Henrik Ibsen

 3.8 Sterne bei 445 Bewertungen
Autor von Nora oder Ein Puppenheim, Ein Volksfeind und weiteren Büchern.
Henrik Ibsen

Lebenslauf von Henrik Ibsen

Henrik Johan Ibsen wurde am 20. März 1828 in Skien geboren und war ein norwegischer Lyriker und Dramatiker. Er wuchs in einer wohlhabenden Familie mit vier Geschwistern auf, sie zogen jedoch nach dem Bankrott des Geschäfts seines Vaters aufs Land, wo Henrik depressiv wurde. Nach einer Apothekerlehre studierte er in Grimstad Medizin, wo er Klassiker der Literatur las. Er hatte eine Affäre mit einer zehn Jahre älteren Dienstmagd, aus der sein unehelicher Sohn Hans Jacob Henriksen entsprang. 1850 lebte Ibsen in Oslo und wurde dort Teil der norwegischen Arbeiterbewegung sowie eines Intellektuellenzirkels. 1851 arbeitete er am Aufbau eines Nationaltheaters in Bergen mit; daraus entstanden zahlreiche Dramen. Ibsen unternahm Studienreisen nach Kopenhagen und Dresden, um die dortigen Theater zu erkunden. 1858 heiratete er Suzannah Thoresen und wurde Vater seines Sohns Sigurd Ibsen. 1864 entschloss sich Ibsen aufgrund von Differenzen mit seinem Heimatland zu einem Exil in Italien und Deutschland. Das freiwillige Exil dauerte 27 Jahre, in denen Ibsen seine bekanntesten Bühnenwerke schrieb. Darunter "Peer Gynt", "Stützen der Gesellschaft" und "Nora". 1891 kehrte er nach Norwegen zurück wo er 1906 in Kristiania starb.

Alle Bücher von Henrik Ibsen

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Nora oder Ein Puppenheim

Nora oder Ein Puppenheim

 (158)
Erschienen am 21.10.2013
Gespenster

Gespenster

 (53)
Erschienen am 31.12.2011
Ein Volksfeind

Ein Volksfeind

 (55)
Erschienen am 10.05.2010
Die Wildente

Die Wildente

 (36)
Erschienen am 01.01.1998
Peer Gynt

Peer Gynt

 (38)
Erschienen am 31.12.2011
Nora oder Ein Puppenheim / Hedda Gabler

Nora oder Ein Puppenheim / Hedda Gabler

 (19)
Erschienen am 01.04.2008
Die Stützen der Gesellschaft.

Die Stützen der Gesellschaft.

