Helmut Wiemken

 4,4 Sterne bei 16 Bewertungen

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Cover des Buches Der Doppelmord in der Rue Morgue (ISBN: 9783649649748)
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Rezension zu "Der Doppelmord in der Rue Morgue" von Edgar Allan Poe

Alrik
Wenn Literatur zum Escape Room wird

Muss man erstmal bringen: Mit einem Affen, einem verschlossenen Raum und einem Mysterium, das selbst Sherlock Holmes noch ins Grübeln gebracht hätte, revolutionierte Edgar Allan Poe damals die Krimi-Welt. Dieses Buch ist keine schnöde Sammlung von Geschichten – es ist wie ein literarischer Escape Room, gespickt mit Rätselfallen, cleveren Wendungen und dem guten alten „Aha!“-Moment. Dupin, Poes Detektivfigur, analysiert so messerscharf, dass man fast Angst bekommt, der Typ könnte durch die Seiten springen und die eigenen Gedanken auseinandernehmen.


Der Coppenrath Verlag hat hier ein Schmuckstück hingelegt, das nicht nur fürs Auge, sondern auch für die Neugier gebaut ist. Zwischen den Seiten verstecken sich elf Extras, die man beim Lesen wie kleine Schätze entdeckt. Das fühlt sich an, als würde Poe selbst einem hin und wieder ein geheimnisvolles Zettelchen zustecken – mit kryptischen Hinweisen und Gänsehaut-Garantie.


Die sechs enthaltenen Geschichten – von „Der Goldkäfer“ bis zum titelgebenden „Doppelmord“ – zeigen, warum Poe bis heute unangefochten als Vater des Detektivromans gilt. Seine Mischung aus morbider Atmosphäre, intellektuellem Schachspiel und einer Prise Wahnsinn macht süchtig. Mal düster, mal überraschend witzig, mal so absurd, dass man kurz den Kopf schüttelt, aber immer brillant.


Und das Beste: Trotz aller viktorianischen Schwermut liest sich das Ganze heute noch frisch, scharf und voller „Wow, das hat er damals schon gemacht?“. Wer Krimis liebt, True Crime verschlingt oder einfach mal wissen will, wo Sherlock, Miss Marple & Co. ihre Wurzeln haben, muss hier zugreifen. Ein Buch, das nicht nur gelesen, sondern erlebt wird – und das Regal gleich noch ein Stück edler aussehen lässt.


Kurz: Poe ist und bleibt der Boss der literarischen Verbrechen – und diese Ausgabe ist die Deluxe-Einladung in seine abgründige Welt.

Cover des Buches Der Doppelmord in der Rue Morgue (ISBN: 9783649649748)
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Rezension zu "Der Doppelmord in der Rue Morgue" von Edgar Allan Poe

stefan182
Eine würdige und stimmige Ausgabe für den Meister des Unheimlichen

“Der Doppelmord in der Rue Morgue und andere Kriminalgeschichten” versammelt sechs Kriminalgeschichten (im weiteren Sinne) von Edgar Allan Poe. Den Auftakt macht die Kurzgeschichte “Der Goldkäfer”, die als rätselhafte Abenteuergeschichte beginnt: Der Freund des Ich-Erzählers scheint nach dem Fund eines bisher unbekannten Käfers von krankhaften Vorstellungen geleitet zu werden. Spannend an dieser Geschichte ist, dass man sich permanent fragt, warum der Freund so handelt, wie er handelt; die Auflösung, die bereits auf das deduzierende Denken, das in den folgenden Geschichten prominent vertreten ist, verweist, ist dabei interessant wie aufschlussreich. Es folgt “Du bist der Mörder!”, in dem der Mord eines reichen Mannes thematisiert wird. Zwar ist die Auflösung (mit heutigen Leseerfahrungen) recht vorhersehbar. Wie sie erfolgt, ist hingegen außergewöhnlich, wodurch sie an Poes Schauergeschichten erinnert. Die dritte Geschichte “Der Mann in der Menge” ist eine prosaische physiognomische Studie, in der ein Ich-Erzähler einen ihm auffälligen Mann näher betrachtet. Die drei folgenden Geschichten sind Poes berühmte "Kommissar Dupin”-Detektivgeschichten. Die bekannteste, “Der Doppelmord in der Rue Morgue”, ist ein meisterhaft konstruierter Locked-Room-Krimi mit einer (eigentlich) überraschenden Auflösung (Da diese Geschichte tief in der Populärkultur verankert ist, weiß man vermutlich - ohne die Geschichte jemals gelesen zu haben - wie sie endet. Trotzdem ist sie außerordentlich lesenswert, da hier das Prinzip der Deduktion literarisch für folgende Generationen implementiert wird). Die zweite Dupin-Geschichte ist “Das Geheimnis um Marie Rogêt”. Spannend ist hieran, dass sie auf dem realen, ungeklärten Mordfall der Mary Rogers basiert, quasi True Crime im 19. Jahrhundert. Innerhalb der Erzählung wird dieser reale Fall zunächst mit Zeitungsartikeln rekonstruiert; in einem zweiten Schritt dekonstruiert Dupin die Inhalte der Artikel und gibt Hinweise, welche Schritte erfolgen müssen, um den Täter zu fassen. Den Abschluss bildet “Der entwendete Brief”. Die Geschichte dreht sich, wie der Titel schon sagt, um einen gestohlenen Brief, den Dupin auffindbar macht. Sie lässt sich in zwei Teile unterteilen: Im ersten Teil wird Dupin von dem Verschwinden des Briefes sowie erfolglosen Wiederbeschaffungsversuche erzählt, im zweiten Teil berichtet Dupin, wie er den Brief gefunden hat. Insgesamt also keine übermäßig spannungsgeladene, raffinierte oder spektakuläre Handlung, weshalb sie für mich auch die schwächste Dupin-Geschichte ist. Hervorzuheben an der Ausgabe des Coppenrath Verlags ist auch die grandiose Aufmachung des Buches: Hardcover in Lederoptik, Lesebändchen, Farbschnitt und viele zum Inhalt der jeweiligen Kurzgeschichte passende Schmuckseiten im Schauerstil. Zudem finden sich zwischen den Seiten immer mal wieder schöne Beilagen. Dabei handelt es sich um Hintergründe zu den Geschichten (ursprüngliche Fassungen, zeitgenössische Darstellungen zu behandelten Themen), überblicksartige Sachinformationen (zum Schatz des Captain Kidd oder den Beginn modernen Polizeiarbeit) oder kleine Eastereggs, die auf die jeweilige Geschichte verweisen (bspw. Rätsel oder fiktive Zeitungsartikel). Den Abschluss des Bandes bildet ein kurzes Nachwort, das die langfristige Wirkmächtigkeit von Poes Kriminalgeschichten beleuchtet. Kurz: Eine würdige und stimmige Ausgabe für den Meister des Unheimlichen, an dem Poe sicherlich seine Freude gehabt hätte.

