Henning Mankell Die italienischen Schuhe

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Inhaltsangabe zu „Die italienischen Schuhe“ von Henning Mankell

Fredrik Welin, ehemaliger Chirurg, lebt allein auf einer kleinen Insel in den Schären. Ihm ist etwas widerfahren, was er nur "die Katastrophe" nennt, und er glaubt, mit dem Leben abgeschlossen zu haben. Da steht eines Morgens Harriet vor ihm, die er einmal sehr geliebt und dann trotzdem verlassen hat. Sie ist schwerkrank, deshalb soll er ihr eine letzte Bitte erfüllen. Mit "Die italienischen Schuhe" hat Henning Mankell einen spannenden Roman über die Liebe und über die Einsamkeit geschrieben, ein Buch voller komischer Situationen, nachdenklich und anrührend zugleich.

Wunderbar. Witzig und doch ernst und traurig. Eine absolute Leseempfehlung!

— Bibbey
Bibbey

Stark geschrieben. Was zuerst als witzig begann mit ulkigen Protagonisten, wurde zunehmend trauriger und ernster. Empfehlenswert!

— EmilyNoire
EmilyNoire

Nicht gut, nicht schlecht. Ich kann mich nicht entscheiden.

— Schuemel
Schuemel

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  • Ernste Fragen nach Schuld und Vergebung, Alter und Einsamkeit

    Die italienischen Schuhe
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    31. August 2016 um 11:16

