Helmut Krausser Alles ist gut

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Inhaltsangabe zu „Alles ist gut“ von Helmut Krausser

Existiert eine 'manipulative Musik'? Dem verkannten Komponisten Marius Brandt werden Notenblätter zugespielt, die für ihn alles verändern. Doch wer hält wirklich den Taktstock in der Hand? Helmut Krausser nimmt sein großes Thema wieder auf und spinnt es weiter zu einem furiosen, selbstironischen Finale.

Marius Brandt versucht im Musikbetrieb Fuß zu fassen, doch kein Intendant eines Opernhauses zeigt Interesse an seinen neotonalen Werken, die der Gattung neue gesellschaftliche Relevanz verleihen sollen. Zunehmend frustriert, von Mordphantasien geplagt, gerät Brandt an jahrhundertealte, verschlüsselte Musikaufzeichnungen, die er nach und nach enträtselt. Teile davon baut er in eine Auftragskomposition ein, die er 'Alles ist gut' nennt. Bei der Uraufführung kommt es zu rätselhaften Schwächeanfällen im Publikum. Einer der Zuhörer stirbt sogar. Er bleibt nicht der einzige Tote. Doch niemand kommt auf den Gedanken, Brandts Musik könnte dafür verantwortlich sein. Der Komponist selbst begreift zwar, dass etwas Absonderliches in seine Welt gefunden hat, das er für seine Zwecke nutzen möchte, die Konsequenzen aber überblickt er nicht. Er wird zum Spielball dubioser Figuren, deren Absichten im Dunkel liegen.
Mit 'Alles ist gut' spinnt Helmut Krausser ein Grundmotiv seines Erfolgsromans 'Melodien' weiter - zu einem ebenso faszinierenden wie überraschenden Ende.

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  • Alles wird gut

    Alles ist gut

    rallus

    Marius Brandt ist ein verkannter und etwas heruntergekommener Komponist der alten Schule. Nachdem ihn seine Freundin verlässt steckt er in einem tiefen Tal der Leiden und des Alkohols. Zufällig wird er stolzer Besitzer von geheimnisvollen Noten, die auf den ersten Blick nichts besonderes verheißen, aber nach einem nächtlichen Einfall im Traum, kennt er plötzlich einen Weg diese Noten zu decodieren, denn der äußere Schein verbirgt ein paar außergewöhnliche Melodien. Diese baut er in eine Auftragsarbeit ein. Bei der Uraufführung erleiden drei Personen einen Herzinfarkt, bei dem einer der Personen schlussendlich zu Tode kommt. Ist seine Musik daran Schuld? Er beginnt zu forschen woher diese Noten kommen und fördert erstaunliches zu Tage. Für Marius Brandt ist Musik das Allesbeherrschende im Leben. Sogar den (vermeintlich) vorgetäuschten Orgasmus seiner neuen Freundin kann er musikalisch erklären: "Aber es waren eben nur Orgasmusbehauptungen, aus Höflichkeit oder Taktgefühl. Andere Männer hätten den Unterschied womöglich nicht bemerkt. Aber ein Komponist spürt die organische, tripelfugenartige Abfolge der komplexen Rhythmen, die Verkürzung der Metren, die Übergänge von Sechzehntelkeuchern zum Zweiunddreißigstelwinseln, dann die Klimax, verschärft von Triolen und Quintolen mit synkopierten Beckenbwegungen der Lust darunter, bis alles ins große Final mündet, in den gewaltigen Schlußakkord, von jetzt völlig wilden, unregelmäßig gesetzten Baßfiguren durchwoben.  Drüber die Fanfaren, die Blitze im Gehirn. Und das Gleiten ins Meer der Ruhe, in die lange Fermate am Ende der Triumph der Befriedigung, während ein durchgedrehtes Kontrafagott noch ein paar akustische Fähnchen der Begeisterung hißt. Die Tonqualöität war ja grade deshalb ein solcher Erfolg in der Menschheitsgeschichte, weil sich mit ihren Mitteln Sex musikalisch adäquat darstellen ließ." Das ganze Musikbusiness, gerade Intendanten sind faul, korrupt und inkompetent. Sie lassen sich verleugnen, schaffen ihre Arbeit nicht und hindern junge Musiker wie ihn daran ihre Stücke aufführen zu können und bekannt zu werden. Der erste Teil von Helmut Krausser 'Alles ist gut' (übrigens ein Fragment von Hölderlins Hyperion) ist literarisch eine Offenbarung, ein Sprühen von Adjektiven und Wortneuschaffungen. Doch bei Helmut Krausser weiß man nie so genau woran man als Leser ist. Meint der das ernst? Spielt der nur? Langsam geraten ihm mythische Dinge in sein Roman, ein Rennpferd redet mit Marius und will dass er Geld auf es setzt. Eine Stimme holt ihn vom Urlaub, zurückkommend stellt er fest, dass seine Küche fast abgebrannt wäre. Aber was sollen diese Einschübe?! Der zweite Teil wird zu einer Geschichtsstunde der Juden in Polen, wo das alte Manuskript herkommt. Plötzlich tauchen zwei 'Racheengel' auf, die Menschen mit plattgedrücktem Brustkasten hinterlassen, fast eine Hommage an 'American Gods' Herr Krausser wo soll das alles hinführen? Wo es hinführt lest selber - es macht jedenfalls einen riesigen Spass. Leider nicht auf der Shortlist gelandet, auf die Dodoliste hätte es aber dicke gelangt! Zum Weiterlesen ist das vom Autor aufgearbeitet Buch Melodien zu empfehlen, aber man kann 'Alles ist gut' auch gut ohne den Vorgänger lesen.

