Henning Boëtius

 3.7 Sterne bei 85 Bewertungen
Autor von Phönix aus Asche, Undines Tod und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Henning Boëtius

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Phönix aus Asche

Phönix aus Asche

 (12)
Erschienen am 01.06.2002
Troll Minigoll von Trollba

Troll Minigoll von Trollba

 (7)
Erschienen am 14.09.2011
Undines Tod

Undines Tod

 (8)
Erschienen am 01.05.1999
Joiken

Joiken

 (6)
Erschienen am 01.12.1999
Der Strandläufer

Der Strandläufer

 (6)
Erschienen am 06.10.2008
Berliner Lust

Berliner Lust

 (6)
Erschienen am 08.06.2010
Tod in Weimar

Tod in Weimar

 (5)
Erschienen am 01.01.2003
Der Gnom

Der Gnom

 (5)
Erschienen am 01.11.1998

Neue Rezensionen zu Henning Boëtius

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jaylinns avatar

Rezension zu "Der Insulaner" von Henning Boëtius

Man liebt oder hasst es
jaylinnvor einem Jahr

Allgemeines:

Henning Boëtius hat ein faszinierendes Leben. Er hat Germanistik studiert, geriet dann aber in eine große Lebenskrise und hatte zeitweise sogar keinen festen Wohnsitz. Er wuchs auf Föhr und in Rendsburg auf und lebt heute in Berlin. Seine ersten Erfolge hatte er mit Veröffentlichungen beim Eichbornverlag. Außerdem übersetzt er Bücher aus dem Norwegischen.

Der Insulaner ist am 11.09.2017 als gebundenes Buch bei btb erschienen und umfasst 956 Seiten.

Inhalt:

„Der Insulaner“ ist das eindrückliche Porträt eines bewegten Lebens, einer fast schon versunkenen Zeit, einer ganzen Welt. Und nicht zuletzt: eine einzigartige Liebeserklärung an die Kunst und an das Meer.

Als der Schriftsteller B. sich wegen eines Tumors am Gehirn operieren lassen muss, fürchtet er seine Erinnerung für immer zu verlieren. Doch dann wird die Operation für ihn zu einem langen Gang durch die verschlungenen Pfade seines Lebens. […]“ (Quelle: Verlagsgruppe Random House)

Meine Meinung:

Das folgende Zitat zeigt sehr schön, was das Rahmenthema dieses Buches ist:

„Als B. aufwachte, schien die Sonne auf das herabgelassene Rouleau. […] Er hatte schlecht geschlafen, war mehrmals von einem regelmäßigen dumpfen Pochen geweckt worden, das an den Herzschlag eines Menschen erinnerte. Jetzt fragte er sich, ob es sein eigener Herzschlag gewesen war, ob er dies alles nur träumte, ob er immer noch in Wahrheit schlafen würde. Vielleicht war alles nur ausgedacht, sein ganzes Leben.“(Der Insulaner, S. 139)

Protagonist ist der Schriftsteller B., da fragt man sich natürlich sofort, ob nicht Boëtius selber gemeint ist. Legt er hier einen autobiografisch geprägten Roman vor? Mit ihren stattlichen 956 Seiten macht die Geschichte viel her und man nimmt sich als Leser ebenso viel vor…

Aufmerksam geworden bin ich auf Der Insulaner durch das Cover. Es hat mich an eine Landschaft in Skandinavien erinnert und ich wollte dieses Buch unbedingt lesen. Fast enttäuscht war ich dann, als ich feststellte, dass der Autor Deutscher ist. Aber die Enttäuschung hielt nicht lange an. Boëtius erzählt wirklich gut.

