Henryk M. Broder Entweder Broder - Die Deutschland-Safari

(3)

Lovelybooks Bewertung

  • 5 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 1 Leser
  • 2 Rezensionen
(1)
(1)
(0)
(1)
(0)

Inhaltsangabe zu „Entweder Broder - Die Deutschland-Safari“ von Henryk M. Broder

Was ist typisch deutsch? Nach diesem Buch werden Sie Deutschland mit anderen Augen sehen Deutschland den Deutschen! Deutsche, esst deutsche Bananen! Wir sind Papst! Wir sind Exportweltmeister! Wir sind wieder wer! Sind wir es wirklich? Ein Jude und ein Moslem unterwegs im Dienste der Aufklärung. Henryk M. Broder und Hamed Abdel-Samad sind zwei Beute-Deutsche. Der eine ein polnischer Jude, der andere ein ägyptischer Moslem, beide vollkommen integriert, obwohl der eine keinen Alkohol trinkt und der andere kein Schweinefleisch isst. Gemeinsam sind sie im Auto kreuz und quer durch Deutschland gefahren - mit arabischem Navigationsgerät. Sie haben ein KZ besucht und Currywurst gegessen. Sie haben Arier und Vegetarier, oberbayerische Japaner und hanseatische Lach-Yoga-Jünger, Wirtschaftswissenschaftler, Hartz-IV-Empfänger und »Großmütter gegen den Krieg« besucht. Sie haben den »Jurassic Park« der DDR gefunden, mit iranischen Dissidenten und integrierten Prostituierten gesprochen, Menschen getroffen, die mit dem Tode bedroht werden und solche, die eine Gefahr für die Demokratie sind. Was Broder und Abdel-Samad auf ihrer Deutschlandsafari mit Jesus, Mohammed und Moses im Gepäck und der konfessionslosen Hündin Wilma auf dem Rücksitz erlebt haben, steht in diesem Buch. Denn Deutschland ist kein Platz auf der Landkarte, es ist ein Zustand, den man sich erarbeiten muss. Mit über 100 farbigen Abbildungen.

Stöbern in Sachbuch

Homo Deus

Der Autor spannt einen Rahmen von der Vergangenheit bis in die Zukunft. Sein Menschenbild ist gewöhnungsbedürftig.

mabuerele

Hygge! Das neue Wohnglück

Ein inspirierendes Buch, mit vielen Tipps, Interviews, und noch mehr Bildern, die das skandinavische Wohlfühlflair wiederspiegeln

Kinderbuchkiste

Spring in eine Pfütze

Ich muss sagen, ich war positiv überrascht und freue mich nun jeden Tag auf eine neue & kreative Aufgabe.

NeySceatcher

Alles, was mein kleiner Sohn über die Welt wissen muss

Kurzweilige, aber amüsante Lektüre über das Leben mit einem Kleinkind - auf jeden Fall lesenswert.

miah

Das große k. u. k. Mehlspeisenbuch

Das Zauner ist eine Institution in Bad Ischl, hier gibt es die Rezepte der Leckereien, die man dort findet.

Sikal

Wut ist ein Geschenk

Tolles Buch

Pat82

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Rezension zu "Entweder Broder - Die Deutschland-Safari" von Henryk M. Broder