 (13)
Erschienen am 01.10.2010
Die Frau vom Meer

Die Frau vom Meer

 (9)
Erschienen am 01.01.1998

Neue Rezensionen zu Henrik Ibsen

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Bavaria123s avatar

Rezension zu "Nora" von Henrik Ibsen

Bavaria und Nora
Bavaria123vor 2 Jahren

Im April dieses Jahres ist etwas für mich Schockierendes passiert.
Es wurde in unser Haus eingebrochen und die Eindringlinge haben nicht nur geraubt, sie haben auch noch stundenlang bei uns gekocht und gegessen. 
Dieser Tag hat mein Leben sehr verändert. 
So kann ich mich beispielsweise überhaupt nicht mehr auf ein Buch konzentrieren, wobei Lesen immer einen großen Stellenwert in meinem Leben hatte. Um langsam wieder ins Lesen gekommen, habe ich mir alte Reclamhefte genommen. Diese sind kurz, meist schon mehrfach von mir durchgearbeitet und somit eine kleine Einstiegshilfe in einen normaleren Alltag.
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Das Buch
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Nora (Ein Puppenheim)
Drama in 3 Akten
erschienen im Reclam, Philipp, jun. GmbH, Verlag
Medium Taschenbuch
Seitenzahl 96
Originaltitel Et dukkehjem (1897)
Aus dem Norwegischen übertragen von Richard Linder
Nachbemerkung von Aldo Keel
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Der Autor
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Henrik Johan Ibsen wurde am 20. März 1828 in Skien als ältester Sohn einer traditionsreichen, vornehmen norwegischen Familie geboren. Von 1844 bis 1850 absolvierte er eine Ausbildung als Apotheker. 1850 zog er nach Kristiana (heute: Oslo), schrieb sich für ein Medizinstudium ein und näherte sich der Arbeiterbewegung, aber sein Hauptinteresse galt inzwischen bereits der Literatur.
Am 18. Juni 1858 vermählte Henrik Ibsen sich mit Suzannah Thoresen, einer Pfarrerstochter aus Bergen.
Von 1864 bis 1891 lebte Henrik Ibsen abwechselnd in Deutschland und Italien. Dann kehrte er nach Oslo zurück. Dort starb er am 23. Mai 1906.
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Worum geht es?
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Das Stück Nora spielt in der Wohnung von Torvald und Nora Helmer, seit 8 Jahren verheiratet, 3 Kinder. Es beginnt am Mittag des 24.12. und endet in der Nacht nach dem zweiten Weihnachtsfeiertag.

Der Rechtsanwalt Helmer wird den Direktorposten einer Bank übernehmen, und so steigt die Familie gesellschaftlich auf. Nora ist ein hübsches, puppenhaftes und naives Mädchen, ihr Mann Torvald ein karriereorientierter Patriarch. Mittelpunkt der Handlung ist ein Schuldschein den Nora in der Vergangenheit ohne das Wissen des damals schwer kranken Helmers aufnahm, um ihm damit zu einer Reise zu verhelfen, ohne die er vermutlich gestorben wäre. Die Unterschrift, Nora durfte als Frau gar keinen Schuldschein aufnehmen, fälschte die Protagonistin. Krogstadt, der Gläubiger, ebenfalls Anwalt und bei Helmers Bank angestellt, erpresst aufgrund der Unterschriftenfälschung Nora, nachdem er von seiner bevorstehenden Kündigung erfährt. Er verlangt von ihr Torvald von diesem Vorhaben abzubringen.

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Personen
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Torvald Helmer, Rechtsanwalt
Nora, seine Frau
Doktor Rank
Christine Linde
Krogstad, Anwalt
Die drei Kinder Helmers Ivar, Bob und Emmy
Anne-Marie, Kinderfrau
Ein Hausmädchen bei Helmers
Ein Stadtbote
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Leseprobe
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Nora. Tu den Tannenbaum gut weg, Helene. Die Kinder dürfen ihn jedenfalls erst heute Abend sehen, wenn er geschmückt ist(Zum Stadtboten, indem sie ihr Portemonnaie hervorzieht.) Wieviel –?
Stadtbote. Fünfzig Öre.
Nora. Da ist eine Krone. Nein – behalten Sie den Rest. (Der Stadtbote dankt und geht. Nora schließt die Tür. Sie lacht noch immer stillvergnügt vor sich hin, während sie den Hut und Mantel ablegt. Sie zieht eine Tüte mit Makronen aus der Tasche und ißt ein paar; dann geht sie vorsichtig an die Tür ihres Mannes und lauscht.) Ja, er ist zu Hause. (Trällert wieder leise vor sich hin, indem sie rechts an den Tisch tritt.)
Helmer (in seinem Zimmer.) Zwitschert da draußen die Lerche?
Nora,(während sie einige Pakete öffnet.) Ja, das tut sie!
Helmer. Poltert da das Eichhörnchen herum?
Nora. Ja!
Helmer. Wann ist das Eichhörnchen nach Hause gekommen?
Nora. Diesen Augenblick(Steckt die Makronentüte in die Tasche und wischt sich den Mund ab.) Komm, Torvald, und sieh Dir mal meine Einkäufe an.
Helmer. Nicht stören!(Bald darauf öffnet er die Tür und sieht herein, mit der Feder in der Hand.) Einkäufe, sagst Du? Diese vielen Sachen? Ist das lockere Zeisiglein wieder aus gewesen und hat Geld verschwendet?