    „Mit diesem Buch zeigt sich Henning Mankell inhaltlich und sprachlich von einer völlig neuen Seite. Nachdem nun auch der letzte Fan wohl akzeptiert hat, dass er seine Wallander-Serie nicht fortsetzen wird, auch nicht mit dessen Tochter Linda und ihrem Freund, ist es wohl an der Zeit, die anderen Bände Mankells mehr zu würdigen und endlich von den Vergleichen mit den alten Bänden Abstand zu nehmen. Sein Anfang 2007 veröffentlichter letzter Afrika-Roman "Die flüsternden Seelen" war im Original schon 1999 in Schweden aufgelegt worden , sodass es sinnvoll ist, das hier vorliegende Buch in der Abfolge der Romane "Tiefe" (2005) und "Kennedys Hirn" (2006) zu lesen. Hatten die beiden letzten Romane noch viel gezeigt vom zornigen Henning Mankell, der sich einfach nicht abfinden kann mit den zum Himmel schreienden Zuständen auf der Welt, schlägt er in "Die italienischen Schuhe" einen Ton an, der neu für ihn ist.“ (Aus meiner Rezension 2007)Nun legt Zsolnay das Buch 2016 noch einmal neu in einer HC- Ausgabe, gleichzeitig mit dem Erscheinen von Mankells letztem Buch „Die schwedischen Gummistiefel“, das man als eine Art selbstständige Fortsetzung des hier neu veröffentlichten Buches lesen kann.Such hier sind fast alle Protagonisten eher Außenseiter und Gestrandete einer immer schneller und menschenverachtender werdenden Gesellschaft, aber sie sehen sich nicht als Opfer, sondern versuchen aus ihrer Situation etwas mal mehr oder auch mal weniger Kreatives zu machen.Es ist ein Buch der eher kleinen Töne, das sprachlich auf sanften Füßen daher kommt und den Leser mitnimmt auf eine Reise, bei der er es nicht verhindern kann, dass er sich betreffen lässt von der Thematik. Es geht um das Altwerden, um das Alleinsein im Alter. Es wird erzählt vom verpassten und verlorenen Leben, es handelt von der Frage, ob es so etwas wie Vergebung geben kann, die einem auch kurz vor dem Lebensende noch einmal neues Leben schenken kann. Es geht um die gewährte Gnade einer zweiten Chance nach großen und unwiderruflichen Lebensfehlern. Das Buch erinnert an den ebenfalls in der Hanser/Zsolnay Gruppe 2006 erschienenen Roman "Pferde stehlen" von Per Petterson. Ähnlich wie Petterson entführt auch Mankell seine Leser in äußere und innere Landschaften, die ihn, wenn er es zulässt, verändert zurückkehren lassen. Beide Bücher klingen lange nach, stoßen im Leser Biographisches an und fordern seine existentielle Aufmerksamkeit und Präsenz. Beides übrigens Kennzeichen wirklich guter Literatur.Fredrik Welin, mittlerweile 66 Jahre alt, war lange Jahrzehnte ein erfolgreicher Chirurg, bevor etwas, was er zunächst nur die Katastrophe" nennt, seiner beruflichen Karriere ein selbst gewähltes Ende setzt. Er hat bei der Amputation des Armes einer jungen und sehr erfolgreichen Schwimmerin den falschen entfernt. Voller Schuldgefühle zieht er sich auf eine Insel in den Schären zurück, wo er mit seinen Großeltern schon Teile seiner Kindheit verbrachte. Er lebt dort einfach, hat nur Kontakt mit dem Postzusteller Jansson, den er auch immer wieder einmal als Arzt behandelt. Er erwartet nichts mehr, dennoch quält ihn die Schuld von damals, als eines Tages um die Wintersonnenwende eine alte Frau mit einem Rollator vor seinem Haus steht. Es ist Harriet, die einzige große Liebe seines Lebens, die er vor fast 40 Jahren unter ziemlich schändlichen Umständen verlassen hat. Harriet ist todkrank, ein unheilbarer Krebs zerfrisst sie von innen.Neben einer Antwort auf ihre nach wie vor wütende Frage, warum er sie damals verlassen hat, verlangt sie von ihm die Einlösung eines damals gegebenen Versprechens: er soll mit ihr an einen einsamen Waldsee in Nordschweden fahren, wo er selbst in seiner Kindheit mit seinem Vater war. Sie brechen mitten im Winter dorthin auf und erleben unterwegs eine Menge von Begegnungen. Unter anderen lernt er den über 90-jährigen italienischen Schuhmacher Giancionelli kennen, der jedes Jahr nur zwei Paar Schuhe herstellt und Fredrik ein Paar verspricht, die er ganz Ende auch erhält. Fredrik erfährt, dass er eine Tochter hat, die in einem Wohnwagen wohnt und seit Jahren Briefe an die Staats- und Regierungschefs der Welt schreibt und sie auf Missstände hinweist.Fredrik Welin begreift das Geschenk und die Gnade dieser zweiten Chance in seinem Leben, und bleibt nach seiner Rückkehr auf seine Insel sowohl mit Harriet als auch mit seiner Tochter Louise in Kontakt. Und er nimmt Kontakt auf zu Agnes, der Frau, an deren Arm er vor Jahren den verhängnisvollen Fehler beging, der seiner beruflichen Tätigkeit ein Ende setzte.Er trifft sie und lernt eine Frau kennen, die ihr Lebensschicksal auf bewundernswerte Weise gemeistert hat, und die sich Mädchen angenommen hat, die jeder andere schon abgeschrieben hat.Fredrik Welin, der die ganze, sich von einer Wintersonnenwende zur nächsten über ein Jahr hinziehende Geschichte selbst erzählt, stellt sich seiner Schuld und seiner Lebenslüge und am Ende kann er, eine Notiz seiner mittlerweile verstorbenen Harriet aufgreifend, in sein Logbuch notieren:"Bis hierher sind wir gekommen. Nicht weiter. Aber bis hierher."Henning Mankell hat ein stilles, aber nicht minderengagiertes und bewegendes Buch geschrieben über Erfahrungen und Auseinandersetzungen des letzten Lebensabschnittes. Ob junge Menschen, die von seinen Wallander- Romanen begeistert waren, die neue Stimme Mankells hören wollen, oder überhaupt können, sei dahin gestellt.Aber wer bereit ist, sich ernste Fragen nach Schuld und Vergebung, Alter und Einsamkeit zu stellen, wird von diesem Roman außerordentlich für sich selbst profitieren.

