Henning Ahrens Glantz und Gloria - Ein Trip

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Inhaltsangabe zu „Glantz und Gloria - Ein Trip“ von Henning Ahrens

Ein wilder Reigen, ein irrwitziger Traum, eine deutsche Geschichte. Rock Oldekop kehrt nach Glantz im Düster, in seine alte Heimat zurück, um herauszufinden, was sich wirklich zugetragen hat, damals, in der Nacht, als seine Eltern bei einem Brand umkamen. Tiefer und tiefer gerät er in einen wahnwitzigen rasenden Albtraum. Fürchterlich und barbarisch geht es zu in diesem fiktiven Mittelgebirge. Radikal phantastisch, mit einer zärtlichen Absolutheit und virtuosen Wucht erzählt Henning Ahrens von der Suche nach der Herkunft, einer Identität, einer Lebensgeschichte.

Mein erstes literarisches Highlight 2016: anspielungsreiche, phantasievolle Abrechnung mit dem Topos Provinz, ungeplant aktuell.

— Liseron
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    Glantz und Gloria - Ein Trip
    Farbwirbel

    Farbwirbel

    31. March 2016 um 17:41

    Rock Oldekamp, der sich selbst diesen Namen gab, kehrt zurück nach Glantz im Düster, einem fiktiven Dorf, welches fremdenfeindlicher und aggressiver nicht sein könnte. In seiner Kindheit verlor Oldekamp seine Eltern während eines Hausbrands. Auf den Spuren seiner Ursprünge begibt er sich also in dieses Dorf am Rande des Nirgendwos. „Die blaugrünen Kämme des Düsters tanzten im Takt des Vogelgezwitschers, die Sonne himmelte die Erde an, über den Feldern und Wiesen lag ein Flimmern und Zittern, wie es über den Werken großer Dichter liegt.“ - S. 25 Er trifft auf Gloria, in die er sich sofort verliebt, die aber urplötzlich verschwindet und die er verzweifelt sucht. Er trifft auf Landhauer, einen Extremvegetarier und Einsiedler, der es sich mit den Dorfbewohnern verscherzt hatte. Er trifft auf Koraschke, einen alten Mann, der Angst um sein Haus hat, in das ein unentdeckter, unterirdischer Gang von Landhauers Haus führt. Die Dorfbewohner sind irre. In ihrem Hass auf Fremdes und Fremde sind sie schnell in Mobs organisiert, hetzen gegen Landhauer und Oldekamp, der als Hippie hingestellt wird. Sie skandieren seltsame Sprüche voll mit offensichtlicher und versteckter Ablehnung gegen alles Unbekannte. Der Dorfmob versucht Koraschke, Landhauer und Oldekamp brutal klein zu kriegen. Auf der anderen Seite versucht der missionierende Vegetarier Landhauer, alle Fleischfresser eines besseren zu belehren und sieht am Ende keine bessere Lösung, als durch eine Explosion die Schweinemast niederzustrecken und die Tiere zu befreien, wobei er selbst stirbt. Die ganze Zeit sucht Oldekamp dabei nach Gloria, die eigentlich kam, um die neue Dorfärztin zu werden. Was er findet, sind kleine Hinweise und ihre Handtasche in einer Telefonzelle. Eine Entführung durch die Glantzer? „Entsprach das Foto, das Gloria in Kremsers Kartoffelkeller zeigte, den Tatsachen? War das Schattenspiel im Kolonialwarenladen inszeniert? Geht die Sonne morgens unter? Bin ich nicht Rock Oldekamp, nehme aber Drogen? Ist die Erde ein Ball, den die Götter durch das All kicken?“ - S. 113 Zum großen Explosions-Mob-Schweinehorde-Höhepunkt trifft Oldekamp dann noch Helene, die die bessere Partie für ihn zu sein scheint und mit der er, nach die Medien in den Glantz gezogen waren, um von den dortigen irren Machenschaften zu berichten, aus dem Düster wegfährt. Zurück in die Zivilisation sozusagen. Das Buch war sehr, sehr anstrengend zu lesen. Andauernd springt die Erzählung in der Zeit. Mal ist Gloria noch da, dann wird vom Ende berichtet, dann aus der Kindheit, dann gibt es unzuordbare Passagen... Schwierig. Dabei ist auch viel in verkünstelten, lyrischen Passagen geschrieben. Teilweise gefallen die Bilder, die der Autor dabei aufwirft, teilweise verwirren sie nur noch mehr. Ich glaube nicht, behaupten zu können, alles verstanden zu haben, aber ich glaube, das hat Oldekamp selbst auch nicht. Am Ende könnte man sogar auf die Idee kommen, Helene und Gloria sind eine Person? Der Roman lässt auf jeden Fall viele Fragen unbeantwortet. Eines lässt sich aber auf jeden Fall feststellen. Es ist eine Satire auf Hinterdeutschland. Auf alle die Menschen, die – und aktueller könnte der Roman wohl kaum sein – vorgefertigte Meinungen annehmen und mit dem Trott mitgehen, nicht selber denken und einer in der Masse werden - in der gewaltbereiten Masse. Schwarzweißmalerei wird kritsiert und das zurecht, Traditionstümelei verspottet und dabei ist der Roman sehr nah an dem, was sich heute abzeichnet. So wirkt die überspitzte Darstellung des Glantzer Mobs gar nicht mehr so überspitzt, besieht man sich die Aussagen und Taten Pegidas oder der AfD. Schrecklich wahr. „Eine weiße Maus überlebt unter braunen Mäusen nur, wenn sie sich ständig im Dreck wälzt, um ihr Fell zu färben. Beschließt sie, stattdessen zu ihrer eigenen Farbe zu stehen, so weckt das den Unmut der braunen Mäuse, und fügt sie sich keinem Anpfiff, beugt sich weder Pöbel noch Hetze, dann werden die braunen Mäuse böse und beginnen zu beißen, denn wer nicht braun ist, kann keine Maus sein, und wer keine Maus ist, der muss raus, da kennen Nager kein Pardon, und am Ende steht alles in Flammen.“ - S. 163f Es handelt sich für mich um ein thematisch wichtiges Buch, welches aber im Aufbau dermaßen anstrengend zu lesen war, dass ich kurz davor war, es abzubrechen. Insofern fällt mir die Bewertung sehr schwer. Da es aber wirklich kein Lesevergnügen war, gebe ich nur zwei Sterne.

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