Wer gerne mehr bzw. alles lesen möchte kann das auch hier: 
http://gutenberg.spiegel.de/buch/ein-puppenheim-1704/2
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Meine Meinung

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Wenn man sieht, dass das Stück 1879 geschrieben worden ist, stellt man sich zwangsläufig die Frage, ob es überhaupt noch zeitgemäß ist. Meiner Meinung nach ist die beschriebene Szenerie absolut zeitlos und noch immer aktuell. Eine Frau verlässt ihren Mann, weil sie in einer dramatischen Szene erkennt, dass dieser sie nie ernst genommen hat. War es zu Ibsens Zeit noch ein Skandal, ist es heute durchaus nicht selten. Das Stück behandelt ja nicht nur die Ungleichbehandlung von Mann und Frau in der Gesellschaft, sondern den Mangel an Vertrauen zwischen den Partnern, die fehlende Aufrichtigkeit und Verzagtheit der Personen, denen Gewinn und persönliches Ansehen über Liebe und Gemeinsamkeit geht. Und das ist leider ständig aktuell zumal heute sehr viele Ehen geschieden werden. Die Toleranz gegenüber dem Partner endet oft dort, wo persönliche Interessen in den Vordergrund treten. In vielen Beziehungen rangiert egoistisches Verhalten vor Verständnis und dem bedingungslosen Einstehen füreinander. Eine dauerhafte harmonische Ehe gelingt nur dann, wenn beiderseitige Achtung und Toleranz gelebte Werte sind.
Immerhin wird "Nora - Ein Puppenheim" auch heutzutage ab und an auch noch auf der Bühne dargeboten.

Henrik Ibsen war ein Schriftsteller, der in meinen Augen durchaus mutig gewesen ist. Seine gesellschaftlich radikalen Theaterstücke machten ihn schon zu seinen Lebzeiten zu einem berühmten Autor. Er konfrontierte sein Publikum mit Figuren, die an ihren Lebenslügen zugrunde gehen - oder fast: wie eben Nora. Ibsen forderte von der dramatischen Kunst, dass sie so realistisch wie möglich sein soll und dass sie, so gut wie möglich, psychologische, ideologische und soziale Elemente vereint. Dieses gelingt ihm in dem Stück ganz besonders.

Interessant finde ich dann, dass beispielsweise der erste deutsche Übersetzer Wilhelm Lange dem Stück den Namen „Nora“ gegeben hat, im Gegensatz zu „Ein Puppenheim“, wie es im Original heißt, die Handlung nach Deutschland versetzte und den Schluss veränderte. Nora durfte ganz einfach ihre Kinder nicht verlassen. Es hätten sich ansonsten auch kaum Schauspielrinnen gefunden, die die Nora hätten darstellen wollen

In dem Drama bedient sich Ibsen als einer der ersten Schriftsteller der Fallanalyse für Bühnenstücke, bei der der Leser beziehungsweise dann der Zuschauer erst im Verlauf der Handlung die weit zurückliegenden Ereignisse erfährt, die dann den gesamten Konflikt herauf beschwören. Das ist ein gelungenes Stilmittel, denn so bleibt der Spannungsbogen auch bei sonst geringer Intensität absolut erhalten. Bis zum ersten Erscheinen der Frau Linde weiß man von Noras Verwicklungen nichts. Erst in einem Gespräch der beiden Frauen kommen diese Informationen zu Tage. Während Nora meint, sie bekäme alles geregelt zerbricht der Schein. Und Ibsen arbeitet vielschichtig in diesem Drama mit Schein und Sein. Zum einen direkt bei der Protagonistin, zum anderen dann aber auch als Kritik an der Gesellschaft. Das macht er gekonnt und ohne erhobenen Zeigefinger.

