Henning Ahrens Tiertage

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Inhaltsangabe zu „Tiertage“ von Henning Ahrens

Es ist ein heißer Sommer, im Dorf kennt jeder jeden. Man sucht Abkühlung im Baggersee. Da entsteigt Miranda Schmid den Fluten, die mit ihrer Familie ins Grüne Haus gezogen ist, und die Welt ist auf einmal eine andere – für Rudolf Wolters, den Stilllebenmaler, Viktor Hoppe, den Englischlehrer, und auch für Asta Frey, die im Roadster quer durchs Land von Coaching zu Training saust. Im Hinterland der Natur liegt die Provinz, aber die Natur der Liebe, wie wir wissen, ist überall gleich. Da wird aus Nachbarschaft schnell Leidenschaft und Treue wird zur Tragik. Als dann der Wilde Mann auftaucht und wahllos Tiere tötet, muss endlich gehandelt werden. Die Hilfe naht von unerwarteter Seite: von Mr. Allyours, dem Hasen, und seinem Freund, dem Reiher Fledgling McFeather.

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  • Rezension zu "Tiertage" von Henning Ahrens

    Tiertage
    KollegeKraftwagen

    KollegeKraftwagen

    Obwohl nach Gretas Rezension sich eigentlich jede weitere erübrigt und gerade meine auf dem bei diesem Titel gepflegten Rezensionsniveau etwas abfällt, stelle ich sie jetzt noch hier dazu, weil sie halt schon da ist und seit Januar 2008 an anderer Stelle Werbung gemacht hat für einen der größten und verkanntesten lebenden deutschen Autoren. "Ich kann es kaum glauben, daß sich bislang keiner erbarmt hat, dieses wunderbare Buch zu rezensieren, es scheint generell im Neuerscheiunungswirrwar untergegangen zu sein, was eine Schande ist. Ich habe dieses wie auch die beiden anderen Romane von ihm gelesen und bin von allen sehr angetan. "Tiertage" ist übrigens von allen der 'bekömmlichste', also ein guter Einstieg ins Ahrens-Universum. Henning Ahrens ist schlicht und einfach unvergleichbar in der zeitgenössischen Literaturszene (Das könnte auch sein Problem sein). Fast alle, denen ich dieses Buch empfohlen habe, waren überrascht und begeistert von Ahrens meisterhaft leichtfüßiger Schreibweise. Als Vergleich fällt mir eigentlich fast nichts ein, vielleicht kann man sich den Roman als sonniges Pendant zu Duves "Regenroman" vorstellen. Die Phantasie und eben Ironie seiner Texte erinnert mich allerdings mehr noch an die romantische Ironie, an Tieck, seine "Verkehrte Welt", die Phantasus-Märchen. Ahrens hat eine Art zeitgenössisches Tiermärchen geschrieben, einen "Gestiefelten Kater" für unsere Zeit, nur daß hier der Held ein ehebrecherischer Hase ist, der statt seiner Sasse lieber eine hübsche Häsin namens Lady Snowblood anbetet und angesichts steigender Zahlen sinnlos getöteter Tiere unter die Detektive geht. Parallel dazu entfaltet sich eine Handlung im Kontext der Menschengesellschaft, der die toten Tiere ziemlich egal sind. Dort verlieben sich einige hoffnungslose Kleinstadtmänner in die zugezogene Miranda Schmitt, was tragikomische Verwicklungen nach sich zieht. Einige von ihnen sind dringend der Tiermorde verdächtig. Vielleicht lassen sich viele vom abstrusen Plot abschrecken, aber gerade in der völlig ernsthaften Darstellung einer solchen Story - und das ohne vordergründige Humorsignale! - liegt Ahrens' Stärke. Das hier ist das Gegenteil von Comedy. Hier regiert die Phantasie und der Plot gehorcht deren Gesetzen, hier liegen Lachen, Weinen und Grausen immer haarscharf nebeneinander, man beginnt an der Wirklichkeit der Wirklichkeit zu zweifeln, denn der hier geschilderte Phantastische Unsinn wirkt irgendwie natürlicher und lebendiger als alles, was der gesunde Menschenverstand konstruieren könnte. Ein angenehm dezentrierender Roman, der in eine unverwechselbare phantastische Bildwelt einführt, die einen so schnell nicht loslässt. Und das beste: die anderen beiden Romane sind noch besser!"

