehmen uns sogar noch das eine oder andere lernen. Da beide Viertel stark belebt sind, werden auch viele Namen erwähnt. Allerdings bleibt es nicht nur bei der Erwähnung, denn darüber hinaus wird auch noch auf viele Einzelschicksale eingegangen, was die Story unnötig aufbläht. Abgesehen davon, dass man es mit zwei fantastischen Wesen als Protagonisten zu tun hat, hält sich der Fantasy Aspekt des Buches in Grenzen. Die fantastischen Sachen, die passieren, sind entweder der Djini, der mit seinen bloßen Händen Metall schmelzen lässt, oder die Erschaffung Chavas. Daneben gibt es eigentlich kaum magische Geschehnisse. FAZIT Wären die vielen unnötigen Sub Plots nicht gewesen, die das Buch unnötig in die Länge gezogen haben, hätte ich es euch wohl sofort ohne Bedenken weiter empfohlen. Der Schreibstil ist einfach märchenhaft und die Idee der beiden Charaktere, die sich in einer ihnen vollkommen fremden Welt zurechtfinden müssen ist wirklich interessant und endlich mal etwas anderes, als dieser ständige „Ich bin der Held und muss die Welt retten“, Plot. So aber würde ich sagen, sollten es nur diejenigen lesen, die Geduld habe und damit klar kommen, dass alle zwei Kapitel die Hauptstory beiseite gelegt wird, um die Geschichte eines Nebencharakters zu erzählen.

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  • Trifft ein Golem auf einen Dschinn...

    Golem und Dschinn

    Nespavanje

    30. December 2014 um 17:53

    Im Jahr 1899 fährt ein Dampfschiff nach New York, in seinem Inneren schlummert eine eigenartige Fracht: Ein unbelebter Golem, verpackt in einer Holzkiste. Durch unglückliche Schicksalsschläge verliert ihr Meister, der ebenfalls an Bord ist, das Leben. Mit seinen letzten Atemzügen kann er, die magischen Wörter flüstern, die sie gerade noch so zum Leben erwecken. Meister- und sinnlos strandet sie wie viele andere Menschen in New York und trifft dort auf ein weiteres nichtmenschliches Wesen, dem Dschinn. Golem und Dschinn hat mir äußerst gut gefallen und dafür gibt es gleich mehrere Gründe. Ich mag historische Geschichten und Helene Wecker hat mich mit ihrem Erstlingswerk direkt in das New York, des vorletzten Jahrhundertwechsel zurückversetzt. Obwohl die Hauptprotagonisten magische Wesen sind, geht es aber vor allem um brückenbauende Freundschaft, ist doch der Golem Chava ein jüdisches und der Dschinn Ahmad ein islamisch mystisches Geschöpf. Und hier liegt auch der tiefere Sinn verborgen: Das ambivalente Verhältnis beider Gruppen, reichen weit in die Vergangenheit zurück, obwohl beide Religionsgemeinschaften ähnliche Vorstellung vom Glauben und Religion haben. Aber ich sollte nicht zu sehr abschweifen, denn auch die Autorin Wecker nähert sich diesem Thema nur sehr vorsichtig und kratzt es „nur“ oberflächig ein wenig an. Zurück zum Roman: Frau Wecker haucht ihren magischen Geschöpfen so viel Gefühl und Emotionen ein, dass ich über lange Strecken hinweg das nichtmenschliche in den Protagonisten ein bisschen ausgeklammert hab, allerdings nicht bewusst, sondern unbewusst. Sie erzählt die Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln und lässt dazu verschiedene Protagonisten zu Wort kommen, die durch ihre eigene erzählte Vergangenheit Bezug zu der eigentlichen Handlung nehmen und mit ihr auf eine unglaubliche Art verbunden sind. Ich konnte kaum aufhören zu lesen. Das Damoklesschwert hängt über die sehr beschauliche Szenerie und steuert dadurch Unheilvolles an. Am Ende rücken die Fantasy Elemente wieder mehr in den Vordergrund. Golem und Dschinn hat mir sehr gut gefallen und ich kann es kaum erwarten, mehr von dieser Autorin zu lesen.

