Henning H. Wenzel Späte Stunde der Wahrheit

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Inhaltsangabe zu „Späte Stunde der Wahrheit“ von Henning H. Wenzel

"It’s all one song!", rief einst Neil Young seinem Publikum zu.

"Es sind immer nur Geschichten", wird es von Henning H. Wenzel ergänzt. Und so beginnen seine Erzählungen, egal, in welcher Form sie daherkommen, meist unspektakulär und alltäglich. Romane, die so anfangen, sagt er, klappt er im Allgemeinen nach zwanzig Seiten wieder zu. Doch schleicht sich schnell – gerade wegen der vermeintlichen Kürze seiner Texte – eine Ahnung ins Bewusstsein, dass es mit der Alltäglichkeit für die handelnden Personen nicht weit her ist und hinter der banalsten Begebenheit die mitunter verblüffendsten Überraschungen lauern.

Skurril und nachdenklich, würzig gemischt.

— ewigewelten

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  • Alltägliches, durch die Augen eines Dichters betrachtet

    Späte Stunde der Wahrheit

    ewigewelten

    »Gibt es ein Leben vor dem Tod? Gibt es eine Sonne, die vor der Sonne aufgeht? Eine Sonne, die auch im Winter wärmt und nicht nur blendet?« (Aus: »Der letzte Vorhang«) Henning H. Wenzel besticht durch Fantasie und Poesie – auch, wenn die Relevanz seiner Themen vielleicht nicht jeden Geschmack überzeugt. In seinem Erzählband präsentiert er gesammelte Kurzgeschichten, einzelne Gedichte und »alberne Dialoge« mit alltäglichem, oft tiefsinnigem, manchmal beunruhigendem Inhalt mit meist kuriosen Elementen. Die Aufmachung ist hochwertig, das Cover nicht unbedingt überwältigend. Das Bild deutet den fast schon thrillerhaften Charakter der ersten Storys an, aber mit Wahrheit hat das Ganze wohl weniger zu tun – eher schon mit verschiedenen Blickwinkeln. Es geht um Leidenschaften, um Männer und Frauen, bisweilen auch um Belanglosigkeiten. Titel wie »Mopsquartett«, »Der Mond, der Spargel und die hellste Glocke im Hafen«, »Ein T-Shirt-Spruch kommt immer auch drin vor« oder auch »Ein mögliches und wenn, dann unfreiwillig belauschtes Selbstgespräch« deuten bereits an, dass es um ein bisschen Verrücktheit geht, die in jedem von uns steckt – wahrscheinlich sogar etwas mehr. Der gepflegte Nonsense spricht durch Wenzels »alberne Dialoge«, geführt zum Beispiel zwischen »einem« und »einem anderen«, »Hupp« und »Happ« oder einem Verkäufer und »Frau Blatt«, die ausgerechnet nach Raupen sucht... Auch die Vermenschlichung von Tieren kommt da schon mal vor: »Blöd, dachte er. Wo sind die alle? Ich habe Hunger und mir ist kalt.« (Aus: »Der Kauz«) Handwerkliches Geschick beweist der Autor durch unerwartete Pointen und einen ausgereiften Stil mit einer Wortwahl, die ebenso bewusst wie genussvoll ist: »Die Leute hatten Angst vor ihr. Sie gehörte zu denen, die aus der Zeit gefallen waren. Zu denen, die ihre Unterhose über der Hose trugen, Wintermäntel im Sommer ausführten, leere Kinderwagen durch die Straßen schoben, vor Notenpulten stehend auf einer Querflöte immer denselben Ton spielten oder lauthals in ihre gespreizten Finger hineintelefonierten. Skurril, verrückt und unbeeindruckt von den Wirren ihrer Umstände. Das beunruhigte die Leute.« (Aus: »Schneekugel«) Henning H. Wenzel ist ein leidenschaftlicher Erzähler, der gelegentlich zum Grübeln neigt; nicht jeder Leser wird seinen Gedanken folgen können. Doch darin besteht auch sein Mut, der diesen kleinen Erzählband von anderen abhebt. Ein Autor mit großem Talent, von dem man sich gut auch einen Roman vorstellen könnte, in dem er sich – nur ab und an – in Details verliert. »Wenn Ritas Vater wiederkam, nahm er sie in den Arm. Niemand durfte zu ihnen ins Zimmer. Eines Tages kam ihr Vater nicht wieder und ihre Mutter hörte ganz auf zu sprechen. Von da an mochten ihre Brüder nicht mehr mit Rita von Bäumen pinkeln. Der eine ging zur Armee und blieb in einem fernen Land unter der Erde. Der andere schrieb Lieder und starb an Mitteln, die angeblich die Worte schneller fließen lassen würden.« (Aus: »Der letzte Vorhang«)

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    Floh

    24. July 2014 um 11:13
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