Helmut Kury

 3.7 Sterne bei 7 Bewertungen

Alle Bücher von Helmut Kury

Im Gehirn des Bösen

Im Gehirn des Bösen

 (7)
Erschienen am 12.05.2014
Rechtspsychologie

Rechtspsychologie

 (0)
Erschienen am 01.06.2012
Zur (Nicht-) Wirkung von Sanktionen

Zur (Nicht-) Wirkung von Sanktionen

 (0)
Erschienen am 26.04.2013

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Rezension zu "Im Gehirn des Bösen" von Helmut Kury

Fälle des Gerichtsgutachters
MissNorgevor 8 Monaten

Kurz zum Inhalt
(lt.Amazon.de)
Thomas’ Mörder kam, als die Eltern auf einem Bowlingabend waren. Er stieg in das Haus ein und erstach den ahnungslosen 10-Jährigen in seinem Bett. Ohne Anlass, der Junge war ein zufälliges Opfer. Kann so jemand, nach Verbüßung einer mehrjährigen Haft, wieder freigelassen werden, oder müssen wir damit rechnen, dass er wieder mordet? Das muss Professor Kury entscheiden, der in diesem wie in vielen anderen dramatischen Fällen als Gutachter auftritt. Ob der Terrorist Christian Klar, ob Sexual- oder Gewaltverbrecher: Kury muss herauszufinden versuchen, was diese Menschen zu ihren Taten bewegt. Sind es Menschen, die durch eine einzelne Begebenheit aus der Bahn geworfen wurden, oder gingen sie gezielt und planvoll vor oder aber handelten sie ohne jeden erkennbaren Anlass? Und was bedeutet das für die Wiederholungsgefahr? Kury schildert präzise und farbig die Fälle und wie er sie eingeschätzt hat. Und er stellt Fragen, die alle Bürger bewegen müssen: Sind Strafen sinnvoll? Welche Strafen? Und wer schützt Menschen, die in die Mühlen der Psychiatrie gerieten, davor, dass sie für immer weggesperrt werden? Aber auch: Wer bewahrt uns vor falschen Gutachten und deren – möglicherweise – tödlichen Folgen?

Meine Meinung
Die spektakulärsten Fälle eines Gerichtsgutachtern
Dieses Sachbuch lebt von wiederholenden Meinungen und Äußerungen des Autors, wenn auch an sich das Grundthema eigentlich sehr interessant ist. Helmut Kury erstellt Prognosen für Straftäter und ist zu einem Teil dafür verantwortlich, wann und ob die Täter überhaupt wieder auf die Bevölkerung losgelassen werden. Leider empfand ich den Schreibstil als sehr hölzern und extrem sachlich. Ich kann mir vorstellen, das es spektakulärere Fälle gibt, als die in diesem Buch beschriebenen. Im Grunde ist bei allen, hier vorgestellten Fällen der gleiche Auslöser, das Menschen zu Tätern werden, in deren Kindheit zu finden. Keiner der hier erwähnten Täter hatte eine normale, fröhliche und kindgerechte Erziehung. Die Eltern waren entweder selbst "kaputt" von Drogen und Alkohol, kümmerten sich nicht um ihren Nachwuchs oder setzten diesen so unter Erfolgsdruck das sie einfach nur zu gehorchen hatten und irgendwann ausbrachen. Man sollte sich auch klar machen, das Kury sich für Täter einsetzt und über die Opfer wird hier, wenn überhaupt, nur in der Tatbeschreibung gesprochen, was im Nachhinein aus ihnen wurde, bleibt unerwähnt und hat ja auch eigentlich nichts mit dem Hauptthema zutun. Kurz gesagt: Ein Buch über die Täter, deren Tatausübung, ihre Strafen, ihr Leben im Gefängnis, ihre Gespräche mit dem Gutacher und seine Prognose wie es in deren Leben weitergehen soll. Kann man lesen, muss man aber nicht unbedingt gelesen haben. Da gefallen mir, vom Stil und vom Ausdruck her, die Bücher von Stephan Harbort um einiges besser.