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  • Menschen auf der Flucht vor sich selbst

    Die italienischen Schuhe
    Mrs_Nanny_Ogg

    Mrs_Nanny_Ogg

    03. September 2015 um 18:14

    Ich habe schon einige Romane von Henning Mankell gelesen (nicht nur die berühmten Wallander-Krimis), aber dieses Buch sticht doch hervor. Es ist in der Ich-Form erzählt. Fredrik, ein ehemaliger Chirurg, verbringt sein einsames Leben mit Hund und Katze auf einer kleinen Schäreninsel. 12 Jahre ist es her, dass ihm ein unverzeihlicher Fehler bei einer Operation unterlief, seitdem lebt er hier und lässt sich einen Ameisenhaufen im Wohnzimmer wachsen. Nur die täglichen Bäder im Eisloch scheinen ihn zu beleben. Eines Tages steht Harriet auf seiner Insel. Mühsam klammert sie sich an ihren Rollator und schleppt sich auf den Mann zu, der sie vor fast vierzig Jahren einfach so, wortlos, verlassen hat, obwohl sie beide sehr große Gefühle füreinander empfunden hatten. Harriet ist sterbenskrank, Krebs im Endstadium. Sie möchte, dass Fredrik sein Versprechen einlöst, mit ihr zum kleinen schwarzen Waldsee zu fahren. Fredrik fährt mit ihr aufs Festland, um der kämpferischen alten Dame ihren Wunsch zu erfüllen. Auf der Reise stellt Harriet ihm seine Tochter Louise vor. Weder Vater noch Tochter wussten voneinander. Es beginnt eine sehr gefühlsintensive Zeit, voller Verwirrungen, aber auch Wut vor dem Verschwinden Fredriks vor fast vierzig Jahren. Es braucht seine Zeit, dass sich Vater und Tochter schätzen lernen. Durch diese Begegnung wagt es der Chirurg endlich auch, sich mit seiner ehemaligen Patientin in Verbindung zu setzen, um sich zu entschuldigen. Agnes ist eine sehr starke junge Frau, eine Kämpferin, die ein kleines Heim für schwer erziehbare, ungeliebte Mädchen unterhält. Harriet beschließt, auf Fredriks Insel zu sterben. Langsam stellt sich der einsame Mann seiner Vergangenheit und seinen Ängsten, sowie der eigenen Vergänglichkeit. Fazit: Dieser Roman hat mich sehr berührt. Eines der Hauptmotive ist die Flucht vor sich selbst, die nicht nur Fredrik gut beherrscht, sondern auch Louise und Sima, eines der schwer erziehbaren Mädchen. Aber auch der Tod und die Ängste vor dem Sterben sind ein tragendes Thema. Die Sprache ist sehr einfühlsam und poetisch, die Gedanken oft philosophisch. Es ist eines der bemerkenswertesten Bücher von Henning Mankell, das ich bisher gelesen habe.

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  • Toleranz und (Alters-) Weisheit

    Die italienischen Schuhe
    FrauKa2

    FrauKa2

    16. August 2015 um 14:48

    Der alternde Chirurg Welin hat sich aufgrund einer von ihm nur "die Katastrophe" genannten Verkettung von Fehlern auf seine Schären-Insel zurückgezogen, wo er eine minimalistische Existenz führt, bis ihn seine Vergangenheit in Form einer damals verlassenen Liebe besuchen kommt. In der sich aus diesem Besuch ergebenden Entwicklung verändert sich sein Leben, er trifft auf andere und findet wieder die Möglichkeit in Kontakt mit Menschen zu treten. Diese sind alle ungewöhnlich, haben ihre Macken und Verletzungen, ebenso wie er selbst. Schön erzählt, immer wieder überraschend und mit einem liebevollen Blick auf die unterschiedlichen Möglichkeiten, ein Leben zu leben und andere die sein zu lassen, die sie sind.

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  • Die italienischen Schuhe

    Die italienischen Schuhe
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    27. February 2015 um 13:57

    Eine bewegende, menschliche, authentische Geschichte über Einsamkeit, über das Nachdenken des Lebens. Sehr ehrlich, traurig, berührend und emotional.

  • Kein Krimi!

    Die italienischen Schuhe
    sonnja

    sonnja

    Fredrik ist Arzt, der nach einem Kunstfehler zurückgezogen auf einer Schäreninsel lebt und nur noch durch das Baden im Eisloch sowas ähnliches wie Leben spüren kann ... Bis eines Tages ein Mensch über das eis zu ihm auf dem Weg ist. Und sein Leben lebenswert macht. Diees Buch ist für mich voller tiefer Einsichten in die menschliche Psyche mitsamt ihren Abgründen, verpackt in wunderschöne aussagekräftige und berührende Sätze. Es ist kein fröhliches Buch, es ist kein Lebensbejahendes Buch und doch zeigt es, wie Zusammengehörigkeit den Menschen verändert. Es erzählt von Entscheidungen, die das Leben beeinflussen. Von Verantwortung, die man nicht ablehnen kann. Und von Schuld, mit der jeder leben muss. Dieses Buch gehört unbedingt zu meinen Lieblingsbüchern!

