Prof. Dr. Hendrik Streeck, bekannter Virologe und seit Kurzem für die CDU im Deutschen Bundestag, nun auch als Thriller-Autor. Kann das gut gehen? Eher nicht. Zumindest wenn man das Buch ausschließlich unter dem Aspekt einer spannungsgeladenen Geschichte betrachtet. Der teils hölzerne bis holprige Erzählstil, mit zahlreichen Stummel- und Plattsätzen, und jeweils aus der Ich-Perspektive der handelnden Personen erzählt, zieht dem Spannungsaspekt wohl ungewollt den Stecker. Und so braucht es dann fast 300 Seiten bevor der Roman so richtig in Fahrt kommt, um schließlich im Ungefähren zu versanden. Hier wurde viel Potential verschenkt – und hätte durch ein besseres Lektorat leicht gehoben werden können.
Andererseits bietet der Roman einen allgemeinen Einblick in die universitäre Forschungslandschaft. Auch wenn der Roman in den USA (Bosten) spielt, so sind die hier gemachten Aussagen sicher auch auf die bundesrepublikanischen Verhältnisse anzuwenden. Unter diesem Aspekt ist das Buch, das eine Fülle von (größtenteils wohl selbst erlebten) Insiderinformationen enthält, mit einigem Gewinn zu lesen. Darüber hinaus ist das Thema so aktuell wie nie, und es kann durchaus davon ausgegangen werden, dass Teile der hier beschriebenen Ereignisse bereits in irgendeinem Labor auf dieser Welt so oder so ähnlich ablaufen.
Wie in nahezu allen menschlichen Lebensbereichen gibt es auch auf dem Gebiet der Virologie eine helle und eine dunkle Seite. Während die eine, dem Menschen zugewandte Richtung (beispielsweise durch die Möglichkeit einer gezielten Krebsbekämpfung), das Leid mindern hilft, kann dieses Wissen auch missbräuchlich, als Biowaffe, verwendet werden. Das hier der zweite Aspekt im Vordergrund steht, dürfte naheliegen. Zwar sind die hierzu gemachten Aussagen noch fiktiv, doch im Sinne von „Alles, was denkbar ist, wird auch irgendwann erforscht“ durchaus im Bereich des Realistischen anzusiedeln. Und ein in einen Virus eingebauter (Stichwort: CRISPR/Cas) ON/OFF-Mechanismus für eine gezielte Anwendung liegt sicher im Bereich des Möglichen und würde, wie hier beschrieben, sicher „die Büchse der Pandora“ öffnen.
Kurz: Ein Thriller, der hinter den Erwartungen zurückbleibt, dafür aber eine Fülle von beachtenswerten Informationen rund um Forschung, Macht und Willkür bereithält.

