Der Insulaner ist in acht große Kapitel untergliedert, deren Überschriften Metaphern für die Lebensstationen des Schriftstellers B. darstellen. Das erste und letzte Kapitel bilden eine Art Rahmen: Sie umschreiben Start und Ziel von Bs. merkwürdiger Reise – denn merkwürdig ist sie, zumindest was die Orte betrifft, an denen er auf jemanden trifft, dem er sein Leben erzählt. Man reist mit B. an Orte, in denen die Gebäude zunächst normal, bei näherem Hinsehen aber abgetakelt und wie Ruinen wirken. B. spricht mit einem (vermutlich) imaginären Psychologen, der als Konstante bei all seinen Erinnerungen eine Rolle spielt. Die Erinnerungen wiederum werden realistisch und packend erzählt, die Zwischensequenzen reißen mich als Leser immer wieder aus der Geschichte und verunsichern mich: Ist das nun alles wahr, was B. erzählt und erinnert, oder halluziniert er? Man wabert mit ihm geradezu durch sein Hirn. Wie gut, dass es gegen diese Verunsicherung den Klappentext gibt. Er informiert den Leser darüber, dass B. sich einer Operation am Gehirn unterziehen muss und währen der Narkose sein Leben an ihm vorbeizieht. Vor diesem Hintergrund fällt es einem leichter, dem Erzählstrang zu folgen, ohne ihn wäre man über längere Zeit aufgeschmissen. Hier hat ein Klappentext, anders als in vielen anderen Büchern, eine wirklich sinnvolle Funktion.

Inhaltlich ist dieses Buch eine großartig erzählte Geschichte eines kleinen Jungen und seiner Liebe zum Meer und ganz nebenbei auch ein Stück Zeitgeschichte, die in den 1940er Jahren beginnt und in der Jetztzeit endet.

Fazit:

Boëtius‘ Roman gefällt mir sehr. Abgesehen von einigen wirren Formulierungen des operierenden Arztes im ersten Kapitel, die eigentlich in ihrer Skurrilität schon wieder witzig sind, habe ich Der Insulaner sehr gerne gelesen. Man braucht aber wirklich ein gutes Durchhaltevermögen. Und bei diesem Buch gilt: Man liebt oder hasst es. Dazwischen gibt es nichts.

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YukBooks avatar

Rezension zu "Der Insulaner" von Henning Boëtius

Außergewöhnlicher Dichter mit Inselbegabung
YukBookvor einem Jahr


Eine Sicherungskopie seines Lebens erstellen – keine leichte Aufgabe, die sich der Ich-Erzähler B. in diesem autobiografischen Roman vorgenommen hat. Zumal die Zeit drängt, denn B. muss einen Gehirntumor operieren lassen und hat Angst, alles zu vergessen, was seine Identität ausmacht. In einem Narkosetraum erzählt einem Analytiker seine ganze Lebensgeschichte.

Auf Vollständigkeit legt B. großen Wert, denn er berichtet nicht nur chronologisch, sondern holt weit aus und macht uns zunächst mit der Herkunft seiner Eltern vertraut. Alle geschilderten Details sollen schließlich dazu dienen, herauszufinden, wie und warum B. so geworden ist wie er ist.

Die Schauplätze wechseln unter anderem zwischen Föhr, Rendsburg und Frankfurt. Er schildert nicht nur seinen eigenen Lebensweg vom hochbegabten Physiker hin zum experimentierfreudigen Dichter, sondern charakterisiert auch sehr sorgfältig die Menschen, die ihn begleitet und beeinflusst haben, wie Verwandte, Mitschüler und Lehrer. Dabei gibt es eine Konstante in seinem Leben: die Suche nach einem Freund, einem Seelenverwandten. Er wird jedoch immer wieder enttäuscht. Weder sein Vater, seine Schulkameraden noch die Mädchen und Frauen, in die er sich verliebt, können ihm das ersehnte Gefühl der Nähe geben. Er fragt sich, ob er sie durch seine klugen Belehrungen vertreibt oder ob es in der Natur des Menschen liegt, allein zu leben wie ein Insulaner.