Die Sprache des Dramas ist als eher einfach zu beschreiben. Eine Alltagssprache, die jeder versteht und selbst auch nutzt. Gefühle werden eher nicht ausgesprochen, sie sind in den Anweisungen versteckt und das passt dann auch wieder in die Zeit der Entstehung des Stückes. Interessant sind dann dabei solche Ausdrücke wie „es herrscht kalt Ruhe“. Das kann man sich dann ausnehmend gut vorstellen. Und jeder der drei Akte endet mit einem Paukenschlag, den man so vielleicht nicht erwartet hat. So ist man gespannt auf das weitere Lesen oder am Schluss auf die eigenen Gedanken, die man sich machen wird.

Ganz bewusst hat Ibsen als Handlungszeitraum das Weihnachtsfest gewählt. Weihnachten ist das Fest der Liebe, der Familie. Ein Fest an dem man durch Entgegenkommen, Geschenken und Aufmerksamkeiten die Zusammengehörigkeit und die Harmonie vornan stellt. Hier aber entpuppt sich dieses Weihnachten als ein Zeitpunkt des Auseinanderbrechens, der Lieblosigkeit, der Rechthaberei.

Ibsen hat die Personen wunderbar charakterisiert. Da ist Torvald Helmer, auf dem ersten Blick ein guter Ehemann und Vater. Aber eben doch eher auf das eigene Fortkommen bedacht und ohne Anteilnahme an den Anderen. Er bezeichnet seine Frau als Lerche, Eichhörnchen oder gar lockerer Zeisig und behandelt sie wie ein Spielzeug, ein Püppchen eben. Heutzutage würde man ihn als Macho einstufen. 
Nora entwickelt sich im Verlauf der Geschichte vom willenlosen Spielzeug, geprägt von männlicher Abhängigkeit, zu einer Frau, die scharfsinnig argumentiert und die vor einer ungewissen aber doch lebendigeren Zukunft steht.
Helmers Gegenspieler Krogstad und auch die logisch denkende und handelnde Christine Linde finde ich ausgesprochen gut dargestellt. Schon der Name "Krogstad" ist interessant gewählt. "Krog" bedeutet im norwegischen "Winkel". Ein Winkeladvokat also, den Ibsen als Gegenspieler der Helmers stellt.

Ein altes, dünnes Heft, welches ich aber gern lese und auf jeden Fall empfehlen kann. Wer lieber nur schaut, statt liest, der kann sich eine Aufführung oder eine der mittlerweile mehreren Verfilmungen anschauen.


Unter dem Namen Bavaria123 auch in anderen Foren veröffentlicht

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Mizuiros avatar

Rezension zu "Hedda Gabler" von Henrik Ibsen

Der depressive Wahnsinn
Mizuirovor 2 Jahren

Eigentlich lese ich nicht gerne Theaterstücke... So etwas ist für die Bühne konzipiert und ich halte den Mangel an Fließtext nur schlecht aus.

Bei Hedda Gabler hat mir das Lesen aber trotzdem Spaß gemacht!
Es ist auch ein dünnes Büchlein, das sich nicht unterträglich in die Länge zieht, tatsächlich kommt die Handlung ziemlich schnell auf den Punkt.
Von Anfang an ist die namensgebende Protagonistin nicht gerade eine Sympathieträgerin. Das wusste ich auch schon voher - bei Klassikern ist es ja oft so, dass man das eine oder andere schon weiß, bevor man das Buch wirklich gelesen hat.
Trotzdem konnte ich stellenweise mit ihr mitfühlen und irgendwie fand ich ihren depressiven Wahnsinn auch sympathisch.