    Entweder Broder - Die Deutschland-Safari
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    Deutschland von vielen Seiten Wenn ein Jude Dachau besucht und nachher zugibt, dass es schwer war, damit aber das Essen in der Kantine meint und dass er nie mehr soviel auf einmal essen will, dann ist Henryk M. Broder vor Ort. Der Journalist der spitzen Zunge und spitzen Feder, der die Polemik zum Markenzeichen erkoren hat. Der Jude, der allein schon deswegen Schweinefleisch isst (neben dem ständigen Hunger, natürlich), damit auf keinen Fall an einem Sabbath alle Juden alle Gebote erfüllen. Denn dies hätte das sofortige Erscheinen des Messias und damit das Weltende zur Folge, ein Geschehen, das Broder auf jeden Fall hinauszögern möchte. Diese zugespitzte Polemik kann man mögen oder auch nicht, kühl lässt sie auf keinen Fall. Kongenial ergänzt wird Broder in diesem Experiment, welches dem Buch zugrunde liegt, durch den höchst integrierten, gerne ein Bier trinkenden, Moslem, der versucht, vom Glauben zum Wissen zu finden, Hamed Abdel-Samad, sachlich, nüchtern, differenziert (wobei es am Ende der Reise nicht ausbleibt, dass Broder hier und da die Polemik zurückfährt, Abdel-Samad im Gegenzug das spitze Wort durchaus zu schätzen gelernt hat). Kreuz und quer durch Deutschland fahren die beiden, mit Abstechern nach Holland und Dänemark, und treffen in unnachahmlicher Weise auf das gesamte Spektrum der eher Unbelehrbarer. Von den Anhängern der NPD über die friedensbewegten Großmütter in Berlin, von der freien Republik Christiania bis zum Oktoberfest (unglaublich, wie Broder mit einer Burka gewandet im Dialog mit moslemischen Jugendlichen religiöse Toleranz einfordert). Vom Moschee Verein zur letzten Enklave aufrechter ehemaliger Stasi Mitarbeiter, von der Friedensradfahrt (auch durch die brutale Diktatur in Weißrussland) bis nach Dachau reichen die Wege der beiden. Wege, auf denen sie auf fast unfassbar einfältige Menschen und Argumentationen treffen, Wege, auf denen sie in ihrem Automobil alles Erlebte in unnachahmlicher Sprache miteinander, natürlich auch gegeneinander, reflektieren. In der Form dialogisch, illustriert, teils bruchstückhaft, in der polemischen Sprache und wirklich unerreichter, aber ungeheuer entspannender Selbstironie des Juden Broder und des Moslem Abdel-Samad ergibt sich hinter all den fast persiflierten Begegnungen dennoch Seite für Seite eine echte Tiefe, die aber eher zu erahnen denn ausgesprochen im Buch vorliegt (wunderbar vor allem das Beispiel mit dem Eiswürfel im Blick auf Integrationsverweigerer, die alle Energie in die Frostung hineinsetzen statt dem Fluss des Lebens selbst nachzugeben und sich im Wasser der Gesellschaft aufzulösen). Eine Tiefe mit ernstem Hintergrund, die in den Nachwörtern der Autoren anklingt, wobei gerade Hamed Abdel-Samad hier Maßstäbe setzt. Denn so verschieden die Gruppen der Friedensbewegten, der jugendlichen Moslems mit „Ehre im Leib“, der ehemaligen Stasi Mitarbeiter oder gar der Neonazis in ihren benannten Zielen auch sein mögen, eines vereint all diese Gruppen. Sie leben isoliert in einer ganz eigenen Welt und nähren einander mit Verschwörungstheorien der Welt da draußen (seien es deutsche freie Sitten, seien es Juden, seien es kriegstreibende Amerikaner). Treffend gelingt es dabei den beiden Autoren, gar nicht groß selbst Wertungen vorzunehmen, sondern die verschiedenen Gesprächspartner und Gruppen sich selber entblößen zu lassen. Das reicht dann von den türkischen Jugendlichen, die stammelnd die Ehre der Schwestern zu erläutern versuchen, bis hin zu den bayerischen Volksbräuchen, bei denen genauso nur gestammelt wird, letztlich. Selten war so gut zu erkennen, wie Abdel-Samad pointiert bemerkt, dass hier ein oft ausgeprägtes Geltungsbedürfnis mit äußerst bescheidenen Begabungen einher geht. Und da all diese Leute auf normalem Wege keine Aufmerksamkeit erlangen können, sind es starre und laute Weltbilder, die jene Aufmerksamkeit dann eben zu erzeugen haben. Zwei äußerst sprachbegabte, im Witz lakonisch-trocken bis zum Zynismus hin orientierte Männer auf einer vergnüglich scheinenden Fahrt in die, letztlich, erschreckenden Abgründe menschlicher und „deutscher“ Beschränktheit, davon kündet dieses Buch. Und es gewinnt ungemein noch durch die gelebte, gezeigte und erfahrbare liberale Haltung der Autoren. Wenn der Moslem Abdel-Samad einen (hier nicht zu zitierenden) Judenwitz knapp von sich lässt und dafür vom Juden Broder beste Haltungsnoten bescheinigt bekommt, dann wird leibhaftig aufgezeigt, wie es viel besser gehen könnte mit jedweder menschlichen Integration zueinander (ja, auch der der Bayern zum Rest der Welt hin). Leider werden die Betroffenen das Buch eher nicht lesen und wenn, dann wahrscheinlich unbelehrbar bleiben. Dem Rest der Leser aber wird diese Fahrt durch die Lande besten Lesegenuss bescheren.