Seine einziger Verbündeter ist die Natur, die neben dem Erzähler die zweite Hauptrolle in dieser Geschichte spielt. Je grausamer B. die Wirklichkeit erlebt, desto mehr Trost spendet ihm das Meer. In den Naturbeschreibungen zeigt sich die überbordende Fantasie und Fabulierkunst des Autors am deutlichsten. Es geht aber auch um das Vergessen, Erinnern und Rekapitulieren. Seine „Lebensbeichte“ ergänzt B. durch Tagebucheintragungen seiner Mutter und Briefinhalte. Er lässt die Vergangenheit im wahrsten Sinne des Wortes lebendig werden, denn manchmal hat er Halluzinationen und begegnet auf dem Weg von seinem Hotel zum Institut Gespenstern der Vergangenheit.

Der Roman hat einige Längen, zum Beispiel die Schilderung des alljährlichen Weihnachtsfests oder seine Erlebnisse auf hoher See. Die außergewöhnliche Lebensgeschichte ist jedoch mit viel sprachlicher Finesse und schonungsloser Offenheit geschrieben, dass sich die Lektüre der knapp 1000 Seiten lohnt.

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Kinderbuchkistes avatar

Rezension zu "Der Insulaner: Roman" von Henning Boëtius

Ein gewaltiger autobiografischer Roman, der persönliches und Zeitgeschichte vereint.
Kinderbuchkistevor einem Jahr

Der autobiographische Roman
eines grandiosen, vielseitigen Schriftstellers und interessanten Menschen


