Wendekreis des Krebses

von Henry Miller 
3,7 Sterne bei102 Bewertungen
Wendekreis des Krebses
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Positiv (62):
schmivess avatar

Aufschlussreiche Milieustudie über das Bohème-Leben von (Lebens-)Künstlern im Paris der 30er Jahre und deren Geschlechtskrankheiten.

Kritisch (14):
luckyups avatar

Eine überschäumende Geschichte aus der Bohème. Farbiger, lebendiger und heftiger geht es kaum noch.

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Inhaltsangabe zu "Wendekreis des Krebses"

250 S.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783499138324
Sprache:
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:0 Seiten
Verlag:Rowohlt TB.
Erscheinungsdatum:01.04.1996
Das aktuelle Hörbuch ist am 01.08.2005 bei Der Audio Verlag, DAV erschienen.

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    buchwanderers avatar
    buchwanderervor 2 Jahren
    Geradlinige Wendung

    „…denn die Tragödie unserer Welt besteht gerade darin, daß nichts mehr imstande ist, sie aus ihrer Lethargie aufzuscheuchen.“ (S.8)

    Zum Inhalt:

    Zusammen mit „Wendekreis des Steinbocks“ – erschienen 1939 – stellt der Roman „Wendekreis des Krebses“ ein autobiografisches Versatzstück im Schaffen Henry Millers dar. Der Text beschreibt die Suche Millers nach seinem ganz persönlichen künstlerischen Ich in einem moralisch als verrucht zu bezeichnenden Umfeld, das ihm jedoch keineswegs die enge Freundschaft seiner ebenfalls in Paris lebenden, ähnlich gesinnten Landsleute versagt, ja sie vielmehr sogar fördert. Obwohl die Begrifflichkeit der „Biografie“ eine logische zeitliche Abfolge unterstellen ließe, so wird der Leser diese hier vermissen – oder dies als erfrischend anders empfinden. Anaïs Nin bringt es in ihrem Vorwort von 1934 prägnant auf den Punkt: „Das Buch wird allein durch Fluß und Wechsel der Ereignisse auf seiner eigenen Achse gehalten. Gerade weil es keinen Mittelpunkt gibt, ist auch keine Rede von Heldentum oder Kampf, da auch keine Rede von Willen ist, sondern nur von Hingabe an das Strömen.“ (S.7). Millers Sinn dafür, einer pragmatischen Weltsicht eine gewisse, ihm eigene Art der Komik abzugewinnen, finden sich in mehr oder weniger subtilen Wendungen, Schilderungen seiner Wegbegleiter und -begleiterinnen, sowie in der nahezu fatalistischen, jedoch keinesfalls in Selbstmitleid sich suhlenden, Sicht der Vergänglichkeit von Leben, Liebe, Wertesystemen und politischen, moralischen und wirtschaftlichen Ansichten. Ein Buch über die Suche nach dem „Zustand des Mit-sich-selbst-einig-Seins“1).

    Fazit:

    Millers Text „schlug die entscheidende Bresche in eine Mauer von Heuchelei und Prüderie.“, so der Klappentext und es handelt sich dabei um den sozialverträglichen Hauch eines Beschreibungversuches, mit welch ausdrucksgewaltiger, brachialer Erzählgewalt der Autor mit Tabus bricht. Ein Leben auf der scharfen Schneide zwischen künstlerischer Freiheit, der Suche nach dem nächsten Essen, der Negation bourgeoiser Normen und Rituale, der kompromisslosen Verwirklichung eigener künstlerischer Vision und die Kollision all dieser menschlichen Eisberge im sozialen Malstrom des Paris nach der Jahrhundertwende. Als eine „exstatische Befreiung“1) von den einschränkenden Normen des New Yorks der zwanziger Jahre bezeichnet es Jörg Drews. Es ist kein geschliffen feines Changieren, vielmehr ein rüder Bruch, der in jedem Absatz erneut kristallisiert, den Leser oft vor den Kopf stößt, aber auch gleichzeitig nicht aus seinem Bann entlässt. Ein Buch das definitiv Lust auf mehr Henry Miller macht.

    Zum Buch:

    Der rororo-Verlag liefert mit dieser Ausgabe von Henry Millers Klassiker einen kompakten Taschenbuchrahmen in solider Verarbeitung, dessen griffiger Bedruckstoff in Kombination mit einer stabilen Verleimung einen sehr positiven haptischen Gesamteindruck hinterlässt. Gesetzt aus der Aldus® in sehr kleiner Type, wirkt der Text ausgesprochen kompakt, ja beinahe gedrängt, was sich überdies ausgezeichnet mit dem Inhalt verträgt. Generell werden typografische Akzente, wenn überhaupt, nur sehr verhalten eingesetzt, was jedoch keineswegs störend wirkt. Als einziger Minuspunkt wäre die Wahl des Bedruckmaterials, welches leicht zum Vergilben neigt, zu erwähnen.

