Helon Habila

 4.3 Sterne bei 14 Bewertungen
Autor von Öl auf wasser, Öl auf Wasser und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Helon Habila

Cover des Buches Öl auf wasser (ISBN:9783884233917)

Öl auf wasser

 (9)
Erschienen am 20.04.2012
Cover des Buches Öl auf Wasser (ISBN:9783293208292)

Öl auf Wasser

 (3)
Erschienen am 28.01.2019
Cover des Buches Öl auf Wasser (ISBN:9783763266210)

Öl auf Wasser

 (1)
Erschienen am 01.01.2010
Cover des Buches Measuring Time (ISBN:9780141010076)

Measuring Time

 (1)
Erschienen am 28.02.2008
Cover des Buches The Granta Book of the African Short Story (ISBN:9781847084132)

The Granta Book of the African Short Story

 (0)
Erschienen am 01.05.2012
Cover des Buches Waiting for an Angel (ISBN:9780241141861)

Waiting for an Angel

 (0)
Erschienen am 31.10.2002

Neue Rezensionen zu Helon Habila

Neu

Rezension zu "Öl auf Wasser" von Helon Habila

Ins dunkle Delta.
Gulanvor 13 Tagen

Nigeria: Das Delta des Niger wird von Ölkonzernen konsequent ausgebeutet. Die ansässige Bevölkerung wehrt sich zunehmend dagegen und gründet Rebellengruppen, die gegen die Regierung und die Ölmultis kämpfen. Ein bewährtes Mittel zur Finanzierung ist die Entführung von ausländischen Konzernmitarbeitern oder deren Angehörigen. Der junge Reporter Rufus und sein erfahrener Kollege Zaq wittern im Zusammenhang mit der Entführung einer Engländerin eine gute Story, zudem hat auch ihr Mann die beiden um Hilfe gebeten hat. Mit Hilfe von einheimischen Bootsführern dringen die Journalistin immer tiefer ins Delta vor und damit in eine undurchsichtige, umkämpfte und zunehmend geschundene Umgebung.

Öl auf Wasser erschien erstmals 2012 im Verlag Das Wunderhorn und gewann überraschend auch den Deutschen Krimipreis. Nun erschien er als Taschenbuch im Unionsverlag. Das Besondere am Roman ist sicherlich auch das Thema, über das man in Europa zumindest in fiktionaler Form nur selten liest: Die innerstaatlichen Konflikte im nigerianischen Nigerdelta vor dem Hintergrund der dortigen großflächigen Ölexploration ausländischer Konzerne mit erheblichen negativen Umwelteffekten. Was dieser Roman denn auch sehr gut beherrscht ist die Balance zwischen politischen und gesellschaftlichen Themen und den Stimmungen der Hauptpersonen. Der Autor verzichtet auf allzu plakativen moralischen Darstellungen, schildert vielmehr die Realitäten von Gewalt und Gegengewalt und vor allem der Zerstörung einer Lebensgrundlage für die dort lebenden Menschen.

Zu Beginn erinnert der Roman an Joseph Conrad Herz der Finsternis. Eine Fahrt auf einem kleinen Boot im Nigerdelta, ölverschmutzte Ufer, verlassene Dörfer, hell leuchtende Abgasfackeln. Erzählt wird aus der Perspektive von Rufus, allerdings nicht chronologisch, immer wieder werden Einschübe aus der Vergangenheit eingeschoben. Das macht den Roman etwas sperrig und lässt die Spannungskurve abflachen. Somit ist dieses Buch weniger etwas für Fans klassischer Krimis, sondern eher für literarisch anspruchsvollere Liebhaber hintergründiger Darstellungen. Ich fand es aber auf jeden Fall lesenswert.

