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dorli

vor 2 Jahren

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Broiversum 1921. Jonathan Hansen kehrt Berlin und seinem Posten als Staatsanwalt den Rücken und zieht gemeinsam mit seiner Frau Katharina an die Nordsee. Als neuer Amtsrichter von Broiversum will Jonathan in dem kleinen Städtchen für Recht und Ordnung sorgen. Als mit erstaunlicher Regelmäßigkeit ganz und gar ausgeblutete Leichen junger Frauen an den Strand gespült werden - angeblich Selbstmörderinnen – wird Jonathan stutzig. Er glaubt, dass hier Verbrechen vertuscht werden und macht sich daran, dem Rätsel auf die Spur zu kommen. Unterstützt wird Jonathan von seinem Freund, dem Hamburger Arzt Mies van Helsing, der eine ganz eigene Meinung zu den Vorgängen in Broiversum hat und einen Vampir unter den Bürgern vermutet…

Helmut Barz hat sich als Handlungsort ein idyllisches Fleckchen an der Nordsee ausgedacht: unweit Husum gelegen, scheint das fiktive Städtchen Broiversum ein wunderbarer, ruhiger Ort zu sein – doch diese Beschaulichkeit ist trügerisch, man bemerkt schnell, dass in Broiversum so einiges nicht stimmt. Nicht nur die zahlreichen toten Mädchen aus der Umgebung bringen Jonathan und damit auch den Leser ins Grübeln, auch beschert irgendetwas der Stadt ungewöhnlich viel Glück und Reichtum und lässt die Broiversumer bis ins hohe Alter äußerst gesund und fit bleiben.

Helmut Barz kombiniert Elemente aus klassischen Schauerromanen mit der Mentalität und den Eigenarten der nordfriesischen Küstenbewohner - eine alte, mächtige Legende, ein teuflischer Pakt, geschlossen von den Gründervätern der Stadt - trifft auf Hafenfest, Speeldeel und Boßelturnier. Heraus gekommen ist eine tolle Mischung aus Spannung, Grusel, Lokalkolorit und Humor, eine mit einem Augenzwinkern erzählte Geschichte, die mich von der ersten bis zur letzten Seite bestens unterhalten hat.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht die Herrin - eine interessante ältere Dame, deren Namen niemand kennt, die sehr zurückgezogen in einem abgelegenen Haus lebt und ab und an in einer schwarzen Kutsche unterwegs ist. Sie scheint über alles, was in Broiversum passiert, genauestens informiert zu sein, genießt bei den Bürgern hohes Ansehen, ist stets hilfsbereit und wohltätig. Merkwürdig nur, dass dennoch niemand so richtig etwas mit ihr zu tun haben will.

Auch die anderen Akteure werden von dem Autor facettereich dargestellt. Jonathan, der sein Amt sehr ernst nimmt und trotz der mysteriösen Vorgänge zu keiner Zeit an etwas Übernatürliches glaubt. Katharina, eine moderne, aufgeschlossene Frau, die sich nicht in die Handarbeits-Dorfklatsch-Rolle drängen lassen will. Mies, ein Draufgänger, der anpackt, wo Not am Mann ist und immer genau sagt, was er denkt.
In sehr unterhaltsamen Nebenrollen: ein herrlich berlinernder Husumer Polizeipräsident und der alte Hein, der stets düster gestimmt und orakelnd auftritt.
Und viele weitere Broiversumer, die zwar nicht einfach zu durchschauen sind, dafür aber dem allseits beliebten Birnen-Kartoffel-Schnaps „Puntendreher“ kräftig zusprechen.

„Die Herrin“ bleibt bis zum Schluss fesselnd. Die Handlung ist mit einigen Überraschungen und Wendungen gespickt und lässt zu keiner Zeit Langeweile aufkommen - ein spannendes, schaurig-schönes Lesevergnügen.

Autor: Helmut Barz
Buch: Die Herrin

Helmut_Barz

vor 2 Jahren

Dankeschön.

Floh

vor 2 Jahren

Ich lese zu diesem Werk wirklich begeisternde Rezensionen. Auch deine Worte zum Buch wecken mein Interesse!

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