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  • Stark und schwach...

    Alles ist gut

    Creed

    04. September 2015 um 14:17

    Kaum ein Schriftsteller ist für mich so schwierig zu bewerten wie Helmut Krausser...auf der einen Seite steht seine unleugbare Sprachgewalt, seine Wortkreationen, wie auch hier wieder in "Alles ist gut" furios gezeigt wird. Dann sind da seine Plots, die gewiss nicht jedermanns Sache sein dürften, darauf muß man sich einlassen...auch dieser Plot hier gefällt mir sehr. Allerdings driften seine Romane anscheinend oftmals ab, für mich leider zum Negativen...in vorliegendem Buch empfinde ich zwei Drittel des Werkes als hervorragend, wunderbar formuliert und mit interessanten Zeitsprüngen in die Historie versehen. Die letzten 30-50 Seiten finde ich wiederum schwach und aufgesetzt, zumal Helmut Krausser hier eine spezielle Rolle zukommt, die ich bei Schriftstellern stets nervig und egozentrisch empfinde. Natürlich ist der Roman pure Ironie...gespickt mit Seitenhieben auf den Opernbetrieb und die Situation der E-Musik allgemein in Deutschland. Hier gelingen ihm wunderbare Anspielungen und Kritiken...leider erscheinen aber auch mitunter recht einseitige Meinungsbilder, die Krausser seinem Protagonisten in den Mund legt, wobei klar sein dürfte, dass es Kraussers eigene Meinungen sind. (Wer mal einige Interviews mit dem Autor gelesen hat, wird wissen, dass Krausser an den meisten lebenden und toten Schriftstellern kein gutes Haar läßt...von ihm selbst mal abgesehen ) Einige Passagen (ich schreibe nicht welche, da sonst Spoiler entstehen würden) empfinde ich als sehr unpassend für den gesamten Plot. Dies ist besonders schade, da die geschichtlichen Kapitel über die Herkunft dubioser Notenblätter fantastisch geschrieben und ausgedacht sind, sodaß sie vollkommen authentisch und echt wirken. Wäre Krausser auf dieser Schiene geblieben, wäre es meines Erachtens besser gewesen, aber das ist natürlich wie immer das persönliche Empfinden des einzelnen Lesers. Sehr ironisch beschreibt sich Krausser an mehreren Stellen selbst, extrem ironisch sogar...leider erscheint ein paar Seiten weiter ein Hinweis, dass "alle Figuren, alle" in diesem Roman erfunden sind, was seine eigene Ironie leider wieder relativiert. Fazit: Unbestreitbar brillant geschrieben, Krausserunkundige sollten sich aber bei dem Plot auf Überraschungen einstellen, ob man sie gut oder schlecht findet, sei dahingestellt. Für mich lautet der Gesamteindruck: Anfänglich toll, dann schwächer werdend. Es kommt wie gesagt darauf an, was man erwartet. Fairerweise sei erwähnt, dass ich sein hochgelobtes Werk "Melodien" bislang nicht gelesen habe und mir somit die eine oder andere wichtige Anspielung entgangen sein dürfte.