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Rezension zu "Öl auf Wasser" von Helon Habila

Spannender Umweltthriller aus Nigeria
Gwhynwhyfarvor 2 Monaten

»Dort unten lag etwas Organisches tot und verwesend herum, vielleicht ein menschliches Wesen, und dieser Gestank mischte sich mit dem unverwechselbaren Ölgeruch. Am Ende des Dorfes sickerte ein winziger Bach dem großen Fluss zu, an dem wir unser Boot zurückgelassen hatten. Die Grasnarbe, die am Ufer wuchs, erstickte unter einem Ölfilm, jeder Halm war mit Flecken übersäht, wie Leberflecken auf der Hand eines Rauchers.«

Ein Umweltthriller aus Nigeria der nicht besser beschreiben kann, was geschieht, wenn man gewissenlose Unternehmen schalten und walten lässt. Port Harcourt in Nigeria wird von Ölfirmen regiert. Allerdings müssen führende Persönlichkeiten der Firmen und Ingenieure auf der Hut sein, denn immer wieder werden sie selbst und ihre Angehörigen entführt, um ein Lösegeld zu erpressen. Nicht immer geht die Sache gut aus. Und als die Frau eines britischen Mitarbeiters aus der Führungsriege entführt wird, soll ein Reporterteam die Rebellen aufsuchen, mit der Frau reden, sehen, ob es ihr gut geht, bevor man bereit ist, das Lösegeld zu zahlen. Rufus, ein junger Journalist, der seinen Job nur erhalten hatte, weil er fotografieren kann, sieht seine Chance. Bisher durfte er nur Bilder festhalten. Er weiß, dass die Reise gefährlich werden kann, schon mancher Reporter musste auf der Suche nach einer Geisel sein Leben lassen – sei es drum, er will endlich schreiben. Ein Boot voller Journalisten von diversen Zeitungen ist unterwegs – und mittendrin entdeckt Rufus Zaq – sein Idol. An der Journalistenschule hatte Rufus an Zaqs Lippen gehangen, seinen Vorträgen gelauscht. Zaq kennt jeder im Land – Zaq der furchtlose Reporter – der, der grandiose Reportagen schreibt, aufzeigt was geschieht im Land.

»Nun, sie hatten ein Angebot gemacht, angeboten, das ganze Dorf zu kaufen ... hier waren sie glücklich, auch wenn sie nicht reich geworden waren ... Die Autos waren bereits kaputt und die billigen Fernseher und DVD-Geräte waren schon Schrott, und wo war der Rest des Geldes geblieben? Mit vollen Händen in den Bars von Port Harcourt hinausgeworfen, oder an Zweitfrauen oder bei Trauerfeiern verschwendet, und jetzt waren sie schlimmer dran als vorher. Ihre Flüsse waren bereits vergiftet und taugten nicht mehr zum Fischen, und das Land brachte nur noch Gasfackeln und Pipelines hervor.«

Glühende Sonnenuntergänge über schillernden Flüssen, Magrovenwälder - eine einst wunderschöne Landschaft ertrinkt im Öl, verschlammt, macht jedes Leben zunichte. Auf der einen Seite das Militär, auf der anderen Seite die Rebellen, die Menschen entführen, um sich zu finanzieren. Mitten drin Menschen, die schlicht überleben wollen, mit dem wenigen, was ihnen verblieben ist. Sie werden zwischen den Seiten zerrieben, denn von beiden Instanzen wird unterstellt, sie würden der anderen Seite helfen. Angst und Schrecken verbreiten beide. Wer ist hier gut und wer ist böse? Die, die behaupten, sie würden für die Ordnung stehen, sind sie die Guten, die Vertreter der Regierung? Oder sind es die Rebellen, die die Ölfirmen hinausschmeißen wollen? Sind sie die Guten, die das Land retten wollen? Sind die Rebellen vielleicht nur ehemals Kleinkriminelle, die sich heute die Freiheit auf die Fahne schreiben, um ihre Taten zu legitimieren? Brutale Willkür wird von allen Seiten an den Tag gelegt. Die Ärzte und Krankenschwestern in den Dörfern tun ihr Bestes den Menschen zu helfen, aber auch sie sind machtlos. Die Blutwerte der Dorfbewohner verschlechtern sich und wer gehen kann, der zieht fort. Zurück bleiben Frauen, Alte, Kranke, Kinder.

