Helmut Ortner

 3,8 Sterne bei 9 Bewertungen
Autor von Der Hinrichter, Gnadenlos deutsch und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Helmut Ortner ist ein deutscher Journalist, freier Autor und Sozialpädagoge. Nach der Schule absolviert er eine Schriftsetzer-Lehre und studiert an der Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main. Nach seinem Zivildienst wechselt er an die Fachhochschule Darmstadt, wo er sein Studium als Diplom-Sozialpädagoge abschließt. Passend zu seiner Abschlussarbeit "Gefängnis und Familie" folgen zahlreiche Veröffentlichungen und Sozialprojekte zum Thema Gefängnis. Anschließend bewegt sich Helmut Ortner eher in den journalistischen Bereich und wird schließlich Chefredakteur zweier Zeitschriften. Er arbeitet folglich an den Relaunchs und Neugestaltungen verschiedener Magazine und wird für seine Arbeit vielfach ausgezeichnet. Seit 1978 veröffentlich er außerdem zahlreiche Bücher, die auch international Erfolg feiern. Helmut Ortner wohnt in Darmstadt und arbeitet in Frankfurt-Sachsenhausen.

Alle Bücher von Helmut Ortner

Cover des Buches Der Hinrichter (ISBN: 9783939816218)

Der Hinrichter

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Erschienen am 24.09.2014
Cover des Buches Der Zorn (ISBN: 9783866741768)

Der Zorn

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Erschienen am 28.09.2012
Cover des Buches Volk im Wahn (ISBN: 9783949774041)

Volk im Wahn

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Erschienen am 04.04.2022
Cover des Buches Wenn der Staat tötet (ISBN: 9783806235975)

Wenn der Staat tötet

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Erschienen am 01.07.2017
Cover des Buches Sacco und Vanzetti (ISBN: 9783866741508)

Sacco und Vanzetti

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Erschienen am 01.08.2011
Cover des Buches Das Buch vom Töten (ISBN: 9783866742277)

Das Buch vom Töten

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Erschienen am 05.10.2013
Cover des Buches Das klerikale Kartell (ISBN: 9783939816959)

Das klerikale Kartell

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Erschienen am 01.03.2024
Cover des Buches Der Attentäter Georg Elser (ISBN: 9783866742246)

Der Attentäter Georg Elser

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Erschienen am 01.03.2013

Neue Rezensionen zu Helmut Ortner

Cover des Buches Volk im Wahn (ISBN: 9783949774041)

Rezension zu "Volk im Wahn" von Helmut Ortner

Demokratie und Menschenrechte sind fragil.
Ein LovelyBooks-Nutzervor 8 Monaten

Lange galt in Deutschland das Diktum „Nie wieder!“ in der Nachfolge der Verbrechen des Zweiten Weltkrieges. Dabei ist „Nie wieder!“ nur die verkürzte Parole von „Nie wieder Krieg!“ oder „Nie wieder Auschwitz!“. Wobei letzteres ebenfalls die Parolisierung eines viel weitreichenderen Sinnzusammenhanges ist. In Erziehung nach Auschwitz schrieb Theodor Wiesengrund Adorno: „Jede Debatte über Erziehungsideale ist nichtig und gleichgültig diesem einen gegenüber, daß Auschwitz nicht sich wiederhole. Es war die Barbarei, gegen die alle Erziehung geht. Man spricht vom drohenden Rückfall in die Barbarei. Aber er droht nicht, sondern Auschwitz war er; Barbarei besteht fort, solange die Bedingungen, die jenen Rückfall zeitigten, wesentlich fortdauern. Das ist das ganze Grauen.“ Man kann den Satz „Barbarei besteht fort, solange die Bedingungen, die jenen Rückfall zeitigten, wesentlich fortdauern“ gar nicht oft genug wiederholen.

Es ist eine universelle Sentenz! Was für den konkreten Fall Deutschland gilt, gilt für alle Zivilisationsbrüche, für alle Barbareien zu denen Menschen fähig sind. Gerade jetzt, während Russland einen faschistischen Angriffs- und Vernichtungskrieg gegen die Ukraine führt, ist es elementar sich dessen bewusst zu sein. Und zwar ohne in projektive Abwehr zu verfallen. Zumal ein nicht geringer Teil der Deutschen auch jetzt wieder ein Volk im Wahn ist. Verschwörungserzählungen, Antisemitismus, autoritäre Ideologien aber auch Gewalthandlungen finden (wieder) Eingang in breite Teile der Bevölkerung. Helmut Ortner Essayband „Volk im Wahn. Hitlers Deutsche oder Die Gegenwart der Vergangenheit. Dreizehn Erkundungen.“ Widmet sich den Kontinuitäten der nationalsozialistischen Vergangenheit und liefert damit unter anderem einen Erklärungshinweis, warum auch heute wieder menschenfeindliche Ideen so schnell Anknüpfungspunkte in der Bevölkerung finden.

