Helmuth Nürnberger

 3,6 Sterne bei 89 Bewertungen
Autor*in von Theodor Fontane, Joseph Roth und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Helmuth Nürnberger, geb. 1930, lehrte Literaturwissenschaft in Flensburg und in Hamburg. Er veröffentlichte Monographien und Editionen, besonders zur deutschen und österreichischen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts. Im Jahr 2017 verstarb er.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Helmuth Nürnberger

Cover des Buches Theodor Fontane (ISBN: 9783644400900)

Theodor Fontane

 (4)
Erschienen am 22.04.2017
Cover des Buches Joseph Roth (ISBN: 9783499503016)

Joseph Roth

 (2)
Erschienen am 01.12.1981
Cover des Buches Fontanes Welt (ISBN: 9783570550366)

Fontanes Welt

 (1)
Erschienen am 16.07.2007
Cover des Buches Geschichte der deutschen Literatur (ISBN: 9783762725312)

Geschichte der deutschen Literatur

 (0)
Erschienen am 30.01.2006

Neue Rezensionen zu Helmuth Nürnberger

Cover des Buches Grete Minde (ISBN: 9783423140874)
V

Rezension zu "Grete Minde" von Theodor Fontane

Die reinigende Kraft des Feuers
Vera-Seidlvor 2 Jahren

Wenn Sie jemals auf der kleinen Brücke über dem Tanger im Süden der Stadt Tangermünde gestanden haben, wenn Sie durch die Elbwiesen geschlendert sind, die Gassen der Stadt erkundet, die Storchennester rund um das alte Rathaus gezählt haben, sich vor dem Grete-Minde-Denkamal fotografieren ließen, ein Ratsherrenmenü auf der Burg oder ein Grete-Minde-Vermächtnis in den Exempel-Gaststuben gegessen haben und schließlich in das Herz der Stadt, die Heilige Stephanskirche, getreten sind, dann werden Sie ganz deutlich fühlen können, was Theodor Fontane dazu bewegte, seine Novelle "Grete Minde" zu schreiben: Die Stadt wurde vom Feuer gereinigt.

Fegefeuer heißt noch immer bei den Katholiken der Ort, an dem die Seele gereinigt wird.

Feuer transformiert Altes, Überholtes zu Asche, damit daraus Neues wachsen kann.

Im Märchen von Hänsel und Grete(l) lässt sich die nährende Urmutter, verkörpert in der Hexe, in den Backofen, in das Feuer, schieben, um den Kindern ein unabhängiges Leben zu ermöglichen.

Lucifer, der Lichtträger, wird häufig mit Prometheus, dem Vorausdenkenden, verglichen. Beide bringen den Menschen das Licht, Prometheus in Form des Feuers. Sie ermöglichen eine Trennung von der geistigen Welt mit der Option, sich ihr wieder zu nähern.
In der Offenbarung des Johannes wird Jesus Christus zum zweiten Morgenstern nach Lucifer, der ebenfalls das Licht in sich trägt. Lucifer führt durch die Fähigkeit zur Beherrschung des aufsteigenden Feuers nach "oben", Christus kam als Fleisch gewordene Liebe nach "unten".

Liest man Fontanes Novelle vor diesem Hintergrund, wird deutlich, dass sie von Anfang an auf die Erlösung der Stadt Tangermünde und Gretes ausgerichtet ist. Nicht Rache ist das Motiv für die Feuerbrunst, sondern Reinigung.

Nicht zufällig ist Grete Tochter einer spanischen Katholiken, die in der Stiefmutter und Schwägerin ihre vorantreibenden Antagonisten findet. Der Prinz, der das Aschenputtel nur vorübergehend erlösen kann, heißt Valtin, in Anlehnung an den Patron der Liebenden, ist aber nicht stark und gesund, wie sein Name verspricht, sondern stirbt, nicht ohne Grete das Versprechen einer Rückkehr nach Tangermünde abzunehmen. Die junge Mutter findet noch immer keine Liebe in der Stadt. Der Stiefbruder verweigert ihr das mütterliche Erbe und auch die Ratsherren schenken der kostbaren Perle (Grete) mit dem schönen Geist (Mind-e) kein Gehör.

Die Hartherzigkeit von Tangermünde mündet in der erlösenden Transformation durch das Feuer. Aus der Asche und Gretes Opfer wird eine herzliche Stadt, der nur ein Dichter mit einem großen Herzen ein so großartiges Denkmal setzen kann.

Meinen Dank und meine Hochachtung an Theodor Fontane!