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R_Mantheys avatar

Rezension zu "Im Gehirn des Bösen" von Helmut Kury

Der Täter-Versteher
R_Mantheyvor 3 Jahren

Gerichtsgutachter wie Helmut Kury besitzen in der deutschen Öffentlichkeit keinen guten Ruf. Solche Leute entscheiden mit, ob ein Straftäter nach seiner Mindesthaft oder später zurück in die Freiheit entlassen werden kann. Schwere Straftaten kurz nach der Entlassung oder noch während vorbereitender Freigänge setzen diese Gutachter in ein schlechtes Licht. Helmut Kury beschwert sich in seinem Buch darüber, dass die deutsche Öffentlichkeit eine absolute Sicherheit wünsche, die es aber nicht geben könne. Die Entlassung eines Schwerverbrechers nach einem positiven Prognosegutachten sei ein Spiel mit Wahrscheinlichkeiten. Und das müsse man eben hinnehmen. Wirklich?

Merkwürdigerweise fällt Kury nicht auf, dass er in seinem Buch bei einer anderen Frage völlig entgegengesetzt argumentiert. Wenn es nämlich um die Todesstrafe geht, kommt er mit dem Argument, es könne schließlich auch Unschuldige treffen. Erst jüngste krasse Fehlurteile deutscher Gerichte würden schließlich zeigen, dass Irren menschlich wäre. Abgesehen davon, ob ein Todesurteil Ausdruck von Menschlichkeit ist oder nicht, kann man doch nicht auf der einen Seite absolute Sicherheit ausschließen und auf der anderen verlangen.

Mich würde übrigens auch interessieren, ob der Autor immer noch so argumentieren würde, wenn Menschen aus seinem unmittelbaren Umkreis Opfer von schweren Straftaten geworden wären. Kurys Argumentationslinie ist für viele Opfer geradezu ein Hohn. Im Grunde lehnt er sogar Freiheitsstrafen ab. Allerdings weiß er sehr genau, dass dies die seiner Ansicht nach unaufgeklärte Öffentlichkeit nicht tolerieren würde. Freiheitsstrafen würden nichts bringen und nur Geld kosten. Im Mittelalter, so Kury, wären die Strafen viel drastischer gewesen, die Kriminalitätsrate hätten sie aber auch nicht gesenkt. Unabhängig davon, dass ein solcher Vergleich völlig unsinnig ist, verkennt der Autor offenbar ein im Menschen tief verankertes Bedürfnis nach Vergeltung, dem das Strafrecht wenigstens in gewissem Maße Rechnung trägt.

Um Straftäter kümmert sich der Staat. Die Opfer oder ihre Angehörigen müssen sich selbst kümmern, auch wenn sie damit nicht fertig werden. Beschwerden über diese Schieflage nennt Kury ein gegeneinander Ausspielen von Opfern und Tätern. Auch das ist eine sehr seltsame Sichtweise. Kury argumentiert immer aus einer angeblich gesamtgesellschaftlichen Sicht. Und dabei spielen die Opfer eigentlich keine Rolle. Um den Konflikt auf den Punk zu bringen: Die Öffentlichkeit würde beispielsweise bei einem gefassten Kinderschänder immer verlangen, dass dieser lebenslang weggesperrt solle. Kury und mit ihm das deutsche Rechtssystem versuchen jedoch, solche Leute wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Und wenn es in einem solchen Fall danach zu einem Rückfall kommt, wäre das eben so etwas wie Wahrscheinlichkeitspech, auch wenn dabei ein junges Leben zerstört wird.

Dass mir dieses Buch dennoch gefallen hat, liegt allein daran, dass Kury Fälle beschreibt, die einen schaudern lassen und dabei seine Arbeitsweise mehr oder weniger offenlegt. Immerhin kann man aus diesem Text lernen, wie einer der berühmtesten Gutachter Deutschlands denkt und arbeitet. Kury versucht immer die Entwicklung von Tätern bis hin zu ihren schrecklichen Verbrechen zu verstehen. Die Öffentlichkeit, so Kury, hätte meistens keine Ahnung, wenn sie aus seiner Sicht schlimme Dinge fordert. So etwas können eigentlich nur Experten wie er entscheiden. Dass aber gerade Experten ein eingeschränktes Sichtfeld besitzen, eben weil sie immer nur auf einer Seite arbeiten (und davon leben) und dabei zwangsläufig befangen sind, kommt ihm nicht in den Sinn.

Der Text beschreibt sieben Fälle, doch in Wirklichkeit sind es einige mehr, die verkürzt zusätzlich in einigen Kapiteln dargestellt werden. Dazwischen trägt der Autor Grundsätzliches vor, beispielsweise zur Jugendkriminalität oder zur Therapie von Sexualstraftätern. Sicher sind das deutsche Strafrecht und die zum Teil unverständlich milden Strafen keine Angelegenheit, bei der es einfache Antworten gibt. Mit diesem Buch kann man eine Sichtweise kennenlernen, die zum Täter-Verständnis aufruft und behauptet das gesamtgesellschaftliche Interesse im Blick zu haben.

