Helmut Pöll Die Elefanten meines Bruders

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Inhaltsangabe zu „Die Elefanten meines Bruders“ von Helmut Pöll

Billy Hoffmann ist elf und findet es doof, dass zwischen seinem Vor- und Nachnamen kein „Tiee“ steht wie bei einem Amerikaner. „Tiee“ stünde für Trevor oder Timothy, was ziemlich cool wäre. Sein größter Wunsch ist es, mit seinem großen Bruder Phillipp in den Zirkus zu den Elefanten zu gehen. „Wir wollten ganz vorne sitzen. Wir sind aber nicht in den Zirkus gekommen, weil Phillipp an dem Abend tot gefahren worden ist und meine Mutter ihn die Böschung hochgetragen hat und jetzt keine Mäntel mehr anziehen kann. Wegen dem Blut eben, an das sie sich immer erinnert.“ Das ist vier Jahre her. Seine und Phillipps Zirkuskarten hat Billy immer noch und hütet sie wie einen Schatz. Er leidet an an ADHS. Aufmerksamkeitsdefizithyperaktivitätssyndrom. „Das habe ich aber gar nicht“, sagt er. „Ich habe nur viel Energie. Soviel wie ein Fusionsreaktor. Und Kindern mit ADHS darf man nichts tun.“ Deshalb rennt er auch zwanzigmal um die Säule vor der Tiefgarageneinfahrt, bis seine Mutter das Auto geholt hat - und muß zwanzigmal in anderer Richtung zurückrennen, bevor er einsteigen kann, damit die Energie im Universum nicht ins Ungleichgewicht gerät. Die Welt der Erwachsenen erlebt er als willkürlich, scheinheilig und zutiefst verstörend. Auf keinen Fall erstrebenswert. Von Beruf will er später mal Spaziergänger werden, vielleicht auch Raumkreuzer-Kommandant. Er versteht nicht, warum er in der Schule ausrechnen soll, wie viel Benzin ein Auto für „soundsoviel Kilometer“ braucht, wenn er doch sowieso nur U-Bahn fährt oder sich später mal ins Raumschiff hochbeamen lässt. Sein Rüstzeug für den Umgang mit der Realität bezieht Billy hauptsächlich aus Filmen, die er mit seiner Schulfreundin Mona fast pausenlos sieht. Er ist eine wandelnde Filmdatenbank und antwortet auf die Fragen von Erwachsenen wenn möglich mit Filmzitaten seiner Helden. Das gibt ihm Sicherheit. Aber so verschwimmen Fiktion und Wirklichkeit immer mehr miteinander.

So authentisch, so ernst und auch auf subtile Weise sehr gesellschaftskritisch - und doch mit einem sehr liebenswerten Humor gewürzt. Top!

— Alexandra_vom_Buecherkaffee
Alexandra_vom_Buecherkaffee
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  • Über einen ganz besonderen Jungen....

