Henry Neville

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Cover des Buches Die Insel Pines: Die Insel der Fruchtbarkeit (ISBN: B07B6SN9M1)
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Rezension zu "Die Insel Pines: Die Insel der Fruchtbarkeit" von Henry Neville

Heinrich_De
Was braucht der Mensch wirklich mehr, als was die Natur uns geben kann?

Diese Kurzgeschichte zeigt in knappen und übersichtlichen 40 Seiten wie ein ganzes Volk, abgeschieden von jeglicher Zivilisation, entstehen und überleben kann. Ein Mann und vier Frauen als Stammhalter, welche als Schiffbrüchige auf einer unentdeckten Insel landen, bevölkern bald hunderte Abkömmlinge den Lebensraum und leben in vier unterschiedlichen "Stämmen" zusammen.

"Und nun bestellte ich sie in oder um mein 80. Lebensjahr und das 59. Jahr meiner Ankunft ein für allemal ein, um sie zu zählen, was ich auch tat, und fand, dass sich die Schätzung auf insgesamt 1.789 Personen belief."

Interessant ist zu sehen, dass dieses Volk, welches von den Engländer Pine ausging, einzig mithilfe seiner Weisungen, Erzählungen und der Religion fortbesteht. Von Generation zu Generation wird dieses Wissen weitergegeben und nur durch diese Traditionen kann dieses Volk in Frieden bestehen und überleben. Das Vergessen oder "Besserwissenwollen", als es die Schrift sagt, führt laut Neville zu Unruhen im Volk und bedroht dessen ganze Existenz.

"Der Quell dieser Zwietracht entsprang zunächst, wie ich verstehe, der Vernachlässigung des Hörens der Schriftlesung, die nach den Vorschriften meines Großvaters einmal im Monat in einer allgemeinen Versammlung zu halten war. Aber da viele von ihnen nun tief ins Landesinnere wanderten, vernachlässigten sie die Versammlung und alle anderen Mittel der christlichen Erziehung, durch die der Sinn für die Sünde unter ihnen gänzlich verloren ging."

Neville lässt nach Auflösung der Unruhen das Oberhaupt der Insulaner Gesetze verfassen, welche denen der Bibel sehr ähneln. Mithilfe dieser sollen in Zukunft wieder Ruhe und Frieden herrschen, so dass dieses kleine Volk ohne Furcht vor den Nächsten weiterleben kann.
Neville macht in dieser Geschichte eine ganz klare Aussage: Verlässt man den von Gott vorgegebenen und gewollten Weg, gibt man sich bereitwillig der Sünde und dem Bösen hin, beginnt das Volk zu zerfallen und sich selbst zu zerstören. Auf der Insel im kleinen Maßstab. Betrachtet man unsere heutige, große Welt erkennt man jedoch gewiss die ein oder andere Parallele. Es lässt sich nicht leugnen, dass sich diese Geschichte aus dem 17. Jahrhundert tatsächlich auch auf unsere Moderne anwenden lässt.

"Aber da in großen Menschenmengen unweigerlich Unordnung heranwächst, die Starken die Schwachen zu unterdrücken versuchen und kein Band der Religion stark genug ist, die gefallene Natur des Menschengeschlechtes zu fesseln, entstand unter ihnen Zwietracht; und bald fielen sie von der guten Ordnung ab, die ihnen von meinem Großvater vorgeschrieben war."

Ob Neville Kritik am Zerfall der Religion in England und in weiser Voraussicht die daraus resultierenden Folgen aufzeigen wollte? Kann man seine Schiffbruchsgeschichte als Warnung verstehen?
Ich denke es lässt sich hier sicherlich mehr als eine bloße, schöne Geschichte interpretieren. Auf dieser Insel wird ein neues, ein besseres, ein intelligenteres England geboren! Ein neues Inselvolk, welches sich bewusst wird, welchen Wert die Tradition und die Gesetze Gottes haben. Welches, gerade durch ihre geringe Anzahl, erfährt, wie gefährlich oder sogar tödlich es werden kann, versucht man nicht nach "Dein Wille geschehe" zu leben.
Aus diesem Grund widerspreche ich Wikipedia und Übersetzer, dass diese Geschichte eine Dystopie sei. Sie zeigt uns ein neues Paradies, einen neuen Adam, ein neues Volk, welches, als es in Versuchung geführt wird, widersteht und den Sünder tötet, damit die Sünde nicht weiterleben kann! Der Niederländer, welcher die Insulaner entdeckt, stimmt mir da zu:

"Diesbezüglich können wir sie womöglich darin glücklich schätzen, dass sie wenig besitzen und doch alle Dinge genießen, da sie mit dem zufrieden sind, was sie haben. Ihnen fehlen jene Verlockungen zu Unfug, mit denen unsere europäischen Länder voll sind."

Eine Kurzgeschichte, die viel Raum für Interpretation und Spekulationen enthält. Neville hat uns eine Utopie hinterlassen, er ist eine ferne Stimme aus der Vergangenheit welche uns heute im 21. Jahrhundert immer noch nicht völlig erreicht hat. Tatsächlich wurde mir erst während des Schreibens dieser Rezension richtig bewusst wie viel hier eigentlich enthalten ist, auf "nur" 40 Seiten. Was braucht der Mensch wirklich mehr, als was die Natur uns geben kann?

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