»In der Flussmitte war das Wasser klar, näher an den Ufern aber stand es brackig, eingeschlossen von den Mangroven, in deren Zweigen der Dunst in Klumpen hing wie Baumwollbällchen.«

In diesem Roman trifft Literatur auf Thriller. Helon Habila entwickelt den Thrill eigentlich nebenbei. Er schreibt eindringlich; Bilder setzen sich fest, es zerreißt einem fast das Herz, wenn man die Natur versinken sieht. Nie versucht der Autor zu richten, zu moralisieren. Seine Figuren sind authentisch und genauso intensiv wie seine Bilder. Zaq ist eine grandiose Persönlichkeit. Er erklärt Rufus, was die Aufgabe eines Journalisten ist: Aufschreiben was passiert, damit die Leute wissen, was passiert, damit die Nachwelt weiß, was damals passierte. Mehr nicht. Egal wie schockierend etwas ist, wie sehr es berührt, nicht einmischen – hinsehen, beschreiben, der Journalist ist das Auge – auch für das Grauen, auch für den Tod. In Rückblenden wird auf den Lebensweg der beiden Protagonisten zurückgegriffen, wie sich mehrfach ihre Wege kurz schnitten. Während der Militärdiktatur in Nigeria in den Neunzigern erreichte Zaq mit seinen Reportagen Kultstatus. Nichts war ihm zu gefährlich, kein Weg zu weit, kein Loch zu schmutzig. Er war der Reporter, der wochenlang im tiefsten Dreck ausharrte und beobachtete, beschrieb: Rebellen, Militär, Prostitution, alles, was das Land ausmachte. Heute ist er alt, todkrank, schwer vom Alkohol gezeichnet, ein Zyniker und er rät Rufus auszusteigen, bevor es zu spät ist. Aber er ist auch der, der zu Rufus sagt, sie beide müssen bleiben, weiter nach der Frau suchen, als alle anderen Journalisten nach einem Vorfall verängstigt abreisen. Dranbleiben, in die Tiefe gehen, sonst erfährt man nur Oberflächlichkeiten, so seine Devise. Der Roman ist sprachlich ausgefeilt, beschreibt Bilder, die alle Sinne erfassen, inhaltlich politisch, aufrüttelnd, ein Stück Geschichte aus dem Herzen Afrikas. Auf ständig wechselnden Zeitebenen wechseln auch die Perspektiven: Zoom und Weitwinkel im Wechsel, immer der Situation angepasst.

»Doch bald stellte ich fest, dass es den Leuten nicht in erster Linie um ihre Gesundheit ging; sie waren tatsächlich bemerkenswert gesund. Eines Tages sah mich ein Ältester scharf an und sagte: ›Ich bin nicht krank. Ich bin einfach nur arm. Können Sie mir dagegen etwas verschreiben? Wir wollen das Feuer hier, das Tag und Nacht brennt.«

Auf dem Buchdeckel steht Kriminalroman. Das finde ich etwas verwirrend. Hier suchen zwei Männer nach einer entführten Frau, aber weder wollen sie ein Verbrechen aufklären noch die Täter überführen. Letztendlich ist Suche nach dieser Frau auch nicht wichtig, sie dient einem andern Zweck: Helon Habila zeigt auf, was im Land geschieht. Große Versprechen der Ölgesellschaften, die Jobs und Reichtum gelobten, Menschen, die dachten, ein besseres Leben zu finden. Geblieben sind verseuchte Landstriche, entwurzelte Menschen, heimatlos, umherziehend, ihrer Nahrungsgrundlage beraubt. Dies ist ein Thriller, leider eine wahre Geschichte, von der niemand in Europa redet. Afrikaner kommen nach Europa – die sollen doch bleiben, wo sie sind, sagen viele. Dieser Umwelt-Thriller hilft vielleicht, zu verstehen, was in Afrika passiert, warum Menschen fliehen: Die Katastrophe im Nigerdelta ist nur eine Geschichte von vielen, um zu begreifen, wo das Problem liegt. In Nigeria verursachen die großen Ölfirmen - alle, die Firmensliste ist lang - eine Umweltkatastrophe kolossalen Ausmaßes. Schlecht verklinkte Pipelines, niedrige Sicherheitsstandards, ohne Umweltauflagen der Regierung, sickert Öl aus den Leitungen. Kinder und Erwachsene zapfen illegal Öl und Benzinleitungen an, um sich ein paar Pfennige zu verdienen. An allen Stellen sickert der Rotz aus den Pipelines und niemand kümmert sich drum: Fruchtbare Böden, und eine Landschaft aus verzweigten Nebenarmen von Flussmündungen wird zerstört, Fische, Vögel und andere Tiere sterben, Menschen werden krank, sterben oder fliehen irgendwohin, ihres Lebensunterhalts und ihrer Heimat beraubt. Eine Naturlandschaft, fast so groß wie die Schweiz, wird zerstört, ein Gebiet, in dem 30 Millionen Menschen leben. Wir brauchen mehr Literatur aus Afrika – mehr, um zu verstehen. Literatur geht ins Herz und das benötigen wir, um es zu öffnen, zu verstehen, was man uns in den täglichen Nachrichten verschweigt.

