Hobhouse hat mit dieser sehr lebendigen Darstellung m.E. eine sehr anschauliche Geschichte der wohl bekanntesten Kolonialwaren - dem Zucker, dem Tee, der Baumwolle und Kartoffel - geschrieben, die jenseits anspruchsvoller akademischer Fachliteratur eine gehobene Informationsverschaffung bieten soll. Wenige Fußnoten, spannende und facettenreiche Sprache - all dies macht das Buch zu einer abwechslungsreichen und unterhaltsamen Lektüre jenseits platter populärwissenschaftlicher Darstellungen. Was ich persönlich nicht wusste, ist bspw. die Geschichte des Chinin, das lange Zeit in der Malaria-Behandlung Anwendung fand. Auch wenn z.B. die Geschichte der Baumwolle mit dem amerikanischen Süden - dem Cotton South - an sich eine sehr breite Einführung bedürfte - Hobhouse schafft es, das Konfliktpotential sowie die Ursachen/Motivationen des Amerikanischen Bürgerkrieges binnen weniger Sätze prägnant auf den Punkt zu bringen. Hierein eingewoben stellt er die Geschichte der Baumwolle dar. Beim Tee ähnlich, für den er sich kontinental nach Asien begeben muss und deshalb an sich einen ganz anderen Kulturkreis mit völlig anderer Geschichte schildern müsste. Das Buch ist erfrischend beim Lesen. Wer sich für die Geschichte der uns bekanntesten Utensilien in der Küche interessiert, wo sie herkamen, unter welchen Bedingungen sie zunächst angebaut, zum Teil gehandelt wurden, dem empfehle ich diese gelungene Darstellung kulturwissenschaftlich wichtiger Pflanzen.
Henry Hobhouse
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Fünf Pflanzen verändern die Welt
Neue Rezensionen zu Henry Hobhouse
Ich mag gut geschriebene Sachbücher, besonders wenn sie auch noch historische Zusammenhänge erhellen. Henry Hobhouse hat mich mit seinem Sachbuch "Sechs Pflanzen verändern die Welt" restlos begeistert.
In je einem eigenen Kapitel (auf insgesamt 350 Seiten) hat Hobhouse sich mit den Pflanzen Chinarinde, Zuckerrohr, Tee, Kartoffel, Baumwolle und Koka befasst und dabei eine Fülle an wirklich interessanten Informationen aufgetan.
Ergänzt wird das noch durch weitere 50 Seiten ebenfalls sehr interessanter und lesenswerter Anmerkungen. In seiner Einleitung zur ersten Auflage des Buches hatte Hobhouse darauf hingewiesen, dass die Pflanzen als Quelle des Wandels in der Welt häufig völlig übersehen bzw. unterschätzt worden sind und nach der Lektüre des Buches kann der Leser da eigentlich nur zustimmen und wird diese und andere Pflanzen zukünftig wohl mit etwas anderen Augen sehen.
Wie schnell vergessen wir, dass z.B. für uns alltägliche Pflanzen, wie Zuckerrohr oder Kartoffeln, Millionen von Menschen in andere Teile der Welt gespült haben (Sklaven!) oder Tee und Koka sogar Kriege ausgelöst haben und im Falle von Koka bis heute auf unseren modernen Straßen zu Gewalt und blutigen Kämpfen beitragen.
Und man ahnt etwas von der gesundheitlichen Gefahr, die z.B. von Zucker ausgeht, bzw. wie sehr wir alle dieser "Droge" verfallen sind, wenn man liest, dass das, was wir heute in eine Tasse Tee tun, nämlich 1 Teelöffel, früher der Jahresbedarf an Zucker für eine Person war! Ich kann nur immer wieder sagen: Schön, dass es solche Sachbücher gibt.
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