    Die Elefanten meines Bruders
    renie

    renie

    16. March 2016 um 19:25

    Helmut Pöll hat mit "Die Elefanten meines Bruders" einen Roman geschrieben, der einen berührenden Einblick in die Seele eines Kindes gewährt, das zuviel Energie hat.Der 11-jährige Billy Hoffmann hat von vielem zuviel: zuviel Energie, zuviel Fantasie, zuviele Fragen. Er ist ein anstrengendes Kind - wie viele Erwachsene meinen. Und er leidet an ADHS... nicht, weil heutzutage viel zu schnell und leichtfertig ADHS diagnostiziert wird. Nein, Billy leidet wirklich an dem Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätssyndrom. Worum geht es in diesem Roman?Billy Hoffmann ist elf und findet es doof, dass zwischen seinem Vor- und Nachnamen kein „Tiee“ steht wie bei einem Amerikaner. „Tiee“ stünde für Trevor oder Timothy, was ziemlich cool wäre.Sein größter Wunsch ist es, mit seinem großen Bruder Phillipp in den Zirkus zu den Elefanten zu gehen. Das kann er aber nicht, weil der Bruder am Vorabend der Vorstellung überfahren wird....Die Elefanten meines Bruders - Ein Roman über ADHS und einen Zirkusbesuch, der nie stattgefunden hat. (Klappentext)  Billy hat von vielem zuviel. Aber etwas fehlt ihm gewaltig: sein Bruder Phillipp. Im Alter von 6 Jahren musste Billy miterleben, wie sein älterer Bruder bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam. Der Tod von Phillipp hat eine riesige Lücke in seinem bisher kurzen Leben hinterlassen. Heute, 4 Jahre später, hat sich Billys Seele immer noch nicht von dem Verlust erholt. Phillipp fehlt ihm, genauso wie die Elefanten, die die beiden im Zirkus besuchen wollten.  "Aber vielleicht ist es auch so, dass man einmal im Himmel das wird, was man sich ganz fest wünscht. Wenn ich als Opa sterbe, dann wünsche ich mir, dass ich im Himmel wieder ein kleiner Junge bin. Dann suche ich Phillipp, zeige ihm unsere beiden Eintrittskarten, die ich natürlich bis dahin aufhebe, und gehe endlich mit ihm in den Zirkus." (S. 27) Zum Glück ist da Mona, Billys Schulkameradin und beste Freundin. Mit ihr kann Billy über alles sprechen. Ihr schüttet er seine Seele aus, sie versteht ihn. Sie können miteinander lachen, sie können miteinander weinen. Sie bilden ein Gespann, das unzertrennlich ist. Beide sind sich einig: Erwachsene sind merkwürdig, kompliziert und unlogisch. Erwachsene nehmen Kinder nicht ernst und verwenden häufig eigenartige Ausdrücke wie "Jemandem einen Bären aufbinden". Und wenn die Kinder dann versuchen, diese Ausdrücke in die Tat umzusetzen, reagieren die Erwachsenen mit Überheblichkeit, Unverständnis oder verlegenem Lachen, so auch in diesem Fall, als Billy sich einen Stoffbären auf den Rücken bindet und damit durch die Wohnung rennt. "Man darf nicht lügen und man darf nicht berechnend sein. Jedenfalls dürfen Kinder das nicht. Später sieht es anders aus. Wenn man arbeitet, dann darf man auch nicht lügen. Aber wer gar nicht lügt und gar nicht berechnend ist, den beißen die Hunde. Das sagt mein Vater manchmal." (S. 137) Die Fantasie von Billy ist grenzenlos. Er hängt viel vor dem Fernseher. Seine Helden sind Action- und Krimifiguren. Und dann ist da noch "Star Wars". Die Weltraumsaga hat es ihm angetan. Hier holt er sich Inspirationen für seinen Alltag. Seine Fantasie bewirkt, dass er die Filmwelt in seine Gedankenwelt einfließen lässt - sehr zum Unwillen seiner Eltern, die oft überfordert sind, wenn er mal wieder mit dem Todesstern in der Hand, schreiend durch die Wohnung rast.Dies ist für ihn u. a. eine Möglichkeit, seiner Energie ein Ventil zu geben, oder, wie er so schön sagt "seinen Fusionsreaktor" vor dem Explodieren zu bewahren.Billy ist aber auch ein Schlitzohr. Natürlich leidet er unter den Energie- und Panikattacken. Aber genauso ist er auch in der Lage, seine "Anfälle" genau dann zu bekommen oder so zu tun, als ob, wenn es die Situation erforderlich macht - also dann, wenn Ärger droht und es brenzlig für ihn werden könnte. Der Autor Helmut Pöll hat die Geschichte aus der Sicht von Billy geschrieben. Dabei ist es ihm gelungen, sich auf die Sprache eines 11-Jährigen einzulassen - manchmal altklug, manchmal naiv und immer herzerfrischend ehrlich. Die Logik von Billy ist verblüffend. Und oft stellt man als Leser fest, wie kompliziert die Denkweise von Erwachsenen doch sein kann. Das Leben könnte so einfach sein, wenn man sich ab und zu darauf einlassen würde, die Welt durch die Augen eines Kindes zu betrachten. "Ein Dilemma ist, wenn man sich für was entscheiden muss, aber beides kacke ist." (S. 142) Helmut Pöll schafft es, sich in die ADHS-gebeutelte Seele eines Kindes hineinzuversetzen und die Gedanken dieses Kindes absolut authentisch wiederzugeben. Dies geschieht mit einem Humor, der teilweise zum Brüllen komisch ist. Oft habe ich mich gefragt, wie Helmut Pöll nur auf solche Ideen kommt. Er lässt Billy Sätze von sich geben, die einfach nur originell sind. Trotzdem wirkt Billys Geschichte nie klamaukhaft. Helmut setzt den Humor nur dann ein, wenn es Billys Gefühlslage zulässt. Es gibt Situationen, in denen die Verletzlichkeit von Billys Seele zum Vorschein kommt. Denen begegnet Helmut mit viel Respekt und Einfühlungsvermögen. Fazit:Die Geschichte von Billy hat mich berührt, aber auch zum Lachen gebracht. Ich kann sie nur jedem empfehlen, der Kinder hat und manchmal an diesen verzweifelt (also allen Eltern! ;-))Ich könnte mich ärgern, dass ich dieses Buch nicht schon früher gelesen habe. Mal sehen, wahrscheinlich werde ich sie nochmal mit meinem 11-jährigen Sohn lesen. Ich bin mir sicher, er wird die Geschichte von Billy genauso lieben wie ich.Klare Leseempfehlung! © Renie