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  • Aus einer unbekannten Welt

    Golem und Dschinn

    Saphir610

    1899, in Polen wird ein Golem erschaffen, ein Auftragsarbeit für einen Auswanderer. Doch dieser stirbt während der Überfahrt und der Golem ist in New York auf sich allein gestellt. Dieser Golem ist weiblich und trifft irgendwann auf einen Dschinn, der in menschlicher Gestalt gefangen ist. Beide nähern sich langsam an und nach und nach erfährt man die Geschichte des Dschinns. Dazu steigt für Beide die Gefahr entdeckt zu werden. Nicht nur die Gefahr durch die Menschen entdeckt zu werden, auch aus der Vergangenheit droht ihre Vernichtung. Ein toll geschriebener Roman, mit mal zwei ganz anderen Hauptfiguren, die ihren speziellen Reiz haben. Dazu wird deren spezielle Art sehr gut dargestellt und die Lebensumstände zur damaligen Zeit. Dieser Roman ist eher erzählend geschrieben, und dieser Schreibstil passt mit der Geschichte sehr gut zusammen. Mir hat es gut gefallen und ich hätte gerne noch mehr über den Dschinn und Golem gelesen. Irgendwie war ich sehr auf der Seite des Dschinns. Also ein richtig gut geschriebener Roman mit einem anderen Hauptthema, zwar recht umfangreich, aber nie langatmig.

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    • 2
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    Golem und Dschinn

    franzzi

    Was es ist: Ein stattlicher Roman über das Immigrantenleben um 1900 in der Metropole New York, der seinen Reiz durch die fantastischen Hauptfiguren ausspielt. Und dabei ist fantastisch im tatsächlichen Sinne gemeint. Ein Dschinn, in klassischer 1001-Nacht-Manier verpackt in eine Öllampe, und ein jüdischer Golem, geschaffen von einem Mystiker im alten Europa, begegnen sich in der Fremde. Ein Roman über Freundschaft und Liebe, über das Ankommen in der Fremde und das Zurechtfinden darin. Ein Zeitporträt der Weltstadt New York aus der Sicht der Einwandererviertel mit ihrer scheinbar lupenreinen Sortierung nach Herkunftsländern am Übergang zum 20. Jahrhundert. Ein modernes Märchen. Worum es geht: Vor allem um das Gefühl, nicht dazuzugehören. Anders zu sein. Und zwar auch anders anders als andere Neulinge in der fremden Großstadt. Denn Dschinn Ahmad und Golem(in) Chava sind ja auch anders anders. Beide allein mit ihren besonderen Fähigkeiten (etwa Wünsche anderer Menschen hören oder ohne Schlafbedürfnis, dafür mit Kenntnis aller Sprachen) und ihren mystischen Welten entrissen. Der eine vor Jahrhunderten seiner Freiheit beraubt und in Menschengestalt gefangen. Die