Henning Ahrens

 4.1 Sterne bei 37 Bewertungen
Autor von Lauf Jäger lauf, Tiertage und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Henning Ahrens

Henning Ahrens wuchs bei Peine auf und studierte Anglistik, Geschichte und Kunstgeschichte in Göttingen, London und Kiel. 1995 promovierte er in Philosophie . Henning Ahrens verfasst v.a. Lyrik und erzählende Prosa. Seine Romane haben viele fantastische Elemente. Neben dem Schreiben, übersetzt Ahrens auch aus dem Englischen. Er lebt auf dem Land in Niedersachsen.

Alle Bücher von Henning Ahrens

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Lauf Jäger lauf

Lauf Jäger lauf

 (7)
Erschienen am 01.03.2002
Tiertage

Tiertage

 (6)
Erschienen am 01.02.2009
Die Abschaffung des Zufalls

Die Abschaffung des Zufalls

 (5)
Erschienen am 30.07.2012
Kein Schlaf in Sicht

Kein Schlaf in Sicht

 (5)
Erschienen am 11.03.2008
Glantz und Gloria - Ein Trip

Glantz und Gloria - Ein Trip

 (5)
Erschienen am 20.08.2015
Langsamer Walzer

Langsamer Walzer

 (4)
Erschienen am 01.09.2006
Provinzlexikon

Provinzlexikon

 (2)
Erschienen am 03.03.2011

Neue Rezensionen zu Henning Ahrens

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Farbwirbels avatar

Rezension zu "Glantz und Gloria - Ein Trip" von Henning Ahrens

Irres Schauspiel mit Suche nach dem roten Faden
Farbwirbelvor 3 Jahren

Rock Oldekamp, der sich selbst diesen Namen gab, kehrt zurück nach Glantz im Düster, einem fiktiven Dorf, welches fremdenfeindlicher und aggressiver nicht sein könnte. In seiner Kindheit verlor Oldekamp seine Eltern während eines Hausbrands. Auf den Spuren seiner Ursprünge begibt er sich also in dieses Dorf am Rande des Nirgendwos.

„Die blaugrünen Kämme des Düsters tanzten im Takt des Vogelgezwitschers, die Sonne himmelte die Erde an, über den Feldern und Wiesen lag ein Flimmern und Zittern, wie es über den Werken großer Dichter liegt.“ - S. 25

Er trifft auf Gloria, in die er sich sofort verliebt, die aber urplötzlich verschwindet und die er verzweifelt sucht.

Er trifft auf Landhauer, einen Extremvegetarier und Einsiedler, der es sich mit den Dorfbewohnern verscherzt hatte.

Er trifft auf Koraschke, einen alten Mann, der Angst um sein Haus hat, in das ein unentdeckter, unterirdischer Gang von Landhauers Haus führt.

Die Dorfbewohner sind irre. In ihrem Hass auf Fremdes und Fremde sind sie schnell in Mobs organisiert, hetzen gegen Landhauer und Oldekamp, der als Hippie hingestellt wird. Sie skandieren seltsame Sprüche voll mit offensichtlicher und versteckter Ablehnung gegen alles Unbekannte.

Der Dorfmob versucht Koraschke, Landhauer und Oldekamp brutal klein zu kriegen. Auf der anderen Seite versucht der missionierende Vegetarier Landhauer, alle Fleischfresser eines besseren zu belehren und sieht am Ende keine bessere Lösung, als durch eine Explosion die Schweinemast niederzustrecken und die Tiere zu befreien, wobei er selbst stirbt.

Die ganze Zeit sucht Oldekamp dabei nach Gloria, die eigentlich kam, um die neue Dorfärztin zu werden. Was er findet, sind kleine Hinweise und ihre Handtasche in einer Telefonzelle. Eine Entführung durch die Glantzer?

„Entsprach das Foto, das Gloria in Kremsers Kartoffelkeller zeigte, den Tatsachen? War das Schattenspiel im Kolonialwarenladen inszeniert? Geht die Sonne morgens unter? Bin ich nicht Rock Oldekamp, nehme aber Drogen? Ist die Erde ein Ball, den die Götter durch das All kicken?“ - S. 113

Zum großen Explosions-Mob-Schweinehorde-Höhepunkt trifft Oldekamp dann noch Helene, die die bessere Partie für ihn zu sein scheint und mit der er, nach die Medien in den Glantz gezogen waren, um von den dortigen irren Machenschaften zu berichten, aus dem Düster wegfährt. Zurück in die Zivilisation sozusagen.