Henning Boetius ist ein sehr vielseitiger Schriftsteller. 
Vom Roman über Krimis und Kinderbüchern bis hin zu Sachbüchern hat der studierte Germanist und Philosoph schon alles geschrieben.
In seinem neusten Werk, "Der Insulaner" geht er auf eine Reise in sein Leben. Ein autobiografischer Roman, der es in sich hat, schaut er doch auf ein sehr bewegtes, langes Leben voller Veränderungen sowohl im Persönlichen als auch gesellschaftlichem Bereich. So ist sein Roman ein wahres Monument einer schon fast vergessenen Zeit, auch wenn es eigentlich noch gar nicht so lange her ist. Unsere Zeit ist schnelllebig, im ständigen Wandel und Umbruch und prägt mehr als einmal unser Leben in den verschiedensten Bereichen, so auch bei Henning Boetius, dessen Leben voller Höhen und Tiefen verlief und auch ganz , ganz tief in den Abgrund ging.
In Hessen, 1939 geboren, als Sohn eines Föher Insulaners lebt er in der Kindheit auch zeitweise auf Föhr. Eine sehr intensive  Zeit wie er selbst einmal erzählte,  die sein Verhältnis und seine Bilder vom Meer und dem Wetter prägten, ohne die er, wie er selbst sagt wohl nie Schriftsteller geworden wäre. Seine Werke sind sprachgewaltig. Er schafft es mit ihr uns so zu faszinieren, das wir das was er erzählt vor unserem Inneren Auge zu Bildern werden lassen können.
So nimmt uns Boetius in seinem Roman mit in sein Leben und auf die Insel. Der Verlag schreibt in seiner Darstellung des Buches ..." ...eine einzigartige Liebeserklärung an die Kunst und das Meer" und das trifft es sehr genau.
So muss sich der Schriftsteller in seinem Roman einer schwierigen Gehirnoperation unterziehen. Jeder kann sich vorstellen, welch große Ängste und Sorgen damit verbunden sind. Es ist nicht nur die Diagnose des Tumors sondern viel mehr der Gedanke an das Danach, das einen beschäftigt und ängstigt. Werde ich noch der sein, der ich einmal wahr? Werde ich noch wissen wer ich bin, wie alles wahr? Dies und noch so viel mehr beschäftigen auch den Schriftsteller, der dann auf faszinierende Weise während der Narkose bzw. während der Op in der Narkose sein ganzes Leben an sich vorbei ziehen sieht, es quasi noch einmal erlebt. Im Traum erzählt er all das seinem Analytiker, der zumeist als stiller Zuhörer agiert.
Eine äußerst gelungene Idee um einen autobiografischen Rückblick zu inszenieren.
Jeder der einmal ähnliches erlebt hat, weiß wie intensiv gerade Narkoseträume sein können, vor allem dann wenn es sich um eine schwierige oder auch längere Op handelte.
Als Kriegskind hat er die ersten Jahre  Angst durchlebt, Bombennächten miterlebt  aber auch den Aufbau danach, das zu Ruhe kommen, den Neuanfang, die Wirtschaftswunderjahre, die 68er, die Jahrhundertwende.
Und so blickt er auf ein Leben zurück, in dem er nicht nur Schriftsteller war sondern zunächst einmal Kind. Kind auf einer Insel, die ihn prägte auch wenn er sich dort nie akzeptzier und integriert fühlte.  Als Kind einer ruhigen, stillen in sich gekehrten, sicherlich auch traurigen Mutter, die ihre wahren Interessen und Leidenschaften gerade auch in künstlerischer Hinsicht nie wirklich leben, ausleben konnte, die ihre Persönlichkeit immer hinten anstellte, funktionierte. Als Kind eines Vaters, den er stets bewunderte obwohl dieser ziemlich unnahbar für den Sohn war, der einst  als Offizier auf dem Luftschiff Hindenburg fuhr und das Unglück von Lakehurst miterlebt hatte und den diese Katastrophe mit Sicherheit sehr prägte, Spuren hinterließ.
Später dann suchte unser Autor nach seinem eigenen Leben. Dem Sinn und die Position. Er probierte sich aus, auch etwas was typisch für die Zeit war in der er aufwuchs und lebte. So studierte er nicht nur Germanistik und Philosophie sondern probierte sich auch als Maler, Musiker,  war zeitweise  Hausmann, Leben wie das Leben so spielt erzählt er so bildreich und sprachgewaltig wie kaum ein anderer aber  auch die Zeit ohne festen Wohnsitz, am Abgrund der Gesellschaft als Obdachloser, die spätere Rückkehr , der Versuch wieder Fuß in einem halbwegs normalen Leben zu finden, spannend und eindrucksvoll, genauso wie die stimmungsvollen Bilder mit denen er uns die Insel und Insularen näher bringt. Eine Liebeserklärung der besonderen Art an eine Insel, ein Leben mit den Naturgewalten das so extrem ist wie das Leben draußen. Ein Mikrokosmus der all das auf kleinstem Raum vereint was das reale Leben auf der ganzen Welt mit sich bringt.
960 Seiten voller Abenteuer, Spannung, Stimmungen und Gefühle und eine Zeitreise, die viele der Leser mit Sicherheit an eigene Erlebnisse an das eigene Leben erinnern und genau das macht die Lektüre dies Romans so spannend, denn mit jeder Seite die wir umblättern könnte etwas geschrieben stehen, das wir auch in irgend einer Weise erlebt haben. So ist es ein sehr persönliches Buch über das Leben des Autors im Kontext mit dem gesellschaftlichen Wandel der letzten 50 Jahre, an dem er uns auf so unglaublich intensive Art teilhaben lässt, denn die Tatsache, das wir all das im Narkosetraum des Protagonisten miterleben schwingt immer mit und bleibt bis zum letzten Satz spannend.
Es ist ein Roman, der viel erzählt, tief mit hinein nimmt und sich so schnell nicht mehr aus unserem Kopf hinaus bewegt. Zuviel Bilder sind in unserem Kopf, die Boetius mit seiner unglaublich intensiven Sprache
gezeichnet hat.

Dieses Buch wird man bestimmt auch noch
ein zweites und drittes Mal lesen.


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Henning Boëtius wurde am 11. Mai 1939 in Langen (Deutschland) geboren.

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