    1)  Kindlers Literatur Lexikon Bd.11, S. 703

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 2 Jahren
    Viel Lärm um nichts

    Millers mehr oder weniger autobiographisch gehaltene Sammlung von Anekdoten und Beobachtungen aus seiner Zeit im Paris der 1930er Jahre liest sich wie ein Klischee des Schriftstellers per se: unbekannter, aber begabter Schreiberling kommt aus Amerika in den Sündenpfuhl Paris, immer hungrig, immer abgebrannt, immer bereit, in das nächste Bordell einzukehren. Daneben betrachtet er Schreibkammern berühmter Autoren, Bilder berühmter Maler und sinniert über die banalsten Dinge, die sich wie eine Offenbarung vor ihm darlegen und seinen sensiblen Geist aufs äußerste reizen. Dieses wirklich anstrengend zu lesende Konvolut intellektueller Ergüsse ist gespickt mit einer derben Sprache, immer dann, wenn Miller das Feld der Ästhetik und der Kunst verlässt und in die Sinnlichkeit bzw. Sexualität wechselt. Diese Passagen, in denen wirklich etwas "passiert", lesen sich sogar relativ entspannt, doch sobald er sich wieder auf das monologisieren verlegt, wird "Wendekreis des Krebses" zu einer reinen Tortur. Ich habe mir deutlich mehr von diesem Buch erwartet, vielleicht sogar erhofft, da es als absolutes Skandalwerk in die Literaturgeschichte eingegangen ist. Doch gilt dies nur in Bezug auf seinen zeitlichen Kontext und die damit einhergehende Prüderie und Vermeidung sexueller Inhalte. Heute, in Zeiten von sensueller Überreiztheit ist Millers Text kaum noch skandalös, sondern einfach nur ermüdend. Daher nur eine eingeschränkte Leseempfehlung.

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    TerenceHorns avatar
    TerenceHornvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Da hab ich mehr erwartet. Irgendwie fand ich nie einen Zugang zu seinem Stil.
    Angeblich war das Buch mal ein Skandal

    Welche sagenhafte Neuerung das Buch gewesen sein soll erschließt sich mir nicht. An Bukowski kommt er nicht ansatzweise heran und ich finde seinen Schreibstil auch nicht gerade berauschend. Ich konnte das Buch nicht mal zu Ende lesen

    Kommentare: 2
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    A
    Arunvor 5 Jahren
    Stadt der Liebe?

    „Wendekreis des Krebses“ Ein Buch von Henry Miller

    Klappentext:
    Mit diesem jahrzehntelang verketzerten und verbotenen Buch fegte der einst verfemte, heute weltberühmte Autor alle Tabus hinweg. Es war der erste heftige Angriff gegen eine Gesellschaft, die den Boden bereitet, auf dem das Laster gedeiht. Es schlug die entscheidende Bresche in eine Mauer von Heuchelei und Prüderie.

    Eine Meinung:
    Henry Miller schreibt in seinem autobiographisch angehauchtem Roman – Erzählung von seinen Erlebnissen hauptsächlich in Paris mit kleinen Abstechern nach Le Havre und Dijon in den Jahren 1930/31.
    Sein Leben in Künstlerkreisen dreht sich vorwiegend um Essen, Trinken, Frauen, Sex und das Überleben in der französischen Hauptstadt.
    Da oft Geldmangel herrscht sind die beschriebenen Lokalitäten oft nicht angenehm sondern kommen trist und wenig einladend daher.
    Bei Henry Miller kommt das weibliche Geschlecht ziemlich schlecht weg, er pflegt eine sehr dem Sexismus und dem Chauvinismus anhaftende Sichtweise und drückt sich auch dementsprechend aus, was zu der Zeit des Erscheinen des Buches (1934) wohl vielen „Sittenwächtern“ nicht gefallen hat.
    Besonders gefallen hat mir das Buch nicht, auch durch seine surreale Schreibweise und den pessimistischen Unterton!
    Sagen wir mal so: gelesen um eine Lücke in meiner Lesebiographie zu schließen.

    Kommentare: 1
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    blueberry7s avatar
    blueberry7vor 5 Jahren
    Klassiker?

    vielleicht hab ich's nicht so mit Klassikern - ich hab's nicht zu Ende gelesen.....

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    JimmySalarymans avatar
    JimmySalarymanvor 6 Jahren
    Ach ja, der gute Henry...

    Fand ich mit ungefähr 20 richtig geil: Intellektuell, riskant, und ein wenig obszön, Miller klang gefährlich! Heute bleibt nicht viel. Ich habe von Miller alles gelesen, den Alptraum, den er angeblich beschrieben hat, den hat er leider selbst nie erlebt; er war immer ein schrecklicher Spießbürger, der seine Marotten als intellektuelle Redlichkeiten verkauft hat, an andere Spießer, an mandelstutengesichtige Bürgerssöhne, die sich im Angesicht dieser "Eloquenz" richtig angerührt fühlten. So auch ich. Man entdeckt dann schnell andere Autoren, die schrieben, was Miller gerne geschrieben hätte, für die es mehr als Hure oder Maria gab, mehr als bräsiges Herumnihilieren, 