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  • Meister der Melancholie

    Die italienischen Schuhe
    Kattro

    Kattro

    30. August 2013 um 10:31

    Krankheit und Tod kommt zwar in beinahe jedem seiner Werke (nicht nur den Krimis) vor, dennoch wirkt es in diesem Buch besonders gebündelt. Der Meister der Melancholie versteht es, Landschaften und Situationen, sowie die dazugehörigen Stimmungen perfekt zu beschreiben. Mitunter musste ich das Buch weglegen, um nicht allzusehr dem Trübsinn zu verfallen. Wohl so ziemlich das traurigste und mitreißendste Buch der letzten Monate.

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  • Ernste Fragen nach Schuld und Vergebung, Alter und Einsamkeit

    Die italienischen Schuhe
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    16. May 2013 um 17:02

    Mit diesem Buch zeigt sich Henning Mankell inhaltlich und sprachlich von einer völlig neuen Seite. Nachdem nun auch der letzte Fan wohl akzeptiert hat, dass er seine Wallander-Serie nicht fortsetzen wird, auch nicht mit dessen Tochter Linda und ihrem Freund, ist es wohl an der Zeit, die anderen Bände Mankells mehr zu würdigen und endlich von den Vergleichen mit den alten Bänden Abstand zu nehmen. Sein Anfang 2007 veröffentlichter letzter Afrika-Roman "Die flüsternden Seelen" war im Original schon 1999 in Schweden aufgelegt worden , sodass es sinnvoll ist, das hier vorliegende Buch in der Abfolge der Romane "Tiefe" (2005) und "Kennedys Hirn" (2006) zu lesen. Hatten die beiden letzten Romane noch viel gezeigt vom zornigen Henning Mankell, der sich einfach nicht abfinden kann mit den zum Himmel schreienden Zuständen auf der Welt, schlägt er in "Die italienischen Schuhe" einen Ton an, der neu für ihn ist. Sicher - auch hier sind fast alle Protagonisten eher Außenseiter und Gestrandete einer immer schneller und menschenverachtender werdenden Gesellschaft, aber sie sehen sich nicht als Opfer, sondern versuchen aus ihrer Situation etwas mal mehr oder auch mal weniger Kreatives zu machen. Es ist ein Buch geworden der eher kleinen Töne, das sprachlich auf sanften Füßen daher kommt und den Leser mitnimmt auf eine Reise, bei der er es nicht verhindern kann, dass er sich betreffen lässt von der Thematik. Es geht um das Altwerden, um das Alleinsein im Alter. Es wird erzählt vom verpassten und verlorenen Leben, es handelt von der Frage, ob es so etwas wie Vergebung geben kann, die einem auch kurz vor dem Lebensende noch einmal neues Leben schenken kann. Es geht um die gewährte Gnade einer zweiten Chance nach großen und unwiderruflichen Lebensfehlern. Das Buch erinnert an den ebenfalls in der Hanser/Zsolnay Gruppe 2006 erschienenen Roman "Pferde stehlen" von Per Petterson. Ähnlich wie Petterson entführt auch Mankell seine Leser in äußere und innere Landschaften, die ihn, wenn er es zulässt, verändert zurückkehren lassen. Beide Bücher klingen lange nach, stoßen im Leser Biographisches an und fordern seine existentielle Aufmerksamkeit und Präsenz. Beides übrigens Kennzeichen wirklich guter Literatur. Fredrik Welin, mittlerweile 66 Jahre alt, war lange Jahrzehnte ein erfolgreicher Chirurg, bevor etwas, was er zunächst nur die Katastrophe" nennt, seiner beruflichen Karriere ein selbst gewähltes Ende setzt. Er hat bei der Amputation des Armes einer jungen und sehr erfolgreichen Schwimmerin den falschen entfernt. Voller