    Mehr
    • 3
  • Rezension zu "Entweder Broder - Die Deutschland-Safari" von Henryk M. Broder

    Entweder Broder - Die Deutschland-Safari
    HeikeG

    HeikeG

    02. January 2011 um 17:43

    Zinswucherer und Bombenleger beim Happy-Holocaust . „Gewisse Vorurteile hat jeder Mensch.“ Davon war Sir Peter Ustinov überzeugt, denn „sonst könnte er nicht einmal seine Koffer packen.“ Ressentiments begleiten unseren Alltag. Unser Leben wird von ihnen geleitet. Jeder hat sie - man selbst natürlich nicht - und sie sind fast unmöglich aus dem Bewusstsein zu löschen. Eng mit einem positiven Selbstbild, mit Eigennutz und Gruppenkonflikten verbunden, bleibt ihr Wahrheitsgehalt allerdings höchst strittig. Vielleicht alles nur eine evolutionsbiologische Einrichtung unserer „grauen Masse“? „Der Mensch ist ein kognitiver Geizkragen“, sagt der Psychologe Lars-Eric Petersen, „er versucht, mit so wenig Denkarbeit wie möglich durch das Leben zu kommen.“ V orurteile können allerdings auch schnell den harmlosen und witzigen Weg verlassen, verletzend werden und negative Auswirkungen haben. . Am 07. November 2010 startete die ARD das politisch wohl inkorrekteste TV-Magazin des Jahres: „Entweder Broder - Die Deutschland-Safari“. Zwei pittoreske Typen - ein polnischer Jude und ein ägyptischer Moslem - begeben sich auf Streifzug durch die deutsche Vorurteilswelt. Das hier besprochene, 190 Seiten starke, im Collage-/Comic-Stil gestaltete „BILD“hafte Büchlein gibt die geführten Gespräche der fünf TV-Folgen, die dem „typisch deutschen Wesen“ auf den Zahn fühlen, wortwörtlich wieder. In 26 kurzen Episoden begleitet der Leser den chronisch rechthaberischen „Groß-Ajatolla der journalistischen Polemik“ Henryk M. Broder und den eher vernunftgeleiteten, sachlich, nüchternen und differenzierten, „entwurzelten Integrationsaraber“ Hamed Abdel-Samad quer durch Deutschland. Mit von der Partie Broders Drahthaar-Foxterrier Wilma. . 30.000 Kilometer absolvierten die beiden Tourenden in ihrem Gefährt: ein schrecklich aufgepimpter Volvo 760 namens Kurt, mit stöhnenden Türen, allerlei Kitsch und Klimbim im Inneren sowie nicht minder abgeschmacktem, nein, künstlerisch bemaltem Äußeren. Sie besuchen Gedenkstätten, Aussteigerkommunen, Moscheen, die Bundeswehr oder Friedenskundgebungen. Da „plaudern“ sie auf einer NPD-Zusammenkunft in Neu-Kölln mit den Anwesenden über Integration, dort hinterfragen sie die Beweggründe einer „Politputze“, die sich auf das Auslöschen von nazionalsozialistischen Graffitischmierereien durch erneutes Übersprühen verschrieben hat. Sie werden vor einer Moschee in Duisburg-Marxloh verjagt oder diskutieren mit ewiggestrigen Ex-DDRlern im Konferenzraum des Verlagshauses „Neues Deutschland“. Als mobiles Mahnmal verkleidet, mischt sich Henryk M. Broder unter die Feiernden am Holocaust-Denkmal in Berlin oder noch schlimmer, mit stilechter Burka aufs Oktoberfest, um dort eine Gruppe von türkischen Jugendlichen in einen sprachlichen Gedankenaustausch zu verwickeln. Broder provoziert, Abdel-Samad schlichtet. Aber nicht alles ist Klamauk und Affront. Auch ernsthafte Gespräche werden geführt, zum Beispiel bei einem Besuch eines Panzerbataillons in Mecklenburg-Vorpommern oder bei Friedenspolitiker Norman Paech. Unterwegs im Auto diskutiert man das Für und Wider. . Alles in Allem ist trotz der schrillen Aufmachung ein nachdenkliches Buch entstanden: böse und heiter, nicht wertend, sondern nachfragend, mit vielfach sich selbst entblößenden Gesprächspartnern. Eine brisante Gradwanderung zwischen Journalismus und Comedy, eine vergnüglich scheinende Fahrt in die Abgründe menschlicher Beschränktheit und die Hochkultur unserer Vorurteilswelt. Doch auch wenn sich Schubladendenken nicht so einfach abschaffen lässt und ein vorurteilsfreies Leben wohl immer Utopie bleiben wird, gibt die „Deutschland-Safari“ immerhin einen kleinen Anstoß, unser Verhalten und unsere Entscheidungen zu überprüfen und sie einmal mehr auf die berühmte Waagschale zu werfen. Denn, und hier möchte ich noch einmal Sir Peter Ustinov zu Wort kommen lassen: „Es spricht vieles dafür, dass in einem leeren Kopf die Vorurteile besonders blühen.“ Das beste Mittel also, sich Zeit zum Denken zu nehmen. Henryk M. Broder und Hamed Abdel-Samad haben einen kleinen Anteil geleistet. Mein Urteil: Gelungen!

    Mehr