Helmut Oehring Mit anderen Augen

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Inhaltsangabe zu „Mit anderen Augen“ von Helmut Oehring

Vom Kind gehörloser Eltern zum erfolgreichen Komponisten Vom ahnungslosen Autodidakten, der nie eine Uni von innen gesehen hat, zum Meisterschüler und Akademie-Mitglied. Vom DDR-Wehrdienstverweigerer zum politischen Künstler. Vom Kind gehörloser Eltern zu einem der erfolgreichsten und eigenwilligsten Komponisten heutiger Musik. Helmut Oehring erzählt seine Geschichte, bei der man aus dem Lachen, Weinen und Staunen nicht herauskommt. Ein Buch voller Poesie, Härte und Zärtlichkeit. Kraftvoll, mitreißend und direkt. Helmut Oehring ist hörendes und sprechendes Kind gehörloser Eltern. Erst mit vier Jahren kommt er mit der Welt der Hörenden in Kontakt – eine fremde und meist feindselige Welt. Er ist Ohr und Stimme seiner Eltern, Übersetzer zweier Welten. Doch dann entdeckt er etwas, das ganz ihm gehören wird: die Musik. Helmut Oehring erzählt die Geschichte einer kaum zu glaubenden Selbstbefreiung. Er erzählt, wie er als gelernter Autobahnbauer beginnt, sich Notenschrift beizubringen und ein Streichquartett komponiert. Wie er aus einem Nachwende-Tief von selbstverursachter Obdachlosigkeit und Drogensucht herausfindet. Wie sein gehörloser Bruder mehrfache Republikflucht begeht, angeschossen wird, ins Gefängnis kommt und dann später im Westen von einem Auto überfahren wird. Oder wie die Schulleitung den jungen Oehring ins Heim schicken will, weil er von der Volkspolizei erwischt wurde, wie er aus verzweifelter Wut mit dem Luftgewehr vom Balkon auf Autos, Tiere und Menschen schießt. Die Schulleitung bestellt die Eltern ein. Der Junge muss übersetzen … Helmut Oehring ist vom völligen Autodidakten zu einem der originellsten gegenwärtigen Komponisten geworden. Aber auch der Sprache entlockt er mitreißende Klangbilder aus Wut, Lust und Zärtlichkeit; er verführt den Leser mit einer Poesie zwischen Bordsteinkante, Rock und Oper, mit den fragilen Bewegungsabläufen der Kampftechnik Mike Tysons und mit den irritierenden Schönheiten des lautlosen Sprechens.

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  • Rezension zu "Mit anderen Augen" von Helmut Oehring

    Mit anderen Augen
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    13. September 2011 um 13:48

    Urtalent Dass so manches, ganz existentielles nicht erlernbar ist, dass sich ein innewohnendes Talent auch gegen alle umweltbedingten Schwierigkeiten unter ungünstigsten Voraussetzungen Bahn zu brechen versteht, davon kündet die Autobiographie von Helmut Oehring. Den unausgeschmückten, nüchternen Fakten nach ist Oehring Künstler, Komponist und erfolgreich. Die Welt der Musik ist seine Welt. Und das als Kind gehörloser Eltern, der erst im 4. Lebensjahr in Kontakt mit der „hörenden und sprechenden“ Welt geriet. Ein Kontakt, der in den Anfangszeiten nicht besonders konstruktiv im Raume stand. Einer, der gegen alle Widerstände und Umstände seinen beachtenswerten Weg gefunden und beschritten hat. Menschlich mutig beschritten hat, denn wer in der damaligen DDR offen den Militärdienst verweigert, der hat Rückrat. Die entsprechenden Seiten im Buch lassen diese unbeugsame Seite an Oehring, diese durchaus auch ihm innewohnende Härte, deutlich durchscheinen. Handzahm und Harmonisch, dass ist nicht sein naturell und das mag den ein oder anderen auf Ruhe bedachten Zeitgenossen durchaus zunächst unangenehm angehen. Aber im Verlauf dieser außerordentlichen Lebensgeschichte wird deutlich, dass zur Entfaltung eines Urtalents, wie es Oehring gegeben ist und zur Entfaltung des eigenen Weges bei all den Widerständen und ungünstigen Voraussetzungen, die im Raume stehen, eine starke Konsequenz und auch eine Härte braucht, um solche einen Weg gehen zu können. Da, wo sich für den damals 12jährigen das „heilige Ritual“, die tiefe Sucht, ausbreitete, damals noch aufnehmend und mitsingend vor Ilja Richters „Disco“. Oder die erste „Oper“, Bohemian Rhapsody, an welcher der junge Oehring erlebte (und erlernte), die musikalische Kraft effektiv planmäßig einzusetzen (zu bändigen).. Wie hoch die Begabung des Künstlers vorlag, lässt sich allein schon daran ersehen, dass Oehring reine Autodidakt ist, zumindest in den prägenden und entscheidenden, musikalischen Entwicklungsjahren. („Ich bin kein Freund von Theorie, ich komme vom Bau!“). So ist verständlich, wenn Oehring formuliert: „Für mich sind alle großen Musiker wie die großen Boxer, sie reagieren instinktiv“. Und das heißt direkt, kraftvoll aus dem inneren Fundus schöpfen. In klarer, direkter, durchaus in Teilen auch harter Sprache, ohne eigene Abstürze zu beschönigen („Kotzen“ hat durchaus seine Bedeutung in einer der Phasen Oehringers und er beschreibt dies durchaus plakativ), bietet das Buch ein pulsierenden, lebendiges Bild der Lebensgeschichte Oehrings. Ein Bild, dass nicht nur eine äußere Karriere nachzeichnet, sondern einen intensiven Blick auf die inneren Empfindungen, die innere Entfaltung des Talents gegen Widerstände vor Augen legt und ebenso den unbeugsamen, stur seinen Weg verfolgenden Mann portraitiert. Hinein in die „hörende und sprechende Welt der Musik“ und doch lange noch innerlich in Gebärdensprache denkend. Einer, für den auch jetzt noch die Reime Rio Reisers gelten, die Oehring nicht ohne Grund zum Schluss des Buches hin zitiert: „Zauberland ist abgebrannt und brennt noch irgendwo, Zauberland ist abgebrannt und brennt noch lichterloh“. Für das innere „Zauberland“ Oehrings gilt es durchaus noch, das lichterlohe Feuer. Spannend, direkt, energiegeladen und manches mal nicht einfach zu nehmen legt Helmut Oering eine höchst lebendige und intensiv erzählte Biographie vor, die das Lesen lohnt.

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