Henning Ritter Notizhefte

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Inhaltsangabe zu „Notizhefte“ von Henning Ritter

Die Lieblingsepoche des Autors ist fraglos das 18. Jahrhundert der Rousseau und Montesquieu, gerade wegen der Geständnisfreude, mit der es seine Leidenschaften bekennt. Vor allem aber interessiert ihn die geistige Konkurrenz zwischen den Epochen und Traditionen, das Unerledigte der Vergangenheit, ihre Lektionen; und die Gegenwart, als zuletzt kommende, wird um ihre scheinbare Überlegenheit gebracht, alle Perioden erhalten die gleiche Chance. Und so entsteht ein Gespräch zwischen den unabhängigsten Köpfen von der Aufklärung bis heute, von Montaigne bis Nietzsche und Darwin, von Büchner bis Canetti, Jünger und vielen anderen - ein Füllhorn voller immer wieder überraschender Lesefrüchte, Entwürfe, Maximen und Reflexionen; mit wiederkehrenden Motiven und Themen, wie etwa (unter dem Stichwort Deutsche Dinge") die beständigen Eigenarten der Deutschen, die Rolle von Mitleid und Erinnerung in der heutigen Gesellschaft oder die Konkurrenz von Politik und Kultur in der deutschen Geschichte. Die Notizen bewegen sich zwischen der lakonischen Knappheit des Aphorismus und dem Kurzessay; Spontaneität und Zufall sind ihr Signum, und sie sind ungeplant, notiert in ein Heft, das jederzeit zur Hand war. Es sind, um mit einer seiner schönen Trouvaillen zu sprechen, Denksteine, die um und um gewendet werden müssen" (Goethe), Gedanken im Wartestand, die darauf warten, dass Autor und Leser sich ihnen zuwenden, um Gebrauch von ihnen zu machen. Henning Ritters Notizhefte sind ein sehr persönlicher Beitrag zur Auseinandersetzung mit dem zeitgenössischen Denken im Spiegel einer unvermutet aktuellen Vergangenheit.

Henning Ritter legt mit seinen Notizheften wunderbare Gedanken vor, die es wert sind, aufgegriffen zu werden und über die man nachdenken sollte!

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  • Rezension zu "Notizhefte" von Henning Ritter

    Notizhefte
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    18. August 2012 um 10:44

    Das ist ein Buch, von dem vielleicht die Historiker in einigen Jahrzehnten sagen, es sei eines der ausdrucksstärksten Dokumente einer längst vergangenen Zeit und Epoche. Henning Ritter, ein Intellektueller der alten Schule, war für die FAZ von 1985 bis zum Jahr 2008 (man beachte diesen enormen Zeitraum!) zuständig für den Bereich Geisteswissenschaften und hat die philosophische und geisteswissenschaftliche Debatte in dieser Zeit durch zahlreiche wichtige Bücher bereichert. In dieser ganzen Zeit und auch lange Jahre zuvor hat er für sich ganz allein Notizhefte geführt. Dabei ließ er sich von Anfang an durch Georg Christoph Lichtenbergs „Sudelhefte“ inspirieren. Nun hat er in einem durch Dünndruck doch sehr umfangreichen Buch etwa einen zehnten Teil dieser enormen Produktion der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Jeder, der das Buch in die Hand nimmt, sei gewarnt: er wird es so schnell nicht mehr aus der Hand legen können. Man gerät immer tiefer in die Gedankenwelt Ritters hinein, lässt sich faszinieren von seiner Sprachkunst und seinen tiefsinnigen Bemerkungen. Von kurzen Aphorismen bis zu Texten, wo ihn ein einzelner Gedanke zu einem ganzen Essay treibt, von politischen Einschätzungen, die in der Regel skeptisch bleiben, wie es sich für einen ernsthaften Intellektuellen gehört, bis hin zu zahllosen kleinen Texten über die Bücher alter und neuerer Denker, die er gelesen und scharfsinnig kommentiert hat, geht das Spektrum dieses Buches - und immer gehen die Texte „ darüber hinaus“. Sie erinnern an Adornos „Minima Moralia“ und haben ihr gegenüber doch den Vorzug weitaus größerer Offenheit. Wo Adorno apodiktisch formuliert und urteilt, nennt Ritter das eine „Signatur der Rechthaberei“, die die „Anmut der Prosa“ vernichte. Von solcher Anmut ist man auf fast jeder Seite dieses bemerkenswerten Buches gefangengenommen. Während und nach seiner Lektüre schmerzt die Flachheit der gegenwärtigen Diskurse und ihre sprachliche Erbärmlichkeit ganz besonders.

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