Vieles (alles?) verläuft zyklisch, Zufälle bestimmen weitgehend das Leben, was bleibt da noch für den Einzelnen/die Einzelne zu tun? Ist daher nicht alles irgendwie sinnlos, gerade auch im Hinblick auf die aktuelle Weltlage mit ihren Polykrisen, die allerdings allesamt menschenverursacht sind? Eine solche destruktive Denkweise ist der Autorin vollkommen fremd, obgleich sie solche Fragen zulässt und in Rückblicken und Reflexionen am eigenen Lebensweg auszutarieren versucht. Und über große Strecken gelingt ihr das ziemlich gut. Dabei werden die Fragen zwar linear gestellt, allerdings in großen Zusammenhängen betrachtet, immer auch unter dem Gesichtspunkt, dass Wechselwirkungen das aktuelle Geschehen bestimmen oder bisherige Forschungsergebnisse durch neue Erkenntnisse ihren angestammten Platz verlieren können. Als Wissenschaftlerin an vorderster Front (ein Begriff, der hier nicht hinzupassen scheint …) erlaubt sie einen Blick hinter die Kulissen des Wissenschaftsbetriebes, unverblümt und mit einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein, was allerdings nie aufdringlich erscheint und erst recht nicht der eigenen Selbstbeweihräucherung dient.
So ist ein vielschichtiges Buch entstanden, das die Wissenschaft(sgeschichte) an den gesellschaftlichen Entwicklungen kalibriert (und vice versa). Beides kann nicht losgelöst voneinander betrachtet werden, obgleich die Distanz zwischen diesen Bereichen eher größer zu werden scheint, gerade auch im Hinblick auf den vielseitigen Einsatz der KI, dessen Auswirkungen aber auch Chancen hier zum Thema gemacht werden. Dieses Buch eignet sich als Bindeglied, da es einen tiefen Einblick in die Arbeit einer renommierten Wissenschaftlerin erlaubt und zugleich die unterschiedlichen Lebensaspekte einbezieht. Eine solche Vorgehensweise ist erfolgreich nur dann möglich, wenn man, um es einmal salopp zu formulieren, im Stoff steht, sich seiner Stärken bewusst ist und vor den Herausforderungen nicht davonläuft. Insofern in dieses Buch auch ein Mutmacher für all diejenigen, die sich neugierig einem Thema widmen, sich dem Wissenschaftsbetrieb anvertrauen möchten, um etwas zu bewegen – was sonst?
Dabei steht die Wissenschaftsforschung im Zentrum der Betrachtung und nicht etwa eine Autobiografie einer erfolgreichen Wissenschaftlerin: „Nicht um mein Leben geht es, sondern um die Erfahrungen, die ich mit den Wissenschaften gemacht habe.“ Obwohl es hier darum geht, Grenzen zu überwinden, hat diese Grenzziehung dem Buch gutgetan und man folgt der Autorin gerne in ihren Gedanken wie auch ihrem Werdegang. Es wäre vermessen, hier auch nur einen ungefähren Einblick in dieses Buch geben zu können, zu vielschichtig sind die Themen, die hier sehr differenziert behandelt werden. Allein die Ausführungen zum Gilgamesch-Epos rechtfertigen bereits den Kauf dieses Buches. Es ist eine Freude mit der Autorin auf Gedankenreise zu gehen.
(28.4.2026)