Schuldgefühle zieht er sich auf eine Insel in den Schären zurück, wo er mit seinen Großeltern schon Teile seiner Kindheit verbrachte. Er lebt dort einfach, hat nur Kontakt mit dem Postzusteller Jansson, den er auch immer wieder einmal als Arzt behandelt. Er erwartet nichts mehr, dennoch quält ihn die Schuld von damals, als eines Tages um die Wintersonnenwende eine alte Frau mit einem Rollator vor seinem Haus steht. Es ist Harriet, die einzige große Liebe seines Lebens, die er vor fast 40 Jahren unter ziemlich schändlichen Umständen verlassen hat. Harriet ist todkrank, ein unheilbarer Krebs zerfrisst sie von innen. Neben einer Antwort auf ihre nach wie vor wütende Frage, warum er sie damals verlassen hat, verlangt sie von ihm die Einlösung eines damals gegebenen Versprechens: er soll mit ihr an einen einsamen Waldsee in Nordschweden fahren, wo er selbst in seiner Kindheit mit seinem Vater war. Sie brechen mitten im Winter dorthin auf und erleben unterwegs eine Menge von Begegnungen. Unter anderen lernt er den über 90-jährigen italienischen Schuhmacher Giancionelli kennen, der jedes Jahr nur zwei Paar Schuhe herstellt und Fredrik ein Paar verspricht, die er ganz Ende auch erhält. Fredrik erfährt, dass er eine Tochter hat, die in einem Wohnwagen wohnt und seit Jahren Briefe an die Staats- und Regierungschefs der Welt schreibt und sie auf Missstände hinweist. Fredrik Welin begreift das Geschenk und die Gnade dieser zweiten Chance in seinem Leben, und bleibt nach seiner Rückkehr auf seine Insel sowohl mit Harriet als auch mit seiner Tochter Louise in Kontakt. Und er nimmt Kontakt auf zu Agnes, der Frau, an deren Arm er vor Jahren den verhängnisvollen Fehler beging, der seiner beruflichen Tätigkeit ein Ende setzte. Er trifft sie und lernt eine Frau kennen, die ihr Lebensschicksal auf bewundernswerte Weise gemeistert hat, und die sich Mädchen angenommen hat, die jeder andere schon abgeschrieben hat. Fredrik Welin, der die ganze, sich von einer Wintersonnenwende zur nächsten über ein Jahr hinziehende Geschichte selbst erzählt, stellt sich seiner Schuld und seiner Lebenslüge und am Ende kann er, eine Notiz seiner mittlerweile verstorbenen Harriet aufgreifend, in sein Logbuch notieren: "Bis hierher sind wir gekommen. Nicht weiter. Aber bis hierher." Henning Mankell hat ein stilles, aber nicht minder engagiertes und bewegendes Buch geschrieben über Erfahrungen und Auseinandersetzungen des letzten Lebensabschnittes. Ob junge Menschen, die von seinen Wallander- Romanen begeistert waren, die neue Stimme Mankells hören wollen, oder überhaupt können, sei dahin gestellt. Aber wer bereit ist, sich ernste Fragen nach Schuld und Vergebung, Alter und Einsamkeit zu stellen, wird von diesem Roman außerordentlich für sich selbst profitieren.  

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  • Ganz anders als erwartet!...

    Die italienischen Schuhe
    bouquineur

    bouquineur

    09. May 2013 um 15:20

    ... und SO GUT! Irgendwie dachte ich immer bei dem Roman würde es sich um einen Thriller halten (wieso auch immer), dabei handelt es sich eher um eine Art menschliches Drama. Habe den Buchtext wohl nie so richtig gelesen. ;) Ich konnte mich kaum von dem Buch losreissen, so dringend wollte ich immer wissen wie es weitergeht. Die Charaktere sind sehr interessant und auch sie überraschen immer wieder. Unbedingt lesen!

