Helga Botermann

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Wie aus Galliern Römer wurden

Wie aus Galliern Römer wurden

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Erschienen am 01.03.2005

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Rezension zu "Wie aus Galliern Römer wurden" von Helga Botermann

Rezension zu "Wie aus Galliern Römer wurden" von Helga Botermann
Ein LovelyBooks-Nutzervor 6 Jahren

Wie wurden aus Galliern Römer? Was war der ausschlaggebende Funke für die kulturelle Integration? Wer waren diese Gallier? Wo kommen sie her? Sind es wirklich Barbaren? Wie sah das Leben in einer römischen Provinz zu damaliger Zeit aus?
Ich könnte noch viele weitere Fragen aneinanderreihen, doch dies sind die wichtigsten die mir durch den Kopf gehen, wenn ich mir das Buch und den Titel ansehe.
Die Autorin stellt in ihrem Buch das Leben und die Romanisierung der Gallier in Südfrankreich von 600 v.Chr. bis 500 n.Chr. nicht nur chronologisch, sondern auch mit fundierten Funden dar. Dabei achtet Sie darauf keine Spekulationen anzustellen, sondern greift auf archäologische Funde (Bauten und Inschriften) zurück um so den Inhalt des Buches weiter zu untermauern. Sie geht mit ihren Aussagen nur soweit wie es auch wissenschaftlich bewiesen ist und lässt, da bei offenen Fragen kein wissenschaftliches Dogma aufgestellt wird, den Leser selbst die passenden Antworten finden beziehungsweise regt zum eigenen Nachforschen an!
Doch wie ging die Romanisierung von statten? Wie konnten sogenannte “Barbaren” zivilisiert und römische Staatsbürger werden?
Die Griechen legten mit der Gründung von Marsillia (Marseille) 600 v.Chr. die ersten Weichen, den Grundstein sozusagen, für den Beginn einer zivilisierten Zivilisation in Südfrankreich. Und genau an dieser Stelle greift Frau Brodermann die Urbanisierung Galliens auf.
Schon zur Zeit der Hellenisierung gehörten nur diejenigen zu den zivilisierten Menschen, die ein Gymnasium, das wichtigste Gebäude einer griechischen Stadt besuchten.
Zitat Seite 16:
“Der Besuch des Gymnasiums unterschied in der Zeit des Hellenismus Griechen von Nichtgriechen (Barbaren).”
Kein Wunder, dass man versuchte sein Umfeld dem griechischen, und später dem römischen, anzupassen. Man wollte ja dazugehören und auch zivilisiert sein. Die Akkulturation der Gallier hat mit der Hellenisierung seinen Anfang gefunden.
Als die Römer schließlich kamen, waren die Gallier in ihren Augen immer noch Barbaren. Die gallische Identität war jedoch schon so angepasst, das man sich direkt mit dem neuen römischen Gedanken und dem Imperium identifizieren wollte. Man wollte dazugehören.
Augenblix aus dem Asterix Comic sagte sehr schön: “Wir brauchen ein Aquädukt. Ein Aquädukt, das wirkt römisch!”
Und wer römisch, also zivilisiert sein wollte, musste sich anpassen.
Die letzte Phase der Zivilisierung durch die Römer stellte das römische Bürgerrecht dar. Wer sich als Individuum oder auch als Gemeinschaft hochgearbeitet und sich im römischen Sinne bewährt hat, wurde mit dem römischen Bürgerrecht belohnt. Wer dies besaß, war kein Wilder mehr, kein Barbar, sondern ein zivilisierter Römer.
Frau Botermann greift in den oben genannten Entwicklungsphasen sehr schön auf erhaltene Fundstücke zurück. Anhand der verschiedenen Bauten konnte ich sehr gut nachvollziehen wie sich eine Kultur im Laufe der Zeit verändert hat. Auch Inschriften, allen voran Grabinschriften, kommen zu Wort. Waren diese anfangs noch griechisch, wiesen sie später die lateinischen Buchstaben auf. Aber auch der Inhalt dieser Grabsteine spiegelt die damalige Gesellschaft und das Leben im römischen Reich wieder. Denn nicht nur die Grabsteine von toten Aristokraten kommen dadurch zum Wort, sondern auch von normalen Sterblichen wie Gladiatoren, Huren, Sklaven und Freigelassenen.
Die Autorin hat mir durch dieses Buch ein einzigartiges Verständnis von dem Leben in einer römischen Provinz, von den Anfängen bis ins Mittelalter, vermittelt. Ich finde es schade, dass ich erst jetzt auf dieses Buch aufmerksam geworden bin. Obwohl es sich nicht als Reiseführer eignet, bietet es trotzdem Informationen zu diversen Ortschaften in Südfrankreich und zu antiken Bauten. Als Beispiel sei hier Marseille, Orange, Frejus und Arles genannt. Hätte ich das Buch bei meinem letzten Frankreich-Urlaub schon besessen, wären meine Ausflugsziele um einige interessante Sehenswürdigkeiten erweitert worden ;-)
Meiner Meinung ist das Buch, obwohl das Hauptaugenmerk auf der Provinzia Narbonensis liegt, auch für andere römische Provinzen und deren Entwicklung zu Rate zu ziehen. Denn die Entwicklungsstufen, die eine Provinz durchgemacht hat, haben andere Provinzen auf die ein oder andere Weise ebenfalls erlebt.
Von daher bekommt man mit diesem Werk nicht nur einen Einblick in das römische Leben von Südfrankreich, sondern kann mit diesem Wissen auf das generelle Leben in einer römischen Provinz schließen.
Der Wettkampf um Ansehen, Prestige und Macht wurde nicht nur zwischen Menschen ausgetragen, sondern auch zwischen den Provinzen und Städten. Jeder wollte der römischste von allen sein, das größte Kolloseum oder den größten Tempel besitzen.
Wünschenswert wären ein paar schöne Farbabbildungen gewesen. Die beigefügten Illustrationen sind zwar sehr gut getroffen und fügen sich gut in die Erklärung und den Text ein – farbige Abbildungen hätten jedoch nicht geschadet, sondern das Buch ein wenig aufgewertet.
Zum Abschluss kann ich dazu sagen, dass das Buch sehr gelungen und das Thema hervorragend herausgearbeitet worden ist. Mit diesem Buch hat man ein wahrhaftes Stück lebende Geschichte in den Händen, welches untermauert wird von eindeutigen wissenschaftlichen und archäologischen Belegen. Auch als weiterführende Literatur ist das Buch sehr zu empfehlen.

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