Cover des Buches Der Untergang des Hauses Usher (ISBN: 9783649648659)
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Rezension zu "Der Untergang des Hauses Usher" von Edgar Allan Poe

stefan182
Eine würdige Schmuckausgabe für den Meister des Unheimlichen

„Der Untergang des Hauses Usher und andere fantastische Geschichten“ versammelt 16 Kurzgeschichten Edgar Allan Poes, die sich verschiedenen thematischen Schwerpunkten zuordnen lassen. So finden sich mit „Metzengerstein“, „Der Untergang des Hauses Usher“, „Das ovale Porträt“ und „Die Maske des Roten Todes“ Erzählungen, die, z. T. in einer mittelalterlichen Welt spielend, dekadente Facetten des Adels in ein atmosphärisches Horrorsetting einbetten. Daneben finden sich Geschichten, die sich um Krankheiten/die Pathologie drehen: „Das Begräbnis vor dem Tode“ ist eine kurze Abhandlung über den Scheintod (und die Angst davor), „Der Dämon des Widersinns“ thematisiert das Ausführen widersinniger Handlungen, „Die Sphinx“ handelt von Wahrnehmungstäuschungen, „Die Heilmethoden von Doktor Teer und Professor Feder“ spielt in einer Psychiatrie (Die Geschichte hat übrigens einen schönen Twist!) und „Bericht über den Fall Valdemar“ handelt von der Macht des Mesmerismus. Eher der Kategorie „Kriminalgeschichten“ (im weiteren Sinne) lassen sich „Grube und Pendel“ (eine beklemmend erzählte Geschichte über eine eingeschlossene Person), „Die schwarze Katze“, „Das verräterische Herz“ und „Das Fass Amontillado“ (je Ich-Erzählung aus Tätersicht) zuordnen. Die vierte Kategorie bilden tragische Liebeserzählungen, in denen jeweils eine vom Erzähler geliebte Frauengestalt im Mittelpunkt steht, die aus unterschiedlichen Gründen unerreichbar ist: „Eleonora“, „Ligeia“ und „Morella“. So inhaltlich verschieden die Geschichten sind, geeint werden sie durch ihren düster-schaurigen Grundton; oft tritt auch ein Ich-Erzähler auf, der namenlos bleibt, wodurch die Geschichten umso undurchsichtiger werden. Hervorzuheben an der Ausgabe des Coppenrath Verlags ist auch die grandiose Aufmachung des Buches: Hardcover in Lederoptik, Lesebändchen, Farbschnitt und viele zum Inhalt der jeweiligen Kurzgeschichte passende Schmuckseiten im Schauerstil. Zudem finden sich zwischen den Seiten immer mal wieder schöne Beilagen. Dabei handelt es sich um stimmig illustrierte Gedichte Poes („Der Rabe“ oder „Annabel Lee“), überblicksartige Sachinformationen (Poes Verhältnis zur Psychologie oder die Rezeption Poes in der Populärkultur) oder kleine Eastereggs, die auf die jeweilige Geschichte verweisen (bspw. ein Steckbrief des Totenkopfschwärmers oder die Einladung des Fürsten Prospero aus „Die Maske des Roten Todes“). Kurz: Eine würdige und stimmige Ausgabe für den Meister des Unheimlichen, an dem Poe sicherlich seine Freude gehabt hätte.

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