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  • Leserunde zu "Der Himmel so fern" von Kajsa Ingemarsson

    Der Himmel so fern
    DieBuchkolumnistin

    DieBuchkolumnistin

    Das Jahr neigt sich langsam dem Ende zu und auch im November haben wir für Euch ein neues Buch in der LovelyBooks Lesechallenge: "Der Himmel so fern" von Kajsa Ingemarsson. Wir vergeben für Euch wie immer 50 Exemplare des Romans, für den Ihr Euch mit Eurer Anmeldung bewerben könnt (Gewinnspielteilnahme möglich bis einschl. 07.11.2012). Ausserdem spielt Ihr mit Eurer Teilnahme um weitere tolle Preise wie einen Amazon Kindle sowie große Buchpakete und könnt mit vielen weiteren Lesern Aufgaben zum Buch lösen, zusammen diskutieren und Euch austauschen! Alle Informationen zur Lesechallenge 2012 findet Ihr hier: LeseChallenge 2012 - alle Infos Eine Frau steht allein am Rande eines Abgrunds. Hinter ihr liegen eine Ehe, Karriere, Erfolg und Geld. Vor ihr glitzern die Lichter der Großstadt. Das ist das Ende, doch im Fall zieht ihr Leben noch einmal an ihr vorbei. Rebecka erhält noch einmal die Chance, ihr Leben zu betrachten und zu erkennen, was falsch lief. Warum es für sie so schwer war, Liebe und Nähe zu ertragen, warum sie den Menschen, den sie am meisten liebte, auf Distanz halten musste.  Kajsa Ingemarsson hat einen ungemein berührenden Roman über eine Liebe geschrieben, die über den Tod hinausgeht; er handelt von Reue und Vergebung und von der Aussöhnung mit der eigenen Vergangenheit. Die Autorin Kajsa Ingemarsson war zunächst Übersetzerin und Radiomoderatorin, bevor sie sich dem Schreiben zuwandte. Ihre Bücher erscheinen regelmäßig auf den Bestsellerlisten und werden von der Kritik hoch gelobt. Seit Jahren ist sie auch ein gefragter Gast im schwedischen Fernsehen. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in einem Vorort südlich von Stockholm. "Der Himmel so fern" ist bereits der neunte Roman von ihr, der in Deutschland veröffentlicht wurde und nimmt den Leser mit auf eine sehr traurige und dennoch auch berührende und Hoffnung bringende Reise.  Weitere Infos zu Buch und Autorin findet Ihr beim Fischer Verlag. Hier ein Interview mit der Autorin:

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    • 1249
  • Rezension zu "Die italienischen Schuhe" von Henning Mankell

    Die italienischen Schuhe
    BookFan_3000

    BookFan_3000

    16. October 2011 um 09:12

    Ihm ist etwas widerfahren, dass er nur 'die Katastrophe' nennt. Danach hat sich der ehemalige Chirurg Frederik Welin auf eine kleine Insel in Schären zurückgezogen und mit seinem Leben abgeschlossen. Doch dann steht seine Jugendliebe Harriet vor der Tür und erinnert ihn an ein altes Versprechen. Er folgt ihr auf eine Reise in die Vergangenheit , voller unverhoffter Begegnungen mit außergewöhnlichen Menschen. Diese Reise wird ihm den Weg zurück zu den Menschen weisen. Bisher hab ich von Henning Mankell nicht sehr viel gehalten, nach diesem Roman hat sich das aber geändert. Gut geschrieben und sehr gefühlvoll.

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  • Rezension zu "Die italienischen Schuhe" von Henning Mankell

    Die italienischen Schuhe
    literat

    literat

    23. August 2011 um 12:15

    Es gibt ja hier sehr unterschiedliche Meinungen zu dem Buch. Ich gehöre zu den begeisterten Lesern. Mankell kann wunderbar erzählen, er kann Atmosphäre herstellen, man fühlt sich als Leser an die Küste Norwegens und auf die Insel im Schärenmeer versetzt. Der Protagonist ist nicht gerade sympathisch, aber man kann sich sehr gut in seine Lage versetzen, er wandelt sich nicht vom Saulus zum Paulus, sondern wird im Rahmen seiner Möglichkeiten und seines Charakters ein besserer Mensch. Er bereut die Fehler seines Lebens, daß er Harriet sang- und klanglos verlassen hat und daß er Agnes den falschen Arm amputiert hat. Trotzdem ist er nun kein Heiliger, er fällt bei günstiger Gelegenheit über Agnes her und versucht sie zu vergewaltigen - aber das macht das Buch glaubwürdig. Ich mag einfach Mankells Erzählweise, seine Naturbeschreibungen sind grandios und ich genieße jedes Buch.

