Helga Schütz Die Kirschendiebin

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Inhaltsangabe zu „Die Kirschendiebin“ von Helga Schütz

„Es weiß sowieso niemand, was Liebe ist“ Eine leichte Melancholie liegt über dieser Geschichte, die von einem Abschiednehmen in den Zeiten der Teilung erzählt, den Wendungen des Schicksals und von der einzigen großen Liebe, für die es nie zu spät ist. »Diese magische Erinnerin erzählt Weltgeschichte, wie sie der Einzelne erfährt.« Christoph Dieckmann, Die Zeit Thomas Falkenhain ist in dem Alter, in dem man aufräumt und sich erinnert, selbst wenn man sich nicht erinnern will. Zum Beispiel an eine heimliche Studentenliebe in den 60ern, die abrupt endete, als Mela, seine »Kirschendiebin«, mit Mann und Sohn in den Westen fliehen musste. Erst aus den Stasi-Akten weiß er, dass sie ihm später Briefe geschrieben hat. Unerwartet erhält er ein Stipendium für eine römische Künstlervilla. Kaum dort eingetroffen, ertappt er eine Frau im Park, die eine Orange pflückt und sogleich isst: Mela. Als wären nicht Jahrzehnte vergangen, beginnt die Liebe von neuem. Es ist schön, schwach zu sein und bejahrt. Nur Mela müsste ihm endlich auch von Angst und Ohnmacht erzählen.

Eine melancholische und poetische Reise...anspruchsvolle Erzählung, die man auf sich wirken lassen sollte !

— Ayda
Ayda

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  • Eine melancholische und poetische Reise in die Vergangenheit...

    Die Kirschendiebin
    Ayda

    Ayda

    24. June 2017 um 18:51

    Eine melancholische und poetische Reise...anspruchsvolle Erzählung, die man auf sich wirken lassen sollte ! Ein besonderes Buch für mich in diesem Jahr...Die Kirschendiebin hat mich als erstes vom Cover und dem Titel angesprochen und es ist auch live wirklich putzig gestaltet und mit diesem rose/puder ohne Schutzumschlag erwärmt es mir gleich das Herz :)Kurzer Inhalt:Die Autorin Helge Schütz erzählt uns in ihrer sehr außergewöhnlichen Erzählung, die Geschichte von Thomas Falkenhain,heute stolze 80 Jahre alt, und Melina Weiss (Melancholie,Mela), die sich während des Studium kennengelernt haben aber wegen äußerer Umstände nicht auf Zukunft hoffen konnten. Mela war damals schon veheiratet und Mutter einer Tochter. Da ihr Mann aufgrund seines Berufes als Dokumentarfilmer in den Westen wollte, trennten sich auch die Wege von Thomas und seiner Kirschendiebin Mela. Nach nun 50 Jahren treffen sie wieder aufeinander und lassen ihr Leben nochmal Revue passieren, welches wir in drei Leseabschnitten verfolgen dürfen und es hat mich sehr berührt...Mein Meinung:Bevor ich angefangen habe das Buch zu lesen,las ich noch die kurze Informationsbiografie in der Buchklappe und hatte sofort ein Gefühl, dass Frau Schütz hier eine anspruchsvolle Erzählung geschrieben hat. Wer denkt, dass die 170 Seiten  sich locker vor sich hin lesen lassen, der irrt sich. Es ist eine tolle,poetische Sprache auf die man sich einlassen muss,um die Geschichte auf sich wirken zu lassen. Der Schreibstil ist sehr treffend,emotional und authentisch aber ich musste mich auf den ersten Seiten erstmal daran gewöhnen. Ich hatte das ganze Buch über eine traurige Grundstimmung,als ob ich auf ein langes Leben zurückblicke, welches bald zu Ende geht und die Jahre ohne einander vergangen sind,obwohl man es sich doch so sehr gewünscht hätte. Außerdem geht es in dem Buch auch um die DDR Zeit,eigentlich ein Thema,das ich eher weniger lese aber hier fand ich sehr wiederum interessant, zumal es  nicht im Fokus der Handlung liegt. Jede Seite in diesem Buch hat soviele tiefgründige und melancholische Sätze,dass ich nur eine klare Leseempfehlung aussprechen möchte für alle,denen schon der Klappentext gefällt,denn genau das erwartet hier auch die Leser!  Ein Buch, auf das ich vermutlich ohne den Aufbau-Verlag nie aufmerksam geworden wäre,dafür vielen Dank und einen herzlichen Dank an die Autorin Helga Schütz, der ich hier meine Hochachtung zukommen lassen möchte.Autorin:Helga Schütz wurde 1937 in Falkenhain/Schlesien geboren. 1944 übersiedelte sie nach Dresden. Sie erlernte den Beruf der Gärtnerin, anschließend studierte sie an der Hochschule für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg und schloß als Diplom-Dramaturgin ab. Sie schrieb Drehbücher und Szenarien für Spiel- und Dokumentarfilme. Seit 1962 ist sie freie Autorin, 1993 erhielt sie eine Professur für Drehbuchschreiben an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam. Unter anderem gewann sie den Stadtschreiber-Literaturpreis des ZDF und der Stadt Mainz und den Brandenburgischen Literaturpreis. Helga Schütz lebt in Potsdam. Zuletzt erschienen die Romane Grenze zum gestrigen Tag (2000), Knietief im Paradies (2005) und Sepia (2012). (www.aufbau-verlag.de)

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  • Ich bin ganz klar die falsche Zielgruppe