Das Buch war sehr, sehr anstrengend zu lesen. Andauernd springt die Erzählung in der Zeit. Mal ist Gloria noch da, dann wird vom Ende berichtet, dann aus der Kindheit, dann gibt es unzuordbare Passagen... Schwierig. Dabei ist auch viel in verkünstelten, lyrischen Passagen geschrieben. Teilweise gefallen die Bilder, die der Autor dabei aufwirft, teilweise verwirren sie nur noch mehr. Ich glaube nicht, behaupten zu können, alles verstanden zu haben, aber ich glaube, das hat Oldekamp selbst auch nicht.

Am Ende könnte man sogar auf die Idee kommen, Helene und Gloria sind eine Person? Der Roman lässt auf jeden Fall viele Fragen unbeantwortet.

Eines lässt sich aber auf jeden Fall feststellen. Es ist eine Satire auf Hinterdeutschland. Auf alle die Menschen, die – und aktueller könnte der Roman wohl kaum sein – vorgefertigte Meinungen annehmen und mit dem Trott mitgehen, nicht selber denken und einer in der Masse werden - in der gewaltbereiten Masse. Schwarzweißmalerei wird kritsiert und das zurecht, Traditionstümelei verspottet und dabei ist der Roman sehr nah an dem, was sich heute abzeichnet. So wirkt die überspitzte Darstellung des Glantzer Mobs gar nicht mehr so überspitzt, besieht man sich die Aussagen und Taten Pegidas oder der AfD. Schrecklich wahr.

„Eine weiße Maus überlebt unter braunen Mäusen nur, wenn sie sich ständig im Dreck wälzt, um ihr Fell zu färben. Beschließt sie, stattdessen zu ihrer eigenen Farbe zu stehen, so weckt das den Unmut der braunen Mäuse, und fügt sie sich keinem Anpfiff, beugt sich weder Pöbel noch Hetze, dann werden die braunen Mäuse böse und beginnen zu beißen, denn wer nicht braun ist, kann keine Maus sein, und wer keine Maus ist, der muss raus, da kennen Nager kein Pardon, und am Ende steht alles in Flammen.“ - S. 163f

Es handelt sich für mich um ein thematisch wichtiges Buch, welches aber im Aufbau dermaßen anstrengend zu lesen war, dass ich kurz davor war, es abzubrechen. Insofern fällt mir die Bewertung sehr schwer. Da es aber wirklich kein Lesevergnügen war, gebe ich nur zwei Sterne.

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KollegeKraftwagens avatar

Rezension zu "Tiertage" von Henning Ahrens

Rezension zu "Tiertage" von Henning Ahrens
KollegeKraftwagenvor 8 Jahren

Obwohl nach Gretas Rezension sich eigentlich jede weitere erübrigt und gerade meine auf dem bei diesem Titel gepflegten Rezensionsniveau etwas abfällt, stelle ich sie jetzt noch hier dazu, weil sie halt schon da ist und seit Januar 2008 an anderer Stelle Werbung gemacht hat für einen der größten und verkanntesten lebenden deutschen Autoren.

"Ich kann es kaum glauben, daß sich bislang keiner erbarmt hat, dieses wunderbare Buch zu rezensieren, es scheint generell im Neuerscheiunungswirrwar untergegangen zu sein, was eine Schande ist. Ich habe dieses wie auch die beiden anderen Romane von ihm gelesen und bin von allen sehr angetan. "Tiertage" ist übrigens von allen der 'bekömmlichste', also ein guter Einstieg ins Ahrens-Universum. Henning Ahrens ist schlicht und einfach unvergleichbar in der zeitgenössischen Literaturszene (Das könnte auch sein Problem sein). Fast alle, denen ich dieses Buch empfohlen habe, waren überrascht und begeistert von Ahrens meisterhaft leichtfüßiger Schreibweise.
Als Vergleich fällt mir eigentlich fast nichts ein, vielleicht kann man sich den Roman als sonniges Pendant zu Duves "Regenroman" vorstellen. Die Phantasie und eben Ironie seiner Texte erinnert mich allerdings mehr noch an die romantische Ironie, an Tieck, seine "Verkehrte Welt", die Phantasus-Märchen. Ahrens hat eine Art zeitgenössisches Tiermärchen geschrieben, einen "Gestiefelten Kater" für unsere Zeit, nur daß hier der Held ein ehebrecherischer Hase ist, der statt seiner Sasse lieber eine hübsche Häsin namens Lady Snowblood anbetet und angesichts steigender Zahlen sinnlos getöteter Tiere unter die Detektive geht. Parallel dazu entfaltet sich eine Handlung im Kontext der Menschengesellschaft, der die toten Tiere ziemlich egal sind. Dort verlieben sich einige hoffnungslose Kleinstadtmänner in die zugezogene Miranda Schmitt, was tragikomische Verwicklungen nach sich zieht. Einige von ihnen sind dringend der Tiermorde verdächtig.
Vielleicht lassen sich viele vom abstrusen Plot abschrecken, aber gerade in der völlig ernsthaften Darstellung einer solchen Story - und das ohne vordergründige Humorsignale! - liegt Ahrens' Stärke. Das hier ist das Gegenteil von Comedy. Hier regiert die Phantasie und der Plot gehorcht deren Gesetzen, hier liegen Lachen, Weinen und Grausen immer haarscharf nebeneinander, man beginnt an der Wirklichkeit der Wirklichkeit zu zweifeln, denn der hier geschilderte Phantastische Unsinn wirkt irgendwie natürlicher und lebendiger als alles, was der gesunde Menschenverstand konstruieren könnte.
Ein angenehm dezentrierender Roman, der in eine unverwechselbare phantastische Bildwelt einführt, die einen so schnell nicht loslässt. Und das beste: die anderen beiden Romane sind noch besser!"