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  • Rezension zu "Die italienischen Schuhe" von Henning Mankell

    Die italienischen Schuhe
    Heike110566

    Heike110566

    13. February 2011 um 18:07

    Henning Mankell (geb. 1948) ist in der BRD vor allem bekannt für seine Kriminalromane, insbesondere um den Kriminalkommissar Wallander. Aber Mankell ist vielseitiger. Neben Kriminalromanen schreibt er auch Romane über das alltägliche Leben, Theaterstücke und Kinderbücher. Außerdem arbeitet er als Theaterregisseur in der mocambiquanischen Hauptstadt Maputo. "Die italienischen Schuhe" entstanden 2006 und wurden 2007 in deutscher Sprache veröffentlicht. Der Autor greift ein großes Thema auf: der eigenen Vergangenheit kann man sich nicht entziehen. Um mit sich ins Reine zu kommen, muss man sich seinem Leben stellen. Fredrik Welin tat dies lange Zeit nicht. Siebenunddreißig Jahre vor Beginn der eigentlichen Romanhandlung verließ er die Frau, die er liebte, ohne sich zu verabschieden. Fünfundzwanzig Jahre später passierte ihm ein großer beruflicher Fehler. Der Chirurg amputierte einer zwanzigjährigen Frau den falschen Arm, wobei sich noch zusätzlich herausstellte, dass eine Amputation des richtigen, des kranken Armes überflüssig war. Fredrik stellte sich damals nicht seinem Tun. Stattdessen zog er sich auf eine Schäreninsel an der schwedischen Südküste zurück, die er geerbt hatte. Dort ist er der einzige menschliche Bewohner. Mit ihm bewohnen eine alte Katze, ein tauber Hund und ein wachsender Ameisenhügel, der im Wohnzimmer sein Zuhause hat, das Haus auf der Felsinsel. Zwölf Jahre lebt er nun in dieser Einsiedelei, da sieht er eines Wintermorgens, das Schärenmeer ist zugefroren, eine alte Frau mit einem Rollator auf dem Eis. Er erkennt: es ist die Frau, die er damals ohne ein Wort verlassen hat. Ihm ist klar, dass er sich nun nicht mehr seiner Vergangenheit entziehen kann. Harriet ist gezeichnet vom Leben, aber er erkennt. dass sie auch noch immer schöne Reize auf ihn hat. Daneben erkennt er aber auch, dass sie sehr krank ist. Sie hat Magenkrebs und nur noch kurze Zeit zu leben. Sie ist aber nicht gekommen um sich bemitleiden zu lassen, Trost und Schmerzlinderung holt sie sich in einem exzessiven Alkoholkonsum. Sie ist gekommen, um die Einlösung eines Versprechens von ihm zu fordern: sie will den Waldteich sein, den er ihr einst versprochen hat. Will sehen, ob es da so schön ist, wie sie es sich vorstellt oder ob auch dies nur eine Lüge war. Eine von vielen in Fredriks Leben, die er anderen erzählte. Gemeinsam gehen sie auf die Reise. Auf die Reise zu jenem Waldteich und damit auch auf den Beginn einer Reise in die Vergangenheit, ihre Vergangenheit. Plötzlich eröffnet ihm Harriet, dass er eine Tochter hat. Louise lebt in einem Waldgebiet in einem Wohnwagen, weitestgehend abgeschieden von der Zivilisation wie ihr Vater. Der erste Kontakt gestaltet sich schwierig. Er flüchtet erneut, jetzt von Harriet und seiner Tochter, auf seine Insel. Seine Festung bietet ihm aber nicht mehr den Schutz wie zuvor. Er weiß, dass die Insel ihn nicht vor seiner Vergangenheit abschirmt. Und tatsächlich will er nun auch einiges aufarbeiten. Er sucht die Frau auf, der er den falschen Arm amputiert hat und gerät dabei selber in Lebensgefahr. Plötzlich hat er ein scharfes Samurei-Schwert an seiner Kehle. Und auch auf seiner Insel wird ihm ein Messer, wenn auch symbolisch, an die Kehle gehalten: Louise und ihre Mutter Harriet stehen mit Sack und Pack, besser gesagt mit Rollator und Wohnwagen plötzlich am Ufer der Insel. Harriet will im Kreise ihrer Familie auf ihren Tod warten. Zweifellos ein interessanter Stoff, den Mankell aufgreift. Mein Eindruck ist aber auch, dass er sich dabei etwas übernommen hat. Am Ende des Romans bleiben viele Handlungsstränge und Fragen offen. Das Buch wirkt unfertig, ist ohne wirklichen Abschluss. Als unzulänglich empfand ich auch etwas die Art, wie der Autor die Geschichte verarbeitet. Es ist einfacher Satzbau, stellenweise sehr einfacher. Rhetorische Figuren oder Tropen werden nur wenig eingesetzt. Da ist zwar die Symbolik der Schuhe, die tatsächlich immer wieder im Handlungsverlauf eine Rolle spielen, die zeigen, dass Mankell durchaus mit sprachlichen Mitteln arbeiten kann, aber insgesamt fordert der Roman nicht gerade den Geist des Lesers. Nun gut, dies ist nicht zwingend ein Manko, denn als Unterhaltungsliteratur ist dieses Buch durchaus damit sehr gut geeignet.