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    Sokratess avatar
    Sokratesvor 7 Jahren
    Rezension zu "Wendekreis des Krebses" von Henry Miller

    Schwierige Literatur, mit der ich mich auch beim zweiten Lesen (rund 10 Jahre später) nicht anfreunden kann. Henry Miller, amerikanischer Autor in Paris lebend, war lange Jahre mit Anais Nin liiert, mit der er allerdings die wesentliche Zeit in einer Ménage-a-Trois lebte. Die dritte Dame war die ominöse "June", die auch durch Nin's Werk geistert. -- Millers Buch "Der Wendekreis des Krebses" stand im Zeitpunkt seines Erscheinens - 1934 - auf dem Index; aus dem Zeitgeist jener Jahre heraus verständlich, schaut man sich die im Buch verarbeitete Thematik näher an. Im Prinzip dreht sich alles um Frauen, Mösen und Ficken; eine in Paris angesiedelte Sekundärhandlung umrahmt den Rest nur. Spannung kommt logischerweise nicht auf, es plätzschert dahin und erhält uns einzig immerfort davon, mit wem Miller - der Ich-Erzähler - hier und dann, ständig, und immerfort schlafen will. Allerdings werden hierfür nur "Kraftausdrücke" verwendet. Der moralisch motivierte Aufschrei der Sittenhüter jener Jahre ist also durchaus nachvollziehbar. Für mich war das Lesen kein eindrucksvolles Erlebnis. Ähnlich wie bei Anais Nin, konnte mich diese sexual-lastige Literatur wenig ansprechen, eine "konventionelle" Handlung ist schwach bis garnicht vorhanden. Intellektueller Inhalt wird allenfalls als Subtext transportiert, der aber erst dechiffriert werden muss. Nein, definitiv nicht mein Geschmack.

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    Wendekreisvor 7 Jahren
    Rezension zu "Wendekreis des Krebses" von Henry Miller

    Wohl noch nie hat uns ein Schriftsteller so sehr an seinem Leben und seinen Gedanken teilhaben lassen, und so ändern sich auch die Erzählebenen ständig von extrem realistischen Beschreibungen seines Alttags im Paris der 30er Jahre zu völlig surrealen Gedankengängen über den Sinn des Lebens. Über allem aber sein Bestreben, ehrlich zu sich zu sein und sein Credo, daß alles nur dann von Bedeutung ist, wenn es mit echter Leidenschaft gemacht wird. Dieses Buch kann man nur lieben oder hassen - ich liebe es seit einem Vierteljahrhundert!

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    rkuehnes avatar
    rkuehnevor 8 Jahren
    Rezension zu "Wendekreis des Krebses" von Henry Miller

    Was ich mir erhofft hab, weiß ich schon gar nicht mehr, aber fest steht, keine meiner Vorstellungen wurden erfüllt. Ein Buch welches es an keiner Stelle geschafft hat mich zu fesseln oder mich nur ein bisschen an die Geschichte zu binden. Überhaupt: Geschichte – eine Geschichte gab es hier so wirklich nicht. Die wirren tagebuchähnlichen teils philosophisch abgehobenen Einträge mögen für manchen die Erleuchtung bringen, mich haben sie leider sehr gelangweilt und vielleicht in gewisser Weise auch überfordert. Das muss man sich dann ja auch mal eingestehen. So hab vielleicht auch ich dem Buch nicht gefallen.

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    BigDis avatar
    BigDivor 9 Jahren
    Rezension zu "Wendekreis des Krebses" von Henry Miller

    Ganz klar einer meiner persönlichen Favoriten, ein Buch, welches gnadenlos die billige Fassade der Außenwelt zerschlägt und dessen wahres, hässliches Gesicht aufzeigt. Ein Buch voll von auf den ersten Blick total durchgeknallten Gedanken, die jedoch schonungslos das wahre Wesen des Menschen enthüllen, ein Buch voll von erst obszön wirkenden Passagen, die jedoch in Wirklichkeit von einer unerreichbaren Poesie erfüllt sind. Ein Buch, welches zynisch scheint und sicherlich auch zynisch ist, doch welches auch das Leben bejaht, das ungehemmte Leben, körperlich und geistig. In einer spießigen, zerfallenden Welt schlagen die Gedanken Millers ein wie eine Bombe, fegen die Scheinheiligkeit beiseite und erfüllen einen mit einem Gefühl der wahren Menschlichkeit. Zwar ist der Gedankengang teilweise etwas schwierig zu lesen, dafür wird man jedoch vom oftmals auftauchendem, meist sehr derbem Humor entschädigt, auch die Aktualität dieses Werkes hat sich auch heute meiner Meinung nach nicht gesenkt. Im Großen und Ganzen ein Beweis dafür, dass autoniographische Aufzeichnungen, sofern diese den gesamten genialen Geist des Autors wiederspiegeln können, weitaus interessanter und erfüllender sein können als die meisten fiktiven Geschichten, denn in diesem Buch ist es das ungefilterte Leben, was durch die Seiten sickert, unverfälscht und ehrlich, die Beichte eines freien Menschen.

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