Henning Boëtius Der Strandläufer

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Inhaltsangabe zu „Der Strandläufer“ von Henning Boëtius

Manchmal dauert es ein Leben lang, bis man nicht mehr das Kind seiner Eltern ist Eine weiße Stadt am Meer, südlich von Rom: hierher hat sich der Schriftsteller Henning Boysen zurückgezogen, um seinen neuen Roman zu schreiben. Da erhält er die Nachricht, dass sein Vater im Sterben liegt. In aller Eile fährt Boysen nach Deutschland zurück, um Abschied von ihm zu nehmen. In seinen Gesprächen mit dem Vater brechen die Traumata seiner Kindheit und Jugend wieder auf, doch am Ende gelingt es Boysen, sie zu überwinden und sich von den Dämonen der Vergangenheit zu befreien. Henning Boëtius’ Meisterwerk – ein psychologischer Roman, mitreißend wie ein Drama von August Strindberg, ein Bild von Edvard Munch oder ein Film von Ingmar Bergman.

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  • Rezension zu "Der Strandläufer" von Henning Boëtius

    Der Strandläufer

    HeikeG

    26. April 2007 um 07:01

    Spurensuche auf dem Weg zu sich selbst oder Eine Geburt nach innen Henning Boysen ist Schriftsteller. Um seine momentane Schreibkrise zu überwinden, zieht er sich in ein kleines italienisches Städtchen - südlich von Rom, am Meer gelegen - zurück. Er freundet sich mit einigen alten Männern im Ort an. Einer davon, Luigi, fristet sein bescheidenes Leben, indem er täglich vom Strand, vergessene oder angeschwemmte Fundsachen einsammelt, die er noch zu Geld machen kann. Von ihm bekam er den Rat: "Sei so etwas wie ein Strandläufer der Literatur. Entdecke das Meer in dir und sammle auf, was es aus der Tiefe deines Daseins anspült". Doch es wird nichts mit seinem Buch, ihm fehlen Ideen, ein Anstoß, die Lust. Er trinkt zu viel, ist antriebslos und müde. Ihn quälen die Bilder aus seinen Kinderjahren. Ein Turm, in dem der berühmte Forscher Marconi einst seine Versuche unternahm, wird für Boysen zum Aufenthalts- und Wohnort, zu dem viel später auch Carla - eine junge, attraktive, aber etwas exzentrische Malerin - stößt. Er hat mit ihr dann eine nicht ganz einfache Beziehung. Doch zunächst muss er auf einen Brief von seinem Vater reagieren, der in ein Altersheim umziehen will und seinen Sohn um Hilfe dabei bittet. In bewegender und anrührender Weise wird erzählt, wie sich Vater und Sohn begegnen, wie diese Begegnung "den eigenen inneren Kontinent der Erinnerung" beim Sohn wachruft, nicht nur an den Vater, sondern auch an die äußert schwierige Mutter. Doch nur ungern traut er sich in den "verwilderten Garten seiner Vergangenheit" hinein, aus Furcht, Personen zu begegnen, die einst über die Macht verfügten, zu entscheiden, "was Unkraut sei, was ausgerottet werden müsse oder was es wert sei, gepflegt und geerntet zu werden." Henning Boysen notiert all diese zum Teil sehr schmerzhaften Erinnerungen und gibt sie nach seiner Rückkehr nach Italien Carla zu lesen. Die eröffnet ihm mit ihrer Rückmeldung einen ganz neuen Blick, besonders auf seine Mutter. Und "der Sohn", wie Boysen sich selbst distanzierend in seinen Aufzeichnungen nennt, schreibt wieder alles auf und macht so einen selbstbefreienden Schritt nach dem anderen. Denn es ist gefährlich in einem Traum zu leben. "Man verlernt dabei das Erwachen." Als er ein weiteres Mal nach Deutschland gerufen wird, liegt sein Vater im Sterben. Aber Henning empfindet nicht nur Schmerz, Verlust und Trauer, sondern auch eine neue Freiheit: Er ist frei für sein eigenes Leben und so gefestigt in sich selbst, dass ihn auch ein tragisches Unglück am Ende des Buches von seinem Weg nicht mehr abbringen kann. Er beginnt wieder zu schreiben... Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive des Sohnes. Von der ersten Seite an wird der Leser gefesselt von der Darstellung des Geschehens um Henning herum und ganz nahe geführt an sein Leben, Denken und Empfinden und vor allem in seine Vergangenheit, die ihn sehr beschäftigt und fast verfolgt. Es passiert zwar nicht viel Ungewöhnliches, aber die Sprache ist superb. Das Buch wimmelt von originellen Stellen, in denen Alltägliches neu betrachtet und mit ungewöhnlichen Metaphern beschrieben wird - wunderbar wie er das Leben mit einem Spiegel vergleicht. Mein Buch strotzt nur so vor Randbemerkungen und Anstrichen, die ich mir während der Lektüre gemacht habe, um auf besonders wertvolle Passagen im Buch hinzuweisen. Die Geschichte ist ein sehr tiefer psychologischer Roman, der den Leser beeindruckt und anrührt. Die Intensität der zwischenmenschlichen Beziehungen ist enorm stark und glaubwürdig. Fazit: Boëtius "Strandläufer" ist ein eindrucksvoller Roman über das Verhältnis eines Mannes zu seinen Eltern, eine kritische und schonungslose, aber dennoch liebevolle und deshalb befreiende Annäherung, die erst wirkliche erwachsene Freiheit ermöglicht. Es ist ein wunderbares Buch über die Kraft der Erinnerung und der Poesie, ein Buch über das Erwachsenwerden im fortgeschrittenen Lebensmittelalter, ein Buch über Entfernung, Entfremdung, Nähe und Sehnsucht, über Verzeihen und Verstehen, über Vater-Sohn und Kinder-Eltern-Beziehung, die schonungslos aber auch menschlich und warm beschrieben ist. Henning Boëtius ist nicht nur ein guter Erzähler, sondern auch ein guter Menschenbeobachter. "Es gibt Bücher, die in ihrer Wahrheit so beeindruckend sind, dass man nach ihrer Lektüre nichts anderes möchte, als einfach allein sein und still weinen, ohne sich zu schämen." Ein beeindruckendes Seelendrama mit autobiografischen Zügen, dem ich UNBEDINGT wünsche, noch viele, viele Leser zu haben.

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