andere verliert noch auf der Überfahrt nach Amerika ihren Meister und kann mit ihrer damit gewonnenen Freiheit überhaupt nichts anfangen. Beide finden jeweils einen rein menschlichen Außenseiter, der ihnen hilft, die ungeschriebenen Regeln des modernen Stadtlebens zu lernen, sie zur Unauffälligkeit ermahnen.Es geht um zwei, die sich natürlich im Laufe des Buches kennenlernen und einander als in ihrer Andersartigkeit ähnlich erkennen, obwohl sie in ihren Charakteren und Wünschen so oft genau entgegengesetzt angelegt sind. Und schließlich ist da noch dieser rastlose Mystiker aus dem alten Europa, Chavas Erschaffer, der auf der Suche nach Unsterblichkeit schließlich bei den ungleichen Freunden ankommt - und ihre Existenz bedroht. Was es ausmacht: Es sind zauberhafte, mystische Protagonisten, die Helene Wecker für ihr Debüt ins Zentrum ihres mehr als 600 Seiten starken Romans gestellt hat. Und die Magie, die von der Sagenwelt der Golems und Dschinns ausgeht, kann Wecker gut einfangen und in ihre Geschichte einweben. Geschickt schmückt sie die Vorgaben der alten Sagen für ihre Zwecke aus, balanciert die Beziehungen ihrer Haupt- und Nebenfiguren auf einem Spannungs- und Konfliktbogen entlang, der ihre Geschichte stets dynamisch und trotz aller fantastischen Entleihungen sehr realistisch werden lässt. Allerdings störte mich beim Lesen zunehmend der Stillstand in Ahmad und Chava. Ja, sie lernen sich anzupassen, ja, sie lernen Konflikte miteinander auszutragen und zu lösen, ja, sie knüpfen eine enge Bindung, um das Fremdsein besser zu ertragen. Aber während der 600 Seiten scheitern sie eben immer wieder an denselben Linien, denselben Eigenheiten ihrer selbst oder des anderen. Obwohl Wecker viele Seiten Platz hat, treibt sie die Handlung und die Entwicklung ihrer Figuren über lange Strecken im Mittelteil überhaupt nicht voran, bleibt auf der Stelle, wiederholt bereits Bekanntes wieder und wieder. Nach all den eigenen Ideen, die Helene Wecker für ihre Hauptfiguren ersinnt, wirkt zudem das Ende leider zu kopiert, so gar nicht neu. Wie es klingt: Melancholisch, magisch, heiter bis wolkig; leicht erzählt, trotz der Längen. "Der Nebel wurde dichter, und die polnische Küste war bald nur noch ein brauner Strich. Dann war auch der Strich nicht mehr zu sehen, verschluckt von Nebel und Wasser. Und Schaalman verstand die Tränen nicht, die ihm übers Gesicht strömten." Woran es mich erinnert: an Aladdins Wunderlampe, an Jonathan Strouds Bartimäus-Romane, an Stings "Englishman in New York". Die Botschaft: Be yourself - no matter what they say.