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  • Rezension zu "Tiertage" von Henning Ahrens

    Tiertage
    Greta

    Greta

    29. October 2010 um 23:00

    demnächst richte ich in meinem regal eine niedersachsenecke ein. nur für dieses buch. danach werde ich groupie und fahre nach handorf, wo der autor wohnt, wie das scheißinternet mir erklärt. ich wäre aber nur groupie des ortes und der landschaft, ich wäre nicht groupie des autors. wegen der schönen ortsnamen in der umgebung würde ich natürlich auch sofort nach handorf ziehen, ungeprüft sogar, in völliger unkenntnis der sachlage, aber in kenntnis der landkartenlage. ich wäre keine touristin, sondern groupie einer landschaft, groupie von ortsnamen und flussläufen, groupie vom allerbesten, schönsten, beruhigendsten provinzklischee. ich würde da im konjunktiv ausflippen vor glück, ganz leise. wenn handorf nämlich der drittgrößte ort der gemeinden bardowick, bardum, mechtersen, radbruch, handorf, vögelsen und wittorf ist, dann möchte ich genau dort auch sofort mein haus hinstellen, in die nachbarschaft dieser orte, in einen drittgrößten ort unter sieben, in einen drittgrößten ort einer samtgemeinde, was immer das ist. in die nähe eines großen sich schlängelnden flusses, wie die karte beweist. es würde häufig ein angenehm weicher wind wehen, weil auch das meer nicht so weit entfernt auf befehl einer landkarte endete. und große städte wären im prinzip binnen einer tagesreise mit dem rad erreichbar, auch im prinzip aber ebensogut verzichtbar, je nach laune. einmal jährlich gäbe es eine fahrradrallye, ein schützenfest, ein fußball-freizeifest. ich würde fußball, volleyball oder tennis spielen. oder turnen. eine entscheidung zwischen vier sportarten würde mir sicher gelingen. . "tiertage" wiederum, das buch, in dessen fast leeres internetfeld ich hier schreibe, spielt weder in handorf, noch in bardowick, bardum, mechtersen, radbruch, vögelsen oder wittorf. sondern es spielt in sarsum. sarsum ist, glaube ich, ein für den roman von henning ahrens eigens komplett neu erfundener ort! wäre sarsum sorsum, ich würde hier laut schreien: ha, sorsum, das kenn ich! sorsum, das liegt doch da bei hildesheim, in einer umgebung mit sanften hügeln-nicht-bergen, einer enormen treckerdichte, ackerböden mit 1-a-fruchtbarkeit und das alles in optimalster bundesstraßennähe! weil sorsum nämlich in meinen heimatradius fällt, wäre ich sofort unruhig, zappelig und annähernd laut und begeistert. sarsum aber kenne ich nicht, es lässt sich auch nicht googeln. vielleicht ist sarsum die einzige und letzte gemeinde deutschlands, die sich nicht googeln lässt. . wie dem auch sei. (wie sieht das denn aus? etwa wie sprache?) . ich bin trotzdem annähernd laut und begeistert. ich wäre gerne eine sarsumerin. wäre ich eine sarsumerin, wäre ich mit glück zufällig auch eine sarsumerin gewesen, die mitbekommen hätte, wie der reiher fledgling mcfeather einen selbst geschriebenen zettel in der polizeiwache abgibt, auf dem steht "där wildä man tötät tirä aus burer lußt. hälft unts bittä", -und der für einen storch gehalten wird. . noch so vielen stellen, szenen und sätzen mehr müsste man hier platz einräumen, ganz viel internet löschen und leer räumen dafür,... oder besser nicht. sondern ganz allein das buch noch einmal lesen.