Meine vom Betreiber dieser Plattform geforderte Sterne-Bewertung bedeutet keineswegs, dass ich die Argumente des Autors teile, sondern lediglich, dass ich die gut geschriebene und klare Gelegenheit hatte, sie im Detail kennenzulernen.

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Flohs avatar

Rezension zu "Im Gehirn des Bösen" von Helmut Kury

Interessante Einblicke in die Arbeit eines Kriminologen und Gerichtsgutachters. Echte Fallbeispiele.
Flohvor 4 Jahren

Zu den Wurzeln des Bösen, ...und wie dieses Böse zu erkennen gilt! Für mich als Krimi und Thrillerliebhaberin stellt sich natürlich unentwegt die Frage: Woher kommt all der erschreckende und perfide Stoff aus denen diese hochspannenden und beklemmenden Bücher sind? Aber es ist nicht nur die Fiktion in den Büchern, nein, es ist leider erschreckenderweise auch das reale Leben der Menschen untereinander....In "Im Gehirn des Bösen" gibt Autor und Gerichtsgutachter Helmut Kury Einblicke in seine Arbeit und seinen gezogenen Schlüssen... Sehr informativ, erschreckend und kenntnisreich. Ein Buch, was jeder Thrillerfan, und auch jeder Interessierte gelesen haben sollte!
Erschienen im Piper-Verlag (http://www.piper.de/).

Inhalt / Beschreibung:
"Helmut Kurys Expertise ist gefragt, wenn es darum geht, ob Menschen eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellen, ob sie »weggesperrt« werden oder wieder frei sein können. Hier berichtet er über seine spektakulärsten Fälle – und wie er zu seinen Einschätzungen kommt. Thomas’ Mörder kam, als die Eltern auf einem Bowlingabend waren. Er stieg in das Haus ein und erstach den ahnungslosen 10-Jährigen in seinem Bett. Ohne Anlass, der Junge war ein zufälliges Opfer. Kann so jemand, nach Verbüßung einer mehrjährigen Haft, wieder freigelassen werden, oder müssen wir damit rechnen, dass er wieder mordet? Das muss Professor Kury entscheiden, der in diesem wie in vielen anderen dramatischen Fällen als Gutachter auftritt. Ob der Terrorist Christian Klar, ob Sexual- oder Gewaltverbrecher: Kury muss herauszufinden versuchen, was diese Menschen zu ihren Taten bewegt. Sind es Menschen, die durch eine einzelne Begebenheit aus der Bahn geworfen wurden, oder gingen sie gezielt und planvoll vor oder aber handelten sie ohne jeden erkennbaren Anlass? Und was bedeutet das für die Wiederholungsgefahr? Kury schildert präzise und farbig die Fälle und wie er sie eingeschätzt hat. Und er stellt Fragen, die alle Bürger bewegen müssen: Sind Strafen sinnvoll? Welche Strafen? Und wer schützt Menschen, die in die Mühlen der Psychiatrie gerieten, davor, dass sie für immer weggesperrt werden? Aber auch: Wer bewahrt uns vor falschen Gutachten und deren – möglicherweise – tödlichen Folgen?"