 Vera Seidl 

 

 

Cover des Buches Grete Minde (ISBN: 9783423140874)
Grossstadtheldins avatar

Rezension zu "Grete Minde" von Theodor Fontane

Spannende Erzählinstanz
Grossstadtheldinvor 7 Jahren

Handlungsüberblick:

Die Handlung basiert auf einer wahren Begebenheit, die aber einen poetischen Mehrwert erhalten hat und in diesem Sinne etwas abgeändert wurde. 
Es geht um die Halbwaise Grete Minde, die in Tangermünde ohne Liebe aufwächst. Sie ist schlecht in die Gesellschaft integriert, träumt von Freiheit, sucht aber gleichzeitig Geborgenheit. Grete flieht gemeinsam mit ihrem Freund Vaitin und bekommt mit ihm ein Kind. Sein Tod zwingt sie zur Rückkehr nach Tangermünde, wo sich dann eine schreckliche Katastrophe ereignet...

Mein Bucheindruck:

Da ich nur die Reclam-Ausgabe gelesen habe, ist das Buch nicht besonders einzigartig aufgemacht. Bei anderen Verlagen gibt es sicher schönere Ausgaben.

Mein Leseeindruck:

Selten habe ich mich so wenig mit den Protagonisten eines Buches identifizieren können wie hier. Alle Charaktere blieben für mich flach und seltsam fremd. Nicht einmal am Ende gelang es mir, mich einzufühlen. 

Mein Eindruck vom Schreibstil:

Am interessantesten ist die Erzählinstanz. Es handelt sich um einen extradiegetische, heterodiegetische, null-fokalisierte Erzählinstanz. Der distanzierte Erzähler hält sich mit Deutungen und Kommentaren zurück, sodass er viele Deutungen des Geschehens und der Protagonisten zulässt. 
Er entwirft geradezu defensiv die erzählte Welt und nimmt keine tiefenpsychologischen Deutungen vor. 
So entstehen unheimlich viele Leerstellen und Interpratationsräume.
Bis zum Ende der Lektüre war mir nicht klar, ob Grete nun eine böse Person, eine rachsüchtige Person, eine verrückte Person oder eine von der Gesellschaft zu ihrem Tun gedrängte Person ist. Auch beim Austausch mit anderen Lesern wurde deutlich, dass man sich nicht auf eine Sichtweise einigen kann und Jeder seine ganz eigene Sichtweise auf die Handlung und die Charaktere entwickelt hat.
Und genau das will der Autor meiner Meinung erreichen. Er stellt durch seinen Rückzug die Frage an die Leser, wie sie Gretes tun bewerten und regt zu einer tieferen Beschäftigung mit dem Werk an.

Es ist schwer sich auf Eigenschaften von Grete zu einigen, sie behält durch das ganze Buch hinweg etwas Unerklärbares. Durch die Deutungsoffenheit, die der Text hervorruft. 

Diesen Kunstgriff des distanzierten Erzählers bringt Fontane so weit, dass er sogar seine Urteile und Vorausdeutungen auf andere Personen verschiebt, um selbst nicht werten zu müssen (so zum Beispiel auf die Domina, die zu einer Ausweichperson für die Wertung wird.) Die Vorausdeutungen finden also nicht auf der Vermittlungsebene sondern auf der Handlungsebene statt. 

Der Text enthält viele Merkmale realistischer Literatur (so lässt sich zum Beispiel die Novellentheorie von Paul Heyse anwenden), allerdings gibt es auch Elemente romantischer Verfahren, wie zum Beispiel "Das Lied der Königskinder", das auch wieder eine Vorausdeutung auf Handlungsebene darstellt. 

Mein Abschlussfazit:

Das Buch hat mich bei der Lektüre nicht besonders begeistert, aber trotzdem wirkte die Lektüre stark nach, gerade durch die spannende Erzählerperspektive. Durch die interessante Erzählinstanz wird das Buch lesenswert. 





Cover des Buches Grete Minde (ISBN: 9783423140874)
Ruby2000s avatar

Rezension zu "Grete Minde" von Theodor Fontane

Deutsch Unterricht
Ruby2000vor 7 Jahren

Ich habe dieses Buch im Deutsch Unterricht lesen müssen. Dieses Buch ist auf jeden fall nicht einfach zu lesen. Anfangs zieht sich die Geschichte etwas hin doch nach ein paar Seiten kann man sich in das Buch hinnein versetzen und diskutiert im Kopf mit sich selber was man selber an der Stelle der Leute gemacht hätte. Ich muss sagen dass dies mein erstes Buch von Fontane war also kann ich es leider nicht an seinen restlichen mäßen.

LG Ruby ♥

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