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  • Rezension zu "Die Elefanten meines Bruders" von Helmut Pöll

    Die Elefanten meines Bruders
    Moena

    Moena

    Billy Hoffmann ist elf und der Ich-Erzähler des Romans. Als er sechs Jahre alt war, starb sein großer Bruder Phillipp bei einem Verkehrsunfall. Ausgerechnet an dem Tag, als die Familie in den Zirkus gehen wollte, um die Elefanten zu sehen. Seitdem verwahrt Billy die Zirkuskarten in seinem Zimmer wie einen Schatz - es ist sein Geheimnis, denn in der Familie wird lieber nicht über Phillipp und den Unfall geredet und Billy fürchtet, dass man ihm die Karten wegnehmen könnte. Durch das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, an dem Billy leidet, ist für ihn Vieles nicht so einfach. Zum Beispiel kann er sich nur wichtige Dinge merken, wie die Namen und Abmessungen von imperialen Schlachtkreuzern. Englischvokabeln dagegen nicht. Wenn Billys Gehirn sich überanstrengt, springt sein Notausschalter an und Billy kollabiert. Regelmäßig besucht er deshalb seine Therapeutin, um mit ihr über die Dinge zu reden, die ihm im Alltag so passieren. Und dann gibt es da noch Mona. Sie ist Billys beste Freundin und die einzige, die seine Krankheit wirklich zu verstehen scheint. Zusammen schauen die beiden Schwarz-Weiß-Filme an, weil Billy sich dann vorstellen kann, wie alles in bunt aussieht und weil ihn bunte Filme zu sehr aufregen. Als Ich-Erzähler macht Billy eine ziemlich gute Figur. Schon auf den ersten Seiten entführt er den Leser in seine Welt, erzählt von seinem Bruder, dessen Tod und davon, dass er seinen Vornamen so gar nicht mag. Der Schreibstil ist dabei anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, aber sehr authentisch für einen Elfjährigen, was die Erzählung sehr realistisch macht. Im Laufe der Zeit empfand ich Billy allerdings als recht anstrengend. Beim Erzählen kommt er oft vom Hundersten ins Tausendste und die Handlung zerfällt dadurch eher in viele kleine Episoden aus Billys Leben als ADS-Kind. Am Ende scheint dann plötzlich alles gut zu sein. Hier hätte ich mir eine bessere Auflösung gewünscht und vielleicht ein klärendes Gespräch innerhalb der Familie über Phillipps Tod, über den gerade von Seiten der Erwachsenen immer geschwiegen wird. Fazit "Die Elefanten meines Bruders" ist ein Roman, der sowohl berührt als auch zum Schmunzeln bringt und mit dem man sich etwas besser vorstellen kann, wie es ist, mit einem ADS-Kind zu leben.

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    • 2
  • Ein Rohdiamant

    Die Elefanten meines Bruders
    KathrinBolte

    KathrinBolte

    Meist fällt mir schon während des Lesens eines Buches ein, was ich in der Rezension schreiben werden. Diesmal nicht. Dieses Buch hat mich sofort gefesselt und es brauchte einige Tage um diese amüsante und doch todtraurige Geschichte zu verarbeiten. Diese Geschichte passiert vielleicht in vielen Haushalten, wenn auch nicht so dramatisch mit dem Tod von Geschwistern. Doch das Thema ADHS ist präsent. Was mich an dieser Story besonders angesprochen hat ist die Sprache. Sie ist so einfach, und so passend, denn es wird aus der Sicht des zehnjährigen Billy erzählt. Die einfache Sprache macht aber genau dieses Buch aus, denn man hat schnell das Gefühl, Billy sitzt vor einem und erzählt aus seinem Leben. Ich denke, diese Geschichte ermöglicht einen ganz anderen Blickwinkel auf ADHS-Kinder. Ich kann sie jetzt etwas besser verstehen, glaube ich, auch wenn ich keine Vorstellung davon habe, ob es in einem ADHS-Kopf wirklich so aussieht. „Die Elefanten meines Bruders“ ist eine absolut lesenswerte Geschichte. Wie sie nicht liest hat etwas verpasst.

