Henning Boëtius Tod in Weimar

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Inhaltsangabe zu „Tod in Weimar“ von Henning Boëtius

Kurz vor seinem Tod empfängt der greise Dichterfürst in Weimar einen attraktiven jungen Mann: Siegmund von Arnim, dessen Mutter und einstige Goethe-Muse Bettine längst Hausverbot hat. Dem Jüngling begegnet Goethe zuvorkommend, fährt mit ihm aus und lädt ihn in sein Gartenhaus. Was geschah zwischen den beiden ungleichen Männern, bevor Goethe am 22. März 1832 an Herzversagen starb? Und welche Rolle spielte Bettine im Hintergrund, die sehr wohl um Goethes "Faible für schöne Jünglinge" wusste? Eine bestens recherchierte, Facts und Fiction raffiniert mischende Künstlernovelle vom Klassik-Kenner Henning Boëtius.

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  • Rezension zu "Tod in Weimar" von Henning Boëtius

    Tod in Weimar

    sarahkolumbus

    17. March 2011 um 12:42

    Die Novelle "Tod in Weimar" von Henning Boëtius thematisiert die letzten Tage Goethes bis zu seinem Tod. Es beginnt damit, dass Goethe (mittlerweile hat er ein hohes Alter erreicht) den jungen und höchst attraktiven Siegmund von Armin - Sohn von Bettine Bretano- empfängt und zum Mittagessen einlädt. Goethe ist fasziniert von dem Jüngling, wenn auch weniger von dem, was er sagt oder erzählt, sondern vielmehr von dem, was er darstellt. Er entschließt sich von Arnim zu einem weiteren Essen und einer Kutschfahrt einzuladen, obwohl der Junge kein großer Redner, heller Geist oder sonstiger unterhaltsamer Gast ist. Während des Essens ist es Goethe, der die Konversation betreibt, sich in langen Monologen über Knochenstruktur, Evolutionstheorie und Faultiere verstrickt, der sich selbst zitiert (auch wenn er selbst weiß, dass es an Selbstglorifizierung und Arroganz grenzt) und den Gast mit seinem Wissen erdrückt. "Es ist allen Anwesenden deutlich: Der Gastgeber spielt genußvoll auf der Klaviatur seines Wissens. Er möchte imponieren." Während der Kutschfahrt hängt Goethe seinen eigenen Gedanken nach über Humanismus, Ästhetik und Jugend. Als sie in Goethes Gartenhaus ankommen, erliegt der alternde, depressive verbitterte Goethe dem Rausch der Jugend und Schönheit, die von Arnim ausstrahlt und fordert den Jüngling sich auszuziehen. Gewagt ist es schon dem größten deutschen Dichter eine homoerotische Affäre mit einem Jüngling zu unterstellen, doch zeichnet Boëtius die fiktiven Gedankengänge des Dichters mit unverhohlener Authenzität, dass man sich vorstellen kann, so könnte es tatsächlich gewesen sein. Nach der Kutschfahrt erkrankt Goethe letztendlich und wird bettlegerig. Mit bildhafter Sprache schildert Boëtius Goethes Verfall - dem Gustav Aschenbachs (der Hauptfigur aus Thomas Mann's "Tod in Venedig) nicht ganz unähnlich und konstruiert das Ableben des Dichters so geschickt, dass man sich fragt, ob die Kälte der Kutschfahrt und die darauf folgende Erkältung oder der Konflikt zwischen Jugend und Alter, Zerfall und Vitalität, Mittelmaß und Größe, die Ursache des Todes sind. Boëtius konstruiert eine hervorragende Novelle, mit lebhafter Sprache und authentischer Gedankenführung! Hervorragend!

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