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  • "Alles ist gut" - oder nicht?

    Alles ist gut

    serendipity3012

    16. August 2015 um 10:00

    „Alles ist gut“ – oder nicht? Marius Brandt ist Komponist und zwar ein eher erfolgloser, der sich in der Branche gut auskennt und um seinen Stand in ihr weiß, sich und seine Ansichten verkannt sieht und Opernintendanten und Dramaturgen im ganzen Land mit sich stets wiederholenden Bitten, doch in seine Kompositionen hineinzuhören, auf die Nerven geht. Immer wieder vertrösten sie ihn, immer wieder fragt er nach, wann mit einer Beurteilung seiner Stücke zu rechnen sei. Brandt erzählt dem Leser direkt seine Geschichte, und wie er sie erzählt! „Jerzy, der polnische Hausmeister in unserem Block, ist einundachtzig Jahre alt.   Ein Hutzelhomunkel, nicht eben zwangsjackenhacke, doch eigenstartig bis skurrilst. Jedes Weibswesen, welchen Alters einerlei, spricht er mit ‚Gneidiges Froilein, wie scheen Sie sein!’ an und bezirzt/beschleimt es, als stünde sein Mittelleib noch in vollem Saft und Wuchs.“ S. 11 Dieser polnische Hausmeister ist nicht ganz unschuldig daran, dass Brandt Noten erhält, und zwar Noten, die er zunächst entschlüsseln muss, damit sich die Schönheit dieser Musik entfalten kann. Spielt man sie so, wie sie dastehen, sind sie nichts Besonderes. Schließlich baut er diese Musik in seine Kompositionen ein. Eine davon, mit dem Namen „Alles ist gut“, erklingt in einem Konzert – immerhin neben einem Stück des vom Publikum geliebten und berühmten Arvo Pärt, dessen Musik wohl eher die Zuhörer in das Konzert gelockt hat als jene von Brandt. Als Brandts Stück verklungen ist, erleiden mehrere Zuhörer Schwächeanfälle. Und dabei bleibt es nicht: Es folgen noch mehr ähnliche Vorfälle, alle betroffenen Personen haben in irgendeiner Form mit Brandt zu tun. Er selbst versteht ebenso wenig wie die Polizei, was er oder seine Komposition damit zu tun haben könnte und man verdächtigt ihn auch nicht, sondern befragt ihn eher aus Neugier und Routine. Wo diese Noten eigentlich herkommen, auch das erzählt der Roman. Er berichtet von den einzelnen Menschen, die sie immer wieder weitergaben, nimmt kurz an ihren Leben teil, verlässt sie wieder, wenn die Noten weitergereicht werden. Helmut Kraussers neuer Roman „Alles ist gut“ ist schräg, absurd gar, streckenweise sehr witzig und vor Ironie nur so sprühend. Er ist klug, enthält ebenso ernste Passagen in anderem Ton. All das fügt sich zu einem kuriosen unterhaltsamen Ganzen. Es ist köstlich, wie Krausser seinen Brandt sich selbst und die Opernlandschaft unseres Landes beschreiben lässt und ihr und ihren Akteuren einen Spiegel vorhält, sie auf die Schippe nimmt. Da ist der Dramaturg, der immer wieder freundliche E-Mails schreibt, in denen er erklärt, dass er sich Brandts Kompositionen gerne anhören möchte, in der laufenden Spielzeit aber keine Zeit dazu habe. Der sie Brandt aber auch nicht zurückgeben möchte, sondern ihn immer weiter vertröstet und hinhält, was Brandt