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    • 2
    Floh

    Floh

    05. September 2014 um 16:34
  • Ein Roman über ADHS und einen Zirkusbesuch, der nie stattgefunden hat.

    Die Elefanten meines Bruders
    Alexandra_vom_Buecherkaffee

    Alexandra_vom_Buecherkaffee

    Aus dem Klappentext des Buches: Billy Hoffmann ist elf und findet es doof, dass zwischen seinem Vor- und Nachnamen kein „Tiee“ steht wie bei einem Amerikaner. „Tiee“ stünde für Trevor oder Timothy, was ziemlich cool wäre. Sein größter Wunsch ist es, mit seinem großen Bruder Phillipp in den Zirkus zu den Elefanten zu gehen. Das kann er aber nicht, weil der Bruder am Vorabend der Vorstellung überfahren wird.Mit seinen elf Jahren leidet er an ADHS. Aufmerksamkeitsdefizit-hyperaktivitätssyndrom. „Das habe ich aber gar nicht“, sagt er. „Ich habe nur viel Energie“. Deshalb rennt er auch zwanzigmal um die Säule vor der Tiefgarageneinfahrt, bis seine Mutter das Auto geholt hat - und muß zwanzigmal in anderer Richtung zurückrennen, bevor er einsteigen kann. Die Welt der Erwachsenen erlebt er als willkürlich und zutiefst verstörend. Auf keinen Fall erstrebenswert. Erwachsene haben ja oft Migräne. Das kommt, wenn das Hirn nicht mehr so leistungsfähig ist wie bei einem Kind. Dann warten die Erwachsenen auf schlechtes Wetter und bekommen Migräne. Von Beruf will er später mal Spaziergänger werden, vielleicht auch Raumkreuzerkommandant. Sein Rüstzeug für den Umgang mit der Realität bezieht Billy haupsächlich aus Filmen. Er ist eine wandelnde Filmdatenbank und antwortet auf Fragen, wenn möglich, mit Filmzitaten seiner Helden. Das gibt ihm Sicherheit. Aber so verschwimmen Fiktion und Wirklichkeit immer mehr miteinander. Meine Gedanken zu dem Buch: Der Autor Helmut Pöll hat mit mit dieser Geschichte "die Elefanten meines Bruders" ein Werk erschaffen, dass ein Tür öffnet in die Welt eines Jungen, der unter ADHS leidet, der hochgradig hyperaktiv ist. Billy Hoffmann ist 11 Jahre alt, wird bald 12 und hat so einiges zu verarbeiten. Sein Bruder, der vor fünf Jahren bei einem Unfall ums Leben kam, ist in seinen Gedanken meist zentraler Mittelpunkt. Er vermisst ihn sehr und sein letztes Andenken an seinen Bruder hütet er wie einen Schatz. Dieses Andenken ist wie eine letzte Türe zu Patrick, die er nicht schließen möchte und auch nicht schließen kann. Billy selbst sieht sich nicht krank, wie seine Eltern und auch seine Psychologin glauben, er hat einfach nur zu viel Energie, die er verarbeiten muss. Der junge Billy erzählt in diesem Buch seine eigene Geschichte und lässt uns teilhaben an seinem Leben, gewährt uns Einblicke in seinen Alltag, in seine Probleme, in seine schönen Momente und wir erfahren, was er mag, was er nicht so gerne mag und was in regelrecht in Rage bringt. Billy ist sehr lebenslustig, neugierig und aufgeweckt und sehr "Naseweis" und durch seine immer wieder sehr ironische Art würzt er seine Geschichte mit einer grossen Portion Humor. Die Sprache ist der eines elfjährigen Jungen sehr angepasst, umgangssprachlich und immer mal wieder lapidar und der Stil spiegelt einfach grandios seine Unruhe, seine Hektik wider. Oft sind die Sätze kurz, wie abgehackt und auch der Inhalt ist immer wieder sprunghaft, so wie auch Billys Gedanken. Wenn sein "Fusionsreaktor" in