Meinung:
Dieses Buch zeigt uns Einblicke in die Arbeit eines Gerichtsgutachters, dem Professor der Psychologie und Kriminologe Helmut Kury. Sachlich, kenntnisreich, belehrend, erklärend und schonungslos gibt er Eindrücke und Puzzlestücke seiner Tätigkeit wieder. Er berichtet von der Schwierigkeit der Zurechnungsfähigkeitsbeurteilung, der Urteile, der Berichte und Gutachten und die vielen Hindernisse und Gesetze, die das Strafmaß von Verbrechern und Psychopathen erschweren. Kury schreibt sehr verständlich, nennt Beispiele und Anekdoten. Erklärt, präsentiert und informiert. Der Leser ist erschrocken, wie facettenreich, weiträumig und beeinflusst seine Arbeit ist. Einige reale Fälle werden hier veranschaulicht und lassen den Leser stark nachdenken. Auch der Blick in die Motivationen, die Einblicke in das kranke Hirn, die Einflüsse und Botenstoffe....sehr sehr spannend. Ein MUSS für alle Hobbypsychologen, Thrillerleser, Thrillerautoren und Interessierten. Ein Buch, welches gelesen werden sollte. In Sachbuchart, aber ohne belehrend oder mit Fingerzeig zu erscheinen. Ich bewundere die Art, wie der Autor hier seine gezogenen Schlüsse und Erlebtes wiedergibt. Mit Ruhe und Bedacht schildert er die Fakten und lässt Sinnieren. Geschichte, Politik, Psychologie und Wirtschaft. Schnell lässt sich erkennen, dass hier mehrere Faktoren Einfluss auf das Strafrecht haben. Was muss beachtet werden, um das Böse zu begutachten? Was ist das Böse überhaupt? Wer ist das Böse? Wo sind die Grenzen und Abgrenzungen? Ein schwerer Job, mit großer Verantwortung. Hier gibt es keine Schuld oder Unschuld, hier gibt es Fakten die eluiert werden müssen.  Oder ist es so: Die Medien geben es vor, die Vorgeschädigten tun es dem nach. Welche Einflüsse haben Gewalt im Umfeld und in der medialen Beschallung? Oder gabe es das Böse schon in der Geschichte und in unseren Urinstinkten? Hier berichtet der Autor von seinen Erfahrungen und Kenntnissen, aber er berichtet nicht allein, denn Autor Helmut Kury lässt die Betroffenen, die Angehörigen, die Rechtssprechung, die Gesetze und die Gutachten anderer und die Fälle selbst sprechen. Sehr sehr bewegende, einleuchtende und erhellende und auch beklemmende Fallbeispiele werden hier verarbeitet. Offen, ehrlich und schonungslos erläutert der Autor Kury hier die Fakten, den Ist-Zustand, die Moral und die Möglichkeiten, aber auch die Schwierigkeiten, Versäumnisse und Tücken der Regierung und der Lobby. Der Autor durchkämmt das gesamte Spektrum, welches das Thema mit sich bringt und zeigt Erfahrung und Wissen. Der Leser hat die Möglichkeit zu verstehen, und seinen Blickwinkel zu verstellen. Aber kann man das Böse wirklich verstehen? Pluspunkt ist, dass der Autor nicht in üblicher Sachbuchmanier informiert, sondern überwiegend seinen Alltag sprechen lässt.

Zwischenzeitlich habe ich mich gefragt, auf welchem innerlichen Widerstand der Autor wohl gestoßen sein mag, als er die Realität zu Papier brachte. Und ob der Autor je Zweifel oder Ängste an und mit seinem Werk hatte, denn schließlich ist auch ein Autor ein Parabelbeispiel für den Umgang mit dem Gelesenen. Ich frage mich, wie der Autor mit seinen Entscheidungen und Gutachten in Harmonie kommt. Ob man nicht irgendwann daran zerbricht? 

Großes Lob geht aber auch an die Idee, die Sicht aus unterschiedlichen Ebenen und Hierarchien darzustellen. Ich bin sehr informiert und wurde sehr intensiv mit dem Thema Psychologie und Anormalitäten allgemein vertraut gemacht. Ein Umdenken und eine neue Sicht der Dinge wird dem Leser hier geboten. Ein schonungsloses "Draufstoßen", was aber auch Mut und Zuversicht gibt, dass man sicher sein kann, dass unser Rechtsstaat funktioniert und nicht nur aus Intuition agiert. Hier werden Profis zu Rate gezogen, und das ist gut so!

Das Cover:
Das gewählte Cover passt zum Gesamtkomzept. Das Profil eines Professors (Helmut Kury), in roter mahnender und drohender Schrift der Titel. Sehr hochwertige Verarbeitung, tolle Gliederung und harmonisches Schriftbild. Rundum gelungen.

Der Autor:
"Helmut Kury, geboren 1941, ist ein deutscher Psychologe und Kriminologe. Kury wurde 1974 an der Universität Freiburg promoviert und habilitierte sich 1984 ebendort. Er war erster Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen und anschließend Professor für forensische Psychologie in Freiburg sowie am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht tätig. Einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde er als Gutachter im Zusammenhang mit der vorzeitigen Begnadigung von Christian Klar."

Fazit:
Kenntnisreich, informativ und sehr facettenreich dargestellt. Eine absolute Leseempfehlung für jenige, die sich mit dem Thema Kriminologie und Gerichtsgutachten befassen möchten, die sich Fragen woraus der Stoff für perfide Thriller gemacht ist, und die Einblicke in die spannende Arbeit eines Gutachters haben.

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