Und genau das ist wohl auch Sinn der Sache, nehme ich an, immerhin haben wir es hier mit einem gesellschaftskritischen Werk über die Rolle des Individuums (sehr präsent: der Frau) im 19. Jahrhundert zu tun. Die Punkte, die mich angesprungen haben waren  zum Beispiel die Frage nach dem Sinn des Lebens, die Fähigkeit zur Empathie und Langeweile. Alles Dinge, die ganz unglaublich gut auch in die heutige Zeit passen, vielleicht hat mich das Buch deswegen so begeistert.

Auch wenn es sich bei dem Stück um ein Drama handelt, plätschert der erste Akt noch locker dahin und ist stellenweise auch noch richtig komisch. Mit jedem weiteren Akt (insgesamt vier) spitzt sich die Lage aber zu, kurz vor dem Ende kann man schon erahnen, was passieren wird. Und weil es sich auch an dieser Stelle immer noch so locker liest (auch wenn der Inhalt eben nicht mehr so locker ist), ist das Ende auch bald da.. und es ist wunderschön. Zumindest würde Hedda das sagen, und ich muss ihr in dem Fall Recht geben.

Also, meine Lieben. Vielleicht gibt es jemanden unter euch, der aus Gründen "irgendeinen" Klassiker oder "irgendeinen Klassiker der nordischen Literatur" lesen muss oder möchte. Ich lege euch Hedda Gabler (aber eigentlich Ibsen generell) hiermit ans Herzchen.

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JuliaSchus avatar

Rezension zu "Nora" von Henrik Ibsen

Erst langweilig, dann einfach nur beeindruckend!
JuliaSchuvor 3 Jahren


Jedes Stück, das man sich auf der Bühne ansieht, ist eine Interpretation des Stoffes. Diese These ist schwer zu wiederlegen, denn jeder Regisseur interpretiert den Text schon allein durch Kostüme und Bühnenbild, genauso wie jeder Schauspieler allein durch Lautstärke und Artikulation seine Rolle interpretiert. Um ins Theater zu gehen, muss man das Stück nicht kennen. Es sei denn, die Inszenierung ist so abgedreht, dass man sie ohne das Original nicht kennt. 
Lange Vorrede: Im Rahmen eines Seminars wird mein Kurs sich das Stück „Nora. Ein Puppenheim“ von Henrik Ibsen ansehen. Und weil wir mit einer abgedrehten Inszenierung rechnen, mussten wir uns den Text zu Gemüte führen. „LANGWEILIG!“, habe ich gedacht. Aber okay, ein Drama kann man sich schnell durchlesen. Anfangs wurde meine Meinung mehr als bestätigt, aber was sich Herr Ibsen besonders zum Ende hin hat einfallen lassen, ließ mich tief beeindruckt zurück.

Inhalt
Nora ist lebensfroh und naiv. Die junge dreifache Mutter singt und tanzt den ganzen Tag und macht ihrem Ehemann, der in nächster Zeit Bankdirektor wird, eine große Freude damit. Um nichts als die schönen Dinge im Leben scheint sich das Frauenzimmer Sorgen zu machen und die ernsten Angelegenheiten überlässt sie der Männerwelt. Doch sie gerät in eine missliche Lage. Vor ein paar Jahren handelte sie nicht ganz rechtens, um ihren Mann zu retten. Sie lieh sich eine große Summe Geld und muss diese nun zurückzahlen. Doch das kann sie nicht und es kommt noch schlimmer. Vom gesellschaftlichen Ausschluss bedroht, verstrickt sie sich in die Machenschaften des gedemütigten Krogstadt und steht so vor einer schweren Entscheidung, die ihr Leben und das ihrer Familie für immer verändern wird.