den roten Bereich gerät, überträgt sich das durch diesen Schreibstil geradezu auf den Leser und man kann sich in etwa vorstellen, was in Billys Kopf gerade vor sich geht. Ich selbst habe in der Tat auch immer wieder Herzklopfen bekommen, sprich: ich habe regelrecht mitgefiebert mit Billy und ich konnte so manches Mal nachvollziehen, wenn er mit seinem "Todesstern auf Raumpatroullie" gehen musste, sprich: durch die Wohnung Rasen musste, bis die überschüssige Energie abgebaut war und er wieder zur Ruhe kam. "Manchmal habe ich Ideen, die ich nicht mehr aus meinem Kopf bringe. Ich sage mir dann, denke nicht an XY, aber dann denke ich extra an XY und dann drehe ich total durch und muss eine Stunde mit dem Todesstern durch die Wohnung rasen." eBook Pos. 982 Seine Gedanken sind immer wieder gestochen scharf und er treibt seine Eltern, seine Lehrer und auch seine erste Psychologin gerne in die Enge mit seinen vielen Fragen. Dabei will er doch einfach immer nur klare Antworten. er kann die Erwachsenen in vielen Dingen nicht verstehen - das "Drumherumreden" gehört für ihn da definitiv mit dazu. Es ist ein faszinierendes Leseerlebnis, seinen Gedankengängen zu folgen, denn auf seine ganz persönliche Art ist er sehr, sehr intelligent. Er "schlaumeiert" auch sehr gerne, was ihm in seinem Umfeld immer wieder Minuspunkte einfährt. Aber alte schwarz-Weiss-Filme wie Miss Marple, Pistazieneis und seine liebe Freundin Mona können ihn immer wieder besänftigen. "Bunte Filme regen mich oft auf. Vor allem wenn sie schnell geschnitten sind. Dann werde ich zappelig, muss von meinem Stuhl aufspringen und renne wie irre in meinem Zimmer herum, bis meine Mutter hereinschießt und den Fernseher abstellt." eBook Pos 122 In dieser Geschichte werden gleich zwei ernste Themen verarbeitet - zum einen der Umgang mit dem Verlust seinen Bruders, zum anderen das Leben mit ADHS. Und doch schafft es Herr Pöll, dies dem Leser mit einer faszinierenden Leichtigkeit zu vermitteln, dass man zwar permanent darüber nachdenkt und auch mit Billy mitfühlt, aber trotzdem nicht so schwer mit der Thematik belastet wird. Und dies gefällt mir besonders gut. Ich bin eingeladen, mich mit dem Thema auseinanderzusetzen, mir meine Gedanken dazu zu machen und evtl. auch mit anderen über das Gelesene zu diskutieren - aber es erdrückt mich nicht, wie es Geschichten dieser Art gerne mal tun. Ich hatte nach Beenden des Buches noch lange Billys Geschichte im Kopf. Es hallt noch lange nach, aber eben auch die lustigen Momente, die schönen Momente in seinem Leben. Kurz & gut - mein persönliches Fazit "Die Elefanten meines Bruders" hat mich von der ersten Seite an in seinen Bann gezogen, ich habe Billy und auch seine Freundin Mona sofort in mein Herz geschlossen. Ein wirklich grandioses Werk, dass nicht mit Spannungsmomenten trumpfen muss, sondern dass mich einfach ein Lebensjahr lang an Billys doch sehr energiegeladenen Leben teilhaben ließ. So authentisch, so ernst und auch immer wieder auf subtile Weise sehr gesellschaftskritisch - und doch mit einem sehr liebenswerten Humor gewürzt, wurde dieses Werk für mich zu einem echten Leseereignis. Mich hat Billys Geschichte nicht mehr losgelassen, daher von mir eine ganz klare Leseempfehlung! © Rezension: Alexandra buecherkaffee.blogspot.de