Land ohne Täter

Mit der Stunde Null gab es in Deutschland plötzlich keine Täter mehr. Jede*r wollte von Nichts gewusst haben. Oder man war nur Befehlsempfänger oder gar im (inneren) Widerstand. Die Deutschen verführt von einer kleinen faschistischen Clique personifiziert in Hitler. Der war’s. Wir nicht. Was heute unfassbar klingt, war nach Kriegsende normal und hat tatsächlich auch weitestgehend funktioniert. Kollektive Amnesie, um zur kollektiven Amnestie zu kommen. Selbst im Angesicht der unvorstellbarsten und grausamsten Verbrechen haben es unzählige Deutsche geschafft, sich dermaßen selbst zu belügen, dass sie sich für Opfer des Krieges gehalten haben. Man selbst könne ja nicht böse sein. Nicht einmal die direkten Täter, haben sich schuldig gefühlt, wie man in der schon fast in Vergessenheit geraten großartigen Dokumentation „Drei Deutsche Mörder. Aufzeichnungen über die Banalität des Bösen“ oder noch frappanter in der genialen Dokumentation „The Memory of Justice – Nicht schuldig?“ von Marcel Ophüls sehen kann. Die Täter-Opfer-Umkehr hat eine lange deutsche Tradition.

Zwar hat Deutschland seine Geschichte beispiellos aufgearbeitet, dies bedurfte aber allem voran der sogenannten 68er Generation, die sich nicht mit den Standardfloskeln der Täter*innengeneration abfinden wollte. Die Aufarbeitung konnte häufig nur gegen extreme Widerstände durchgeführt werden und vieles blieb auch weiterhin im Dunkeln. Geschützt, gedeckt und verheimlich von den alten Tätern. Gerade die deutsche Justiz wies eine erschütternde Kontinuität auf, die aber nie gerichtet wurde. Wer hätte dies auch tun können? Alte Kameraden und ideologische Volksgenossen hatten kein Interesse sich gegenseitig zu verurteilen. Rühmliche Ausnahmen wie Fritz Bauer, konnten kaum das gesamte deutsche Justizwesen im Alleingang aufarbeiten und entnazifizieren. In den letzten Jahren, jetzt wo keine Täter mehr leben, wird auch zunehmend die Justiz ins Visier genommen. Auch Ortner legt den Fokus auf die Verbrecher in Roben, die ihre Hände in Unschuld wuschen mit der zynischen Aussage: „Was damals Recht gewesen sei, könne heute nicht Unrecht sein“.

„Wir waren Hitlers Opfer“

Man muss sich die Zahlen vor Augen führen. Für die grausamen Verbrechen des Nationalsozialismus, für Kriegsverbrechen, Massenhinrichtungen, den Holocaust, Menschenversuchen und millionenfachem Tod und Leid wurden in Deutschland nach 1945 gerade einmal 6.656 Personen verurteilt. Die meisten davon erhielten Haftstrafen von bis zu einem Jahr. Ein Krieg und Völkermord ohne Täter. Auch eine deutsche Spezialität. Bundesrichter, Ministerialbeamte, Kanzleramtssekretär und sogar Ministerpräsident konnte man im entnazifizierten Deutschland werden, obwohl man dem Nationalsozialismus treu gedient hatte und sogar Todesurteile zu verantworten hatte, Massenmord beging oder gar an der Endlösung der Judenfrage beteiligt war. Nicht nur der Tod ist ein Meister aus Deutschland, auch Verleugnung und Verharmlosung suchen ihresgleichen.

Die Justiz sprach sich selber aller Schuld frei. Selbst der Volksgerichtshof, ein Terrorinstrument des Nationalsozialismus, sollte sich der Aufarbeitung und Verurteilung entziehen. Helmut Ortners Sammlung ist vielleicht nicht innovativ oder erzählt in Gänze nicht viel Neues und dennoch ist sie fundamental wichtig und immer wieder erschütternd. Die Zusammenschau der Ungerechtigkeiten und Kontinuitäten zeigt ein katastrophales Bild der deutschen Geschichte und insbesondere der deutschen Rechtsprechung. Dabei sind die Auswüchse nicht einfach in der längst vergangenen Nazizeit zu finden. Noch 1988 diskutierte man (und auch heute dürfte es dazu keine eindeutige Meinung geben), ob Wehrmachtsdeserteure Vaterlandsverräter seien oder ihnen ein Denkmal gesetzt werden solle. Demokratie und Menschenrechte sind fragil. Auch und gerade in Deutschland. Helmut Ortners Buch ist Warnung und Mahnung. Und kommt gerade zur rechten Zeit!

