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Igelmanu66

vor 2 Jahren

(193)

»Das Mädchen schien mich voller Sehnsucht erwartet zu haben, so, wie sie dort im Dunkel der Nacht an der Straße stand, eine kleine Reisetasche umklammert. Sie hatte geweint; ihr hübsches Gesicht war immer noch tränenverschmiert. Dankbar nahm sie mein Taschentuch.

Eigentlich tat sie mir leid; kurz hatte ich das Bedürfnis, ihr reichlich Geld zuzustecken und sie in der nächsten Ortschaft abzusetzen. Doch auch ich muss leben, und selten kommen sie freiwillig.«

 

Berlin, 1921. Der junge Staatsanwalt Jonathan Hansen ist jung verheiratet und hocherfreut, als man ihm den Posten des Amtsrichters in einem kleinen Städtchen an der nordfriesischen Nordseeküste anbietet. Der Karrieresprung ist derart verlockend, dass er die Tatsache, dass es keinen anderen Bewerber für diesen Posten gibt, gekonnt verdrängt.

In Broiversum angekommen, werden er und seine Frau Katharina (schön, modern und gebildet) herzlich empfangen. Schon nach kurzer Zeit sind die beiden voll ins Gemeindeleben integriert und Jonathan genießt die Anerkennung, die ihm entgegengebracht wird. Das Leben könnte schön sein, wenn es da nicht diese eigenartigen Andeutungen über einen Fluch geben würde, wenn nicht eine schwarze Kutsche durch die Stadt fahren würde, die niemand gesehen haben will und wenn nicht mit schöner Regelmäßigkeit Leichen junger Mädchen an den Strand geschwemmt würden, die alle Selbstmord begangen haben sollen… 

 

Um es gleich zu sagen: Vampirgeschichten haben es bei mir nicht leicht, schließlich zählt „Das Original“ – Bram Stoker’s Dracula - zu meinen Lieblingsbüchern. Bei diesem Buch hier lockte mich, dass es „eine schaurige Novelle aus böser, alter Zeit“ sein sollte. Ich hab mich drauf eingelassen und es nicht bereut!

 

So manche Szene rief bei mir gleich Erinnerungen wach, viele kleine Anspielungen im Text amüsierten mich sehr. Ich würde sagen, je mehr klassische Schauerromane man schon gelesen hat, umso mehr Spaß hat man mit diesem Buch. Der Ablauf der Handlung ist geradezu klassisch und beginnt mit der bewährten alten Frau, die die Reisenden warnt und ihnen ungewöhnliche Gegenstände zum Schutz gegen das Böse zusteckt.

»Sie werden noch an meine Worte denken. Kehren Sie um! Broiversum ist verflucht. Ihre Frau wird dort umkommen.«

 

Auch die Charaktere sind interessant. Jonathan und Katharina sind eigentlich modern und gebildet und neigen nicht dazu, irgendwelchen Gruselgeschichten zu glauben. Und das, obwohl ihr guter Freund, der Arzt Mies van Helsing, eine große Schwäche dafür hat! „Sein Name verpflichtet“ – und entsprechend wird er auch in dieser Geschichte eine wichtige Rolle spielen.

 

Wer Bram Stoker gelesen hat, erinnert sich an die Tagebucheinträge der Protagonisten. Nun, Tagebucheinträge gibt es auch hier – allerdings ausschließlich von einer Person, nämlich „Der Herrin“. Diese Einträge haben mir immer besonders gefallen, sie sorgten gleichzeitig für Grusel und für Nähe zur Schreiberin. Ich mag es, wenn ich Sympathie für „das Monster“ empfinden kann – schließlich ist ein Charakter doch viel interessanter, wenn er nicht nur böse oder nur gut ist. Und „Die Herrin“ war mir oft sympathisch!

»Meine Diener, völlig außer Atem, berichteten mir, was sie gehört und gesehen hatten. Weiß er wirklich fast alles? Ist er so klug, dass er, erst ein paar Tage hier, diese Stadt wirklich verstanden hat? Ich kann es mir nicht vorstellen.

Doch wenn – welch ein würdiger Gegner! Van Helsing ist sein Name. Nomen est omen.«

 

Alles ganz klassisch also? Nicht ganz, denn die Geschichte punktet zudem mit eingestreuten, witzigen Elementen. An mancher Stelle habe ich den Einfallsreichtum des Autors bewundert! Und das Ende… nun ja, da lässt man sich am besten überraschen ;-)

 

Als kleines Extra enthält das Buch stimmungsvolle Illustrationen, im Anhang die Geschichte „Bulemans Haus“ von Theodor Storm und ein paar Seiten zur Entstehungsgeschichte des Buches.

 

Fazit: Gruselig und amüsant - ein Muss für jeden Freund des klassischen Schauerromans.

 

 »Eigentlich ein hübsches kleines Städtchen … bis auf die Tatsache, dass es hier einen Vampyr gibt.«

Autor: Helmut Barz
Buch: Die Herrin

Arun

vor 2 Jahren

Du hilfst mir meine Wunschliste in die Höhe zu treiben!

Avirem

vor 2 Jahren

Schön das dir die Geschichte so gut gefallen hat.

Helmut_Barz

vor 2 Jahren

(schon wieder *rotwerd*) Dankeschön.

NiWa

vor 2 Jahren

Eindeutig ein Fall für die Wunschliste!

parden

vor 2 Jahren

Du bist ja echt begeistert von dem Buch! :)

Floh

vor 2 Jahren

das Cover ist absolut ansprechend! Deine Rezi macht mich neugierig!

Helene2014

vor 2 Jahren

Ist schon auf dem Reader und kommt als nächstes dran! Freue mich schon drauf :=)

clary999

vor 2 Jahren

auch ein Buch für meine WL :)

KruemelGizmo

vor 2 Jahren

Oh, das ist was für mich und schwubbs wieder ein Buch mehr auf meiner WL.

Leseratz_8

vor 2 Jahren

Hui, gerade noch rechtzeitig für das kostenlose eBook :-)

Cridilla

vor 2 Jahren

Klasse, sowas liebe ich ja auch, tue ich postwendend auf meine WL ! Super Rezi, die gleich Appetit drauf macht !

AmberStClair

vor 2 Jahren

Das Buch war einfach Klasse.

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