Kommentare: 3
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Gretas avatar

Rezension zu "Tiertage" von Henning Ahrens

Rezension zu "Tiertage" von Henning Ahrens
Gretavor 8 Jahren

demnächst richte ich in meinem regal eine niedersachsenecke ein. nur für dieses buch. danach werde ich groupie und fahre nach handorf, wo der autor wohnt, wie das scheißinternet mir erklärt. ich wäre aber nur groupie des ortes und der landschaft, ich wäre nicht groupie des autors. wegen der schönen ortsnamen in der umgebung würde ich natürlich auch sofort nach handorf ziehen, ungeprüft sogar, in völliger unkenntnis der sachlage, aber in kenntnis der landkartenlage. ich wäre keine touristin, sondern groupie einer landschaft, groupie von ortsnamen und flussläufen, groupie vom allerbesten, schönsten, beruhigendsten provinzklischee. ich würde da im konjunktiv ausflippen vor glück, ganz leise. wenn handorf nämlich der drittgrößte ort der gemeinden bardowick, bardum, mechtersen, radbruch, handorf, vögelsen und wittorf ist, dann möchte ich genau dort auch sofort mein haus hinstellen, in die nachbarschaft dieser orte, in einen drittgrößten ort unter sieben, in einen drittgrößten ort einer samtgemeinde, was immer das ist. in die nähe eines großen sich schlängelnden flusses, wie die karte beweist. es würde häufig ein angenehm weicher wind wehen, weil auch das meer nicht so weit entfernt auf befehl einer landkarte endete. und große städte wären im prinzip binnen einer tagesreise mit dem rad erreichbar, auch im prinzip aber ebensogut verzichtbar, je nach laune. einmal jährlich gäbe es eine fahrradrallye, ein schützenfest, ein fußball-freizeifest. ich würde fußball, volleyball oder tennis spielen. oder turnen. eine entscheidung zwischen vier sportarten würde mir sicher gelingen.
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"tiertage" wiederum, das buch, in dessen fast leeres internetfeld ich hier schreibe, spielt weder in handorf, noch in bardowick, bardum, mechtersen, radbruch, vögelsen oder wittorf. sondern es spielt in sarsum. sarsum ist, glaube ich, ein für den roman von henning ahrens eigens komplett neu erfundener ort! wäre sarsum sorsum, ich würde hier laut schreien: ha, sorsum, das kenn ich! sorsum, das liegt doch da bei hildesheim, in einer umgebung mit sanften hügeln-nicht-bergen, einer enormen treckerdichte, ackerböden mit 1-a-fruchtbarkeit und das alles in optimalster bundesstraßennähe! weil sorsum nämlich in meinen heimatradius fällt, wäre ich sofort unruhig, zappelig und annähernd laut und begeistert. sarsum aber kenne ich nicht, es lässt sich auch nicht googeln. vielleicht ist sarsum die einzige und letzte gemeinde deutschlands, die sich nicht googeln lässt.
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wie dem auch sei. (wie sieht das denn aus? etwa wie sprache?)
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ich bin trotzdem annähernd laut und begeistert.
ich wäre gerne eine sarsumerin.
wäre ich eine sarsumerin, wäre ich mit glück zufällig auch eine sarsumerin gewesen, die mitbekommen hätte, wie der reiher fledgling mcfeather einen selbst geschriebenen zettel in der polizeiwache abgibt, auf dem steht "där wildä man tötät tirä aus burer lußt. hälft unts bittä", -und der für einen storch gehalten wird.
.
noch so vielen stellen, szenen und sätzen mehr müsste man hier platz einräumen, ganz viel internet löschen und leer räumen dafür,... oder besser nicht. sondern ganz allein das buch noch einmal lesen.

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Henning Ahrens wurde am 22. November 1964 in Peine (Deutschland) geboren.

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