Cover des Buches Der Zorn (ISBN: 9783866741768)
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Rezension zu "Der Zorn" von Helmut Ortner

Rezension zu "Der Zorn" von Helmut Ortner
HeikeGvor 12 Jahren

"Zorn macht langweilige Menschen geistreich." (F. Bacon) oder Von der Freiheit, sich zu erzürnen
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"Tief liegen die Quellen des Lebens. Man muss hinabsteigen, weit hinab in die düstere Seelenhöhle, um ihr Gurgeln zu hören. Dort, in der schützenden Dunkelheit des Vergessens, wo das Urgestein des Daseins noch flüssig ist, angereichert mit wilden Instinkten und den giftigen Gasen der Verdrängungen, dort köchelt die Lebensmaterie leise vor sich hin. An den Anfang seiner Existenz gelangt der Mensch nur, indem er die Schichten abträgt, die ihn geformt haben. Aber selbst, wenn der Schleier aller künstlichen Gestalten fortgerissen ist, in diesem reinen Raum des Ursprungs, bleibt vieles verborgen. Denn der Blick findet keinen Halt. Er wird aufgesogen von einer glühenden, wabernden Masse, die jederzeit bereit ist, sich nach außen und oben zu ergießen und die seltsamsten Verkrustungen zu bilden. Der Anfang ist unbestimmt - soll man ihn unergründlich nennen?"
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So beginnt einer der zwölf großartigen Essays in dem vorliegenden Buch, die sich allesamt um eine dieser glühend-wabernden Essenzen drehen: den Zorn. Hier hat sich der erste Philosoph unter den Sportreportern - Jürgen Werner - über das "siedende Gemüts-Magma" Gedanken gemacht, das von Zeit zu Zeit aus uns hervorzuquellen droht und dessen explosionsartige Entladung wir auch unter Einsatz all unserer Willenskraft nicht immer verhindern können. Seine elf Kolleginnen und Kollegen stehen ihm an Eloquenz, Emotionalität, Produktivität, aber vor allem Facetten- und Ideenreichtum in nichts nach. Psychologische, politische, sozialwissenschaftliche, kulturelle und moralische Aspekte flechten die Autoren ganz und gar subjektiv in ihre Aufsätze ein und setzen diese zueinander in Beziehung. Doch auch wenn Fokus und Duktus der Texte unterschiedlich ist und sie den Zorn aus völlig konträren Gesichtspunkten betrachten, so haben alle einen gemeinsamen Grundton: die Rehabilitierung des antiquierten Zornbegriffs und dessen Befreiung vom Makel des Destruktiven. Hier wird er nicht verteufelt oder stigmatisiert, sondern seine produktive Seite sichtbar gemacht.
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"Zorn ist ein komplexes und manchmal auch ein widersprüchliches Phänomen, das sich aus den unterschiedlichsten Quellen speist.", stellt der Herausgeber in seinem Eingangsessay fest. Aristoteles zählte ihn zu seinen elf Grundgefühlen. In der christlichen Theologie hingegen gehörte er zu den sieben Todsünden. "Den Zorn des Achill" möge die Göttin Pallas Athene besingen, ruft Homer bereits in der ersten Zeile seiner "Ilias". Francis Bacon wiederum beschreibt den Zorn als eine Charakterschwäche, von der hauptsächlich "Kinder, Weiber, Greise, Kranke" beherrscht seien. Seneca, einer der großen Philosophen des alten Roms, bläst in ein ähnliches Horn. Auch er betrachtete diesen Gemütszustand als "eine Störung" bei Frauen und kleinen Kindern. Wann ist er blind und zerstörerisch? Wann ist Zorn am Platz, wann nicht?, fragt sich der Literaturredakteur des Focus Uwe Wittstock. Wann ist Zorn ein gerechter und wie verhält es sich mit dem heiligen? Dieser Frage, nein, gar der ganzen jüdisch-christlichen Geschichte geht Christian Nürnberger in seinem exzellenten Beitrag "Weihe eines Zornigen - und die weltgeschichtlichen Folgen" nach, bevor schlussendlich ein aktuelles Nachwort - verfasst zwischen 1571 und 1580 von Michel de Montaigne - das großartige, sehr empfehlenswerte Buch beschließt.
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Fazit: Deutscher Wutbürger, Bürgerzorn, Zorn und Ehre oder der Zorn der Zeit: derlei Furor hat keine gutes Image. Alle Autorinnen und Autoren in diesem Band vertreten jedoch die feste Meinung, das gesellschaftliche und soziale Veränderungen durchaus ein gewisses Maß an Zorn brauchen, denn "vom 'widerständigen Menschen', so Helmut Ortner, "lebt die Zivilgesellschaft. Zorn ist Energie, und Energie braucht es, um Dinge zu verändern." Zornig werden, heißt, beteiligt sein, hat auch John Osborne im Vorwort zu seinem Theaterstück "Blick zurück im Zorn" treffend festgestellt. Oder um es abschließend noch einmal in die Worte Jürgen Werners zu kleiden: "Das Leben ist allemal stärker als das, was wir für das Leben halten. Es irrt, wer glaubt, wir tanzten auf einem Vulkan: Wir sind einer."

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Zusätzliche Informationen

Helmut Ortner wurde am 01. Januar 1950 in Gendorf (Deutschland) geboren.

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