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  • Rezension zu "Die italienischen Schuhe" von Henning Mankell

    Die italienischen Schuhe
    crooks

    crooks

    28. January 2011 um 19:19

    Vielleicht hätte Henning Mankell lieber keine Krimis sondern lieber mehr Bücher wie dieses schreiben sollen. Ein Rausch von Schuld, Einsamkeit und Melancholie, der dennoch auf eine eigentümliche Art befreiend wirkt und Hoffnung auf eine Änderung im Leben gibt. Ein tiefes Buch, auch wenn einen der Titel in die Irre führt. - Ach ja, wer schon mal in Schweden auf den Schären Urlaub gemacht hat und das Meer liebt, wird an diesem Buch seine helle Freude Haben.

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  • Rezension zu "Die italienischen Schuhe" von Henning Mankell

    Die italienischen Schuhe
    ninchen1809

    ninchen1809

    30. December 2010 um 21:20

    Fredrik Welin ist ein 66 Jahre alter pensionierter Chirurg, der in seinem Beruf einen schwerwiegenden Fehler gemacht hat. Er lebt einsam und zurückgezogen auf seiner Schäreninsel mit seinem Hund und seiner Katze. An einem eisigen Wintertag besucht ihn seine damalige Liebe Harriet. Er findet sehr schnell heraus, dass sie schwer erkrankt ist und sie bittet ihn eines seiner damaligen Versprechen einzulösen. Sie waren damals nur relativ kurz ein Paar, denn danach hat er sie ohne ein Wort verlassen. Im Zuge der Einlösung des Versprechens wird er mit seiner Tochter Louise, von dessen Existenz er bisher nichts wusste, konfrontiert. Seine zweite Konfrontation besteht darin, dass er nach 12 Jahren Kontakt zu Agnes aufnimmt, dessen falschen Arm er amputiert hat. Damit stehen auf einmal drei Frauen in seinem Leben und er vor der Aufgabe sich mit seinen Fehlern auseinanderzusetzen. Fredrik Welin, der die ganze, sich von einer Wintersonnenwende zur nächsten über ein Jahr hinziehende Geschichte selbst erzählt, stellt sich seiner Schuld und seiner Lebenslüge. Henning Mankell hat mich sehr zum Nachdenken über das eigene Leben angeregt, denn es geht um das Altwerden und das Alleinsein im Alter. In diesem Buch geht es um das verlorene Leben. Es geht um die Frage, ob es Vergebung geben kann und es geht um die zweite Chance nach großen und unwiderruflichen Lebensfehlern. Ein spannender Mankell-Roman, wenn auch kein Krimi, mit einer sehr schönen Sprache, ohne dabei verschnörkelt oder gekünstelt zu sein. Die Charaktere sind absolut realistisch und jeder für sich liebenswert. Mal ein ganz anderer, aber genauso guter Mankell-Roman.

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  • Rezension zu "Die italienischen Schuhe" von Henning Mankell

    Die italienischen Schuhe
    sala83

    sala83

    18. May 2010 um 22:02

    Ein Portrait über Einsamkeit und Nähe. Sehr starke Charaktere!

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