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  • Rezension zu "Die Elefanten meines Bruders" von Helmut Pöll

    Die Elefanten meines Bruders
    Das_Leseding

    Das_Leseding

    09. November 2012 um 20:03

    Inhalt: Der kleine Billy Hoffmann hat ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) und ist mit seinem Bruder Philipp und seiner Mutter auf dem Weg zum Zirkus mit einer Elefantenshow. Philipp liebt Elefanten und achtet daher beim laufen nicht auf den Verkehr – er will unbedingt ganz schnell bei den wundervollen grauen Tieren sein. Es passiert, was passieren muss, ein Auto erfasst Philipp und schleudert ihn weit fort. Philipp stirbt und für seine Familie beginnt eine schwere Zeit… Stil: Der Stil von Helmut Pöll ist großartig. Er schafft es dieses traurige und wahnsinnig schwere Thema mit viel Charme in eine interessante Familiengeschichte zu verpacken. Erzählt wird die Geschichte von Billy in ich-Form und der Leser erlebt hautnah mit, wie Billy sich mit seinem ADHS abmüht und seine Fantasy spielen lässt um alles zu verarbeiten. Charaktere: Billy ist ein süßer kleiner Junge, der, wie er selbst so schön sagte “therapiewürdig” ist. Er kämpft sich durch seine Sitzungen und durch den Alltag – mal mehr und weniger gut – aber immer mit einer tollen Ausstrahlung. Billys Freundin Mona ist eine tolle Kumpeline, die ich ihm vom ganzen Herzen gönne. Ein Mädchen mit ordentlichem Charakter und viel Kraft. Auch kann sie wunderbar mit Billys Krankheit umgehen, wobei ich mir manchmal nicht sicher war ob sie nicht auch etwas zu viel Energie hat. Die Erwachsenen im Buch sind alle typisch erwachsen. Sie lassen Kinder nicht ausreden und können nicht vernünftig antworten. Es ist schön, dass dies teilweise doch sehr drastisch aufgezeigt wurde und wir uns alle mal wieder an unsere eigene Nase fassen können. Cover: Das Cover machte mich schon vor dem Lesen sehr nachdenklich. Ein gelber Umriss eines Kinderkopfes vor einem schönen Elefanten. Nun kann ich den gelben Umriss als “engelsgleich” oder strahlend noch besser interpretieren und finde es gut gelungen. Fazit: Ein sehr berührendes Buch mit vielen typischen ADHS Macken – wobei ich mir immer die Frage gestellt habe ob Billy wirklich diese Krankheit hat, oder einfach nicht ausgelastet ist. Haben wir nicht alle irgendwelche spezifischen Eigenschaften? Eigenartig fand ich auch, dass Billy kein Gemüse mag da dies am Boden wächst. Aber Erdbeeren, die ja nun auch in Bodennähe wachsen konnte er ohne Probleme essen. Ich gebe für dieses einfühlsame eBook 4 Sterne, da es mir gut gefallen hat.

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  • Rezension zu "Die Elefanten meines Bruders" von Helmut Pöll

    Die Elefanten meines Bruders
    World_of_tears91

    World_of_tears91

    21. October 2012 um 11:10

    Der Leser bekommt es mit einem ganz außergewöhnlichen Buch zu tun. Ich könnte mich nicht daran erinnern, dass ADHS schon einmal so authentisch und mit so viel "brutaler" Offenheit in einem Buch thematisiert wurde. Zumal es auch, um das Verlieren eines Kindes geht, was nicht weniger sensibel ist. Billy ist gerade mal zehn Jahre alt und lebt in seiner eigenen Welt, dass er auch noch miterlebt hat, wie sein Bruder überfahren wurde, macht das Ganze sicherlich nicht einfacher für ihn. Helmut Pöll schreibt aus Billys Sicht. Wir erleben Tag ein Tag aus, wie Billy denkt und fühlt, was er erlebt und vor allem, wie er die Dinge sieht. Dabei schafft es der Autor aber, das alles nicht aufgesetzt und erfunden wirken zu lassen, sondern es kommt einfach unglaublich authentisch rüber. Natürlich schlägt sich das dann auch auf den Schreib - und Erzählstil nieder. Ich denke, das diese Art und Weise des Schreibens einfach einen unverfälschten Einblick in den Alltag eines Menschen gibt, der mit dieser Krankheit lebt, auch wenn es nur ein Kind ist. Man schließt den kleinen Billy schnell in sein Herz und ich habe mich auch dank seiner oftmals sehr amüsanten, kindlichen Auffassung des Lebens, sehr gut unterhalten gefühlt. Das Buch an sich hat fünf Sterne verdient, da es wirklich außergewöhnlich ehrlich ist, aber in diesem Punkt liegt für mich auch das Problem und da bin widerrum ich ganz ehrlich: wenn mir vorher schon klar war, dass ich nicht die Kraft hätte, mit einem solchen Kind umzugehen, dann ist mir das nach diesem Buch noch deutlicher geworden. Ich musste das Buch öfter zur Seite legen, weil ich einfach keine Nerven mehr für Billy hatte, da bin ich ganz ehrlich. Aber das spricht dann natürlich auch wieder für den Grad an Realismus, der dieses Buch auszeichnet! Bewertung Dieses Buch ist außergewöhnlich, es ist ehrlich und offen. Dank meiner sehr subjektiven Auffassung kann ich aber leider keine volle Punktzahl geben.