    Die Kirschendiebin
    Antek

    Antek

    04. April 2017 um 18:38

    Ich bin wohl mit völlig falschen Erwartungen an diese Erzählung heran gegangen und gehöre außerdem nicht zur Zielgruppe für eine solche Art des Erzählens. Thomas Falkenhain ist in dem Alter, in dem man aufräumt und sich erinnert, selbst wenn man sich nicht erinnern will. Zum Beispiel an eine heimliche Studentenliebe in den 60ern, die abrupt endete, als Mela, seine »Kirschendiebin«, mit Mann und Sohn in den Westen fliehen musste. Erst aus den Stasi-Akten weiß er, dass sie ihm später Briefe geschrieben hat. Unerwartet erhält er ein Stipendium für eine römische Künstlervilla. Kaum dort eingetroffen, ertappt er eine Frau im Park, die eine Orange pflückt und sogleich isst: Mela. Als wären nicht Jahrzehnte vergangen, beginnt die Liebe von neuem. Es ist schön, schwach zu sein und bejahrt. Nur Mela müsste ihm endlich auch von Angst und Ohnmacht erzählen. Dies ist die Beschreibung zu dieser Geschichte und ich hatte mir Erinnerungen an die Zeit vor Melas Flucht, Berichte darüber, wie es den beiden während der getrennten Zeit erging und dann natürlich eine Beschreibung ihres Wiedersehens erwartet. Ganz klar, grob skizziert dies auch den Ablauf der Erzählung. In einem ersten Kapitel wird hauptsächlich aus der Sicht von Thomas Falkenhain erzählt. Er berichtet von Fliegenpilzexperimenten um die Enge zu ertragen, von seinem abgebrochenen Studium, von seinem Aufenthalt in der Neurologischen der Charité, vom Abschnittsbevollmächtigten von Gegenüber, von Gisela, einer Bekannten, die sich ihm annimmt,  und von der Akteneinsicht in den „Vorgang Solist“. All diese Erinnerungen bekommt man als Leser allerdings nur als Fragmente dargeboten, zumindest habe ich es so empfunden. Abgehakte, extrem kurze Sätze, ein kalter, distanzierter Sprachstil mögen sicher zu seiner Orientierungslosigkeit passen, mir hat der Stil aber einfach nicht zugesagt. Ebenfalls Probleme haben mir die zahlreichen Zeitsprünge bereitet. Mela noch da, kurz darauf schon ein Buch im Westen veröffentlicht. Absätze hätten mir das Lesen hier vielleicht erleichtert. Das zweite Kapitel schildert aus Melas Sicht. Dieses hat mir von den dreien noch am besten gefallen. Sie berichtet davon, wie sie als uneheliches Kind auf die Welt kam, wie ihr nach der Flucht nichts so brutal gefehlt hat, wie der Osten. Was sie natürlich nicht laut sagen durfte, denn es gab ja nun Auto, täglich Bananen und Luxus. „Wer Freunde für immer verlässt, kann nie mehr froh werden.“ Dieser Satz beschreibt wohl ihre Gefühlslage sehr gut. Sie berichtet von Alpträumen und die Flucht ins Vereinsleben um sich abzulenken und sie berichtet davon, wie wichtig ihr der Wald wurde. Hier wird chronologisch berichtet, was mir leichter viel. Ich hatte auch den Eindruck, dass der Sprachstil hier nicht so gebrochen wie im ersten Teil war. Das dritte Kapitel berichtet von der Zeit in Rom. Unabhängig voneinander werden sie von den Kulturämtern als Auszeichnung für populäre Verdienste ins Haupthaus, der Villa in Rom, eingeladen. Man erfährt von der ersten zufälligen Begegnung im Garten, wie damals vor der Flucht beim Kirschklau, ertappt Thomas Falkenhain Mela Weiss hier beim verbotenen Orangenpflücken. Die beiden nähern sich langsam an. Mela wird krank, aber Falkenhain erkundet Rom für sie mit, denn er „schleppte die ewige Stadt zu ihr aufs Sofa“ indem er ihr ausführlich von den Eindrücken bei seinen Touren berichtet. Die Autorin arbeitet mit vielen Vergleichen mit der Natur. So beschreibt Mela z.B. einen Buchenbaum, dessen Stamm sich geteilt hat, sicher als Bild für die Trennung und dann „die Stämme hatten sich nach vielen Jahren Himmelsstürmerei allmählich wieder einander zugeneigt.“ wohl als Ausdruck ihrer Hoffnung.  Stellenweise konnte ich mit dieser bildhaften, poetischen Sprache etwas anfangen. Gut gefallen hat mir z.B. „Ich war nicht jeden Tag tot. Manchmal hielt mich eine steife Hülle, ein Chitinpanzer, der war gut, aber da wollte ich raus. Raus aus der Puppe. Rumpf beugen. Beine heben, Fühler ausstrecken. Endlich Käfer.“ Da wird für mich ihre Gefühlswelt deutlich klar. Weniger zugesagt haben mir solche wie „Zornig hatten sich die die aufsässigen Menschenkugeln mit ihren vier Beinen und Armen und zwei frechen Köpfen geteilt, danach die Teile auf die Erde geworfen.“  oder „Fast ein Kuss, höflich, mit gelindem Schreck. Was fällt dich an, was fällt dir ein. Stacheln am Rosenholz.“ Alles in allem hatte ich mir wesentlich mehr erzählte Geschichte, wie in einem Roman üblich, erhofft. Der eigentlich kühle, distanzierte Stil durch abgehackte, kurze Sätze, kombiniert mit dieser Anhäufung an Bildern ist leider nichts für mich.

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