Meinung
Bei „Nora. Ein Puppenheim“ handelt es sich um ein dreiaktiges Drama aus dem Jahr 1879. Henrik Ibsen war mir kein Unbekannter, da ich bereits im Abitur ein anderes Stück von ihm lesen musste. Schon damals wurden wir darauf aufmerksam gemacht, dass „Nora“ das weitaus berühmtere Stück ist. Dies konnte ich zu Anfang überhaupt nicht verstehen. Wir haben es hier mit ein relativ klassischen Drama zu tun. Es gibt eine Einheit von Ort, Handlung und Zeit, was deutlich macht, dass es für die Bühne konzipiert wurde. Es gibt eine überschaubare Menge an Charakteren. Im Mittelpunkt steht die naive Nora. Sie geht dem Leser mehr als nur auf die Nerven. Sie ist ein Nichtsnutz und von relativ simpler Natur. Man traut ihr nicht einen ernsten Gedanken zu. Sie ist vernarrt in ihre Kinder und spielt einfach sehr gern. Ihr Ehemann Torvald liebt sie sehr. Nora ist der Sonnenschein seines Lebens und er empfindet wahre Freude an ihr. Die Kinder der beiden spielen keine große Rolle, ebenso wenig wie die Haus- und Kindermädchen. Der Doktor Rank hat eine Nebenrolle und Herr Krogstadt und Frau Linde sind noch von Bedeutung. Nora steht in Krogstadts Schuld, weshalb genau, ist hier nicht von Bedeutung. Er scheint ein fieser und verbitterter Charakter zu sein. Frau Linde ist Noras Freundin aus alten Tagen. Sie scheint charakterstark und tüchtig. Somit entwickelt sich ein relativ gegensätzliches Bild an Figuren. Zur genauen Konstellation muss nicht viel gesagt werden, da es ansonsten die Handlung stark verrät.

Der erste und zweite Akt bauen die Katastrophe auf und sind somit relativ langatmig. Ich hatte ein völlig anderes Ende erwartet, wie ich gestehen muss. Während ich die ersten zwei Drittel des Buches nur wiederwillig las, konnte mich der dritte Akt regelrecht packen. Nora „entpuppt“ sich als etwas völlig anderes, als jeder erwartet hat. Der Untertitel „Ein Puppenheim“ wird endlich deutlich und Ibsen gibt dem Leser mit dem dritten Akt mehr als nur eine Interpretationshilfe des Vorangegangenen. Ich war wirklich einfach nur beeindruckt. Ich persönlich rechnete mit dem Selbstmord von Nora, was einfach zu vorhersehbar gewesen wäre. Was diese Frau aber tut, ist für die damalige Zeit einfach undenkbar und ein wahrer Akt der Emanzipation. Das ganze Stück über habe ich Nora verabscheut und verurteilt und erst in den letzten Szenen hat sie sich meinen Respekt mehr als verdient. Ich kam aus dem Markieren von Zitaten gar nicht mehr heraus. Doch diese müsste man im Zusammenhang lesen, um genauso beeindruckt zu sein, wie ich. Ich werde mich noch ein bisschen damit beschäftigen müssen, wie Ibsen zu solch einer Idee im ausgehenden 19. Jahrhundert kam und auch wie das Publikum reagierte. Ich empfinde es als sehr mutig, wenn auch grausam auf einer anderen Ebene. Sprachlich ist das Stück übrigens okay. Es lässt sich fließend lesen, ist aber nun einmal ein Drama. Das heißt man muss mit Nebenbtext und einem anderen Stil rechnen. Vor allem am Ende haut Ibsen aber ein Glanzzitat nach dem nächsten raus.

Fazit
Alles in allem hat mich „Nora. Ein Puppenheim“ mehr als überrascht. Ibsen hat hier seine ganze Kunstfertigkeit unter Beweis gestellt, indem er das Stück so enden lässt. Der Titel gefällt mir für dieses Drama wahnsinnig gut und ich muss sagen, dass es wirklich lesenswert ist. Es ist ein früher Akt der Emanzipation, der auch sprachlich glänzen kann. Ich hätte selbst nicht damit gerechnet, doch ich vergebe gerne 4 Sterne.

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Henrik Ibsen wurde am 20. März 1828 in Skien (Norwegen) geboren.

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