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  • Rezension zu "Tiertage" von Henning Ahrens

    Tiertage
    JulienS

    JulienS

    23. October 2008 um 16:36

    Die Sommer des neuen Jahrhunderts sind heiß. Hase und Reiher stehen am Weiher. „Verstehe ich richtig“, fragt Fledgling McFeather, der Fischreiher, „ich soll dir helfen, deine Frau zu betrügen? Worum geht es dir bei der Sache?“, fragt er und ruckt mit dem Hals. „Um Liebe? Sex? Die Gründung einer Patchworkfamilie?“ Aber Mr Allyours, ein Rammler in besten Hasenjahren, geht es nicht um diese profanen Sachen. Sagt er. Er will einen Mörder dingfest machen. Den wilden Mann, der aus purer Lust Tiere tötet. Offen gestanden, die Gründe, warum er den Mörder sucht, sind ganz profan: Er will ihn kriegen, weil er es Lady Why, einer bezaubernden jungen Häsin versprochen hat. Erst dann, wenn er den wilden Mann hat, sei er ihrer Liebe wert, hat sie versprochen. Und das ist ein Ansporn. Jetzt, in der schwülen Hitze am Teich, wünscht er sich statt seiner weißen Blume am Hintern einen Kuhschwanz, um die Fliegen zu vertreiben. Ob unser Rammler Charakter zeigt, und ob er Erfolg hat, muss hier noch offen bleiben. So viel sei aber gesagt: Die Geschichte des in seiner Treue herausgeforderten Mr Allyours und seines gestrengen Freundes Fledgling McFeather ist nur eine von vielen in diesem Roman. Es treten zum Beispiel auch auf eine Mitvierzigerin, Asta Frey, Managementberaterin und Trainerin, deren Mann sie mit den Kindern verlassen hat. Er wohnt nun in Berlin, spielt mit ihr das übliche Trennungs-doublebind-Spiel. Sie ist dauernd von Training zu Beratung unterwegs, froh, dass er weg ist und einsam. Und Rudolf Wolters. Er ist Maler, er und seine Frau Emmi, beide gut in den Fünfzigern, haben vieles aufgegeben, auf vieles Verzichtet, darunter ein angenehmeres Leben, darunter Kinder, damit Rudolf seine Maler-Karriere vorantreiben konnte. Jetzt ist er an einem Punkt angekommen, an dem er nicht weiter kommt, wenngleich noch weit weg von den Zielen, die er mal hatte. Oder Miranda Schmid, die gerade ins grüne Haus gezogen ist, mit ihren zwei Kindern, mit einem Mann, der die längste Zeit unsichtbar bleibt. Von ihrem Haus kann man lernen, dass schöner Wohnen nicht immer ein schöneres Leben macht. Die eine oder andere dieser Figuren werden Sie gleich kennen lernen. Alle schlagen sich mit ihrem normalen Leben herum. Neurosen im Neubaugebiet, Lebensprobleme im Mittelstand – könnte man sagen. Das kleine Scheitern im kleinen Leben: traurige Selbstverständlichkeiten, die als unüberwindbare Barrieren im Alltag stehen; Lebensläufe, die sich an einer Kette von unsichtbaren Beleidigungen entlang hangeln von Kleinstniederlage zu Kleinstniederlage. Es sind aber Menschen, die trotzdem traurig weiterkämpfen, die trotzdem (uns tröstend) die Hoffnung nicht aufgeben. Wir kennen das aus Berliner Altbauwohnungen, aus den Robert Altmans Los-Angeles-Filmen, aus Woody Allens New Yorker Spätwerk und – aus dem unmittelbaren Bekanntenkreis. Hier, in Tiertage, ist das, was sonst überall auf der Welt spielt, im Niedersächsischen Flachland angesiedelt, zwischen Strommasten und Baggerseen. Das erstaunlichste, sagen wir, das gewöhnungsbedürftigste an diesem so traurigen wie witzigen Roman ist, dass die Tier- und Menschenwelt gleichberechtigt auftreten, (vielleicht mit kleinen Vorteilen für die Tiere?), flurbereinigte Naturreste sind das, die sich ihren Raum in der Literatur zurückerobern. Unbedingt lesen!

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