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    • 3
  • Besser als 1001 Nacht!

    Golem und Dschinn

    wandablue

    Besser als 1001 Nacht! Seit ich in den 70ern die TV-Serie „Bezaubernde Jeannie“ gesehen habe, sind Dschinns Lieblinge von mir. Wie Jeannie ihre Arme kreuzt, blinkert und alles in Ordnung zaubert und wieder in ihrer mit allem Komfort ausgestatteten Flasche verschwindet, ist genau so gut wie Harry Potter. Nach der Jeannie habe ich jedoch nie wieder von Dschinns gehört, so oft ich auch in alte weggeworfene Flaschen guckte. Sehr schade. Doch dann legt mir Helene Wecker Ahmad in die Arme! Dschinn Ahmad schlägt Jeannie um hunderttausend Volt, er ist aufregend, rauchig, geheimnisvoll, dunkel, oft unwillig und mürrisch. Sein Gesicht leuchtet wie Feuer und er kann mit blossen Händen Metall verformen. Die Flasche, die Ahmad beherbergte und mit der er unfreiwillig in das Jahr 1899 nach Little Syria in New York reiste, war keinesfalls komfortabel und es ist reiner Zufall, dass er beim Schmied und Eisenhändler Arbeely landet und ihm buchstäblich vor die Füsse gespuckt wird. Ein Spuk! Der Golem reiste mit dem Schiff nach New York und landet beim Rabbi Meyer. Auch der Golem hat aussergewöhnliche Fähigkeiten, die er bzw. sie kontrollieren lernen muss, denn der Golem ist weiblich, geschaffen aus Ton und bekommt vom Rabbi den Namen Chava. Der Golem ist sanftmütig, stark und gefährlich! Auch neugierig, eigenständig und intelligent. Helene Wecker lässt viele Personen auftreten in ihrem Roman, der sich überwiegend im Little Syria des Manhattens von 1899 abspielt, aber auch einen ausgedehnten Ausflug in die syrische Wüste macht. Alle diese Personen sind mit phanstasievollsten Details versehen, die sie liebenswert und interessant machen. Da ist zum Beispiel der Eisverkäufer Sayed, der einmal ein berühmter Arzt war, die Kaufmannstochter Sophia, der immer kalt ist, der Heimleiter Michael, der vom Glauben der Vorväter abgefallen ist, oder die Figur des alten Yehuda Schaalman, der dem Geheimnis des Lebens auf der Spur ist, der Schamane Ibn Malik, die Wüstentochter Fadwa und viele andere. Mit jeder Person gibt es für den Leser etwas Neues zu entdecken, einem anderen Geheimnis auf die Spur zu kommen, obgeich der Leser ganz genau weiss, dass alles miteinander verwoben sein muss. Und das ist es auch, die Autorin webt ein kunstfertiges Spinnennetz mit mannigfaltigen Verästelungen. Die Autorin schreibt in ihrer Danksagung, dass sie dank der Unterstützung ihrer Freunde an diesem Roman „nicht verrückt geworden“ sei und es gebührt ihr grosse Anerkennung, dass es ihr gelungen ist, alle diese Verzweigungen genau im Auge zu behalten und auf dem Punkt aufzulösen, kein Fädchen ist hängen gelieben. Der Leser braucht Geduld in diesem über 600 Seiten langen Schmöker bis Dschinn und Golem aufeinander treffen, aber er langweilt sich bis dahin keine Sekunde. In angenehmer fliessender Erzählkunst lässt die Autorin die Hauptprotagonisten sowohl Abenteuer erleben, wie auch ihre inneren Konflikte vor dem Leser ausbreiten. Ein bisschen befürchte ich für das Ende. Wird alles zusammenfallen durch eine allzu banale Auflösung wie oft bei Fantasy? Nein, nein, keine Sorge, es gibt ein fulminantes Finale, das alle Erwartungen übertrifft. Fazit: Eine Geschichte mit brillianter Dynamik, immer neue Einfälle zieht die Autorin aus dem Hut, ihre Phantasie scheint grenzenlos. Dieser Erstling ist bezaubernd und ein grosser Lesespaß!

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    • 7
  • Die Macht der Gegensätze