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  • Rezension zu "Die Elefanten meines Bruders" von Helmut Pöll

    Die Elefanten meines Bruders
    Sky

    Sky

    24. September 2012 um 16:16

    Die Elefanten und der Tod Als er sechs Jahre alt war, hat er seinen Bruder Philipp verloren. Eigentlich wollte Billy T. Hoffmann mit ihm die Elefanten im Zirkus ansehen, als Philipp von einem Auto erfasst wird und dabei umkommt. An diesem Tag hat sich für Familie alles verändert. Mittlerweile sind fünf Jahre vergangen und er hat die Zirkuskarten von damals immer noch. Die Familie leidet unter dem Verlust und vor allem Billy hat schwer zu tragen: Er hat ADS und flüchtet sich in eine Welt aus Filmzitaten und cineastischen Welten. Einzig und allein Mona, seine beste Freundin, steht ihm bei, wenn er in seinem Leben mit ständigen Psychologenbesuchen, ewiger Ablenkung und Missverständnissen niemanden mehr findet, der Verständnis für ihn hat, im Kampf gegen seine eigene Welt und den Zwängen in seinem Kopf. Ein Roman aus der Sicht eines Kindes zu schreiben, gelingt wenigen. Ein Roman aus der Sicht eines Kindes, das unter ADS leidet, noch weniger. Und nichtsdestotrotz hat sich Helmut Pöll daran gewagt, einen personalen Ich-Erzähler zu verwenden, der mit elf Jahren über seine Welt spricht, über seine Gefühle und seinen Alltag und schafft es mit einer Leichtigkeit, die einen verwundert. Denn Billy wirkt ab der ersten Zeile so echt wie ein wahres Kind, welches den Bruder verloren hat und seitdem darunter leidet. Seine Krankheit wird so klar herausgearbeitet, dass man mitten im Kopf des Jungen sitzt und plötzlich sich wiederfindet, in einer Welt von fehlender Geborgenheit und der ständigen Ablenkung und Abschweifung. Die Aufmerksamkeitsdefizitstörung ist eine Belastung für's gesamte Leben. Sie grenzt ab und ein, sie hält auf und lässt einen nicht mehr los. Bei Billy geht sie sogar mit hyperaktiven Momenten einher, in denen er versucht sich unter Kontrolle zu bringen um sich nicht zu verlieren. Fiktion und Realität treffen sich plötzlich auf einer Basis. Was ist nur in Billy's Kopf, was ist wirklich? Was wünscht er sich oder was träumt er nur. Seine Phantasie versucht ihn über alles hinwegzutrösten um die Unverständnis der Erwachsenen und seine Umgebung zu vereinbaren. Ein echtes Kind voller Probleme und tiefsitzendem Schmerz. Diese bittere Authentizität zieht sich durch gesamten Roman, der in seiner kindlichen und einfachen Sprache, die Last für den Leser umso schwerer macht. Die großen Worte fehlen und doch dringt alles prägnant ein, selbst wenn Billy noch so sehr vom eigentlichen Thema abkommt, bedingt von seiner Störung, und der Leser ihm konzentriert folgen muss. Mit Witz und Charme schildert er sein Leben und oft muss man über ihn lächeln, obwohl der rote Faden der Geschichte, der sich durch „Die Elefanten meines Bruders“ zieht, oftmals sticht und einem die Luft manchmal abzuschneiden droht. Man findet sich selbst immer wieder mit Mitleid, mit Verständnis für die überforderten Eltern, mit Missgunst über die Leute wieder, die nicht mit ihm umzugehen wissen. Die zwischenmenschliche Beziehung, die immer mehr zu bröckeln scheint und die der eigene Sohn zu spüren scheint, kommt durch. Die Zeit und Nerven, die die Eltern ihr Sohn kostet, kommt auf und bleibt doch so am Rande, dass man nicht davon erschlagen wird, ohne unerwähnt zu bleiben. Und nebst diesen einzigartigen, kindgerechten, tapferen Protagonisten, schleicht sich der Alltag heimlich hinein. Helmut Pöll greift Alltagsphänome auf, bringt sie mit ADS in Kontakt und schafft dabei eine leise und durchsickerende Kritik an unsere Hektik, die ein Kind mit Aufmerksamkeitsdefizitstörung vollkommen aus den Konzept bringen kann. Über unseren Ärger von Verspätungen, der nicht nötig ist, über unseren Frust, der durch kleinste Dinge entsteht. Dieser leise Ton macht die Handlung aus. Das Auge für's Detail, die Schlichtheit und Reinheit im Text und die Unberührtheit des Schmerzens, der doch so tief sitzt. „Die Elefanten meines Bruders“ ist kein lautes Werk, welches schreit und rumrennt, sondern hinter seiner Fassade Traurigkeit und Leid versteckt, welches sanft durchscheint. Das Ende passt sich dem an. Man erwartet es, man denkt es sich ab der ersten Seite, und doch, so wie es kommt, leise und ausklingend, wie eine Befreiung, macht es das Herz schwer und bringt uns ein Lächeln auf das Gesicht. Fazit „Die Elefanten meines Bruders“ ist ein einzigartiger Roman, der das Leben eines Kindes mit ADS in Perfektion verkörpert. Sprachlich authentisch, bitterlich ehrlich und greifbar. Eine Leseerfahrung der besonderen Art für einen Roman, der sich traut, fernab von falschen Vorstellungen zu sein. Ein kleines Meisterwerk.

