Henning Boëtius

 3,8 Sterne bei 100 Bewertungen
Autor von Phönix aus Asche, Undines Tod und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Henning Boëtius

Henning Boëtius, geboren 1939, wuchs auf Föhr und in Rendsburg auf und lebt heute in Berlin. Er studierte Germanistik und Philosophie und promovierte 1967 mit einer Arbeit über Hans Henny Jahnn. Boëtius ist Verfasser eines vielschichtigen Werkes, das Romane, Essays, Lyrik und Sachbücher umfasst. Sein Roman "Phönix aus Asche" wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Bekannt wurde er außerdem durch seine Kriminalromane um den eigenwilligen niederländischen Kommissar Piet Hieronymus.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Henning Boëtius

Cover des Buches Phönix aus Asche (ISBN: 9783442729678)

Phönix aus Asche

 (13)
Erschienen am 01.06.2002
Cover des Buches Troll Minigoll von Trollba (ISBN: 9783843200141)

Troll Minigoll von Trollba

 (7)
Erschienen am 14.09.2011
Cover des Buches Undines Tod (ISBN: 9783442722259)

Undines Tod

 (8)
Erschienen am 01.05.1999
Cover des Buches Joiken (ISBN: 9783442725847)

Joiken

 (6)
Erschienen am 01.12.1999
Cover des Buches Der Strandläufer (ISBN: 9783442737734)

Der Strandläufer

 (6)
Erschienen am 06.10.2008
Cover des Buches Berliner Lust (ISBN: 9783442740741)

Berliner Lust

 (6)
Erschienen am 08.06.2010
Cover des Buches Der weiße Abgrund (ISBN: 9783442750764)

Der weiße Abgrund

 (5)
Erschienen am 13.07.2020
Cover des Buches Die blaue Galeere (ISBN: 9783442734887)

Die blaue Galeere

 (5)
Erschienen am 06.06.2006

Neue Rezensionen zu Henning Boëtius

Cover des Buches Der weiße Abgrund (ISBN: 9783442750764)jaylinns avatar

Rezension zu "Der weiße Abgrund" von Henning Boëtius

Hat es in sich!
jaylinnvor 8 Monaten

Allgemeines:

Henning Boëtius hat Romane, Essays, Lyrik und Sachbücher verfasst. Er wuchs auf der Insel Föhr auf und lebt heute in Berlin. Einem breiteren Publikum wurde er durch seine Kriminalromane um den niederländischen Kommissar Piet Hieronymus bekannt. Der weiße Abgrund, eine Mischung aus Fakten und Fiktion, ist als Hardcover im Juli 2020 bei btb erschienen und umfasst 190 Seiten.

Inhalt:                                                                                                          

„Paris, um 1850. Durch eine unheilbare Krankheit ans Bett gefesselt, versucht Heinrich Heine seinem bevorstehenden Tod ein letztes Werk abzutrotzen: seine Memoiren, die sein Opus Magnum werden sollen. An den illustren Diners der Pariser Bohème kann er schon lange nicht mehr teilnehmen. Stattdessen empfängt er gelegentliche Besuche deutscher Exilanten oder französischer Künstlerfreunde. Dann sucht überraschend Elise Krinitz seine Bekanntschaft: eine junge Frau, die Heine bewundert und zugleich hofft, in ihm einen Mentor für ihre eigenen literarischen Ambitionen zu finden. Mit ihr, die er zärtlich-ironisch „Mouche“ nennt, hat er bald darauf eine zwar platonische, aber nicht minder leidenschaftliche „Affäre“. Seine Memoiren aber werden, nachdem Heine am 17. Februar 1856 stirbt, für alle Zeit verschollen bleiben. Eingebettet in ein faszinierendes Panorama des Paris seiner Zeit, zeichnet Boëtius‘ Roman das einzigartige Porträt der letzten Lebensjahre des großen deutschen Dichters Heine.“ (Quelle: Verlagsgruppe Penguin Random House)

Meine Meinung:                                                                                                                      

Henning Boëtius ist ein Schriftsteller, der sehr vielseitig ist. Er hat Krimis geschrieben und auch viele historische Romane. Der Heinrich Heine Roman Der weiße Abgrund ist ein kleines feines Buch, das man behutsam behandeln möchte. Das Cover ist wunderschön gestaltet. Man fühlt sich sofort in die Zeit Heines hineinversetzt. Das ist dem Verlag wunderbar gelungen.