    Golem und Dschinn

    BettinaR87

    Ihre Schicksale könnten nicht widersprüchlicher starten. Sie? Ein aus Lehm geformter Körper, durch Magie beseelt. Erschaffen, um einem Meister zu dienen. Er? Ein Dschinn, wilder und freier Geist der Wüste. Im New York des Jahres 1899 treffen sie aufeinander. Zwei Außenseiter in einer fremden und faszinierenden Welt. Im Stadtteil Little Syria von New York City lebt im Jahr 1899 ein Kunstschmied, der eines Tages eine Öllampe zur Reparatur erhält. Wie bei Aladin befreit der Schmied zufällig einen Dschinn, als er sie reparieren möchte. Im Gegensatz zur Disneygeschichte ist der aber nicht gerade begeistert. Denn er trägt einen eisernen Armreif, der ihn zu einer Existenz in menschlicher Form zwingt – obwohl er eigentlich aus einem Feuerfunken besteht. Der Schmied nimmt sich seiner an, denn als Feuerelement hat der Dschinn eine unfassbare Begabung als Kunstschmied. Zur gleichen Zeit erwacht Chava auf hoher See. Ihr Meister, ein polnischer Jude, hat sie sich als Golem von einem Magier erschaffen lassen, bevor er seine Auswanderung nach New York City antrat. Doch der Mann stirbt und hinterlässt einen verwirrten Golem. Doch ohne Meister hat sie niemand, der sie anleitet. Vom ersten Moment an wird sie mit einer ihr vollkommen fremden Welt konfrontiert, die sie vernichten würde, würde sie um ihr Geheimnis wissen. Zuflucht findet sie letztendlich bei einem Rabbi im jüdischen Viertel. Der bringt ihr die Feinheiten des menschlichen Alltags näher. Doch dann stirbt der Rabbi. Als sie auf den Dschinn trifft, wissen beide sofort voneinander, dass sie anders sind. Eine ungleiche Freundschaft beginnt. Gerade rechtzeitig, denn ein großes Übel aus uralten Zeiten taucht auf ... Die Kluften sind enorm: Aus der einsamen und heißen Wüste geht es für den Dschinn, der sich mittlerweile Ahmad nennt, in das öfters verregnete, kalte und laute New York. Schnell kommt der Dschinn auf den Geschmack, sich durch die Menschenmenge treiben zu lassen und die Gesellschaft zu beobachten. Auch auf die eine oder andere Liebelei lässt er sich ein. Ihm fällt der Schritt leichter, denn er kennt diese Welt schon seit mehreren Jahrhunderten. Chava, wie der Golem vom Rabbi getauft wurde, hat dagegen große Probleme mit den Menschen. Natürlich erwartet man Standardverhalten von ihr, doch auch wenn sie etwa 30 Jahre alt aussieht – sie ist gerade einmal einige Wochen alt und hat keinerlei Erziehung genossen. Dass sie die Gedanken und Wünsche aller Menschen verspürt, trägt nicht gerade zu einer wohligen Atmosphäre in ihren Gedanken bei. Das Buch ist nicht zuletzt deswegen so lesenswert, weil so viel in der Story steckt. Zum Beispiel die Elemente. Bestünde ein Golem aus Wasser, wäre Chava eine tödliche Bedrohung für Ahmad. So aber besteht er aus Feuer und sie aus Lehm. Das mag sich nicht „perfekt“ ergänzen, aber keiner stellt eine Bedrohung für den anderen da. Mehr braucht es erst einmal nicht, um eine gemeinsame Basis für eine mehr oder minder gemeinsame Zukunft zu schaffen. Das ist etwas, das sich wie kaum etwas anderes auf uns und unsere Realität übertragen lässt. Natürlich unterscheiden sie sich in anderen wesentlichen Dingen und stehen damit für die Gegensätzlichkeit im Leben. Beispielweise, wenn es um die Abhängigkeit geht: Der Golem wünscht sich die Zugehörigkeit zu einem Meister und der Dschinn die absolute Freiheit. Beides haben sie aber nicht und siehe da: Ihr Leben geht trotzdem weiter und das auf grundlegend akzeptable Weise. Natürlich durchlaufen diese beiden Wesen, die den Menschen von ihrer Wesensart her nicht unähnlicher sein könnten, einen geradezu typisch menschlichen Lebensweg. Sie lieben, hassen, leiden, verzweifeln. Sie stehen vor Abgründen, müssen neue Wege finden, dürfen nicht auffallen und fühlen trotzdem den Drang, ihren eigenen Weg zu gehen. Obwohl so viel hinter den Zeilen steht, ist Dschinn und Golem eine Lektüre, die locker gestrickt ist. Helene Wecker erzählt mit einer Leichtigkeit, die beeindruckt. Gerade wenn man bedenkt, dass dieses Buch ihr erstes Werk ist. Ebenso bemerkenswert ist es, dass jeder Faden am Ende versponnen wird – egal wie nebensächlich die Handlung war. Am Ende kommt es sogar noch zu einem wirklich überraschenden Finale. „Golem und Dschinn“ ist nicht einfach eine Fantasyerzählung. Es ist eine grandiose Verflechtung einzigartiger Elemente: Faszinierende Charaktere, deren fremdartiger Blickwinkel auf unsere Welt, die ihnen noch seltsamer erscheint. Der mystisch-jüdische Hintergrund, der der Handlung den magischen Funken verleiht. Und alles zusammen so glaubwürdig verarbeitet, dass das Buch zu einem unglaublichen Lesegenuss wird.Fazit? Lasst euch unglaublich verzaubern!

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