Helon Habila studierte Anglistik und schrieb für das Hints-Magazin in Lagos, bevor er als Redakteur zu Vanguard ins Feuilleton wechselte. Sein Roman Öl auf Wasser wurde mit dem deutschen Krimi Preis ausgezeichnet und stand u. a. auf der Shortlist des Pen/Open Book Awards und des Orion Book Awards. Für seine Kurzgeschichte Love Poems erhielt Habila 2001 den Caine Prize for African Writing. Er lebt in den USA und unterrichtet Kreatives Schreiben an der George Mason University in Washington, D. C.

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Rezension zu "Öl auf Wasser" von Helon Habila

Höllentrip in die Apocalypse
aus-erlesenvor 6 Monaten

Journalist Rufus wittert den Scoop. Die Story seines Lebens. Die Story, die ihn berühmt machen wird. Dass im Nigerdelta nur die Gewalt regiert, ist bekannt. Wieder einmal wurde jemand entführt. Doch dieses Mal ist es die Frau eines hochrangigen Mitarbeiters aus der oberen Etage eines Ölmultis. 
Die Rebellen, so bezeichnen sich die Kidnapper, fordern Geld, viel Geld und laden zynischerweise auch noch Journalisten ein. Rufus reist mit Zaq in eine der gefährlichsten Regionen der Welt. Zaq war einmal das, was Rufus vielleicht noch bevorstehen wird: Ein gefeierter Autor einer großen Zeitung. Beide kennen sich von der Journalistenschule, von der Rufus von Zaq für seine herausragenden Leistungen geehrt wurde. Jetzt ist Zaq ein Säufer, ein desillusioniertes Wrack.
Für Rufus ist er aber auch Ratgeber. Nicht die Suche nach der verschwundenen Frau steht im Vordergrund. Die Suche nach dem Was soll Rufus antreiben. Die Frau taucht schon wieder auf. Der Konzern wird schon zahlen. Am Geld wird’s nicht scheitern. 
Die Horde Journalisten dezimiert sich freiwillig immer mehr. Bis nur noch Rufus und Zaq übrigbleiben. Schnell finden sie Helfer und Gefährten, die sie im Dickicht der Gefahren in scheinbar sicheres Land führen. Die Ruhe trügt. Ein perfides System aus Korruption, Gewalt und Einschüchterung hält ganze Landstriche in Atem. Wo eben noch das Leben pulsierte, regieren nun Ödnis, Angst und über allem hängt der Gestank des Todes. Wie Captain Willard in „Apocalypse Now“ schreitet Rufus immer weiter voran. Zum Schluss sogar ganz allein. Denn Zaq hat seine letzte Reise bereits angetreten. Willard wusste wen er sucht. Rufus hingegen weiß bis zum Schluss nicht, was er sucht bzw. zu finden droht. Im Reisegepäck hat Rufus außerdem die Erinnerungen. An die Familie, den Vater, die Mutter und die geliebte Schwester. 
Helon Habila zeichnet ein düsteres, vor allem aber klares und exaktes Bild einer Region, die fast gänzlich von der öffentlichen Bildfläche verschwunden zu sein scheint. Kleine Nadelstiche ins welkende Herz des Deltas verschaffen den Menschen zu kurzzeitig Linderung. Große Veränderungen bedürfen größerer Schritte. Dieses Buch ist aber elementarer Bestandteil dieses Kampfes, der niemals vergessen werden darf.

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