Der schmale Roman ist in viele Unterkapitel unterteilt. Im ersten Kapitel „Das blaue Wrack I sitzt der Ich-Erzähler am Ufer des Meeres und lässt sich treiben von seinen Gedanken. Er sitzt auf einem alten Bootswrack und wartet auf einen Freund, mit dem er Gedichte lesen möchte, Gedichte aus einem alten Buch, das er in Händen hält. Anschließend verflüchtigt sich dieses Buch, indem alle Seiten durch die Gegend wirbeln. Auch Heinrich Heine liebte Zeit seines Lebens das Meer, war auf Helgoland und auf Norderney. Daher denke ich, dass Boëtius ganz bewusst diesen Einstieg in das Buch gewählt hat. Danach geht es mit einem Szenenwechsel nach Paris weiter, wohin Heine emigriert ist. Ich selber bin kein großer Kenner Heinrich Heines, daher kann ich nicht beurteilen, was an diesem Roman auf realen Hintergründen beruht und was reine Fiktion ist. Eines aber weiß ich, dass die Sprache von Boëtius wunderbar ist. Kein Wort zu viel, Bilder, die einem eindrücklich fast schon unter die Haut gehen. Gerade im ersten Kapitel  fühlt man sich ans Meer versetzt und lässt sich den Wind um die Nase wehen.

Boëtius beschreibt in seinem Roman die letzten Lebensjahre des Dichters Heinrich Heine, der in Paris im Exil lebte. Es ist schon schwierig für einen Leser, der sich kulturell für diese Zeit bisher noch nicht so vertiefend interessiert hat, die Personen, die auftreten, zeitlich richtig einzuordnen. Liszt und Chopin sind einem durchaus bekannt, aber viele anderen Personen eher nur am Rande. Man kann dieses Buch aber auch lesen, ohne über historisches Wissen in großem Ausmaß. Denn das Buch an sich ist ein wahrer Lesegenuss. Heinrich Heine scheint ein richtiger Schürzenjäger gewesen zu sein. Als er seine Frau Mathilde, die eigentlich Augustiner heißt, kennenlernt, ist ihm bewusst dass sie ungebildet, kulturell uninteressiert und somit ein Mensch ist, der eigentlich gar nicht zu ihm passt. Dennoch heiratet er sie und bleibt bis zu seinem Tode mit ihr zusammen. Das Buch ist eine Aneinanderreihung von Kapiteln aus Heines letzten Lebensjahren. Von seiner Krankheit gezeichnet ist der soziale Abstieg deutlich erkennbar. Heine lebt in sehr einfachen Verhältnissen.  Heinrich Heine selber ist dem Leser als Reiseschriftsteller, Feuilletonist, Lyriker  – einfach als großartiger deutscher Dichter bekannt. Wer kennt nicht das Wintermärchen oder die Loreley…

Fazit:                                                                                                            

Dieses schmale Buch hat es in sich. Wenn man Lust hat, auch einmal Fakten zu recherchieren, kann man es besonders gut lesen und ein bisschen interessieren muss man sich auch für den großen Heinrich Heine.

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Cover des Buches Der weiße Abgrund (ISBN: 9783442750764)Knigaljubs avatar

Rezension zu "Der weiße Abgrund" von Henning Boëtius

Portrait eines eigenwilligen Menschen und ein unerwartet tragischer Ausflug in die 50er Jahre des 19. Jahrhunderts
Knigaljubvor einem Jahr

Heinrich Heine lebt in Paris, als es allmählich mit ihm zu Ende geht. Welche Krankheit genau ihn eigentlich ans Bett fesselt, weiß niemand so genau – aber dass es keine Aussicht auf Besserung gibt, darin sind sich alle einig. Heinrich, genannt Henri, versucht dennoch, dem Dahinsiechen zu trotzen und schreibt in jeder freien Minute an seinem letzten großen Werk: seinen Memoiren.


Boëtius zeichnet das Portrait eines eigenwilligen Menschen, dessen letzte Stunde geschlagen hat. Obwohl es nur um den letzten Lebensabschnitts des Dichters geht, wird deutlich, dass Heine nicht nur ein Schelm war, sondern auch ein Mensch der Extreme. Insgesamt habe ich dieses Buch mit echtem Mehrwert gelesen: Ich weiß jetzt mehr über Heine und seine Zeit, er ist mir als Person greifbarer geworden und vor allem hat sich mir das große Rätsel um seinen Tod, von dem ich vorher gar nichts wusste, nachhaltig eingebrannt. 