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  • Rezension zu "Die Elefanten meines Bruders" von Helmut Pöll

    Die Elefanten meines Bruders
    Angelheart76

    Angelheart76

    17. September 2012 um 11:47

    zum Inhalt: Der sechsjährige Billy muss mit ansehen, wie sein Bruder Phillipp bei einem Unfall ums Leben. Dabei wollten sie doch an diesem Abend in den Zirkus, weil Phillipp so gern die Elefanten sehen wollte. Nur leider wurde nichts mehr daraus. Die Zirkuskarten hat er noch immer. Nicht nur Billy, sondern auch dessen Eltern hat das tragische Ereignis aus der Bahn geworfen. meine Meinung: Fünf Jahre nach Phillipps Tod, also im Alter von 11 Jahren schildert Billy seine Eindrücke von damals und seinen heutigen Alltag. Dabei schweift er immerzu ab und erzählt so viel davon wie er sein Umfeld war nimmt. Das Billy eine sehr rege Fantasie hat, fließt auch in seine Erzählungen ein und so verschmilzt diese mit der Realität. Zudem leidet Billy an ADHS, was sein Verhalten weitestgehend mitbestimmt. Er selbst vergleicht sein Gehirn mit einem Fusionsreaktor der in bestimmten Situationen durchbrennen kann und wenn dass passiert, muss er mit seinem Todesstern durch die Wohnung laufen und schreien, um sein System wieder in den grünen Bereich zu bringen. Oder er muss zuerst Runden um die Säule an der Garage laufen, ehe er ins Auto einsteigen kann, egal wie sehr die Zeit zum losfahren doch drängt. Seinen Eltern verlangt das unheimlich viel ab. Das fand ich sehr gelungen beschrieben und wie sie mit Billys Erkrankung umgehen fand ich sehr interessant. Billy hat den Tod des großen Bruders nie verarbeitet und erschafft sich nun seine ihm ganz eigene Realität, die nicht immer mit der Sicht der Erwachsenen konform geht. Wenn Erwachsene seine Fragen nicht zufrieden stellend beantworten oder anders handeln, als er es erwartet, wird er unruhig. Er fragt solange seine Fragen beantwortet werden, was die Erwachsenen dementsprechend Nerven kostet. Billy entwickelt zu allen möglichen Situationen seine eigene Theorie, die er mithilfe seiner nahezu unerschöpflichen Fantasie und angeregt von seinem breiten Wissen welches er aus diversen Filmen und Fernsehsendungen erworben hat, ausschmückt. Da ich aus meinem eigenen Umfeld Kinder mit ADHS kenne hat mich die Darstellung von Billy unheimlich fasziniert. Der Autor schafft es richtig gut, Billy mit seiner geballten Energie authentisch rüberzubringen hat. Wie oft tun wir Erwachsene uns schwer im Umgang mit ganz besonders diesen Kindern, gerade weil sie in unseren Augen immerzu wild und zappelig sind? Vielleicht sollten wir uns mehr bemühen, Verständnis aufzubringen und versuchen die Welt ein Stück weit aus ihrer Sicht zu betrachten, dann wäre vieles wahrscheinlich ein wenig leichter. Die Geschichte ist manchmal etwas anstrengend zu lesen, da Billys Gedanken oft recht sprunghaft sind. Man wird durch ein ständiges Gedankenwirrwarr geleitet. Nicht immer war für mich sofort erkennbar, was ist Real, was ist Fiktion. Wenn man sich darauf einlässt und gut konzentriert liest, gelingt es aber der Handlung ohne Irrungen und Wirrungen zu folgen. Fazit: "Die Elefanten meines Bruders" ist ein außergewöhnlicher Roman, der mit geschickter aber dennoch einfacher Wortwahl das Leben und die Gedanken eines 11jährigen schildert, der den Verlust seines Bruders zu verkraften hat. Mich hat diese Geschichte bis zum Ende nicht mehr losgelassen.

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