schluckt, schlucken muss, da er keine andere Wahl hat, während die Jahre ins Land gehen. „Manch einem Leser muß man vielleicht erläutern, was ein Dramaturg am Theater eigentlich macht. Ich weiß es auch nicht so genau. Jedenfalls laufen Dramaturgen immer viel und aufgeregt herum und tun schrecklich überarbeitet, wobei sie betonen, einen 16-Stunden-Job ableisten zu müssen. Ich glaube, sie haben Angst, jemand könnte dahinter kommen, daß sie eigentlich nicht wirklich benötigt werden und tatsächlich sechzehn Stunden im Monat arbeiten. Im Endeffekt machen sie das, wofür sich der Regisseur zu fein ist (sich die Nöte und Beschwerden der Sänger anhören zum Beispiel), sie schlagen dem Intendanten mögliche Projekte vor oder schreiben Texte für das Programmheft. Oder sie beauftragen Leute, die Texte für das Programmheft schreiben. So ein Programmheft braucht, von einem Profi angefertigt, etwa einen Tag Arbeit. Der Dramaturg buckelt dafür einen Monat und schafft es dann auf den letzten Drücker.“ S.45 Brandts Dilemma dabei: Er macht sich über den Opernbetrieb lustig und ist stolz darauf, ihn zu durchschauen, steckt aber mittendrin und ist auf ihn angewiesen. „Alles ist gut“ ist ein Roman, eine Satire über den Opernbetrieb, über zarte, sich verkannt fühlende Künstlerseelen und das Leben dieses Marius Brandt. Auch die Frauen nehmen darin einen nicht unbedeutenden Platz ein. Interessant auch die Gedanken zu einer neotonalen Musik, die Brandt schreiben möchte, denn die Tonalität ist, wie Brandt anführt, nach Puccinis letzter, großer und erfolgreicher und eben tonaler Oper Turandot quasi out, verpönt, was Brandt nicht versteht: Seine Kompositionen sind neotonale Werke, und er hofft und glaubt, dass ihre Zeit wieder kommen werde, denn wer hört denn am Ende wirklich gern Zwölftonmusik? Schönberg zur Entspannung auf dem Sofa? Eben! Am Ende von Kraussers „Alles ist gut“ ist alles anders, ob nun gut, sei dahingestellt. Als 2014 Kraussers großer Roman „Melodien“ vom Autor überarbeitet neu herausgegeben wurde, hatte ich mir vorgenommen, ihn noch einmal nach der langen Zeit, die seit der ersten, begeisterten Lektüre vergangen war, zu lesen. Vielleicht hätte mich "Alles ist gut" noch ein wenig mehr gepackt, wäre "Melodien" mir präsenter gewesen, da es einen Zusammenhang zwischen den beiden Romanen gibt. Nötig ist die Kenntnis des früheren Romans aber keineswegs, ich möchte im Gegenteil dazu ermutigen, den neuen Roman auch unabhängig vom früheren zu lesen. „Alles ist gut“ hat mich von der ersten Seite bis zum sonderbaren Ende hin gepackt. Einige Szenen waren mir zu abstrus, ja, zu obszön, zu übertrieben, insgesamt aber hat Krausser mich mit seiner Geschichte voller Ironie (und auch Selbstironie) unterhalten und überzeugt. „Melodien“ steht nun auf der Wieder-zu-lesen-Liste ganz weit oben. Ob es Kraussers Satire wohl auf die Longlist des Deutschen Buchpreises schafft? Ich bin gespannt, wenn auch skeptisch, würde es ihm aber wünschen.

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