Ich muss allerdings zugeben, dass ich gerade anfangs ein Problem hatte, die Erzählstimme zuzuordnen, denn einerseits handelt es sich um einen allwissenden Erzähler, der auch Ausblicke in die erzählte Zukunft vornehmen kann, andererseits zeugen manche Bemerkungen eher von einer personalen Erzählform, weil sie Bewertungen aus der Sicht der erzählten Person enthalten.



Das gefiel ihm. Sie würde ihn nie betrügen. Er selbst betrog sie später nach Strich und Faden, aber das war etwas anderes. (S. 23)

Die Erzählweise hat vor allem zu Beginn der Kapitel, wenn Fakten wiedergegeben werden, einen biografischen Ton, das Geschilderte wird im Laufe der Erzählung aber auch immer wieder durch amüsante Begebenheiten aufgelockert. Gerade zu dem manchmal äußerst eloquenten Ausdruck, den ich an einigen Stellen schon fast als elitär empfunden habe (insbesondere, als fast anderthalb Seiten lang auf Französisch zitiert wird), wirkt die Thematisierung von Banalitäten wie Heines Stuhlgang durchaus als lockerer, humorvoller Kontrast. Dadurch, dass Heine hin und wieder in Versen denkt und spricht, erhält man nebenbei auch einen kleinen Einblick in seine Dichtung. Andere Autoren werden ebenfalls zitiert, sodass das Pariser Umfeld und der Zeitgeist der 50er Jahre des 19. Jahrhunderts greifbar werden. Ein ganzes Kapitel kommt sogar ganz ohne den untertitelgebenden Dichter aus, sodass ich mich fast fragte, ob es wirklich (nur) ein „Heinrich-Heine-Roman“ ist oder nicht doch eher ein Sittengemälde des ausgehenden 19. Jahrhunderts in Paris. Spätestens zum Ende hin wird jedoch klar: Das hier ist tatsächlich ein Roman über Heinrich Heine, dessen Höhepunkt – der weiße Abgrund – noch dazu mit unerwarteter Tragik und Spannung aufwartet.


Für literarisch und historisch Interessierte, die nach Paris in die 1850er Jahre reisen, dort auf Literaten, Papageien und skurril anmutende Behandlungsmethoden treffen wollen, sowie insbesondere natürlich für jene, die sich für Heinrich Heine interessieren, ist dieses Buch das richtige Reisemittel.

Kommentare: 2
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Cover des Buches Der weiße Abgrund (ISBN: 9783442750764)HEIDIZs avatar

Rezension zu "Der weiße Abgrund" von Henning Boëtius

Der erlösende weiße Abgrund
HEIDIZvor einem Jahr

Wir befinden uns im Roman im Paris der 50er Jahre des 19. Jahrhunderts. Heinrich Heine ist unser Hauptcharakter. Wir lernen ihn kennen, als er von einer unheilbaren Krankheit heimgesucht, ans Bett gefesselt ist und schreckliche Schmerzen erdulden muss. Er möchte unbedingt noch seine Memoiren schreiben - sein Opus magnum (seine gute Arbeit).

 

Die letzten Lebensjahr Heines werden lebendig, Autor Boëtius schafft es, das Paris dieser Zeit lebendig werden zu lassen und Heines Drängen, Arbeiten und Leiden zu beschreiben.

 

Heine trifft sich mit deutscher Exilanten und französischer Künstlerfreunden. Er lernt Elise Krinitz kennen. Sie bewundert nach seinem Tod am 17. Februar 1856 verschollen bleiben.

 

Ich finde die Art, wie der Autor diesen Heine-Roman geschrieben hat einfach wundervoll. Mitunter mit Witz und Ironie - somit trotz aller Schwere des Stoffes mit einer gewissen Leichtigkeit zu lesen. Sehr gut hat er das Hinscheiden eingebunden in die Zeit, in der Heine seine letzte Zeit verbringt. Angenehm zu lesen, erhellend und mitfühlend, als säße man dem Sterbenden zur Seite, hat mich dieses Buch gefangen genommen und nachhaltig beeindruckt.

 

Heine empfindet das Schreiten in Richtung des weißen Abgrunds nicht als negativ, sondern als Erlösung. So empfindet man es als Leser. Die Liebe zu Elise wird sehr deutlich dargestellt und die Tatsache, dass sie ihm die letzte Zeit ein wenig erleichtert, aber ist da nicht eventuell etwas anderes, was Elise ist ... ??? Ich möchte hier nicht mehr verraten, lest selbst ...

 

Ich fand es außerdem angenehm, dass der Autor Heine-Verse in den Roman eingebunden hat - immer an den passenden Stellen.

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Henning Boëtius wurde am 11. Mai 1939 in Langen (Deutschland) geboren.

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